Hinduracke

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Hinduracke
Little Rann of Kutch, Gujerat, India

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
Familie: Racken (Coraciidae)
Gattung: Racken (Coracias)
Art: Hinduracke
Wissenschaftlicher Name
Coracias benghalensis
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Hinduracke (Coracias benghalensis), auch Blauer Eichelhäher genannt, zählt innerhalb der Familie der Racken (Coraciidae) zur Gattung der Racken (Coracias). Die englische Bezeichnung der Hinduracke lautet Indian Roller.

Wahrscheinlich beeindruckte die Schönheit und die damit verbundene Farbenpracht des Vogels die Inder, die nun nach Hinduistischem Glauben annehmen, daß der Gott Vishnu (Retter des Universums) auch einmal in Gestalt eines Blauen Eichelhähers erschien. Folglich ist die Hinduracke für die Inder ein heiliger Vogel und wird daher verehrt. Die lokalen Namen der Hinduracke lauten in Indien Neelkanth (Hindi) und Neeltaans (Bagri).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Hinduracke ist ein stämmiger und schlanker Vogel. Sie ist nicht größer als eine Dohle (Corvus monedula). Die Hinduracke erreicht eine Körperlänge von etwa 32 bis 34 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 65 bis 74 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 110 bis 160 Gramm. Die Hinduracke ist ein außergewöhnlicher farbenprächtiger und furchtloser Vogel. Beide Geschlechter gleichen sich in Größe und Aussehen. Die Krone, die unteren Flügel sowie die Außenränder der Flügel und der Schwanz sind türkis bis blaugrün gefärbt, ebenfalls ist das Schwanzende dunkelblau gezeichnet. Der Nacken weist eine violette Tönung auf, während die Schultern bläulich gefärbt sind. Die Kehle, die Wangen und der obere Teil der Brust sind violett fein gestrichelt und zeigen eine türkisfarbene Tönung. Der Rücken weist eine warme braune Färbung auf, während die Unterseite grünbläulich erscheint. Im Gesicht zeichnet sich deutlich ein rötlicher Augenring ab. Die Iris und die Pupille der Augen sind dunkel gefärbt. Der kräftig geformte Schnabel weist eine schwärzliche Tönung auf und die obere Schnabelhälfte ist an der Spitze leicht hakenförmig gebogen. Die Extremitäten haben eine klare gelbe Färbung und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten
Hinduracke - Chennai coast, Tamil Nadu, India
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Hinduracke - Chennai coast, Tamil Nadu, India
zeigt und drei Zehen nach vorn, wobei die Krallen sehr kräftig entwickelt sind. Die Jungvögel besitzen im Gegensatz zu den Altvögeln ein bräunliches jugendliches Federkleid. Im Flug, der kräftig und geradlinig ist, kommen die leuchtend blauen Flügel der Hinduracke im Kontrast zu dem braun gefärbten Rücken sehr gut zur Geltung. Der Ruf der Hinduracke klingt rauh, ähnlich wie der Ruf des Kolkraben (Corvus corax). Die Hinduracke bildet aber auch eine Vielzahl anderer Töne, einschließlich metallisch klingende Laute. Besonders während der Paarungszeit und Brutsaison hört man die lautstarken und lärmenden Balzrufe der Hinduracke. Die Hinduracke kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa fünf bis zehn Jahren erreichen.

Lebensweise

Die Hinduracke sitzt häufig auf einer hohen Sitzwarte, das können hohe Bäume, Pfosten, Leitungsdrähte sowie Stangen sein, von wo aus sie in allen Richtungen nach Beutetieren Ausschau halten kann. Von Zeit zu Zeit rüttelt sie den Schwanz, aber die meiste Zeit verhält sie sich still und bewegungslos auf einer Stelle bis ein kleines Tier oder ein Insekt (Insecta) in ihrem Gesichtsfeld erscheint. Die Hinduracke fliegt direkt zu ihrer Beute und verzehrt sie gleich an Ort und Stelle. Danach nimmt sie wieder ihre hohe Sitzwarte ein, um auf das nächste Beutetier zu warten. Ansonsten ist die Hinduracke ein furchtloser Vogel und hält sich gerne in der Nähe von menschlichen Siedlungen auf. Man kann auch in diesem Falle von einem Kulturfolger sprechen.

