Graumantelwürger

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Graumantelwürger

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Würger (Laniidae)
Gattung: Würger (Lanius)
Art: Graumantelwürger
Wissenschaftlicher Name
Lanius excubitoroides
Prévost & Des Murs, 1847

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Graumantelwürger (Lanius excubitoroides) zählt innerhalb der Familie der Würger (Laniidae) zur Gattung der Würger (Lanius). Im Englischen wird der Graumantelwürger Grey-backed Fiscal genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Graumantelwürger erreicht eine Körperlänge von etwa 25 Zentimeter. Er ist einer der großen Vertreter aus der Gattung der Würger. Die Grundfärbung des Gefieders ist grau, versetzt mit schwarzen und weißen Gefiederpartien, die je nach Unterart unterschiedlich stark ausfallen können. Das Gefieder auf dem Rücken, am Nacken und auf dem Kopf weisen eine graue Färbung auf, während der Bauch und die Kehle weißlich erscheinen. Die Flügel sind recht kurz und von breiter und leicht abgerundeter Form. Die Flügeldecken sind überwiegend schwarz gefärbt und auf den Handschwingen zeigt sich ein weißlicher Fleck. Markantes Merkmal ist das schwarze Augenband, das sich vom Schnabelansatz über die Stirn bis weit hinter die Augen bis zum Bereich der Schultern erstreckt. Der Schwanz ist sehr lang und ist auf der Oberseite schwarz gefärbt, nur an den Seiten befindet sich ein schmaler weißer Streifen. Bei Gefahr oder Erregung kann der Graumantelwürger den Schwanz auffächern. Ein weiteres markantes Merkmal ist die Schnabelspitze, die hakenförmig gebogen ist. Der Schnabel weist eine schwarze Färbung auf. Die Extremitäten sind dunkelgrau bis schwarz geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn, wobei die Zehen dieselbe Färbung aufweisen wie die Extremitäten. Die Geschlechter unterscheiden sich in Größe und Färbung kaum, jedoch zeigt sich auf den Flanken des Weibchens ein kastanienbrauner Fleck. Beide Geschlechter singen. Ihr Gesang ist äußerst variabel und weithin hörbar. Die juvenilen Vögel weisen im Gegensatz zu den Altvögeln auf dem Rücken, am Nacken und auf dem Kopf eine graubraune Färbung auf. Der Bauch ist bei den juvenilen Vögeln hellbeige gefärbt und das Gefieder ist mit dunklen Streifen versehen. Ferner sind die Federschwingen der Jungvögel hellbraun gerändert und der Schnabel weist eine hellbraune und graue Färbung auf.

Lebensweise

Der Graumantelwürger ist ein tagaktiver Vogel. Man sieht ihn meistens auf einer Ansitzwarte auf der Nahrungssuche. Die Nacht verbringt er an angestammten Schlafplätzen. Er ist ein äußerst scheuer Vogel mit einer hohen Fluchtdistanz. Sein Verhalten kann durchaus als besonders territorial bezeichnet werden. Vor allem während der Brutsaison wird das eigene Revier, das bis zu 100 Hektar betragen kann, energisch verteidigt. Bei Erregung kann er sein Nacken- und Kopfgefieder aufstellen. In den meisten Verbreitungsgebieten ist er ein Jahresvogel. In den nördlichen Gebieten ist er ein Teilzieher oder auch Zugvogel. Dabei überschneiden sich die Winterquartiere der nördlichen Vögel mit denen der aus den gemäßigten Gebieten.

Unterarten

Verbreitung

Graumantelwürger
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Graumantelwürger

Zu den Verbreitungsgebieten des Graumantelwürger zählen unter anderem Afrika: Kontinental-Afrika. Westafrika: Mauretanien und Senegal, Mali, Nigeria, Niger,Tschad, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Äquatorialguinea, Kinshasa, Demokratische Republik Kongo (östlicher Teil). Ostafrika: Sudan, Äthiopien und Eritrea, Kenia, Uganda, Ruanda, Burundi undTansania. Laut der Roten Liste der IUCN lebt der Graumantelwürger in regenarmen Savannen, in subtropischem und tropischem regenarmen Buschland, in subtropischem und tropischem regenarmen Grasland. Des Weiteren hält sich der Graumantelwürger auf Ackerflächen, auf Weiden und in ländlichen Gebieten auf.

