Huchen

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Huchen

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Zwischenklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Vorstachelflosser (Protacanthopterygii)
Ordnung: Lachsartige (Salmoniformes)
Familie: Lachsfische (Salmonidae)
Gattung: Huchen (Hucho)
Art: Huchen
Wissenschaftlicher Name
Hucho hucho
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Huchen (Hucho hucho), auch als Donaulachs oder Rotfisch und unter dem Synonym Salmo hucho bekannt, zählt innerhalb der Familie der Lachsfische (Salmonidae) zur Gattung der Huchen (Hucho). Im Englischen wird der Huchen huchen oder danube salmon genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Der Huchen (Hucho hucho), auch Donaulachs genannt, wurde gemeinsam vom Deutschen Angelfischerverband (DAFV) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Abstimmung mit dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) zum Fisch des Jahres 2015 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Laut fishbase kann der Huchen eine max. Körperlänge von etwa 150,0 Zentimeter bei einem max. Gewicht von 52,0 Kilogramm erreichen. Die Normallänge des Körpers beträgt etwa 70,0 Zentimeter. <1>

Laut fishbase weist der Huchen insgesamt 3 bis 5 Rückenflossenstacheln, insgesamt 8 bis 14 Rückenflossenweichstrahlen, 3 bis 5 Afterflossenstacheln, 7 bis 14 Afterflossenweichstrahlen und 66 bis 72 Wirbel. <1>

Flossenformel
Die Flossenformel setzt sich aus dem ersten Buchstaben der lateinischen Flossenbezeichnung, der Anzahl der Hartstrahlen und der Anzahl der ungeteilten und geteilten Weichstrahlen zusammen. Hartstrahlen werden dabei mit römischen, Weichstrahlen mit arabischen Zahlen angegeben.
D. (Dorsale = Rückenflosse) 4/9-10, A. (Anale = Afterflosse) 4-5/7-9, V. (Ventrale = Bauchflosse) 1/8-9, P. (Pectorale = Brustflosse) 1/14-16, C. (Caudale = Schwanzflosse) 19. <2>

Charakteristisch für die Arten aus der Gattung der Huchen (Hucho) ist der kurze Pflugscharknochen. Des Weiteren ist die vordere kurze Platte mit Zähnen besetzt und die hintere etwas längere Platte (der Stiel) ist sowohl in der Jugend als auch im höheren Alter stets zahnlos. Alle Schuppen erscheinen klein und längs oval. Die Rückenflosse beginnt vor den Bauchflossen. <2>

Artcharakteristisch ist der Körper gestreckt und zylindrisch geformt. Die vordere Platte des Pflugscharknochens ist an ihrem hinteren Teil mit 5 bis 7 Zähnen in einer queren Stellung besetzt. Der fast flache Vomerstiel ist auf der oberen konvexen Fläche ihrer ganzen Länge nach mit einer starken Mittellinie und auf der unteren konkaven Fläche dagegen mit einer kurzen dünnen Mittelleiste ausgestattet. Das mittlere Zungenbein ist zahnlos. Die Seiten des Körpers sind mit schwarzen Flecken mehr oder weniger besetzt. <2>

