Schuppentiere

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Schuppentiere
Riesenschuppentier (Manis gigantea)

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Schuppentiere
Wissenschaftlicher Name
Pholidota
Weber, 1904

Schuppentiere (Pholidota) bilden innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) eine eigene Ordnung. Die 7 rezente Arten werden in einer monogenerischen Familie geführt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Entwicklung

Während des Eozän kamen Vertreter der frühen Schuppentiere auch in Europa vor. Die Fossilien, die in der Grube Messel bei Darmstadt gefunden wurden, weisen ein Alter von rund 30 bis 40 Millionen Jahren auf. Zu den beiden Arten, die in der Grube Messel gefunden wurden, gehören Eomanis krebsi und Eomanis waldi. Beide Arten ähneln im Wesentlichen den rezenten Arten, jedoch war der Schwanz unbeschuppt. Weitere ausgestorbene Taxa sind Cryptomanis, Necromanis und Patriomanis. Necromanis lebte im Miozän vor 23 bis 5 Millionen Jahren im heutigen Westeuropa. Stammesgeschichtlich stammt Necromanis von Eomanis ab. Aufgrund von DNA-Sequenzanalysen werden Schuppentiere heute der Überordnung Laurasiatheria gestellt. Schuppentiere weisen ein direktes Verwandtschaftsverhältnis mit Raubtieren (Carnivora) auf. Beide Ordnungen werden daher als Ferae zusammengefasst. Die nächsten Verwandten des Taxon Ferae sind die Unpaarhufer (Perissodactyla), also Nashörner (Rhinocerotidae), Tapire (Tapiridae) und Pferde (Equidae).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Präparat eines Steppenschuppentieres (Manis temmincki)
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Präparat eines Steppenschuppentieres (Manis temmincki)

Schuppentiere erreichen je nach Art und Geschlecht eine Körperlänge von 30 bis 85 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 55 bis 80 Zentimeter sowie ein Gewicht von 1,2 bis 33 Kilogramm. Männchen sind artabhängig zwischen 10 und 50 Prozent größer und schwerer als Weibchen. Die kleinste Art ist das Schwarzbauchschuppentier (Manis tetradactyla), die größte Art ist das Riesenschuppentier (Manis gigantea). Ein besonderes markantes Merkmal ist die dachziegelartige Beschuppung der Schuppentiere. Die einzelnen Schuppen sind Ausstülpungen der Lederhaut, die von einer Schicht Oberhaut überzogen ist. Die Beschuppung bedeckt fast den ganzen Körper und ist nur am Bauch und an den Innenseiten der Extremitäten nicht zu finden. Schuppentiere haben sich in Bezug auf ihre Nahrung stark spezialisiert. Mit der extrem langen und schmalen Zunge angeln sie nach Ameisen und Termiten, die einzeln vom Substrat abgelesen werden oder direkt aus Nestern holen. Das Riesenschuppentier verfügt von allen Schuppentieren über die längste Zunge. Sie kann eine Länge von 40 Zentimeter erreichen. Insgesamt erreicht die Zunge eine Länge von 70 Zentimeter, wobei die Zunge im Maul auf einer Scheide sitzt, die im Beckenbereich ansetzt. Der Schädel ist einfach konstruiert und verfügt weder über ein Gebiss noch über eine Kaumuskulatur. Die aufgenommene Nahrung wird erst im hoch spezialisierten Hornmagen zerrieben. Er ist insgesamt konisch geformt und läuft zur Schnauze hin spitz zu. Die Ohrmuscheln sind entweder nur rudimentär vorhanden oder fehlen völlig. Die kleinen Augen liegen leicht seitlich am Schädel und sind durch verdickte Lider vor den Bissen von Ameisen und Termiten geschützt. Geschützt sind auch die Nasenlöcher. Sie können durch Muskeln verschlossen werden. Alle Schuppentiere zeichnen sich durch kurze aber kräftige Beine aus. Die jeweils 5 Zehen an jeder Pfote sind mit kräftigen Krallen versehen. Die 3 mittleren Krallen können eine Länge von 5,5 bis 7,5 Zentimeter erreichen.

