Pazifische Sumpfschildkröte

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Pazifische Sumpfschildkröte

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)
Unterfamilie : Emydinae
Gattung: Pazifische Sumpfschildkröten (Actinemys)
Art: Pazifische Sumpfschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Actinemys marmorata
Baird & Girard, 1852

IUCN-Status
Vulnerable (VU) - IUCN

Die Pazifische Sumpfschildkröte (Actinemys marmorata) zählt innerhalb der Familie der Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae) zur Gattung der Pazifischen Sumpfschildkröten (Actinemys). Im Englischen wird diese Sumpfschildkröte Pacific Pond Turtle oder Western Pond Turtle genannt. Ursprünglich wurde die Pazifische Sumpfschildkröte in der Gattung Clemmys als Clemmys marmorata geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Pazifische Sumpfschildkröte erreicht je nach Unterart und Vorkommen eine durchschnittliche Carapaxlänge von 13 bis 17 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 1.200 Gramm. <3> Rekordlängen von bis zu 21 Zentimeter sind selten aber verbürgt (Holland, 1994). <1> Die Geschlechter weisen keinen nennenswerten Dimorphismus auf, weder in der Größe noch in der Färbung. Der Schwanz ist bei beiden Geschlechtern gleich lang, beim Männchen ist der Schwanz an der Wurzel etwas breiter geformt. Der ungekielte und recht breite Carapax weist eine leicht ovale Form auf und ist relativ flach. Die einzelnen dorsalen Schilde zeigen ein marmoriertes Muster. Auf diese Eigenschaft verweist auch der wissenschaftliche Name marmorata. Die Färbung des Rückenpanzers variiert von hell- bis dunkelbraun oder olivbraun. Der Plastron präsentiert sich in einer schmutzig gelblichen Färbung und zeigt im wesentlich keine Zeichnung oder Musterung. Beim Männchen ist der Plastron leicht konkav geformt. Die Extremitäten sowie der Kopfbereich weisen eine olivbraune Färbung auf. Hier und da zeigen sich in diesem Bereich auch schwach entwickelte gelbliche bis orangene Markierungen und Muster, die in der Regel dunkel eingefasst sind. Die Iris der Augen ist gelblich gefärbt. <2>

Lebensweise

Die saisonale und tägliche Aktivität der Pazifischen Sumpfschildkröte richtet sich nach dem Verbreitungsgebiet, dem Lebensraum und den klimatischen Bedingungen. Während der kalten Jahreszeit halten die Schildkröten eine mehrmonatige Winterruhe. Sie erstreckt sich je nach Verbreitungsgebiet von Oktober bis März. In nördlichen Regionen dauert die Winterruhe für gewöhnlich einige Wochen länger. Im Frühjahr tauchen sie meist ab Wassertemperaturen von 12 bis 15 Grad Celsius auf. In den frühen Morgenstunden kann man die Pazifischen Sumpfschildkröten oft an exponierten Stellen beim Sonnenbaden beobachten. Als poikilotherme (wechselwarme) Tiere können sie ihre Körpertemperatur nicht selbständig halten und benötigen daher Sonnenwärme. Pazifische Sumpfschildkröten sind recht standorttreu. Sie unternehmen allenfalls Wanderungen von wenigen Hundert Metern.

Unterarten

Verbreitung

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Das Verbreitungsgebiet der Pazifischen Sumpfschildkröte erstreckt sich über die Pazifikküste von Oregon, USA bis nach Baja California, Mexiko. Kleinere Populationen wurden aber auch schon in British Columbia, Kanada gefunden. Zu den bevorzugten Lebensräumen zählen Bäche, Flüsse und größere Ströme. Langsam fließendes Wasser und eine ausreichende Ufervegetation wird dabei bevorzugt. Ins Wasser reichende Äste oder aus dem Wasser ragende Steine dienen den Schildkröten als Ruhepunkte und zum Sonnenbaden. Pazifische Sumpfschildkröten kommen sowohl in der Ebene als auch in Höhenlagen bis in Höhen von rund 1.500 Metern vor.

Frühe fossile Funde stammen aus dem Pliozän, einer Epoche aus dem Neogen. Sie wurden sowohl in Oregon als auch in Kalifornien gefunden und weisen ein Alter von zwei bis vier Millionen Jahren auf. Die Funde wurden aus Clemmys hesperia klassifiziert. Clemmys hesperia ist wahrscheinlich der unmittelbare Ahne von Actinemys marmorata. <4>

Prädatoren

Pazifische Sumpfschildkröten stehen auf der Speisekarte zahlreicher Fleischfresser. Adulte und juvenile Schildkröten werden insbesondere von Nordamerikanischen Waschbären (Procyon lotor), Kojoten (Canis latrans), Graufüchsen (Urocyon cinereoargenteus), Amerikanischen Schwarzbären (Ursus americanus), Nordamerikanischen Fischottern (Lutra canadensis), Rotfüchsen (Vulpes vulpes), Kanadischen Bibern (Castor canadensis), Nutrias (Myocastor coypus) und Amerikanischen Nerzen (Mustela vison) gefressen. <5>

