Große Achatschnecke

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Große Achatschnecke

Systematik
Klasse: Schnecken (Gastropoda)
Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
Unterordnung: Landlungenschnecken (Stylommatophora)
Überfamilie: Achatinoidea
Familie: Afrikanische Riesenschnecken (Achatinidae)
Unterfamilie: Achatininae
Gattung: Achatina
Art: Große Achatschnecke
Wissenschaftlicher Name
Achatina fulica
Bowdich, 1822

Die Große Achatschnecke (Achatina fulica), auch unter den Synonymen Cochlitoma fulica und Helix fulica sowie unter der Bezeichnung Ostafrikanische Riesenschnecke bekannt, zählt innerhalb der Familie der Afrikanischen Riesenschnecken (Achatinidae) zur Gattung Achatina. Im Englischen wird die Große Achatschnecke east african land snail oder giant african land snail genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die durchschnittliche Höhe des Gehäuses beträgt etwa 7,0 bis 10,0 Zentimeter und weist eine Körperlänge von etwa 18,0 bis 20,0 Zentimeter oder mehr auf. Die Große Achatschnecke kann ein Gewicht von etwa 500,0 Gramm erreichen. Im Südosten Brasiliens erreicht sie eine Körperlänge von etwa 10,0 Zentimeter und ein Gesamtgewicht von etwa 100,0 Gramm. Das Gehäuse weist eine konische Form auf und ist doppelt so hoch wie breit. Die Kegel-Windungen am Gehäuse können entweder im Uhrzeigersinn (linksseitig) oder gegen den Uhrzeigersinn (dextral) gerichtet sein. Obwohl die dextrale Kegel-Windung die häufigere ist. Die Färbung des Gehäuses ist sehr variabel und ist abhängig von der Ernährung. Typischerweise die Farbe Braun vorherrschend und das Gehäuse ist in der Regel geändert. Die jungen Schnecken weisen die gleichen Gehäuse-Eigenschaften auf wie die Erwachsenen.

Lebensweise

Die Große Achatschnecke ist hauptsächlich nachtaktiv, jedoch bei nassem Wetter verkriecht sie sich. In der Regel verbringt sie die meiste Zeit Tages vergraben in der Erde in abgelegenen Orten und ist nach Sonnenuntergang nur für zwei Stunden aktiv. Studien haben ergeben, dass die Große Achatschnecke über ein Langzeitgedächtnis verfügt. Sie ist in der Lage, Nahrungsquellen zu merken und zu ihnen wieder zurückzukehren.
Große Achatschnecke
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Große Achatschnecke
Die jungen Schnecken sind mobiler und legen im Laufes des Tage lange Stecken zurück. In der Regel kehren die Jungschnecken nicht wieder an die gleiche Stelle zurück. Die ausgewachsenen Schnecken kehren immer wieder an den gleichen Ort zurück, wo sie es vorziehen, sich auszuruhen. Auf der Suche nach Nahrung entfernen sie sich nicht mehr als fünf Meter. Unter ungünstigen Bedingungen kann die Große Achatschnecke bis zu 12 Monate überwintern. Sie kann bei 9 bis 29 Grad Celsius aktiv sein. Die Große Achatschnecke kann auch bei Temperaturen um die 2 Grad Celisus überleben.

Unterarten

  • Achatina fulica fulica - Bowdich, 1822
  • Achatina fulica rodatzi - Dunker, 1852
  • Achatina fulica sinistrosa - Grateloup, 1840
  • Achatina fulica umbilicata - Nevill, 1879

Verbreitung

Ursprünglich stammt die Große Achatschnecke aus Ostafrika(Kenia und Tansania) und Madagaskar, aber durch den Tierhandel fand die Große Achatschnecke in der ganzen Welt eine weite Verbreitung. In Afrika gilt sie als Delikatesse und als Proteinquelle. Im Jahr 1931 wurde sie das erste Mal in Xiamen in China gesichtet.
Große Achatschnecke
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Große Achatschnecke
Dann wurde sie auch auf den Pratas-Inseln, Taiwan, in ganz Indien, auf den Inseln im Indischen Ozean sowie auf den Westindischen Inseln und auf den Inseln im Pazifik gefunden. In den Vereinigten Staaten, in Floria sowie auf Hawaii wurde die Große Achatschnecke ebenfalls entdeckt. Vor kurzem wurde die Große Achatschnecke in Bhutan ((Gyelposhing, Mongar) als invasive Art beoabachtet. Dort hält sie sich auf landwirtschaftlichen Flächen und in Blumengärten auf. Im Allgemeinen lebt die Große Achatschnecke in den feuchten Tropen. In den gemäßigten Klimazonen hat sie sich etabliert und an vielen Orten wurde sie illegal ausgewildert und kommt im Küstenland, in natürlichen und bepflanzten Wäldern sowie im Bereich der Uferzonen, im Buschland, in Stadtgebieten und in Feuchtgebieten vor. Ein einzelnes trächtiges Weibchen kann eine große Kolonie bilden.

