Eigentliche Nasenbeutler

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Eigentliche Nasenbeutler
Kleiner Kurznasenbeutler (Isoodon obesulus)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Überordnung: Australidelphia
Ordnung: Nasenbeutler (Peramelemorphia)
Familie: Eigentliche Nasenbeutler
Wissenschaftlicher Name
Peramelidae
Gray, 1825

Die Familie der Eigentlichen Nasenbeutler (Peramelidae) zählt innerhalb der Unterklasse der Beutelsäuger (Metatheria) zur Ordnung der Nasenbeutler (Peramelemorphia). In 6 Gattungen werden nach Wilson & Reeder (2005) 18 Arten geführt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Entdeckung

Die erste Art der Eigentlichen Nasenbeutler stammt aus der Region um Sydney. Hier siedelten sich die ersten Europär an. Als erste Art wurde im Jahre 1797 von Shaw der Kleine Kurznasenbeutler (Isoodon obesulus), damals noch als Didelphis obesula beschrieben. Die nächste Art war der Große Langnasenbeutler (Perameles nasuta) und wurde im Jahre 1804 von Baudin beschrieben. Die genauen Fundorte beider Arten sind unbekannt. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden nach und nach alle heute rezenten Arten entdeckt und beschrieben. Der Rote Stachelnasenbeutler (Echymipera rufescens) ist die zuletzt beschriebene Art. Die frühen Funde belegen heute, dass Eigentliche Nasenbeutler noch vor wenigen Hundert Jahren deutlich weiter verbreitet waren als heute. Dies lässt den Schluss zu, dass viele Arten in ihren angestammten Verbreitungsgebieten heute ausgestorben sind. Arten wie der Wüsten-Langnasenbeutler (Perameles eremiana) sind heute bereits völlig ausgestorben und werden in der Roten Liste der IUCN als EX, Extinct geführt. Die Art ist wahrscheinlich zwischen 1943 und 1960 ausgestorben. Der Goldene Kurznasenbeutler (Isoodon auratus) war ursprünglich weit verbreitet. Heute ist die Art nur noch in 2 kleinen Regionen in Western Australia und in Northern Territory zu finden und steht vor der Ausrottung.

Die Ureinwohner spielten aufgrund der guten Kenntnisse der Ökologie bei der Entdeckung der einzelnen Arten eine große Rolle. Sie helfen bei der Suche und dem Fang der Tiere. Viele Arten der Eigentlichen Nasenbeutler führen eine zurückgezogene Lebensweise und sind nur schwer zu finden. Die wichtigsten Funde der frühen Nasenbeutler werden heute in australischen Museen ausgestellt. Bereits früh erkannte man, dass es sich bei den Eigentlichen Nasenbeutlern um eine eigene, zusammenhängende Gruppe handelt. Der Familienname, Peramelidae, wurde schon früh im Jahre 1825 durch Gray geprägt. Ursprünglich zählte man auch die Kaninchennasenbeutler (Macrotis) zu den Eigentlichen Nasenbeutlern. Diese werden jedoch heute in der separaten Familie der Kaninchennasenbeutler (Thylacomyidae) geführt. Unterschiede zeigen sich besonders in der Zahnmorphologie, in der Anzahl der Chromosomen und in serologischer (Serologie: Lehre der Antigen-Antikörper-Reaktionen) Hinsicht.

Die Eigentlichen Nasenbeutler werden heute aufgrund ihrer Verbreitung in 2 Unterfamilien eingeteilt. Dies sind die Neuguinea-Nasenbeutler (Peroryctinae) und die Australischen Nasenbeutler (Peramelinae). Kladistische Analysen des Schädels legen sogar den Schritt nahe, beide Gruppen in separate Familien zu führen. Die ersten Arten der Eigentlichen Nasenbeutler wurde noch in die Gattung Didelphis gestellt. Dies geschah aufgrund der Ungewissheit der tatsächlichen Zugehörigkeit. Die generische Terminologie scheint heute stabil zu sein.

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde stammen aus dem mittleren Miozän und wurden in Australien gefunden. Bei den Funden handelt es sich um ausgestorbene Species der Gattungen Perameles, Peroryctes, Echymipera und Isoodon. Funde aus 2 weiteren nicht rezenten Gattungen sind unbeschrieben.

