Gürteltiere
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| Gürteltiere | |
|---|---|
| Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus)
| |
| Systematik | |
| Stamm: | Chordatiere (Chordata) |
| Unterstamm: | Wirbeltiere (Vertebrata) |
| Überklasse: | Landwirbeltiere (Tetrapoda) |
| Klasse: | Säugetiere (Mammalia) |
| Unterklasse: | Lebendgebärende Säugetiere (Theria) |
| Teilklasse: | Höhere Säugetiere (Eutheria) |
| Ordnung: | Nebengelenktiere (Xenarthra) |
| Überfamilie: | Dasypodoidea |
| Familie: | Gürteltiere |
| Wissenschaftlicher Name | |
| Dasypodidae | |
| Gray, 1821 | |
Gürteltiere (Dasypodidae) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Nebengelenktiere (Xenarthra). In der Familie werden 20 Arten in 8 Gattungen geführt. Die Arten verteilen sich auf die Unterfamilien der Gürtelmulle (Chlamyphorus) mit einer Gattung und den Langnasengürteltieren (Dasypodinae) mit 7 Gattungen. Im Englischen werden Gürteltiere Armadillos geannt.
Ursprünglich wurden Gürteltiere zur Ordnung der Zahnarmen gerechnet, obwohl der Begriff "zahnarm" auf Gürteltiere nicht zutrifft. Heute wird die Familie der Ordnung der Nebengelenktiere (Xenarthra) zugeordnet.
Inhaltsverzeichnis |
Evolution und Entwicklung
Gürteltiere gehören zu den ältesten Säugetieren überhaupt. Sie sind quasi ein lebendes Fossil. Fossile Funde belegen, dass die Vorfahren der Gürteltiere bereits gegen Ende der Kreide vor rund 65 Millionen zusammen mit den Dinosauriern auf der Erde lebten. Die meisten fossilen Funde stammen aus dem Paläozän, das der Kreide folgte. Den Ursprung haben Gürteltiere in Südamerika. Ausgestorbene Gattungen wie Holmesina sind seit dem Pliozän, also vor 4 bis 5 Millionen Jahren auch in Nordamerika nachgewiesen. Holmesina war im Gegensatz zu den rezenten Arten mit einer Körperlänge von annähernd 200 Zentimetern und einem Gewicht von mehr als 250 Kilogramm ein wahrer Gigant. Die Gattung starb erst gegen Ende des Pleistozän vor etwa 10.000 Jahren aus. Ein Schwestertaxon der Gürteltiere, Glyptodon aus der Familie Glyptodontidae, wurde mit einer Körperlänge von 300 bis 350 Zentimeter und einem Gewicht von 1.200 bis 1.400 Kilogramm sogar noch sehr viel größer. Glyptodon lebte in Südamerika und starb ebenfalls gegen Ende des Pleistozän aus. Man geht davon aus, dass die Tiere aufgrund der Bejagung durch die frühen Menschen in Südamerika ausstarben. Die fossilen Funde stammen im Wesentlichen aus Brasilien.
Beschreibung
Aussehen und Maße
Gürteltiere erreichen je nach Art eine Körperlänge von 12,5 bis 100 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 2,5 bis 50 Zentimeter sowie ein Gewicht von 80 Gramm bis 60 Kilogramm. Die kleinste Art ist der Gürtelmull (Chlamyphorus truncatus), die größte Art ist das Riesengürteltier (Priodontes maximus).Lebensweise
Alle Arten sind überwiegend nachtaktiv, nur wenige sind auch in der Dämmerung zu beobachten. Die Tiere leben einzelgängerisch, eine gewisse soziale Komponente ist nur während der Paarungszeit zu erkennen. Einige Arten der Gürteltiere sind ausgezeichnete Gräber und legen umfangreiche Erdbauten an. Die Erdbauten dienen den Tieren als Ruheplatz und den Weibchen als Nest. In der Regel werden im Streifrevier mehrere Bauten angelegt. Dieses können je nach Art zwischen 1 und 20 Baue je Tier sein. Die Bauten weisen meist 1 bis 2 Eingänge mit einem Tunnel von 150 bis 300 Zentimeter Länge und einer Wohnkammer auf. Da Gürteltiere meist mehrere Bauten graben, kann zur Ermittlung der Bestandsdichte die Anzahl der Bauten keinen Aufschluss geben. Aufgrund der Nachtaktivität ist der Sehsinn nur mäßig bis schlecht ausgeprägt. Das Gehör und der olfaktorische Sinn (Geruchssinn) sind jedoch ausgesprochen hoch entwickelt. Der Geruchssinn spielt auch während der Fortpflanzungsperiode eine große Rolle. Borstengürteltiere (Euphractini) verfügen im Bereich des Rückenschildes über 3 bis 4 Drüsen. Bei den Weichgürteltieren (Dasypus) zeigen sich Drüsen an den Ohren, den Augenliedern und an den Fußsohlen. Zusätzlich weisen Weichgürteltiere ein Paar bohnenförmige Analdrüsen auf, die ein gelbliches Sekret absondern. Die Drüsen aller Arten dienen im Wesentlichen der Kommunikation untereinander. Wahrscheinlich dienen sie aber auch der Reviermarkierung. Die Kommunikation über akustische Laute hält sich in Grenzen. Die einzigen Lauten, die Gürteltiere von sich geben, sind ein leises Grunzen oder Jaulen.
