Der Wels ist der größte Süßwasserfisch Europas und ein Tier, um das sich seit Jahrhunderten Legenden ranken. Mit seinem breiten, abgeflachten Kopf, den langen Barteln und dem schuppenlosen, schlangenartigen Körper wirkt er wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Tagsüber liegt er verborgen in tiefen Gumpen, unter Wurzeln oder in Uferhöhlen, nachts wird er zum aktiven Jäger, der alles frisst, was in sein riesiges Maul passt. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Wels in vielen europäischen Gewässern stark ausgebreitet und ist heute in Flüssen, Seen und Stauseen weit verbreitet.

Wichtige Eigenschaften des Welses
Der folgende Steckbrief soll Dir einen ersten Überblick über den Wels geben:
| Wissenschaftlicher Name | Silurus glanis |
| Familie | Echte Welse (Siluridae) |
| Größe | meist 100–150 cm, maximal ca. 280 cm |
| Gewicht | 10–50 kg, maximal über 130 kg |
| Lebenserwartung | 30–40 Jahre, Einzelfälle über 60 Jahre |
| Verbreitung | Mittel- und Osteuropa bis zum Kaspischen Meer, eingeführt in West- und Südeuropa |
| Lebensraum | Große Flüsse, Seen, Stauseen, Altarme mit tiefen Gumpen |
| Nahrung | Fische, Krebse, Amphibien, Wasservögel, Kleinsäuger, Aas |
| Fortpflanzung | Mai–Juli, ca. 30.000 Eier pro kg Körpergewicht des Weibchens |
| Sozialverhalten | Einzelgänger, im Winter Gruppen in Wintergruben |
| Kommunikation | Barteln, Seitenlinienorgan, sehr gutes Gehör |
| Besondere Merkmale | 6 Barteln, schuppenlose Haut, extrem lange Afterflosse |
| Rolle im Ökosystem | Spitzenprädator, reguliert Fisch- und Krebsbestände |
| Gefährdung | Nicht gefährdet (IUCN: Least Concern), regional invasiv |
Äußere Merkmale des Welses
Der Wels ist unverwechselbar. Sein Kopf ist breit und flach, das Maul reicht fast über die gesamte Kopfbreite und ist mit Tausenden winziger, nach hinten gerichteter Bürstenzähne besetzt. Diese Zähne halten Beute fest, statt sie zu zerteilen, der Wels verschlingt sie im Ganzen. Am Oberkiefer sitzen 2 lange Barteln, die bei großen Tieren über 30 Zentimeter messen, am Unterkiefer 4 kürzere. Die Augen sind winzig und für die Orientierung fast bedeutungslos. Der Körper ist schuppenlos, von einer dicken Schleimschicht bedeckt und läuft nach hinten seitlich abgeflacht aus. Die Afterflosse erstreckt sich über mehr als die halbe Körperlänge und geht fast nahtlos in die kleine Schwanzflosse über. Die Rückenflosse ist dagegen winzig. Die Färbung reicht von dunkelgrau über olivgrün bis fast schwarz, die Flanken sind marmoriert, der Bauch hell.
Die Größe des Welses ist das, was ihn berühmt macht. In deutschen Gewässern erreichen die meisten Tiere 1 bis 1,5 Meter und 10 bis 50 Kilogramm. Exemplare über 2 Meter sind selten, kommen aber regelmäßig vor, vor allem in Rhein, Po, Ebro und großen Stauseen. Der bislang größte dokumentierte Wels wurde 2023 im italienischen Po gefangen und maß 2,85 Meter. Für Angler ist dieses Gewicht die entscheidende Größe: Ein 50-Kilo-Wels entwickelt bei der Flucht Zugkräfte, die eine falsch gewählte Schnur in Sekunden reißen lassen. Welche Tragkraft eine Schnur für welche Fischart und welches Gewicht braucht, lässt sich mit einem Schnurrechner für die passende Angelschnur ermitteln, der Fischgewicht, Gewässertyp und Schnurmaterial berücksichtigt.