Verwandtschaft mit anderen Gruppen

Verwandschaftsverhältnisse mit anderen Gruppen basieren meist auf die polyprotodonte Gebissform. Eigentliche Nasenbeutler könnten eine evolutionäre Mittelgruppe zwischen den eher primitiven Raubbeutlern (Dasyuridae) und den höher entwickelten Kletterbeutlern (Phalangeridae) darstellen. Heute werden Beuteltiere in polyprotodonte und diprotodonte Gruppen eingeteilt. Die Einteilung erfolgt demnach nach der Gebissform. Bereits früh erkannte Thomas (1888) die nahe Verwandschaft mit den Raubbeutlern (Dasyuridae). Grundlage hierfür war die Morphologie der Handwurzel. Andere frühe Forscher waren der Meinung, dass die Eigentlichen Nasenbeutler eher mit den Familen der Diprotodontia verwandt seien. Neuere Forschungsergebnisse, so beispielsweise von Bogenschütze (1976) sehen eine enge Verwandtschaft mit der südamerikanischen Gruppe der Beutelratten (Didelphidae). Der Grund für diese Zuordnugn ist insbesondere die abweichende Zahnstruktur zu den Raubbeutlern (Dasyuridae). Auch die craniale Struktur der Eigentlichen Nasenbeutler ähnelt den der Didelphidae, jedoch nicht der Dasyuridae. Es bleibt die Frage, ob eine direkte Verwandtschaft zwischen beiden Gruppen besteht, oder sich die Morphologie der Handwurzel unabhängig voneinander entwickelt hat. Eine weitere Kontroverse ist das Verwandschaftsverhältnis zwischen den Eigentlichen Nasenbeutlern und den Kaninchennasenbeutlern (Thylacomyidae). Ursprünglich zählte man die Arten dieser Gruppe zu den Eigentlichen Nasenbeutlern (siehe 1. Kapitel). Unterschiede zeigen sich insbesondere in der molaren Morphologie. Neuere, immunologische Hinweise lassen jedoch auch den Schluss zu, dass beide Gruppen eine Familie bilden könnten.

Beschreibung

Allgemeines

Das Hauptmerkmal der Familie ist die Verschmelzung der II und III Zehe an den Hinterfüßen. Von den anderen Familien der Diprotodontia unterscheiden sich Eigentliche Nasenbeutler in der Zahnmorphologie. Nasenbeutler weisen im Unterkiefer 3 Paar Schneidezähne auf. Die Arten sind meist alle eher klein. Der Kopf ist klein und die Schnauze ist spitz zulaufend. Die Gliedmaßen sind kurz aber sehr stämmig. Die Zähne sind klein und spitz. Sie wirken eher wie die Zähne der Insektenfresser (Insectivora, Lipotyphla). Der Körper der Nasenbeutler ist grundsätzlich für die grabende Tätigkeit gebaut. Mächtige Klauen an den Vorderpfoten erleichtern das Graben nach Wirbellosen Tieren, die Hauptnahrung der Nasenbeutler. Artabhängig erreicht der Schwanz 25 bis 100% der Körperlänge. Die Vorderbeine sind kürzer als die Hinterbeine. An den Vorderbeinen weisen die Zehen II, III und IV auffällig und stark geglättete Klauen auf, die Zehe V ist reduziert. Das Gebiss weist artabhängig bis zu 48 Zähne auf, die zahnmedizinische Formel lautet i5/1-3, c1/1, p1-3/1-3, m1-4/1-4. Stachelnasenbeutler (Echymipera) und Ceram-Nasenbeutler (Rhynchomeles) verfügen im Gegensatz zu den anderen Gattungen in der Familie nur über 4 Paar obere Schneidezähne. Die Backenzähne der Nasenbeutler weisen allesamt 4 Höcker auf.

