Meerechse

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Meerechse

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Echsen (Lacertilia)
Familie: Leguane (Iguanidae)
Gattung: Meerechsen (Amblyrhynchus)
Art: Meerechse
Wissenschaftlicher Name
Amblyrhynchus cristatus
Bell, 1825

IUCN-Status
Vulnerable (VU) - IUCN

Die Meerechse (Amblyrhynchus cristatus) gehört innerhalb der Familie der Leguane (Iguanidae) zur Gattung der Meerechsen (Amblyrhynchus). Charles Darwin bezeichnete die Meerechsen bei seiner Endeckung als "Kobolde der Finsternis".

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Meerechse erreicht eine Gesamtlänge von bis zu 150 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu zehn Kilogramm. Der Körper ist überwiegend grau bis graubraun gefärbt. Der kleine rundliche Kopf ist deutlich heller gefärbt. Der Kopf endet zudem sehr stumpf. Dorsal zeichnet sich ein Stachelkamm ab, der sich vom Nacken bis zum Schwanzende hinzieht. Der sehr lange Schwanz ist lateral deutlich abgeflacht und dient den Tieren unter Wasser als Antriebs- und Steuerorgan. Der Körper wird von kräftigen und relativ langen Beinen getragen. Die Beine enden in Zehen, die mit kräftigen Krallen versehen sind. Untersuchungen haben ergeben, daß die Meerechse und der Drusenkopf fortpflanzungsfähig sind. Dies kann allerdings nur auf der Insel Piazza vorkommen, da sich die Populationen hier überschneiden. Die entstandenen Hybriden scheinen auch fortpflanzungsfähig zu sein.

Verbreitung

Diese Echsenart ist auf den Galápagos-Inseln edemisch. Die Galápagos-Inseln gehören zum Staatsgebiet von Ecuador und liegen 965 Kilometer vor dessen Küste. Einst über die ganze Inselwelt verbreitet, lebt die Meerechse heute nur noch auf wenigen Inseln. Zu den 15 Hauptinseln gehören insbesondere Darvin, Rabida, Marchena, Baltra, Daphne, Pinzon, Seymor, Sin Nombre, Santa Fe und Wolf. Isabella ist die größte Insel des Archipels. Die Meerechse hält sich auf den Felsklippen in unmittelbarer Nähe zum Meer auf. Man glaubt, daß die Meerechse in grauer Vorzeit auf Holzstämmen und ählichem über das Meer auf die Inseln gekommen sind. Hier haben sie sich im Laufe der Evolution an das Leben auf der Insel angepasst.

Nahrung

Die Meerechse ist ein ausgesprochener Nahrungsspezialist und ist in Bereiche vorgedrungen, wo kein anderes Reptil nach Nahrung sucht. Sie ernährt sich fast ausschließlich von Meeresalgen und Meerestang, die nahe der Küste unter Wasser von den Felsen abgeweidet werden. Auf Nahrungssuche gehen erwachsene Tiere in der Regel bei der Flut, also bei hohem Wasserstand. Jungtiere gehen meist bei Ebbe, da sie da dann außerhalb des Wassers die Algen abweiden können. Sie können auf der Suche nach Nahrung bis zu 20 Meter tief tauchen und bis zu 30 Minuten unter Wasser bleiben. Ein normaler Tauchgang erstreckt sich allerdings nur über zehn Minuten. Beim Tauchen dient ihnen der kräftige Schwanz als Antriebs- und Steuerorgan. Die Extremitäten werden dabei dicht an den Körper gelegt. Unter Wasser halten sie sich an den Felsen mit den Krallen fest. Nach der Nahrungsaufnahme sonnen sie sich auf den Felsen, um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. Überschüssiges Salz geben sie über Drüsen im Nasenbereich ab.

Fortpflanzung

Präparat Senckenberg Museum
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Präparat Senckenberg Museum

Während der Paarungszeit, die von sich von Januar bis April erstreckt, sind Männchen besonders territorial und verteidigen ihr Revier gegenüber Artgenossen. Zutritt zum Revier haben nur geschlechtsreife Weibchen. Auch das eigentliche Werbe- und Paarungsverhalten ist recht aggressiv und geht mit kräftigen Bissen einher. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen vier Wochen später in den lockeren und feuchten Erdboden oder Ascheboden etwa zwei bis sechs Eier. Die Gruben, die eine Tiefe von 40 bis 60 Zentimeter haben können, werden nach erfolgter Eiablage sorgsam verschlossen. Zwischen konkurrierenden Weibchen kann es dabei zu Kämpfen um die besten Eiablageplätze kommen. Je nach Umgebungstemperatur schlüpfen die Jungechsen nach 90 bis 100 Tagen. Eine Brutpflege wird nicht betrieben. Die Jungtiere sind von Anfang an auf sich alleine gestellt. Sie ernähren sich von den Algen in der Gezeitenzone. Hauptfeinde der Jungtiere sind insbesondere Bussarde. Erwachsene Meerechsen, insbesondere die Männchen, haben von den Bussarden jedoch kaum etwas zu befürchten, sie sind einfach zu groß.

Ökologie

Menschen und Meerechsen treffen sich nur selten, da Meerechsen hauptsächlich auf den unbewohnten Inseln der Galápagos-Inseln vorkommen. Dennoch hat der Mensch zum drastischen Rückgang der Populationen beigetragen. Durch die Einfuhr von Tieren wie Ratten, Füchse, Katzen und andere Prädatoren wurden die Bestände bisher stark dezimiert. Auch die Meeresverschmutzung hat zu einem nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen. Das "kostengünstige" Verklappen von Altöl spielt hierbei eine besondere Rolle. Die Meerechse steht aufgrund des Washingtoner Artenschutzabkommens in Anhang II unter weltweitem Schutz. In der Roten Liste des IUCN wird die Art als besonders gefährdet geführt. In einigen Schutzgebieten auf Galápagos ist selbst das Anfassen der Tiere streng verboten, die Wege sind durch Zäune von den Stränden, an denen sich die Echsen aufhalten, abgetrennt.

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