Verbreitung
Gürteltiere kommen von den Südstaaten der USA über Mexiko bis ins südliche Südamerika vor. Südamerika wird östlich der Anden weitflächig besiedelt. In den USA werden Florida, Georgia und South Carolina, westlich bis auf Höhe von Kansas bewohnt. In Mexiko werden nur die östlichen und südlichen Bundesstaaten besiedelt. Je nach Art kommen Gürteltiere sowohl in tropischen Regenwäldern, lichten Wäldern, Baum- und Buschsavannen, offenen Savannen und zum Teil auch in ariden Wüstenregionen vor. Nordamerika wird erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts besiedelt. Nachdem gegen Ende des Pleistozäns alle fossilen Formen ausstarben, blieb Nordamerika unbesiedelt. Zum Teil kamen Neunbinden-Gürteltiere (Dasypus novemcinctus) aus dem nördlichen Mexiko oder entkamen aus Zoos. Mittlerweile werden weite Teile der südlichen USA besiedelt. Einige Arten wie das Pelzgürteltier (Dasypus pilosus) kommt ausschließlich in Höhenlagen oberhalb von 2.400 (bis 3.200) Meter vor. Andere Arten wie das Kappler-Weichgürteltier (Dasypus kappleri) besiedelt ausschließlich den tropischen Regenwald im Amazonasbecken. Die meisten Arten sind in Bezug auf ihren Lebensraum jedoch weit weniger wählerisch.
Prädatoren
Gürteltiere haben nur wenige natürliche Feinde. Ihr Panzer schützt die Tiere vor den meisten Fleischfressern. Allenfalls größere
Katzen (Felidae) wie der Puma (Puma concolor), der Rotluchs (Lynx rufus) oder der Jaguar (Panthera onca) oder
Hunde (Canidae) wie der Kojote (Canis latrans) oder verwilderten Haushunden. Aber auch Tiere wie Alligatoren (Alligatoridae) oder Amerikanische Schwarzbären (Ursus americanus) haben es auf die Tiere abgesehen. Besonders gefährdet sind Jungtiere, da ihre Schilde noch nicht vollständig ausgehärtet sind. Die Motalitätsrate unter Jungtieren ist daher doppelt so hoch wie bei adulten Tieren. Die Hauptbedrohung geht meist nur vom Menschen aus, der die Tiere hauptsächlich wegen des Fleisches jagt.
Ernährung
Gürteltiere wühlen üblicherweise im Boden nach Nahrung. Dabei bewegen sie sich eher langsam durch ihren Lebensraum. Der Geruchssinn spielt bei der Lokalisierung von Nahrung eine große Rolle. Da verwundert es nicht, dass Gürteltiere unablässlich mit der Nasenspitze im Erdreich oder den oberen Laubschichten wühlen. Nacktschwanzgürteltiere (Cabassous) und Riesengürteltiere (Priodontes) haben sich auf Ameisen (Formicoidea) und Termiten (Isoptera) spezialisiert. Mit ihren messerscharfen Klauen können sie selbst betonharte Termitenbauten mit Leichtigkeit aufbrechen. Einige Arten wie beispielsweise das Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus) verschmähen selbst aggressive Ameisenarten wie
Rote Feuerameisen (Solenopsis invicta) und andere Vertreter der Gattung Solenopsis nicht. Andere Arten ernähren sich vielseitiger von allerlei Gliederfüßern (Arthropoda) und Weichtieren (Mollusca). Kleine Reptilien (Reptilia) wie
Schlangen (Serpentes) oder Eidechsen (Lacertidae) stehen ebenfalls auf der Speisekarte. Zu einen kleineren Teil wird auch Aas und pflanzliches wie Früchte gefressen.
Fortpflanzung
Gürteltiere erreichen die Geschlechtsreife mit gut einem Jahr. Auch wenn die Paarungszeit nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden ist, so erfolgen die meisten Geburten jedoch in den Sommermonaten. Gürteltiere leben einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Der Paarung geht meist eine ausgedehnte Phase der Balz voraus. Dabei laufen Männchen, nicht selten auch mehreren Weibchen nach. Die eigentliche Kopulation erfolgt wie bei den meisten Säugetieren von hinten aufreitend. Nach der Paarung trennen sich die Geschlechter wieder. Die Aufzucht des Nachwuchses obliegt ausschließlich den Weibchen. Bei den meisten Arten beginnt mit der Kopulation eine Tragezeit, die sich über 60 bis 65 Tage erstreckt. Bei den nördlichen Beständen des Neunbinden-Gürteltieres (Dasypus novemcinctus) setzt nach der Paarung eine Keimruhe ein. Die Paarungszeit verlängert sich dabei auf rund 120 Tage.