Der Schwanz der in Bäumen lebenden Arten, insbesondere der Arten Weißbauchschuppentier (Manis tricuspis) und Schwarzbauchschuppentier (Manis tetradactyla), ist sehr lang und kräftig ausgeprägt. Der Schwanz dieser Arten weist zwischen 46 und 47 Schwanzwirbel auf. Dies ist in der Klasse der Säugetiere ein Rekord. Die Unterseite der Schwanzspitze ist nackt und dient als Tastorgan. Beide Arten gelten als ausgezeichnete Kletterer und sind in der Lage senkrecht einen Baumstamm empor zu klettern. Beim Klettern dient der Schwanz als Stütze. Die am Boden lebenden Arten sind insgesamt größer und sind nicht zum Klettern in der Lage. Sie halten sich während ihrer Ruhephase in den Erdbauten anderer Tiere auf. Droht einem Schuppentier Gefahr, so rollen sie sich kugelartig ein, so dass der gesamte Körper durch die harten Schuppen geschützt ist.
Präparat eines Weißbauchschuppentier (Manis tricuspis)
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Präparat eines Weißbauchschuppentier (Manis tricuspis)
Schuppentiere bewegen sich eher langsam durch ihren Lebensraum. Hauptgrund hierfür sind die überdimensionalen Grabkrallen, die eine schnelle und zügige Bewegung verhindern. Sie gehen förmlich auf den Hand- bzw. Fußgelenken. Dennoch können die Tiere Laufgeschwindigkeiten von bis zu 5 km/h erreichen. Einem Fleischfresser oder einem Menschen können sie mit dieser Geschwindigkeit jedoch nicht entkommen. Die 3 asiatischen Arten der Schuppentiere unterscheiden sich von den afrikanischen Vertretern durch die behaarten Ansätze der Körperschuppen.

Lebensweise

Schuppentiere leben strikt einzelgängerisch. Man sieht allenfalls Weibchen in Begleitung ihres Nachwuchses. Die Kommunikation untereinander erfolgt ausschließlich über den olfaktorischen Sinn. Der Sehsinn ist hingegen nur mäßig bis schlecht ausgeprägt. In ihrem Streifrevier setzen Schuppentiere Duftmarken (Urin und ein Sekret aus analen Drüsen), die zum einen das Revier markieren und zum anderen die eigene Anwesenheit verkünden. Schuppentiere gehen sich in der Regel aus dem Weg. Die Reviermarkierung erfolgt üblicherweise an markanten Stellen im Revier wie beispielsweise an Bäumen und Sträuchern. Die Duftmarken vermitteln neben der Dominanz auch den Sexualstatus. Geschlechtspartner finden demnach über den olfaktorischen Sinn zueinander. Schuppentiere sind recht schweigsame Tiere. Die wenigen Laute die sie produzieren, sind ein Schnaufen und Fauchen. Eine Sozialfunktion lässt sich von den Lautäußerungen jedoch nicht ableiten.

Schuppentiere sind überwiegend in der Nacht aktiv und verbringen den Tag über in ihren Höhlen oder in Bäumen. Die Höhlensysteme graben sie mit ihren kräftigen Klauen selbst oder übernehmen Baue von anderen Tiere. Je nach Art können die Gänge durchaus 2 bis 5 Meter unter die Erde führen. DIe Gänge weisen dabei einen Winkel von 20 bis 40 Grad in die Erde auf. Die Gänge enden in einen geräumigen Wohnkessen. Hier bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt.

Verbreitung

Schuppentiere kommen in Afrika und Asien vor. In Afrika reicht das Verbreitungsgebiet von West- über Zentral- bis nach Ost- und Südostafrika. In Asien erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von Indien bis ins südlichen China und südlich bis nach Sumatra und Borneo. Es werden zahlreiche Lebensräume besiedelt, die vom tropischen Regenwald, über Dornbuschwäldern bis in offene Savannen reichen. Zwei afrikanische Arten halten sich überwiegend in Bäumen auf. Die anderen Arten leben am Boden. Schuppentiere kommen sowohl in der Ebene als auch in Höhenlagen von oberhalb 1.500 Metern in Bergwäldern vor.

Prädatoren

Prädator: die Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta)
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Prädator: die Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta)

Schuppentiere haben im Grunde nur sehr wenige Feinde. Ihr Schuppenpanzer schützt sie effektiv vor den meisten Fleischfressern. Allenfalls ein Leopard (Panthera pardus) oder Hyänen (Hyaenidae) sind in der Lage den Schuppenpanzer aufzubrechen. Bei Gefahr rollen sich Schuppentiere kugelartig zusammen.