Externe Merkmale, Habitus

Eigentliche Nasenbeutler sind überwiegend klein und erreichen eine Körperlänge von 150 bis 500 mm, eine Schwanzlänge von 120 bis 340 mm und ein Gewicht von 200 bis 2.000 g. Kleinere Arten leben meist auf Inseln. Dies sind beispielsweise der Kleine Kurznasenbeutler (Isoodon obesulus), der Goldene Kurznasenbeutler (Isoodon auratus), der Streifen-Langnasenbeutler (Perameles bougainville). Die geringe Größe dieser Arten kann eine Anpassung an die beschränkten Nahrungsressourcen sein. Mausnasenbeutler (Microperoryctes) sind mit einer Körperlänge von 150 bis 170 mm besonders klein. Auch diese Tiere leben in kargen Regionen und führen ein maulwurfartiges Leben. Größere Arten wie Große Neuguinea-Nasenbeutler (Peroryctes) kommen in tropischen Lebensräumen vor und erreichen bei einem Gewicht von bis zu 4.700 g eine Körperlänge von 390 bis 560 mm. Tropische Lebensräume stehen für eine üppige Versorgung mit Nahrung. Somit stellt auch hier die Größe eine Anpassung an den Lebensraum dar. Die australischen Arten sind dorsal und lateral dunkel (bräunlich, rehbraun oder rotbraun) gefärbt, ventral zeigt sich eine weißliche bis cremefarbene Färbung. Eine auffällige Färbung zeigt sich bei keiner Art. Einige Arten weisen eine leichte Streifung auf, was wahrscheinlich der Tarnung dient. Das Fell ist meist weich, bei einige Arten jedoch eher steif und dornig. Die Morphologie der Gliedmaßen spiegelt die ökologische Rolle wieder. Die vorderen Gliedmaßen sind kürzer als die hinteren und dienen den Grabaktivitäten. Bei den Stachelnasenbeutlern (Echymipera) sind die Zehen IV und V besonders lang. Die Ohren bei den Kurznasenbeutlern (Isoodon) und den Stachelnasenbeutlern (Echymipera) sind kurz und gerundet, bei den Langnasenbeutlern (Perameles) sind die Ohren länglich und können eine Länge von bis zu 60 mm erreichen. Der Beutel der Weibchen öffnet sich nach hinten. Ein Weibchen verfügt im Beutel über 6 bis 8 Zitzen. Die Arten auf Neuguinea verfügen über 6, die australischen Arten über 8 Zitzen. Der Schwanz der Eigentlichen Nasenbeutler ist allgemein kurz und dient nicht als Greiforgan. Er ist bei fast allen Arten dicht mit Fell besetzt.

Skelett

Das Skelett der Eigentlichen Nasenbeutler ist bis auf einige Eigentümlichkeiten typisch wie bei allen Beuteltieren. Eigentliche Nasenbeutler sind die einzigen Beuteltiere mit einer gut entwickelten Kniescheibe (lat. Patella). Zudem fehlt den Arten das Schlüsselbein (lat. Clavicula). Die knöchernen Teile der Hinterbeine, insbesondere der Oberschenkelknochen (Lat. Femur), das Schienbein (lat. Tibia), das Wadenbein (lat. Fibula) und die Zehen sind länger als an den vorderen Gliedmaßen. Einzigartig ist auch die zerfurchte Rückseite des Schädels, insbesondere der Lambdanaht (Sutura lambdoidea) zwischen dem Scheitelbein (Os parietale) und Hinterhauptsbein (Os occipitale). In der basicranialen Region sind die gut entwickelten Gehörblasen auffällig. Dies ist besonders bei Arten in halbtrockenen und trockenen Regionen der Fall.

Endokrine und exokrine Systeme

Die endokrinen und exokrinen Systeme, insbesondere der Hautdrüsen, der Drüsen im Verdauungstrakt sowie die rektalen, submaxillaren und sublingualen (unterhalb der Zunge) Drüsen sind bei den meisten Arten mehr oder weniger gut erforscht. Ein zervikaler Thymus ist bei den Nasenbeutlern nicht vorhanden. Die Schilddrüse der Langnasenbeutler (Perameles) ist besonders gut entwickelt und zeigt eine aktive Hormon-Sekretion. Die Plasmakonzentration sowohl von Thyroxin als auch von Triiodthyronin (beides sind Schilddrüsenhormone) ist bei allen Arten ähnlich hoch. Die Milch der Weibchen während der Säugephase weist eine erhöhte Konzentration an Progesteron bzw. Gelbkörperhormon auf.

Exkretion

Fast alle Eigentlichen Nasenbeutler sind dazu in der Lage konzentrierten Urin abzugeben. Dies lässt auf einen niedrigen Wasser- und Stoffwechselumsatz schließen. Insbesondere der Wasserverlust durch die Atmung wird gering gehalten. Zu jahreszeitlichen Schwankungen im Wasserstoffwechsel scheint es nicht zu kommen. Die meisten Arten nehmen kein oder nur selten Trinkwasser zu sich. Ist jedoch Oberflächenwasser vorhanden, so wird dieses durchaus zu sich genommen. Bei trächtigen Weibchen führt die Milchabsonderung zu einem gesteigerten Wasserumsatz.