Arten und Verbreitung des Welses
Der Wels ist eine von 2 Arten der Gattung Silurus in Europa. Die zweite, der Aristoteleswels (Silurus aristotelis), lebt ausschließlich in Griechenland und bleibt deutlich kleiner. Weltweit umfasst die Familie der Echten Welse rund 100 Arten, die meisten davon in Asien.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Welses reicht vom Rhein über Donau, Elbe und Oder bis zum Schwarzen, Kaspischen und Aralsee. Ab dem 19. Jahrhundert wurde er als Speise- und Angelfisch in Frankreich, Spanien, Italien und England eingesetzt. Im Ebro und im Po hat er sich zu einer dominanten Art entwickelt, die dort einheimische Fischbestände bedroht. In Deutschland gilt er als heimisch und hat sich in den letzten 30 Jahren durch wärmere Sommer und Besatzmaßnahmen in fast allen größeren Gewässern etabliert.
Lebensraum des Welses
Der Wels bevorzugt warme, nährstoffreiche und langsam fließende Gewässer: Unterläufe großer Flüsse, Altarme, Baggerseen, Stauseen und große Naturseen. Entscheidend sind tiefe Stellen mit Versteckmöglichkeiten. Tagsüber liegt er in Gumpen, unter überhängenden Ufern, in Wurzelwerk, unter Brücken oder in versunkenen Baumkronen. Wassertemperaturen zwischen 20 und 28 °C sind ideal, unter 10 °C stellt er die Nahrungsaufnahme fast vollständig ein.
Kalte, schnell fließende Bäche und Bergseen meidet der Wels. In den letzten Jahrzehnten hat er allerdings auch Gewässer besiedelt, die früher zu kühl waren, ein Effekt der steigenden Wassertemperaturen. Im Winter ziehen sich mehrere Tiere in sogenannte Wintergruben zurück, tiefe, strömungsarme Stellen, in denen sie eng beieinander liegen und kaum aktiv sind.
Verhalten und Kommunikation des Welses
Der Wels ist ein nachtaktiver Einzelgänger. In der Dämmerung verlässt er sein Versteck und patrouilliert entlang von Uferkanten, Krautfeldern und Flachwasserzonen. Er jagt nicht auf Sicht, sondern mit Barteln, Seitenlinienorgan und Gehör. Die Barteln sind mit Geschmacksknospen besetzt und erfassen chemische Spuren im Wasser, das Seitenlinienorgan registriert kleinste Druckwellen von Beutefischen. Über den Weberschen Apparat, eine Knochenkette zwischen Schwimmblase und Innenohr, hört der Wels außerdem deutlich besser als die meisten anderen Fische.
Diese Sinne machen ihn zum effektiven Jäger in trübem Wasser und bei Dunkelheit. Beim Angriff reißt er das Maul auf und erzeugt einen Unterdruck, der die Beute einsaugt. Beobachtungen aus Frankreich zeigen, dass Welse an der Tarn sogar Tauben am Ufer packen, indem sie sich kurz aus dem Wasser werfen. Zur Kommunikation untereinander gibt es wenig Erkenntnisse, bekannt sind Knurr- und Trommellaute, die vor allem in der Laichzeit auftreten.
Fortpflanzung und Aufzucht der Jungtiere des Welses
Die Laichzeit des Welses beginnt, wenn das Wasser 18 bis 20 °C erreicht, in Deutschland meist zwischen Mai und Juli. Das Männchen baut in flachem, pflanzenreichem Wasser eine Laichgrube, indem es Wurzeln und Pflanzen freilegt. Das Weibchen legt dort etwa 30.000 Eier pro Kilogramm Körpergewicht ab, ein 20-Kilo-Weibchen also rund 600.000 Eier. Das Männchen bewacht das Gelege 3 bis 10 Tage bis zum Schlupf und verteidigt es gegen Fressfeinde.
Die Larven sind nach dem Schlupf etwa 7 Millimeter groß und zehren zunächst vom Dottersack. Danach fressen sie Zooplankton, kleine Wirbellose und bald schon Fischbrut. Junge Welse wachsen schnell: Im ersten Jahr erreichen sie 20 bis 30 Zentimeter, mit 4 bis 5 Jahren und etwa 60 Zentimetern werden sie geschlechtsreif. Das Wachstum hält lebenslang an, verlangsamt sich aber mit dem Alter.
Ernährung des Welses
Der Wels ist ein Allesfresser mit Schwerpunkt auf tierischer Nahrung. Junge Tiere fressen Wirbellose, Insektenlarven und kleine Fische. Ausgewachsene Welse jagen Fische aller Art, bevorzugt Weißfische, Barsche und Aale, außerdem Krebse, Frösche, Molche, Wasservögel wie Enten und Blässhühner sowie gelegentlich Bisamratten und andere Kleinsäuger. Aas verschmäht er nicht.