Huchen
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Huchen

Der Huchen zeichnet sich vor allem durch seine sehr gestreckte und zylindrische Körperform aus. Die Zähne sind an den Gaumenbeinen, an dem Vomer und Unterkiefer im Vergleich zu denen der Zwischen- und Oberkiefer um vieles stärker entwickelt. Das Pflugscharbein des Huchen besteht aus einem sehr derben festen Knochen, während der Vomer der Saiblinge einen schwachen dünnen Knochenbau besitzt. Die Zähne des Vomer trifft man, selbst bei jüngeren Huchen, sehr selten vollzählig an. Es sind meistens drei bis vier Zahnlücken an diesem Knochen vorhanden, in welchen sich gewöhnlich ein Nachwuchs von Ersatzzähnen auf den verschiedensten Stufen der Entwicklung vorfindet. Die Schwanzflosse des Huchen besitzt einen gabelförmigen Ausschnitt, der sich im höheren Alter dieses Fisches nicht verliert. Der Rücken des Huchen weist eine graue Färbung auf und der Bauch ist von einer silberweißen Färbung. Beide Farben gehen an den Seiten des Körpers allmählich ineinander über. Der Rücken und die Körperseiten zeigen sich bald weniger mit schwarzen eckigen Flecken besetzt, welche unterhalb der Seitenlinien gewöhnlich sehr blass oder fast verwischt erscheinen. Bei älteren Individuen kommen auch auf dem Kopf und an der Basis der Rückenflosse runde schwarze Flecke zum Vorschein. Die graue und silberweiße Färbung der größer ausgewachsenen Individuen wird in der Regel durch eine rötliche Färbung unterbrochen, welche zwischen den Schuppen aus der Tiefe der Haut hervorschimmert und dem ganzen Körper ein rötliches Aussehen verleiht. Der Volksname Rotfisch, den der Huchen in manchen Gegenden des Donau-Gebietes führt, hängt mit dieser rötlichen Färbung der älteren Huchen zusammen. Die Flossen des Huchen sind ungefleckt und schmutzig weiß gefärbt. Durch die schwarze Pigmentierung ist die Färbung an der Rücken- und der Schwanzflosse getrübt. <2>

Lebensweise

Donau in Österreich
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Donau in Österreich

Die Verbreitung des Huchen ist nur allein auf das Donau-Gebiet beschränkt. Außer der Donau selbst liebt der Huchen vorzugsweise dessen vom Süden aus den Alpen herabströmende Zuflüsse, und zwar in Bayern die Iller, den Lech, die Isar, den Inn und die Salzach. Die vom Norden her der Donau zuströmenden Flüsse dagegen meidet der Huchen. Einzelne in der Naab, im Regen oder in der Ilz gefangene Individuen sind wahrscheinlich zufällig bei Hochwasser in diese Flüsse gelangt. Die wenigen Huchen, welche von Zeit zu Zeit in gewissen Seen Oberbayerns, zum Beispiel im Ammersee und Chiemsee gefangen werden, sind ebenfalls durch Zufall aus den größeren Seitenflüssen der Isar und des Inn, nämlich aus der Amper und Alz, die Ausflüsse der genannten Seen sind, sich in diese verirrt haben. <2>

Die Laichzeit des Huchen fällt merkwürdiger Weise und ganz gegen die Gewohnheit der übrigen Lachsfische (Salmonidae) in den April, doch kann sich der Eintritt wegen günstiger oder ungünstiger Witterungsverhältnisse bis in den März verfrühen oder bis in den Mai verspäten. Der Huchen ist nicht in dem Sinne wie der eigentliche Lachs, Wanderfisch, sondern er verläßt zu keiner Zeit des Jahres das Süßwasser, um ins Meerwasser zu migrieren. Nur zur Laichzeit verläßt der Huchen seinen Standort, um andere seichtere und kiesige Flußstellen zum Absetzen des Laichs aufzusuchen. Während dieser Zeit überzieht sich die Haut der männlichen Individuen mit einem schwartenartigen Auswuchs. Von den stets zu Anfang des Winters laichenden nächsten verwandten Lachsfischen unterscheiden sich die Huchen nicht bloß durch die während des Frühlings sich in ihnen entwickelnde Geschlechtsreife aus, sondern sie weichen von ihnen auch dadurch ab, dass die Tätigkeit ihrer Fortpflanzungsperiode in einem auffallend späten Lebensalter erwacht. Kein Huchen wird geschlechtsreif, bevor er nicht ein Gewicht von vier Pfund erreicht hat. <2>

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN lebt der Huchen nur in der Donau. Lokal eingeführt wurde der Huchen in einigen Oberläufen der Oder, Weichsel (Polen), Bodensee (Deutschland), Tajo (Spanien), Rhône (Frankreich) und wahrscheinlich trifft man den Huchen auch noch in anderen Gewässern Europas an. Des Weiteren kommt er noch in Österreich, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Tschechien, Ungarn, Montenegro, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien und in der Ukraine vor.

Laut der Roten Liste der IUCN bevorzugt der Huchen montane und submontane Oberläufe von großen Strömen und reißenden Flüssen mit Kiesbetten. Ferner hält sich der Huchen nur in sauerstoffreichem, schnell fließendem Wasser und bei Temperaturen, die nur selten über 15 Grad Celsius liegen. Ferner liebt der Huchen tiefe Seen und schattiges Wasser mit überhängender Vegetation. Der Huchen laicht nur in sehr sauberem Kies in schnell fließendem Wasser, meist in kleinen Flussarmen.

