Schmuckhäher

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Schmuckhäher

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Rabenvögel (Corvidae)
Tribus: Corvini
Gattung: Cyanolyca
Art: Schmuckhäher
Wissenschaftlicher Name
Cyanolyca pulchra
(Lawrence, 1876)

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Schmuckhäher (Cyanolyca pulchra) zählt innerhalb der Familie der Rabenvögel (Corvidae) zur Gattung Cyanolyca. Im Englischen wird der Schmuckhäher beautiful jay genannt. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schmuckhäher ist ein dunkel gefärbter Häher und erreicht eine Körperlänge von etwa 27,0 bis 28,0 Zentimeter. Der Rücken ist meist violett-blau und braun gefärbt. Die Unterseite weist eine violette Färbung auf, während die Brust in einem Braunton erscheint. Die Stirn und die Maske sind von einer schwarzen Färbung. Die Krone ist milchig bläulich-weiß. Der Mantel, die Flügel und der Schwanz sind von einer violett-blauen Tönung, jedoch scheint der Mantel in der Färbung variabel zu sein und ist manchmal mit einem dunkelbraunen Schimmer durchzogen. Der Brustkragen bei dieser Art fehlt gänzlich. Der Ruf des Schmuckhäher ist ein gutturales Schmatzen, das mit einigen lauten Notizen wie "chewp" untermalt wird, oft hört man diese in einer Serie.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Schmuckhäher entlang der feuchten Ausläufer und in prämontanen Wäldern an den Hängen des Pazifik nördlich und westlich Kolumbiens bis zum äußersten Süden von Chocó sowie im Nordwesten von Ecuador und südlich bis Pichincha verbreitet. Er hält sich in Höhen von etwa 900 bis 2.300 Metern, meist aber in Höhen zwischen 1.400 und 1.800 Metern auf. Der Schmuckhäher ist selten und lokal lebt er in regenreichen feuchten subtropischen Wäldern, wo dichter Unterwuchs vorhanden ist und bevorzugt besonders Wasserläufe und sumpfige Flächen. In Rio Nambi, Kolumbien, wird die Population mit nur zwei bis drei Paaren auf fünf Quadratkilometer geschätzt. In Ecuador scheint die Zahl aus unbekannten Gründen seit den 1970er Jahren gesunken zu sein. Der Schmuckhäher reagiert empfindlich auf menschliche Störungen und scheint fast ausschließlich von primären Wäldern abhängig zu sein. Die größten Bedrohungen für seinen Lebensraum sind ungeplante Kolonisationen, Straßenbau, massiver Holzeinschlag, Viehweiden, Bergbau und Koka-Anbau sowie das Anlegen von Palmen-Plantagen. Seit 1960 wurden über 40% in Chocó Wälder gerodet und die Entwaldung schreitet immer mehr voran.

Schmuckhäher leben meist in kleinen Familiengruppen oder paarweise. Einzelgängerisch sieht man die Vögel eher selten. Auch die Nahrungssuche erfolgt oftmals in kooperativer Weise. Während der Paarungszeit legen Schmuckhäher eine territoriale Lebensweise an den Tag. Das eigene Revier wird dabei von allen Mitgliedern einer Gruppe verteidigt. Schmuckhäher halten sich überwiegend in Bodennähe auf, die Jagd erfolgt jedoch von einer Ansitzwarte aus. Sie sind sesshafte Vögel und bleiben daher ganzjährig in ihren Brutgebieten.

Verbreitung

Colombian Cordillera
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Colombian Cordillera

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Schmuckhäher in Kolumbien und Ecuador verbreitet. Der Schmuckhäher bewohnt subtropische und tropische feuchte Tieflandwälder sowie subtropische und tropische feuchte Montanwälder.

Ernährung

Schmuckhäher gehören zu den opportunistischen Allesfressern. Auf ihrer Speisekarte stehen neben größeren Insekten (Insecta) auch kleine Säugetiere (Mammalia), Reptilien (Reptilia), kleine Vögel (Aves) und Nestlinge. Schmuckhäher sind Ansitzjäger, die erst nach Erspähen eines Beutetieres einen Angriff starten. Beutetiere werden in der Regel am Boden erbeutet. Vogelnester werden jedoch auch in Bäumen und Sträuchern geplündert. Die Nahrungssuche erfolgt entweder einzelgängerisch oder kooperativ in kleinen Gruppen.

Fortpflanzung

Schmuckhäher erreichen die Geschlechtsreife mit gut einem Jahr und gehören zu den kooperativen Brütern. Sie legen sowohl eine polygame als auch monogame Lebensweise an den Tag. Üblich ist ein brütendes Pärchen, dem sich andere Familienmitglieder als Bruthelfer anschließen. Dabei handelt es sich meist um Nichtbrüter aus einem früheren Gelege. Es kann jedoch auch vorkommen, dass sich zwei Pärchen zusammenschließen oder ein Männchen einen Kleinstharem von zwei Weibchen für sich beansprucht. Im letzten Fall legen beide Weibchen ihre Eier in ein Nest.
Tropische Küstenregion bei Agua Blanca
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Tropische Küstenregion bei Agua Blanca
Egal wie sich eine Gruppe zusammensetzt, sie legen gegenüber Artgenossen und Eindringlingen ein aggressives Territorialverhalten an den Tag. Als Bruthabitat dienen meist lichte Wälder. Die Nester entstehen in mittlerer Höhe von vier bis fünf Meter über dem Boden in Astgabeln von Bäumen oder größeren Sträuchern. Das napfartige Nest besteht überwiegend aus Reisig, kleinen Ästen sowie Wurzelfasern. Der Nestbau erfolgt ausschließlich durch das Weibchen. Nach der Kopulation legt das Weibchen zwischen drei und fünf Eier, die vom Weibchen alleine über einen Zeitraum von rund 21 Tagen ausgebrütet werden. Während dieser Zeit wird das Weibchen vom Männchen und den Bruthelfern mit Nahrung versorgt. Die Nestlingszeit der Küken erstreckt sich über 30 bis 32 Tage. Der Nachwuchs wird von der gesamten Gruppe mit Nahrung versorgt.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN kommt diese lokale Art sehr selten vor und bewohnt die unberührten Primärwälder in einem kleinen Bereich. Aufgrund von Lebensraumvernichtung ist die Art wahrscheinlich rückläufig und steht daher auf der Vorwarnliste und sollte sorgfältig überwacht werden.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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