Bewegungsapparat und Fortbewegung

Eigentliche Nasenbeutler haben unter den Beuteltieren einzigartige Fußstruktur. Das Körpergewicht lastet dabei hauptsächlich auf die hinteren Gliedmaßen, insbesondere auf den distalen Tarsus. Die Breite und Länge der Hinterfüße variiert je nach Art und stellt wahrscheinschin eine lokomotorische Anpassung dar. Stachelnasenbeutler (Echymipera) besitzen besipielsweise kurze aber breite Hinterfüße. Mausnasenbeutler (Microperoryctes) verfügen über deutlich längere Hinterfüße. Die Tiere sind so zu relativ weiten Sprüngen in der Lage. Beweise für einen hüpfenden, bipedalen Gang liegen jedoch nicht vor. Ein springender Gang als Mittel der Fortbewegung kann eine evolutionäre Folge des Bedarfs sein, um kurze kräftige Vorderbeine zum Graben vorzuhalten. Belege liegen hierfür bei den Nasenbeutlern - auch in morphologischer hinsicht - nicht vor. eine bipedale Körperhaltung kommt bei einigen Arten nur bei Drohgebärden zum Einsatz. Senkrechte Sprünge von bis zu 200 cm Höhe sind bei einigen Arten durchaus üblich.

Stoffwechsel und Temperaturregelung

Der Stoffwechselapparat entspricht dem der anderen Beuteltiere und ist angepasst an die ariden und subariden Lebensräume der Tiere. Eigentliche Nasenbeutler sind homoterm, d.h. sie können ihre Körpertemperatur durch Zittern bei Kälte auf eine Durchschnittstemperatur von 34 bis 36° halten. Das Fell dient sowohl in tropischen als auch in gemäßigten und Wüstenregionen der Isolierung. Die Dichte und Länge des Felles ändert sich dabei insbesondere in gemäßigten Regionen jahreszeitlich. Während der warmen Tageszeit halten Eigentliche Nasenbeutler ihre subletale Temperatur durch Bespeichelung von Körperteilen und Schnaufen. Arten in Regionen mit sehr hohen Außentemperaturen kommen so auch mit extremen Temperaturen klar. Andere Arten umgehen die hohen Tagestemperaturen durch eine Nachtaktivität und verbringen den Tag über in einem kühlen Mikroklima in ihrem Bau.

Lebensweise und Verhalten

Die Verhaltens- und Lebensweise ist am Besten bei den Langnasenbeutlern (Perameles) erforscht. Die Erkenntnisse beruhen meist auf Beobachtungen in Gefangenschaft. Die meisten Arten der Eigentlichen Nasenbeutler sind verschwiegen und geben kaum Laute von sich. Nur bei den Vertretern der Langnasenbeutler sind laute, scharfe und quietschende Alarmrufe bekannt. Andere Arten geben meist nur leise zischende Geräusche von sich. Laute geben die Tiere in der Regel nur bei Gefahr ab.

Die Weibchen der Eigentlichen Nasenbeutler liegen lateral bei der Geburt des Nachwuchses. Beim Geburtsvorgang lecken Weibchen den Bereich der urogenitalen Region bis zum Beutel, um dem Nachwuchs das Krabbeln in den Beutel zu erleichtern. Die Jungen krabbeln ansonsten ohne fremde Hilfe in den Beutel. Der Beutel öffnet sich in Richtung der urogenitalen Region. Zur Geburt kommt es am Tage im Nest der Mutter. Die Jungtiere bleiben für 50 bis 54 Tage ausschließlich im Beutel der Mutter. Erst danach bleiben sie im Nest zurück während das Muttertier auf Nahrungssuche geht. Zum Säugen kehren die Jungen immer wieder in den Beutel zurück. Im Alter von 2 bis 3 Monaten folgen die Jungen bereits der Mutter. Die mütterliche Fürsorge kann bei den Nasenbeutlern als minimal bezeichnet werden. Grooming und andere soziale Interaktionen sind bei den Arten nicht bekannt.