Ernährung

Schuppentiere ernähren sich ausschließlich von Ameisen (Formicoidea) und Termiten (Isoptera). Sie fressen sowohl die Eier als auch juvenile und adulte Tiere. Je nach Art verspeisen Gürteltiere bis zu 200.000 Ameisen pro Tag. Dies entspricht einem Gewicht von etwa 700 Gramm. Bei den meisten Arten, insbesondere den asiatischen Arten, ist die aufgenommene Nahrung nur wenig erforscht. Gut erforscht ist hingegen die Ernährung der afrikanischen Arten wie beispielsweise dem Steppenschuppentier (Manis temmincki). Auf seiner Speisekarte stehen insbesondere Vertreter der Ameisen-Gattungen Acanthophis, Myrmicania, Tapenonia, Technomyremex, Paltothyreus tarsatus, Monsmorium, Anoplepsis, Rossameisen (Camponotus), Schuppenameisen (Formicinae) wie Polyrhachis sowie Knotenameisen (Myrmicinae) wie Crematogaster und Pheidole. An Termiten werden Vertreter der Gattungen Odontotermes und Trinervitermes gefressen. Die Erkenntnisse beruhen auf Magenanalysen gefangener oder toter Tiere. Die Nahrungssuche erfolgt artabhängig am Boden oder in den Bäumen. Mit den kräftigen Krallen sind Schuppentiere in der Lage die harten Bauten von Termiten aufzubrechen. Die Beutetiere werden mit den Zunge aufgenommen und umgehend in den Schlund befördert. Im Maul selbst erfolgt keine Vorverdauung oder Zerkleinerung. Dies erfolgt erst im Hornmagen der Tiere, wo Beutetiere förmlich zerrieben werden. Schuppentiere können einige Tage ohne Nahrung auskommen. Das Chinesische Schuppentier kann beispielsweise im Winter 5 bis 7 Tage, im Sommer bis zu 10 Tage fasten.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit rund 1,5 bis 2 Jahren erreicht. Die Paarungszeit ist in den meisten Regionen nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden. In subtropischen und tropischen Regionen zeigt sich eine Häufung der Würfe in der Regenzeit. In gemäßigten Regionen erstreckt sich die Paarungszeit über das Frühjahr. Aufgrund der einzelgängerischen Lebensweise treffen die Geschlechter nur zur Paarung aufeinander und trennen sich nach der Kopulation wieder. Die Aufzucht des Nachwuchses erfolgt daher ausschließlich durch die Weibchen. Die Tragezeit erstreckt sich je nach Art über 65 bis 139 Tagen. Die Weibchen der afrikanischen Arten bringen meist nur 1 Jungtier zur Welt, Zwillingsgeburten sind jedoch dokumentiert. Bei den asiatischen Arten liegt die Wurfgröße zwischen 2 und 3 Jungtiere. Die Jungtiere weisen eine durchschnittliche Länge von 20 bis 25 Zentimeter sowie ein 200 bis 500 Gramm auf. Der Nachwuchs kommt weit entwickelt zur Welt. Die Augen sind bereits geöffnet und die Beschuppung ist, wenn auch noch sehr weich, vorhanden. Die Jungtiere der baumbewohnenden Arten klammern sich am Schwanz der Mutter fest. Die Säugezeit endet artabhängig nach 2 bis 3 Monaten. Die Lebenserwartung in Freiheit ist unbekannt, in Gefangenschaft konnte eine Lebenserwartung von bis zu 13 Jahren nachgewiesen werden.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Schuppentiere werden sowohl in Afrika als auch in Asien stark bejagt. Der Grund ist jedoch unterschiedlicher Natur. In Afrika stellt die einheimische Bevölkerung den Tieren wegen des Fleisches nach. In Asien sind die Schuppen Ziel der Wilderer. Die Schuppen finden in der traditionellen asiatischen „Medizin“ und als Aphrodisiakum Verwendung. Trotz der starken Bejagung wird keine der 7 Arten in der Roten Liste der IUCN als gefährdet geführt. 3 asiatische Arten, insbesondere das Vorderindische Schuppentier (Manis crassicaudata), das Malaiische Schuppentier (Manis javanica) und das Chinesische Schuppentier (Manis pentadactyla) sowie die afrikanische Art, das Steppenschuppentier (Manis temmincki) stehen jedoch auf der Vorwarnliste und werden als NT, Near Threatened, geführt. Neben der Bejagung stellt auch die Vernichtung der natürlichen Lebensräume ein großes Problem dar.

Systematik der Schuppentiere

Ordnung: Schuppentiere (Pholidota)

Familie: Schuppen- und Tannenzapfentiere (Manidae)
Gattung: Manis
Untergattung: Smutsia
Art: Riesenschuppentier (Manis gigantea)
Art: Steppenschuppentier (Manis temmincki)
Untergattung: Uromanis
Art: Schwarzbauchschuppentier (Manis tetradactyla)
Untergattung: Phataginus
Art: Weißbauchschuppentier (Manis tricuspis)
Untergattung: Paramanis
Art: Malaiisches Schuppentier (Manis javanica)
Untergattung: Manis
Art: Chinesisches Schuppentier (Manis pentadactyla)
Art: Vorderindisches Schuppentier (Manis crassicaudata)

Anhang

Literatur und Quellen

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