Deutsche Schabe

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Deutsche Schabe

Taxonomie
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schabenverwandte (Dictyoptera)
Unterordnung: Schaben (Blattodea)
Überfamilie: Blaberoidea
Familie: Blattellidae
Unterfamilie: Blattellinae
Gattung: Blattella
Art: Deutsche Schabe
Wissenschaftlicher Name
Blattella germanica
Linnaeus, 1767

Die Deutsche Schabe (Blattella germanica), auch bekannt als Schwabenkäfer oder auch als Hausschabe, zählt innerhalb der Familie der Blattellidae zur Gattung Blattella. Im Englischen wird die Deutsche Schabe German cockroach oder Croton bug genannt. Die Deutsche Schabe wird häufig mit der Bernstein-Waldschabe (Ectobius vittiventris) verwechselt, jedoch weist sie nicht wie die Deutsche Schabe die charakteristischen schwarzen Längsstreifen auf.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Deutsche Schabe erreicht eine Körperlänge von acht bis dreizehn Millimeter. In der Regel weist die Deutsche Schabe eine hellbraune bis dunkelbraune oder lehmfarbene Tönung auf. Auf dem Halsschild befinden sich zwei parallele schwarze Längsstreifen. Das Weibchen ist etwas dunkler gefärbt als das Männchen. Die langen bedornten Beine weisen eine hellgelbe Färbung auf. Die Nymphen sind dunkler gezeichnet und zeigen einen hellen Streifen am Seitenrand. Beide Geschlechter tragen Flügel, die aber kaum benutzt werden. Die Flügel weisen eine Länge von etwa 9,7 bis 11,5 Millimeter auf, wobei die Flügeldeckel den Hinterleib überragen. Verfolgt rettet sich die Deutsche Schabe durch ihren flinken Lauf, der etwa 29 Zentimeter pro Sekunde beträgt, und an den Wänden oft durch einen Sprung in die Tiefe. Zwar fehlt ihrem Lauf die Ausdauer, sie wird aber auch nicht benötigt, da die Deutsche Schabe dank ihrer Kleinheit immer schnell einen passenden Schlupfwinkel findet. Als Nachttier ist die Deutsche Schabe vor allem auf die Sinnesorgane ihrer Fühler und ihrer Schienen, die Subgenualorgane für den Erschütterungssinn angewiesen, während die Augen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Deutsche Schabe besitzt äußerst lange und vielgliedrige Antennen. Das Halsschild trägt wie bei den ältesten Insekten, den Palaeodictyopteren der Steinkohlenzeit, breite Seitenfalten und verdeckt oben den größten Teil des Kopfes. Der abgeplattete Körper ist dem Aufenthalt in engen Verstecken angepaßt. Die langen, schlanken und muskelstarken Laufbeine erlauben ein sehr flinkes Laufen und, ohne dafür gebaut zu sein, sogar kleine Sprünge. Von den beiden Flügelpaaren bildet das vordere Flügelpaar derbere Deckflügel, in denen aber die Aderung noch deutlich zu erkennen ist. Kennzeichnend ist die kurze Subcostalader, die am vorderen Flügelrand schon nahe an der Wurzel endet. Von hier bis zur Flügelspitze enden am Vorderrand zahlreiche Äste der Radialader. Die zarten häutigen Hinterflügel besitzen ein breites Analfeld, das unter den Deckflügeln fächerförmig gefaltet ist. Der Hinterleib trägt in beiden Geschlechtern ein Paar gegliederte Afterraife, dazu besitzt das Männchen am neunten Bauchschild, der Subgenitalplatte, ein Paar ungegliederte Griffel. Der Hinterleib des Weibchens ist im Vergleich zu dem Männchen breiter und hinten abgerundeter.

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Lebensweise

Die Deutsche Schabe gehört zweifellos zu den unbeliebtesten Insekten. Zwar ist sie kein Schmarotzer und auch kein Gifttier, doch ist etwa ein halbes Dutzend Arten zu Mitbewohnern menschlicher Siedlungen geworden, und es bestehen sowohl gesundheitliche wie auch wirtschaftliche Gründe, sie hier nicht zu dulden. Der Lebensweise ist die Deutsche Schabe ihren Vorfahren treu geblieben, die vor einer Viertelmilliarde von Jahren den feuchtwarmen Bodengrund der Siegel- und Schuppenbaumwälder in großer Zahl bevölkerten. Der tiefgreifende Wandel der Pflanzenwelt und der Tierwelt, der sich seit jener Zeit um sie herum vollzog, hat die nächtliche, in ihrer Nahrung so gar nicht wählerische Schabe kaum berührt. In Sekundenschnelle erreichbare Schlupfwinkel bietet der Deutschen Schabe Schutz auch vor der modernen Tierwelt, und selbst ihre Eier sind den Feinden nicht schutzlos preisgegeben. Sie liegen reihenweise angeordnet in einer von ihr gebildeten, harten Eikapsel (Oothek). Die Eikapsel sieht einer zierlichen Damenhandtasche ähnlich und öffnet sich auch in ähnlicher Weise an ihrer Oberkante, wenn die Larven ihr entschlüpfen. Die Deutsche Schabe trägt die Tasche, aus der Geschlechtsöffnung weit herausragend, lange Zeit mit sich herum und entzieht sie so den Feinden.