Eigentliche Nasenbeutler sind meist dämmerungs- und nachtaktiv. Nur wenige Arten sind gelegentlich auch tagsüber auf Nahrungssuche. Feste Wege im Revier sind nicht bekannt. Ebenso wenig konnten bislang starre Bewegungsmuster festgestellt werden. In Gefangenschaft konnten wechselnde Aktivitätsperioden festgestellt werden. Ob dies auch im Freiland der Fall ist, ist nicht bekannt. Nasenbeutler sind nur wenig neugierig. Weibchen sind meist deutlich aktiver als Männchen. Dies konnte in Freilandstudien belegt werden. Das eigene Nest wird von den Tieren in unregelmäßigen Abständen sauber gehalten. Kot wird mit den Füßen herausgescharrt. Die Nester liegen artabhängig in leichten Vertiefungen an geschützter Stelle in hohlen Baumstämmen, unter Steinhaufen, Felsen oder unter dichten Grasbüscheln. Bei Störungen werden die Nester verlassen.

Über das Sozialverhalten ist nur wenig bekannt. Die meisten Arten, insbesondere die größeren Arten, leben einzelgängerisch, die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Auch zwischen den Weibchen und den Jungtieren hält sich die soziale Bindung in Grenzen. Unter den Männchen kommt es während der Paarungszeit zu Kämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Die Klauen der Vorderbeine dienen dabei als Waffe. Duftdrüsen hinter den Ohren dienen bei beiden Geschlechtern der Reviermarkierung. Männchen sind größer als Weibchen und beanspruchen auch größere Reviere. Neben Sekreten aus den Drüsen dient auch Kot und Urin der Reviermarkierung. Feste Reviergrenzen sind nicht feststellbar, die Reviergrenzen einzelner Individuen überlappen sich daher.

In Bezug auf ihre Nahrung sind Eigentliche Nasenbeutler durchaus flexibel (Siehe Kapitel Ernährung und Verdauungssystem). Nicht selten sind die Tiere auch in der Nähe menschlicher Siedlungen zu Hause und finden hier ihr Auskommen. Die Ernährungsweise kann als opportunistisch bezeichnet werden. Der Hauptschwerpunkt liegt dabei auf wirbellose Tiere.

Die durchschnittliche Wurfgröße liegt bei den Eigentlichen Nasenbeutlern bei 1 bise 7 (3) Jungtiere. Die Wurfgröße kann saisonal und regional und in Verbindung mit den Nahrungsressourcen stark variieren. Zudem ist die Sterblichkeit unter den Jungtieren zu Zeiten unzureichender Nahrung sehr hoch. Die Fortpflanzungsrate ist zwar im Vergleich zu anderen Beuteltieren recht hoch, jedoch deutlich niedriger als bei Mäuseverwandten (Myomorpha). Die Länge der Paarungszeit erstreckt sich regional sehr unterschiedlich und kann sich über das ganze Jahr erstrecken. Artabhängig erstreckt sich die Verweilzeit auf bis zu 54 Tagen, entwöhnt wird der Nachwuchs nach 2 bis 2,5 Monaten. Die Jungen weisen demnach ein hohes Entwicklungstempo auf. Arten in ähnlicher Größe wie die Gewöhnlichen Ringbeutler (Pseudocheirus) weisen eine Beutelzeit von 4 und eine Entwöhnungszeit von 6 Monaten auf. Die adulte Reife stellt sich artabhängig nach spätestens 200 Tagen ein.

Verbreitung und Lebensraum

Vorkommen

Die breiten Verbreitungsmuster in den trockenen und halbtrockenen Regionen sind schwierig zu interpretieren. Verursacht wird diese Schwierigkeit hauptsächlich durch taxonomische Unklarheiten und eine weitreichende fehlende Dokumentation. Nachfolgend eine grobe Übersicht über die Verbreitungsgebiete der einzelnen Arten:

Bis auf Echymipera rufescens gibt es eine strikte Trennung zwischen den australischen Arten und denen in Idonesien und Papua-Neuguinea. Die einzelnen Arten leben bis auf 2 Arten nicht sympatrisch miteinander. Sie weisen völlig getrennte oder sogar endemische Vorkommen auf.