Die Nahrungsaufnahme ist stark temperaturabhängig. Im Sommer frisst ein großer Wels täglich mehrere Kilogramm, im Winter über Wochen nichts. Die Beute wird im Ganzen verschluckt, ein 1,5 Meter langer Wels bewältigt Fische von 40 Zentimetern Länge. Die alte Geschichte, Welse würden Menschen angreifen oder Kinder verschlingen, ist ein Mythos. Belegt sind nur Fälle, in denen Welse Badende an den Beinen berührt oder kurz zugeschnappt haben, meist in der Laichzeit zur Verteidigung des Nests.
Natürliche Feinde des Welses
Ein ausgewachsener Wels hat in Europa keine natürlichen Feinde. Er steht am Ende der Nahrungskette und wird nur vom Menschen gejagt. Junge Welse dagegen sind gefährdet: Hechte, Zander, große Barsche, Aale, Reiher und Kormorane fressen Welsbrut und Jungfische bis etwa 30 Zentimeter Länge. Der hohe Eiverlust in der Laichgrube durch Fische, Krebse und Wasserinsekten sorgt dafür, dass von Hunderttausenden Eiern nur wenige Tiere das Erwachsenenalter erreichen.
Menschliche Einflüsse betreffen den Wels weniger als andere Fischarten. Er profitiert von wärmeren Gewässern, verträgt geringe Sauerstoffgehalte und nutzt vom Menschen geschaffene Strukturen wie Buhnen, Steinpackungen und Stauwehre als Versteck. Gefährdet ist er nur dort, wo Laichplätze in flachen, pflanzenreichen Uferzonen fehlen, etwa an stark ausgebauten Flüssen mit befestigten Ufern.
Beziehung zwischen Mensch und Wels
Der Wels ist seit der Antike als Speisefisch bekannt und wurde in Mitteleuropa früher in Teichen gehalten. Sein Fleisch ist fettreich, grätenarm und wird in Osteuropa geschätzt, in Deutschland spielt es eine Nebenrolle. Deutlich wichtiger ist der Wels heute als Angelfisch. Das Welsangeln ist eine eigene Disziplin mit spezieller Ausrüstung: Ruten mit hohem Wurfgewicht, Rollen mit großer Schnurfassung und Schnüre mit Tragkräften von 30 bis über 100 Kilogramm. Angler aus ganz Europa reisen an Ebro, Po und Rhein, um Tiere über 2 Meter zu fangen.
Der Wels hat dadurch auch eine wirtschaftliche Bedeutung für Angeltourismus und Gerätehersteller. In Deutschland unterliegt er einer Schonzeit, die je nach Bundesland zwischen Mai und Juni liegt, und einem Mindestmaß von meist 60 bis 75 Zentimetern. Gefangene Welse werden von vielen Anglern nach dem Fang und einem Foto wieder zurückgesetzt. In Spanien und Italien dagegen ist der Wels als invasive Art eingestuft, dort ist das Zurücksetzen teils verboten, um die einheimischen Fischbestände zu schützen.
In der Kultur begegnet der Wels als „Waller” oder „Schaidfisch” in Sagen und Ortsnamen. Die Legenden vom menschenfressenden Wels reichen bis ins Mittelalter zurück und leben in Anglerkreisen bis heute weiter, obwohl kein einziger Fall belegt ist.
Fazit & Zusammenfassung zum Wels
Der Wels ist der größte Süßwasserfisch Europas und ein hochspezialisierter Nachtjäger, der sich mit Barteln, Seitenlinienorgan und Gehör statt mit den Augen orientiert. Er lebt in warmen, langsam fließenden Gewässern, frisst Fische, Krebse und Wasservögel und kann über 2,5 Meter lang und mehr als 130 Kilogramm schwer werden. Ausgewachsene Tiere haben keine natürlichen Feinde.
Wenn Du dem Wels begegnen willst, lohnt sich ein Blick in große Flüsse und Stauseen in den Sommermonaten, am ehesten in der Dämmerung an tiefen Uferkanten. Als Angelfisch ist er wegen seiner Größe und Kraft eine Herausforderung, die eine sorgfältig abgestimmte Ausrüstung verlangt. Als Wildtier ist er ein Beispiel dafür, wie sich eine Art durch steigende Wassertemperaturen ausbreitet und dabei in manchen Regionen vom heimischen Räuber zum Problem für andere Arten wird.