Den Schlüpflingen stellen vor allem Amerikanische Ochsenfrösche (Rana catesbeiana), Fischadler (Pandion haliaetus), Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus), Forellenbarsche (Micropterus salmoides), Zweistreifen-Strumpfbandnattern (Thamnophis hammondii), Riesen-Strumpfbandnattern (Thamnophis gigas), Kanadareiher (Ardea herodias), Nachtreiher (Nycticorax nycticorax), Steinadler (Aquila chrysaetos) und Rotschulterbussarde (Buteo lineatus) nach. Je nach Verbreitungsgebiet werden Pazifische Sumpfschildkröten auch von verschiedensten Parasiten befallen. Dazu gehören beispielsweise Saugwürmer (Trematoda), Fadenwürmer (Nematoda) und Egel (Hirudinea). <6>

Ernährung

Die Pazifische Sumpfschildkröte ist ein opportunistischer Nahrungsgeneralist. Sie ernährt sich sowohl von tierischer als auch von pflanzlicher Nahrung. Der Anteil an pflanzlicher Nahrung ist jedoch eher gering. Zur tierischen Nahrung gehören beispielsweise die Larven von Wasserinsekten (Insecta), Krebstiere (Crustacea) wie Kiemenfußkrebse (Branchiopoda), Daphnien (Daphnia) und Flusskrebse (Astacoidea). Aber auch Ringelwürmer (Annelida) und Amphibien (Amphibia) sowie deren Eier und Larven stehen weit oben auf der Speisekarte. Aas wird ebenfalls nicht verschmäht. An pflanzlicher Kost werden beispielsweise Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia) und Teichrosen (Nuphar). Jungtiere ernähren sich in der ersten Zeit ausschließlich von tierischer Kost. Erst sehr viel später nehmen sie auch pflanzliche Kost zu sich. <6>

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit einer Carapaxlänge von etwa 11 bis 12 Zentimeter erreicht. Dies entspricht einem Alter von rund acht Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich für gewöhnlich vom späten Frühjahr bis in den Sommer hinein. Nicht selten kommt es während dieser Zeit zu zwei Gelegen. Weibchen legen in der Regel jedes Jahr Eier. Die Balz und die eigentliche Kopulation findet unter Wasser statt. Das Weibchen gräbt kurz vor der Ablage der Eier im lockeren Sand eine bis zu 10 Zentimeter tiefe Grube. Der ausgewählte Platz befindet sich in einer Entfernung von bis zu 100 Meter vom Ufer entfernt, ist sonnig und vor Überschwemmungen sicher. Eine Überschwemmung hätte eine Fäule und das Absterben der Embryos in den Eiern zur Folge. Je nach Alter und Ernährungszustand legt das Weibchen zwischen zwei und zwölf Eier. Ein durchschnittliches Gelege besteht aus vier bis sieben Eiern. Ein Ei weist eine Länge von 31 bis 38 Millimeter, eine Breite von 20 bis 24 Millimeter sowie ein Gewicht von 8 bis 10 Gramm auf. Eine Brutpflege wird nicht betrieben. In Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur schlüpfen die Jungtiere nach durchschnittlich 73 bis 132 Tagen. <7> Die Schlüpflinge weisen eine Carapaxlänge von 25 bis 31 Zentimeter sowie ein Gewicht von 3 bis 7 Gramm auf. Pazifische Sumpfschildkröten wachsen sehr langsam. Im Schnitt wachsen sie bis zur Geschlechtsreife 3,3 Millimeter pro Monat. Unter günstigen Umständen liegt die Lebenserwartung der Pazifischen Sumpfschildkröte bei 30 bis 40 Jahren. In Gefangenschaft ist eine Lebenserwartung von über 50 Jahren möglich.

Gefährdung und Schutz

Die Pazifische Sumpfschildkröte gilt heute als bedroht. Sie wird in der Roten Liste der IUCN als vulnerable geführt. Die Hauptgründe für die Gefährdung sind hauptsächlich in der Vernichtung der natürlichen Lebensräume zu suchen. Vor allem die Trockenlegung von Sumpfgebieten und die Bebauung von Flussufern stellen große Gefahren dar. Aber auch die intensiv betriebene Landwirtschaft mit der einhergehenden Ausbringung von Pestiziden schaden den Populationen nachhaltig. Gifte werden dabei vor allem über die Nahrung aufgenommen und schädigen das Erbgut nachhaltig. Der Schwund in den Populationen durch natürliche Fleischfresser spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle. In Gewässern, wo Fischfang betrieben wird, verfangen sich nicht selten Schildkröten in den Fischernetzen. Hierbei ertrinken die Tiere qualvoll. Die Bejagung durch den Menschen spielt heute keine Rolle mehr, da jegliche Bejagung verboten wurde. Neben den hausgemachten Gefährdungsfaktoren stellen auch natürliche Faktoren eine Bedrohung dar. Dazu gehören vor allem längere Dürreperioden, Überschwemmungen der Nistplätze, Krankheiten und Feuer dar.

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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