Lebensraum

Die Vorliebe für bestimmte Lebensräume steht in Korrelation mit der Vegetationsstruktur. Einige Arten bevorzugen Lebensräume mit niedrigem Pflanzenbewuchs wie offene Heidelandschaften, andere Arten bevorzugen eine hohe und dichte Bodenvegetation. Im nördlichen Australien werden artabhängig auch lichte Wälder, in Neuguinea auch tropische Regenwälder besiedelt. Regional zeigt sich dabei eine saisonale Trocken- und Regenzeit. In der Nähe des Menschen werden Eigentliche Nasenbeutler mitunter auf Ackerland und in städtischen Bereichen gesehen.

Biozönose

Prädator: Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus)
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Prädator: Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus)

Sympathrie

Über die interspezifische Konkurrenz ist nur wenig bekannt. Die Arten der Eigentlichen Nasenbeutler leben in der Regel in unterschiedlichen Lebensräumen und ernähren sich meist unterschiedlich. Eine echte Nahrungs- und Lebensraumkonkurrenz entsteht so nicht oder nur selten.

Prädatoren

Unter den einheimischen Raubtierarten stellen Eigentlichen Nasenbeutlern nur einige Raubbeutlerartige (Dasyuromorphia) wie der Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus) oder der Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus) nach. Dies hat sich seit der Besiedlung Australiens durch die Europäer jedoch geändert. Zahlreiche Fleischfresser wurden in den letzten 3 Jahrhunderten auf das australische Festland eingeführt, die nunmehr den Beuteltieren nachstellen. Zu den eingeführten Raubtieren gehören insbesondere Rotfüchse (Vulpes vulpes) und Dingos (Canis lupus dingo) sowie Haushunde (Canis lupus familiaris) und Hauskatzen (Felis catus).

Parasiten

Zu den häufigsten Ektoparasiten gehören Flöhe (Siphonaptera) und Zecken (Ixodida). Im Bereich der australischen Ostküste tritt vor allem die Zecke Ixodes holocyclus auf. Ebenfalls weit verbreitet sind Milben (Acari, Acarida) und Tierläuse (Phthiraptera). Neben den genannten Ektoparasiten treten auch zahlreiche Endoparasiten auf. Hier sind insbesondere Protozoen (Protozoa), Fadenwürmer (Nematoda), Saugwürmer (Trematoda), Bandwürmer (Cestoda), Kratzwürmer (Acanthocephala) und Zungenwürmer (Pentastomida) zu nennen.

Ernährung und Verdauungssystem

Die Zähne weisen Wurzeln auf und sind spitz und scharf. Sie sind damit optimal geeignet, Insekten zu fressen. Die oberen Schneidezähne verfügen über geglättete Kronen und sind schlank. Die Eckzähne sind schlank und spitz. Sie sind zwischen den Geschlechtern leicht dimorph, d.h. die Eckzähne sind bei den Männchen etwas größer als bei den Weibchen. Die vorderen Backenzähne sind schmal, die hinteren sind leicht viereckig und weisen 4 Höcker auf. Die viereckigen Backenzähne stellen eine Anpassung an die Ernährungsgewohnheiten dar. Eigentliche Nasenbeutler gelten als Allesfresser. Der Blinddarm ist gut entwickelt. Der Blinddarm der Schweinsfuß-Nasenbeutler (Chaeropus) ist relativ länger als bei den Langnasenbeutlern (Perameles). Dies hängt mit der hauptsächlich pflanzlichen Nahrung zusammen. Als opportunistische Allesfresser ernähren sich Eigentliche Nasenbeutler insbesondere von Insekten (Insecta) und anderen kleinen Gliederfüßern (Arthropoda). Aber auch Pilze, Wurzeln, Knollen, Früchte und fettreiche Sämereien krautiger Pflanzen stehen weit oben auf der Speisekarte.