Unterarten

Verbreitung

Die Hinduracke ist ein weitverbreiteter Bewohner Indiens und ist ein Standvogel in Andhra Pradesh. Des weiteren findet man die Hinduracke in weiten Teilen Chinas und Iraks, im Iran sowie in Pakistan und in Südostasien im Tibet. Sie hält sich auch in den Vorbergen vom Himalaya und im Süden Sri Lankas sowie in Maynmar auf, wo sie in offenen Landschaften und in lichten Mischwäldern zu finden ist.

Hinduracke - Chennai coast, Tamil Nadu, India
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Hinduracke - Chennai coast, Tamil Nadu, India

Bevorzugt werden von der Hinduracke offene Landschaften mit spärlicher Strauchvegetation. Auch ist sie ebenfalls nahe bei den Bauernhöfen und Wohnungen in niedrigen Stockwerken zu finden. Dagegen meidet die Hinduracke dichte Vegetationen und Regenwälder.

Ernährung

Frösche (Ranidae) und Eidechsen (Lacertidae), wenn sie im Überfluß vorkommen, stellen den größten Teil ihrer Ernährung dar. Des weiteren zählen zu ihrem Nahrungsspektrum Schmetterlinge (Lepidoptera) wie zum Beispiel Motten. Heuschrecken sowie Grillen (Gryllus) werden von der Hinduracke ebenfalls gerne verspeist. Auch wenn die Hinduracke die meiste Zeit auf ihrer hohen Sitzwarte auf vorbeiziehende Tiere wartet, so kann sie auch den Traktoren folgen, die über die landwirtschaftlichen Felder ziehen, um dann die aufgescheuchten wirbellosen Tiere zu erbeuten. Ebenso folgt sie dem Rauch eines Waldbrandes, um auch dort nach flüchtenden kleinen Tieren und Insekten (Insecta) Ausschau zu halten. Die Hinduracke ist bei den Einwohnern ihres Lebensraumes sehr beliebt, weil sie als nützlicher und wirkungsvoller Schädlingsvertilger eine große Vielzahl an schädlichen Insekten (Insecta) erbeutet, die auf den landwirtschaftlichen Feldern reichlich vorkommen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Hinduracke im Alter von einem Jahr. Im Februar erscheinen die Männchen in ihrem Brautkleid. Sie sind während der Paarungszeit und der Brutsaison sehr territorial eingestellt und verjagen jeden Eindringling aus ihrem Brutrevier. Die Männchen beginnen ihre Balzflüge, indem sie kräftig mit den Flügeln schlagen und lautstarke bohrende Balzrufe vortragen. Die Männchen fliegen hoch in den Himmel und führen eine Reihe von akrobatischen Kunstflügen vor. Dabei schlagen sie mehrere Saltos, vollführen Spiralen, kommen mit einem rasanten Sturzflug an, der dann durch eine gewandte Drehung und durch eine Serie von Rollen in der Luft aufgefangen wird. Mit dieser Akrobatik wollen die Männchen das Interesse der Weibchen auf sich lenken, was ihnen dann auch meistens gelingt. Zwischen den Monaten März und Mai legt das Weibchen drei bis fünf rein weiße Eier in eine Baumhöhle. Derselbe Standort des Nestes wird Jahr für Jahr wieder verwendet. Nach dem Schlupf werden die Küken intensiv von dem Männchen und dem Weibchen betreut und reichlich mit Nahrung in Form von Insekten (Insecta) versorgt. Auch wenn die Jungvögel ihr Nest schon verlassen haben, so fordern sie weiterhin unaufhörlich energisch ihre Nahrung, die ihnen auch von den Altvögeln gebracht wird. Die Jungvögel besitzen im Gegensatz zu den Altvögeln ein jugendliches bräunliches Federkleid. Die Lebenserwartung der Hinduracke kann unter günstigen Umständen in der Natur etwa fünf bis zehn Jahre betragen.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Hinduracke heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Sie ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Hinduracke selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird sie als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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