Ernährung

Die Große Achatschnecke ist ein makrophytophager Pflanzenfresser. Sie weist ein breites Nahrungsspektrum wie Obst und Gemüse auf. Gegelentlich nimmt sie auch Sand, sehr kleine Steine, Knochen von Kadavern und sogar Beton als Kalzium-Quelle für das Gehäuse zu sich. In seltenen Fällen verzehren sich die Schnecken gegenseitig. In Gefangenschaft kann die Große Achatschnecke auch mit Getreideprodukten wie Brot gefüttert werden. Auch Kekse und Hühnerfutter werden von ihr gerne angenommen. Obst und Gemüse müssen sorgfältig gewaschen werden, da sie sehr empfindlich auf Pestizide reagiert. Ferner benötigt die Große Achatschnecke Sepiaschalen für das Wachstum des Gehäuses. Des Weiteren dient Hefe vom Bier als Wachstumsimpuls. Die Große Achatschnecke benötigt etwa 18,28 Prozent Rohprotein während des Wachstums.

Eier der Großen Achatschnecke
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Eier der Großen Achatschnecke

Fortpflanzung

Die Große Achatschnecke zählt zu den Hermaphroditen, das heißt, jede einzelne hat sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Mit einer geringen Populationsdichte ist auch eine Selbstbefruchtung möglich, aber dies ist ziemlich selten. Bei einer Kopulation von zwei Schnecken gleicher Größe kommt es zu einer bilateralen Befruchtung. Wenn die Schnecken unterschiedlicher Größe sind, dann dient nur die größere als Weibchen, da die Entwicklung der Eier einen großen Aufwand an Energie erfordern. Die Schnecke kann für zwei Jahre nach der Paarung Spermien speichern, um später die reifen Eizellen zu befruchten. Die Zahl der Eier in einem Gelege kann etwa 200, in einigen Fällen sogar bis zu 300 Eier betragen. Eine Schnecke produziert pro Jahr fünf bis sechs Gelege. Die Größe eines Eies beträgt 4,5 bis 5,5 Millimeter. Die Eier weisen eine weiße Färbung auf und haben eine ziemlich dicke Schale. Die Entwicklung von Embryonen ist bei einer Temperatur von 15 Grad Celsius möglich und dauert mehrere Stunden bis 17 Tage. Die Neugeborenen verzehren gleich die Reste von ihrem eigenen Ei. Die Große Achatschnecke erreicht die Geschlechtsreife je nach Klimabedingungen in einem Alter von 6 bis 15 Monaten. Sie lebt fünf bis sechs oder sogar 10 Jahre. Die Große Achatschnecke wächst die ganze Zeit des Lebens, aber nach den ersten zwei Jahren des Lebens verlangsamt sich die Wachstumsrate.

Juvenile Große Achatschnecken
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Juvenile Große Achatschnecken

Parasiten

Die Große Achatschnecke wird von zahlreichen Parasiten besucht, darunter zählen unter anderem:

  • Aelurostrongylus abstrusus - Lungenwürmer bei Katzen
  • Angiostrongylus cantonensis - verursacht eosinophile Meningoenzephalitis
  • Angiostrongylus costaricensis - verursacht Bauchschmerzen Angiostrongyliasis
  • Schistosoma mansoni - verursacht Bilharziose, im Stuhl erkannt
  • Trichuris spp. - im Stuhl erkannt
  • Hymenolepis spp. - im Stuhl erkannt
  • Strongyloides spp. - im Kot und in der Schleimsekretion erkannt

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Rupert Riedl, Prof. Dr Erich Thenius: Weichtiere Stachelhäuter. Dritter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2
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