Fortpflanzung

Der diploide Chromosomensatz (2n) beträgt 14. Die reine Tragezeit ist mit 20 bis 26 Tage sehr gering. Ist ein Jungtier im Beutel oder ist ein Milchfluss vorhanden, so wird der Östrus des Weibchens unterdrückt. Die Paarungsaktivitäten erfolgen aufgrund der Nachtaktivität ausschließlich in der Nacht. Die Jungen entwickeln sich rasch. Die Klauen der Hinterfüße wachsen meist gegen Ende der ersten Woche, die Krallen der Vorderfüße sind bereits bei der Geburt vorhanden. Die Vibrissen sind im Alter von knapp 3 Wochen gewachsen, das Fell stellt sich im Alter von etwa 40 Tagen ein. Die Augen öffnen sich im Alter von 45 Tagen. Gegen Ende der Säugezeit sinkt die Lipidkonzentration in der Milch und die Konzentration an Kohlehydrate steigt. Die Lebenserwartung ist weitestgehend unbekannt, wird jedoch in Freiheit auf etwa 3 Jahre geschätzt.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In städtischen Vororten gelten Eigentliche Nasenbeutler mitunter als Ärgernis, da die Tiere häufig im Rasen nach Insekten wühlen. Die australischen Arten der Eigentlichen Nasenbeutler wurden in den letzten 100 Jahren besonders stark dezimiert. Alle Arten in den halbtrockenen und trockenen Zonen sind entweder ausgestorben oder kleine Restpopulationen wurden reduziert. Der Wüsten-Langnasenbeutler (Perameles eremiana) ist bereits ausgestorben, der Ceram-Nasenbeutler (Rhynchomeles prattorum), Peroryctes broadbenti, der Streifen-Langnasenbeutler (Perameles bougainville) und der Kiriwina-Stachelnasenbeutler (Echymipera davidi) gelten als stark gefährdet und stehen kurz vor der Ausrottung. Die Populationen der Goldenen Kurznasenbeutler (Isoodon auratus) sind gefährdet. Für andere Arten liegen keine Zahlen vor, man kann jedoch davon ausgehen, dass auch diese Arten mehr oder weniger stark gefährdet sind. Die Hauptgefahr geht von der Vieh- und Landwirtschaft aus. Insbesondere Rinder und Schafe grasen in den natürlichen Lebensräumen der Nasenbeutler. Eine weitere große Gefahr stellen eingeschleppte Raubtiere wie der Rotfuchs (Vulpes vulpes) und die Hauskatze (Felis catus) dar.

Systematik der Nasenbeutler

Kladogramm der Nasenbeutler:

Nasenbeutler (Peramelemorphia)
  ├── Schweinsfuß-Nasenbeutler (Chaeropus)
  └── N.N.
     ├── Kaninchennasenbeutler (Macrotis)
     └── Eigentliche Nasenbeutler (Peramelidae)
         ├── Neuguinea-Nasenbeutler (Peroryctinae)
         └── Australische Nasenbeutler (Peramelinae)
             ├── Langnasenbeutler (Perameles)
             └── Kurznasenbeutler (Isoodon)

Familie: Eigentliche Nasenbeutler (Peramelidae)

Gattung: Kurznasenbeutler (Isoodon)
Art: Großer Kurznasenbeutler (Isoodon macrourus)
Art: Kleiner Kurznasenbeutler (Isoodon obesulus)
Art: Goldener Kurznasenbeutler (Isoodon auratus)
Gattung: Langnasenbeutler (Perameles)
Art: Großer Langnasenbeutler (Perameles nasuta)
Art: Tasmanischer Langnasenbeutler (Perameles gunnii)
Art: Streifen-Langnasenbeutler (Perameles bougainville)
Art: Wüsten-Langnasenbeutler (Perameles eremiana)
Gattung: Stachelnasenbeutler (Echymipera)
Art: Flachstachelnasenbeutler (Echymipera kalubu)
Art: Roter Stachelnasenbeutler (Echymipera rufescens)
Art: Japen-Stachelnasenbeutler (Echymipera clara)
Art: Menzies-Stachelnasenbeutler (Echymipera echinista)
Art: Kiriwina-Stachelnasenbeutler (Echymipera davidi)
Gattung: Mausnasenbeutler (Microperoryctes)
Art: Eigentlicher Mausnasenbeutler (Microperoryctes murina)
Art: Mura-Nasenbeutler (Microperoryctes papuensis)
Art: Langschwanz-Nasenbeutler (Microperoryctes longicauda)
Art: Microperoryctes aplini
Gattung: Große Neuguinea-Nasenbeutler (Peroryctes)
Art: Peroryctes raffrayana
Art: Peroryctes broadbenti
Gattung: Ceram-Nasenbeutler (Rhynchomeles)
Art: Ceram-Nasenbeutler (Rhynchomeles prattorum)

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • G. GORDON & A.J. HULBERT: Fauna of Australia: Mammals, Vol Ib: 001, Australian Govt Pub Service, 1989 (engl.) ISBN 978-0644077095
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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