Verbreitung

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Über die Lebensweise der freilebenden Schaben ist nicht allzuviel bekannt. Um so besser weiß man über die Schaben der menschlichen Siedlungen Bescheid. Allerdings ist bei ihrer heutigen Verbreitung ihre Urheimat meist nicht mehr zu ermitteln. In manchen südlichen Teilen Deutschlands sind die Schaben als Preußen bekannt, im Norden als Schwaben, im Westen Deutschlands heißen sie Franzosen und im Osten Deutschlands werden sie als Russen bezeichnet. In Russland sind sie wieder die Preußen. Selbst der gelehrte Schwede Carl von Linné verfiel diesem Brauch, als er der Deutschen Schabe den Artnamen germanica verlieh. Von der Deutschen Schabe freilich wissen wir, dass sie bereits in einer warmen Zwischeneiszeit bei uns zu Hause war. Ihre Reste in einem Torflager bei Hohenwestedt in Holstein bezeugen es. Es bleibt dabei offen, ob Norddeutschland damals zu ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet gehörte oder ob sie dorthin schon als Begleiter des Menschen gelangte.

Ernährung

Die Nahrungssuche führt die Deutsche Schabe in den menschlichen Siedlungen sowohl zu faulenden Stoffen und zu Krankheitskeimen als auch auf die Nahrungsmittel. Die Deutsche Schabe zerkleinert ihre vorwiegend pflanzliche Nahrung mit den beißenden und kauenden Mundteilen und mit den Zähnen ihres Kaumagens.
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Des Weiteren nimmt sie auch zuckerhaltige und stärkehaltige Nahrung zu sich. Die Deutsche Schabe geht aber auch an alle möglichen und unmöglichen anderen Stoffe. Auch Fleischnahrung wird nicht verschmäht, und Eikapseln wie auch verletzte Artgenossen fallen oft dem Hunger der gesunden Schabe zum Opfer. Zur Verdauung beherbergt die Deutsche Schabe zellstoffspaltende Bakterien. Einzelne Zellen ihres Fettkörpers sind voll mit Bakterien beladen, ohne die sich die Deutsche Schabe nur langsam entwickelt und ohne die sie keine reifen Eierstöcke auszubilden vermag. Auch hier zeigen sich wieder die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Termiten und Schaben. Die Deutsche Schabe kann drei Monate ohne Nahrung und einen Monat ohne Wasser überleben.

Fortpflanzung

Das Weibchen legt in seinem Leben drei oder vier bräunlich gefärbte Eikapseln, die je dreißig Eier enthalten. Sie trägt die Eikapseln in einer Tasche 24 bis 40 Tage bis zum Schlupf der Larven mit sich herum und werden mit Feuchtigkeit sowie mit Nährstoffen versorgt. Die Larven entwickeln sich in weiteren zwei bis drei Monaten zu Vollkerfen (Imago). Die Larven können sich etwa fünf- bis siebenmal häuten. Die ausgewachsene Deutsche Schabe kopuliert bereits nach wenigen Tagen nach der letzten Häutung. Die erste Oothek wird nach ein bis zwei Wochen gebildet. Die ausgewachsene Deutsche Schabe lebt mit den heranwachsenden Larven gemeinsam. Es folgen daher im Jahr mehrere Generationen aufeinander. Da die Deutsche Schabe unter den Wohnungsschaben an Wärme und Feuchtigkeit die geringsten Ansprüche stellt und da sie wegen ihrer Kleinheit überall leicht bergende Schlupfwinkel findet, ist sie heute in Wohnräumen die häufigste Schabe. Die Lebenserwartung einer Deutschen Schabe beträgt etwa 100 bis 200 Tage.

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Krankheitsüberträger

Wie schon erwähnt führt die Nahrungssuche die Schaben in menschliche Siedlungen. Zersetzung und Krankheiten verursachende Keime haften den Schaben dabei in großer Zahl äußerlich an, und sie werden auch mit der Nahrung aufgenommen und anderenorts mit dem Kot wieder ausgeschieden. Für eitererregende Staphylokokken, für Tuberkel-, Coli-, Typhus-, Paratyphus-, Dysenterie- und Milzbrandbazillen sowie für die Vibrionen der Cholera ist eine solche Darmpassage nachgewiesen worden.

Bekämpfung

Das Ekelgefühl den Schaben gegenüber besteht danach durchaus zu Recht, für ihre Bekämpfung seitens des öffentlichen Gesundheitsdienstes reicht aber vorläufig das belastende Material nicht aus. Es genügt aber vollauf, die Schaben in Wohnungen, in Gemeinschaftsküchen und vor allem in Krankenhäusern nicht zu dulden. Früher bekämpfte man sie meist mit Nahrungsgiften wie zum Beispiel mit Kieselfluornatrium oder Borax, mit Zucker als Köder gemischt. Heute leisten Berührungsgifte auf DDT- oder Gammexan-Grundlage bessere Dienste. Sie werden meist als Stäubemittel angewandt. Zusätzlich lassen sich die Schaben durch das Fangen in Fallen bekämpfen. Die kostspielige Gebäudebegasung ist meist entbehrlich.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Insekten (ohne Schmetterlinge). Erkennen und Bestimmen. 2002 by Mosaik Verlag in der Verlagsgruppe FALKEN/Mosaik, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, 81673 München / 5 4 3 2 1. ISBN 3-576-11476-9
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
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