Königsgeier

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Königsgeier

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)
Familie: Neuweltgeier (Cathartidae)
Gattung: Sarcoramphus
Art: Königsgeier
Wissenschaftlicher Name
Sarcoramphus papa
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Königsgeier (Sarcoramphus papa) zählt innerhalb der Familie der Neuweltgeier (Cathartidae) zur Gattung Sarcoramphus.

Inhaltsverzeichnis

Systematische Einordnung

Ursprünglich wurde die Familie der Neuweltgeier (Cathartidae) zu den Greifvögeln (Falconiformes) gerechnet. Auch wenn Neuweltgeier im Aussehen den Greifvögeln recht ähnlich sehen, so ergeben sich beim Skelett, der Schädel- und Muskelstruktur doch gravierende Unterschiede. Untermauert wurde dies durch molekularbiologische Untersuchungen, die in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts durchgeführt wurden. Die Übereinstimmungen zwischen Neuweltgeiern und Altweltgeiern lassen sich mit der konvergenten Entwicklung erklären. Eine Konvergenz beschreibt hier die Entwicklung von Eigenschaften im Laufe der Evolution von nicht miteinander verwandten Arten bezüglich der Anpassung an eine ähnliche Funktionalität und an ähnliche Verhaltensmuster. Die nächsten Verwandten der Neuweltgeier sind Störche (Ciconiidae).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Königsgeier erreicht eine Länge von gut 72 bis 80 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 180 bis 196 Zentimeter sowie ein Gewicht von 3.000 bis 3.400 Gramm. Die Geschlechter weisen keinen Geschlechtsdimorphismus auf. Das Gefieder weist fast durchweg eine weiße Färbung auf. Lediglich die Flügelspitzen, der Schwanz und die Halskrause sind schwarz. Der Kopf und der Bereich des Halses sind nackt und gelblich bis rötlich gefärbt. Direkt über dem Schnabel befindet sich orange-rote Hautlappen. Die auffällige Färbung der nackten Hautpartien bildet sich bei adulten Tieren übrigens erst ab dem 3. Lebensjahr aus.
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Der Schnabel ist sehr kräftig ausgeprägt und rot gefärbt. Auch die Augen sind auffällig gefärbt. Die Iris weist eine weißliche Färbung auf, die runde Pupille ist dunkel gefärbt. Das Auge ist insgesamt durch einen roten Augenring umrandet. Die Extremitäten und die Zehen sind gräulich gefärbt.

Lebensweise

Königsgeier leben einzelgängerisch oder in kleinen Familienverbänden. In Gruppen sind sie grundsätzlich nicht anzutreffen. Sie sind ausgesprochen territorial und dulden in ihrem zum Teil riesigen Revieren keine Artgenossen. Königsgeier sind gute und ausdauernde Flieger. Dabei nutzen sie zumeist die Thermik aus, um bei Gleitflügen Energie zu sparen. In Ruhephasen sitzen sie meist an exponierter Stelle und halten Ausschau nach Fressfeinden, konkurrierenden Artgenossen und dem einen oder anderen Snack. Zu Kämpfen mit Artgenossen kommt es jedoch nicht, da sich die Vögel aus dem Weg gehen. Sie gelten in allen Verbreitungsgebieten als Standvögel. Die Sinne, vor allem der Sehsinn sind hoch entwickelt. Bereits aus beträchtlicher Entfernung können sie beispielsweise ein totes Tier ausmachen.

Verbreitung

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Königsgeier sind in weiten Teilen von Mittel- und Südamerika verbreitet. Im Norden reicht ihr Verbreitungsgebiet bis in den südlichen Teil von Mexiko, im Norden bis ins nördliche Argentinien. Sie sind insbesondere in Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Französisch Guayana, Guatemala, Guyana, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Surinam, Trinidad und Tobago, Uruguay und Venezuela anzutreffen. Als Lebensraum kommen sowohl bewaldete Zonen wie tropische Regenwälder als auch die Randbereiche von Savannen und Steppen in Frage. Waldflächen werden jedoch eindeutig bevorzugt. In Höhenlagen kommen sie in Mittelgebirgen bis in Höhen von knapp über 1.000 Metern über NN. vor.

Ernährung

Königsgeier erspähen ihre Beute bereits aus großer Höhe während ihrer eleganten Flüge. Dabei bedienen sie sich insbesondere ihres ausgezeichneten Sehsinns. Die Nahrung besteht aus Aas, die auch aus der Luft aufgespürt werden kann, wenn sie beispielsweise unter Bäumen und Büschen liegt. Hierbei hilft ihnen auch der mäßig entwickelte Geruchssinn. Mit ihrem ausgesprochen kräftigen Schnabel können sie ihre Beute mühelos zerteilen. Aktiv töten Königsgeier nur kleine Tiere, da sie bedingt durch ihre eher schwach entwickelten Klauen nicht in der Lage sind, größere Beutetiere zu reißen. Auch beim Kleingetier suchen sie sich nur kranke und schwache Individuen aus. Aas oder Beutetiere, die nicht vollständig in einer Mahlzeit verzehrt werden kann, wird versteckt.

Fortpflanzung

Königsgeier führen eine monogame Einehe, die oft ein Leben lang hält. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten während der Trockenzeit. Sie legen vor allem während der Brutzeit ein territoriales Verhalten an den Tag und dulden keineswegs Artgenossen in ihrem Revier. Die Balz geht mit einem eleganten Balztanz, Balzflügen und lautem Geschrei einher.
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Ein Nest wird nicht errichtet. Die Eiablage erfolgt unter Felsvorsprüngen, in offenem liegendem morschem Holz oder in Baumhöhlen, die über ein großen Zugang verfügen. Das Weibchen legt nur ein Ei, das von beiden Partnern über einen Zeitraum von 52 bis 56 Tagen ausgebrütet wird. Um die Versorgung des Jungvogels kümmern sich ebenfalls beide Geschlechter. Die Nahrungsbrocken werden mit dem Schnabel übergeben. Die Flugfähigkeit erreicht ein Jungvogel im Alter von 80 bis 85 Tagen. Der flugfähige Jungvogel bleibt jedoch bis zur nächsten Brut im Familienverband. Seine adulte Befiederung stellt sich nach gut 18 Monaten ein. Die Lebenserwartung in Gefangenschaft liegt bei 25 bis 30 Jahren. Das erreichbare Alter in Freiheit ist nicht bekannt.

Ökologie

Königsgeier spielen in ihrem Lebensraum eine entscheidende Rolle. Sie gelten als Gesundheitspolizei, da sie sich ausschließlich von Aas ernähren und die Umwelt so sauber halten und so die Krankheitsgefahr für andere Tiere reduzieren. In der Regel sind Königsgeier die ersten Raubvögel an einem Kadaver. Bereits aus großer Höhe können sie ein Beutetier erspähen.

Gefährdung und Schutz

Königsgeier gelten heute noch nicht als gefährdete Art. Von daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt (Least concern, LC). Sie sind allerdings nicht in großer Zahl anzutreffen, da sie in kleinen Familiengruppen oder einzelgängerisch leben und über ein relativ großes Streifrevier verfügen, in dem Artgenossen nicht geduldet werden. Durch den Raubbau an der Natur lässt sich der Königsgeier nur wenig beeindrucken. Anders als viele andere Tierarten ist er in Bezug auf seinen Lebensraum nur wenig wählerisch. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) stellt die Art in Anhang II unter weltweitem Schutz.

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