Bei den Weichgürteltiere (Dasypus) zeigt sich eine Besonderheit. Bei dieser Gattung ist Polyembryonie obligatorisch. Bei der Polyembryonie wird nur ein Ei befruchtet, das sich zu mehreren Embryonen teilt. Die Jungtiere sind demnach stets eineiige Mehrlinge und weisen eine genetische Identität auf. Warum das bei den Weichgürteltieren so ist, weiß man nicht genau. Forscher gehen davon aus, dass sich die Jungtiere gegenseitig helfen. Altruistisches Verhalten erweist sich evolutionär als besonders günstig, da sie mehr Erbanlagen gemeinsam haben. Ein enger Kontakt ist jedoch nur bei Jungtieren zu beobachten. Adulte Tiere haben keinen oder nur noch einen geringen Kontakt zu Wurfgeschwistern.
Ökologie, Gefährdung und Schutz
Der Gefährdungsgrad der einzelnen Arten ist ausgesprochen uneinheitlich. Einige Arten gelten als nicht gefährdet (LC, Least Concern), andere stehen auf der Vorwarnliste (NT, Near Threatened). Das Andenborstengürteltier (Chaetophractus nationi), das Pelzgürteltier (Dasypus pilosus), das Riesengürteltier (Priodontes maximus) sowie das Dreibinden-Kugelgürteltier (Tolypeutes tricinctus) gelten als gefährdet (VU, Vulnerable) und werden als solches in der Roten Liste der IUCN geführt. In weiten Bereichen des Verbreitungsgebietes, insbesondere im Amazonasbecken, werden Gürteltiere von der indigenen Bevölkerung wegen seines Fleisches gejagt. Das Fleisch gilt aus ausgesprochen zart und schmackhaft. In der Nähe von Agrarflächen gelten die Tiere zudem als Schädling, da sie durchaus Getreidefelder und ähnliches verwüsten können. Dennoch zählen Gürteltiere eher zu den nützlichen Tieren. Zum einen sorgen sie durch ihren Appetit nach Schadinsekten für die Reduktion der Schädlinge, zum anderen belüften Gürteltiere durch Wühlen und Graben den Erdboden. Neben dem hohen Jagddruck stellen vor allem die Vernichtung sowie die Versiegelung bzw. die Bebauung der natürlichen Lebensräume die größte Gefahr dar.
Systematik der Familie Gürteltiere
Familie: Gürteltiere (Dasypodidae)
- Unterfamilie: Langnasengürteltiere (Dasypodinae)
- Tribus: Weichgürteltiere (Dasypodini)
- Gattung: Weichgürteltiere (Dasypus)
- Gattung: † Dasypodon
- Gattung: † Propraopus
- Tribus: Borstengürteltiere (Euphractini)
- Gattung: Euphractus
- Gattung: Chaetophractus
- Gattung: Zwerggürteltiere (Zaedyus)
- Tribus: Riesen- und Nacktschwanzgürteltiere (Priodontini)
- Gattung: Priodontes
- Gattung: Nacktschwanzgürteltiere (Cabassous)
- Tribus: † Stegotheriini
- Tribus: Kugelgürteltiere (Tolypeutini)
- Gattung: Kugelgürteltiere (Tolypeutes)
- Tribus: Weichgürteltiere (Dasypodini)
- Unterfamilie: Gürtelmulle (Chlamyphorinae)
- Tribus: Chlamyphorini
- Gattung: Gürtelmulle (Chlamyphorus)
- Tribus: Chlamyphorini
Der Stammbaum der Gürteltiere (exklusive der Gürtelmulle) nach Delsuc et al.:
Gürteltiere (Dasypodidae)
├──Langnasengürteltiere (Dasypus)
└──N.N.
├──Euphractinae
│ ├──Zwerggürteltiere (Zaedyus)
│ └──N.N.
│ ├──Sechsbindengürteltiere (Euphractus)
│ └──Borstengürteltiere (Chaetophractus)
│
└──Tolypeutinae
├──Kugelgürteltiere (Tolypeutes)
└──Prionodontini
├──Riesengürteltiere (Priodontes)
└──Nacktschwanzgürteltiere (Cabassous)
Anhang
Literatur und Quellen
- Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
- David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
- Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
- Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
- Karen McBee & Robert J. Baker: Nine-banded Armadillo (Dasypus novemcinctus). The American Society of Mammalogists, 1982
- Kent H. Redford & Ralph M. Wetzel: Yellow Armadillo (Euphractus sexcinctus). The American Society of Mammalogists, 1985