Ernährung

Laut fishbase ernähren sich die Jugendlichen hauptsächlich von wirbellosen Tieren und die Erwachsenen ernähren sich nicht nur von Fischen (Pisces), sondern sie machen auch Jagd auf Lurche (Amphibia), Kriechtiere (Reptilia), kleine Säugetiere (Mammalia) und auf Wasservögel. <1>

Fortpflanzung

Drau in Österreich
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Drau in Österreich

Laut der Roten Liste der IUCN kann der Huchen ein Lebensalter von mehr als 20 Jahren erreichen. Die Männchen reproduzieren zum ersten Mal mit 3 bis 4 Jahren bei einem Gewicht von etwa 1 Kilogramm. Die Weibchen reproduzieren mit 4 bis 5 Jahren bei einem Gewicht von etwa 2 bis 3 Kilogramm. Das Laichen beginnt jedes Jahr im zeitigen Frühjahr, meist von März bis April, Anfang Mai nur selten und bei Temperaturen von 6 bis 10 Grad Celsius. Zum Laichen wandert der Huchen häufig flußaufwärts in die Oberläufe der Zuflüsse. Die Männchen treffen als erste an den Laichplätzen ein. In der Regel verteidigt das Männchen das Weibchen, wenn sich andere Männchen dem Weibchen nähern. Beide Geschlechter legen eine Grube an, die einen Durchmesser von über 1,2 bis 3,0 Meter und eine Tiefe von etwa 10 bis 20 Zentimeter aufweist. Das kleine Territorium, in dem sich die Laichgrube befindet, wird dann von beiden Geschlechtern gegen Eindringlinge vehement verteidigt. Für gewöhnlich laichen die Fische tagsüber. Nach dem Laichen werden die Eier von beiden Geschlechtern mit Substrat abgedeckt. Etwa bis zu zwei Wochen lang wird der Laich von beiden Geschlechtern verteidigt. Die Inkubationszeit der Eier dauert in der Regel etwa 25 bis 40 Tage. Die Larven halten sich im Kies solange auf bis der Dottersack nach etwa 8 bis 14 Tagen aufgebraucht ist. Die Jugendlichen leben in schnell fließenden Gewässern und ernähren sich von terrestrischen Wirbeltieren. Die Jugendlichen und auch die Erwachsenen legen ein territoriales Verhalten an den Tag.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Huchen aufgrund von Dezimierung der Bestände durch Überfischung, Umweltverschmutzung der Industrie, Binnenschifferei und schlecht konzipierte oder gar nicht vorhandene Fischtreppen in den Talsperren und Stauseen stark gefährdet. Die Art hat einen massiven Rückgang, der schon vor über 100 Jahren begann, erlebt. Historische Überfischung, Verschmutzung und Dammbau verursachten den Rückgang dieser Art. Gegewärtig sind die wichtigsten aktuellen Bedrohungen die Strömungsregulierung der Wasserkraftwerke und die Umweltverschmutzung in einigen Ländern wie Bosnien und Kroatien, was Auswirkungen auf die Beute und auf den Lebensraum hat. Die übrigen sich selbst erhaltenden Populationen sind sehr gering, davon sind in Österreich drei bekannt, und zwar Pielach, Melk und Drau. Die Gesamtfläche der Belegung wird auf weniger als 500 Quadratkilometer geschätzt (basierend auf die Laichgebiete). Laut der Roten Liste der IUCN zählt der Huchen zu den stark gefährdeten Arten und wird in der Roten Liste der IUCN als endangered (stark gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Hucho hucho (Linnaeus, 1758)
  • [2] Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Bearbeitet von Carl Theodor Ernst von Siebold. Professor der Zooologie und Vergleichenden Anatomie in München. Mit 64 Holzschnitten und 2 Farbigen Tafeln. Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann. 1863.
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990 ISBN 3-405-11867-0
  • Jiri Cihar: Süßwasserfische. Aventinum nakladatelstvi s.r.o., Praha, 1990 ISBN 3-8112-1287-7
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische". Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet". Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5

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