Ernährung

Als reiner Ansitzjäger geht der Graumantelwürger von einer Ansitzwarte auf die Jagd. Er gilt als einer der wenigen Singvögel, der sich ausschließlich von Fleisch ernährt. Die Ansitzwarte befindet sich meist in Höhen von zwei bis fünf Meter. Sein Blick ist dabei meist auf Beute gerichtet, die sich auf dem Boden befindet. Hier und da kann man ihn bei der Nahrungssuche auch im niedrigen Rüttelflug beobachten. Zur bevorzugten Beute gehören allerlei wirbellose Tiere und kleinere Wirbeltiere. Auch kleinere Amphibien stehen auf der Speisekarte. Die Beutetiere werden mit kräftigen Schnabelhieben oder mit den Klauen getötet. Er kann Beutetiere bis zu einem Gewicht von 15 bis 20 Gramm im Flug transportieren. Meist bringt er seine Beute an angestammten Futterplätzen und lagert sie dort. Die Plätze dienen auch als Vorratslager für schlechte Zeiten. Während der Brutzeit unternimmt der Graumantelwürger Beuteflüge von mehreren Kilometern. Nach einer Mahlzeit säubert er seinen Schnabel sorgsam, indem er seinen Schnabel an Ästen reibt.

Fortpflanzung

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Graumantelwürger

Die Geschlechtsreife erreicht der Graumantelwürger gegen Ende des ersten Lebensjahres. Nicht selten brüten die Vögel erstmals gegen Ende des zweiten Lebensjahres. Graumantelwürger führen eine monogame Einehe, die jedoch nur die Saison über hält. Die einzelnen Paare bilden sich meist schon im Februar oder März. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Regionen jedoch erst im April oder Mai. Die Brutreviere sind mit bis zu 100 Hektar, gebietsweise auch deutlich mehr, sehr groß. Als Bruthabitat bevorzugen Graumantelwürger offene strukturierte Landschaften, die durch Baumgruppen, Hecken und ähnliches aufgelockert sind. Hier entsteht das Nest in dichter Vegetation, meist in Hecken oder dichten Büschen. Der Standort des Nestes wird vom Männchen alleine festgelegt. Die Nester werden in mittlerer Höhe (2 bis 5 Meter) in Hecken, Bäumen oder in den Kronen dichter Dornbüsche angelegt. Am Bau des napfartigen und großen Nestes sind allerdings beide Partner beteiligt. Meist ist das Männchen mit dem Besorgen des Baumaterials beschäftigt, während das Weibchen das Material verbaut. Als Material kommen meist Grashalme, kleine Zweige, Wurzeln und ähnliche Materialien in Betracht. Ausgepolstert wird das Nest mit Tierhaaren, Federchen und weichen Halmen. Das Nest hat einen Durchmesser von 15 bis 20 Zentimeter und wird zumeist über einen Zeitraum von 5 bis 10 Tagen errichtet. Zur eigentlichen Eiablage kommt es zwischen April und Juni. Bei Gelegeverlust kann es zu einem kleineren Nachgelege kommen. Das Gelege besteht in der Regel aus vier bis sieben Eiern. Das Weibchen bebrütet die Eier etwa 16 Tage. Die geschlüpften Jungtiere sind anfangs nackt und blind. In der ersten Woche werden sie von der Mutter gehudert. Das Männchen versorgt während dieser Zeit das Weibchen und den Nachwuchs mit Nahrung in Form von Insekten und deren Larven. Danach gehen beide Elternteile für die Brut auf Nahrungssuche. Nach etwa 20 Tagen sind die Jungvögel flügge, bleiben aber noch bis zu vier Wochen im Familienverband ehe sich dieser auflöst. Graumantelwürger können ein Alter von sechs bis sieben Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Graumantelwürger heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd von über 1.700.000 Quadratkilometern. Der Graumantelwürger ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Graumantelwürger selten oder nur spärlich vor (Fry und Keith, 2004). In der Roten Liste der IUCN wird der Graumantelwürger als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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