Buschschwanz-Rennmaus

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Buschschwanz-Rennmaus

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Rennmäuse (Gerbillinae)
Tribus: Rennmäuse (Gerbillini)
Untertribus: Merionina
Gattung: Buschschwanz-Rennmäuse (Sekeetamys)
Art: Buschschwanz-Rennmaus
Wissenschaftlicher Name
Sekeetamys calurus
Thomas, 1892

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Buschschwanz-Rennmaus (Sekeetamys calurus) zählt innerhalb der Familie der Langschwanzmäuse (Muridae) zur Gattung der Buschschwanz-Rennmäuse (Sekeetamys). Innerhalb dieser Hattung ist die Buschschwanz-Rennmaus die einzige Art.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Buschschwanz-Rennmaus erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 10 bis 12,5 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 13 bis 16 Zentimeter sowie ein Gewicht von 40 bis 50 Gramm. In Gefangenschaft erreichen die Tiere ein deutlich höheres Gewicht. Das Fell weist eine gelbliche bis leicht rötliche Färbung auf. Dorsal ist das Fell zudem mit schwarzen Haarspitzen durchsetzt. Ventral ist das Fell weißlich gefärbt. Der lange und buschige Schwanz weist eine graubraune Färbung auf. Die Schwänze der Männchen erscheinen deutlich buschiger und dienen dem Imponiergehabe. Die großen trichterartigen Ohren sitzen weit hinten am Kopf. Der Kopf ist zur Schnauze hin spitz zulaufend. Die Augen sind auffallend groß, was auf die überwiegend nachtaktive Lebensweise schließen lässt. Im Bereich der Schnauze befinden sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Kommunikation dienen. Die Fußsohlen der hinteren Füße weisen kein Fell auf, so kann die Buschschwanz-Rennmaus exzellent auf felsigem Untergrund klettern ohne abzurutschen. Augrund des rauen und warmen Klimas in ihrem Lebensraum haben sich die Buschschwanz-Rennmäuse optimal an den natürlichen Lebensraum angepasst. Bei warmen Temperaturen verringern sie ihre Metabolismus (Stoffwechsel) deutlich, um der Dehydrierung zu entgehen.

Lebensweise

Buschschwanz-Rennmäuse sind überwiegend nachtaktive Tiere. Nur sehr selten lassen sie sich auch am Tage beobachten. Die Aktivität richtet sich nach der Außentemperatur. Während der warmen Tageszeit halten sie sich grundsätzlich in ihren Erdbauten auf. Die Hauptaktivität entfalten sie zwischen den späten Abendstunden und den frühen Morgenstunden. Die Erdbauten sind in lockeren Boden gegraben und verfügen über mehrere Ein- und Ausgänge. Ein Bau besteht aus mehreren Räumen, die der Nahrungsspeicherung, als Kotplätze und zum Schlafen oder als Geburtsstätte für den Nachwuchs dienen. Buschschwanz-Rennmäuse leben gesellig in Kleinstgruppen oder kleinen Familiengruppen. Sie gelten als durchaus territorial und beanspruchen je nach Geschlecht oder Gruppengröße ein Revier von ein bis drei Hektar. Weichen leben zumeist in kleineren Revieren. Vor allem unter Männchen herrscht ein striktes Konkurrenzdenken. <1>

Verbreitung

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Die Buschschwanz-Rennmaus ist im Nahen Osten und im nordöstlichen Afrika verbreitet. Sie kommt insbesondere in den Wüstengebieten vom östlichen Ägypten, dem südöstlichen Israel und westlichen Jordanien sowie in Teilen des zentralen Saudi-Arabiens und im nordöstlichen Sudan vor. Ausgesprochen trockene, wüstenartige Habitate bilden den natürlichen Lebensraum der Buschschwanz-Rennmaus. Sie ist dabei vor allem auf sandigen und felsigen Stellen anzutreffen. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in der Negev-Wüsten, auf dem Staatsgebiet von Ägypten, Israel und Jordanien sowie auf der Sinai-Halbinsel.

Prädatoren

Prädator: Fennek (Vulpes zerda)
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Prädator: Fennek (Vulpes zerda)

Zu den natürlichen Fleischfressern der Buschschwanz-Rennmaus gehören beispielsweise der Rüppellfuchs (Vulpes rueppelli), der Klippschliefer (Procavia capensis), der Blassfuchs (Vulpes pallida) sowie der Fennek (Vulpes zerda). Sie fällt gelegentlich auch in den Wüstengebieten ansässigen Eulen (Strigiformes) sowie einigen Schlangen (Serpentes) zum Opfer. Bei Gefahr trommeln Buschschwanz-Rennmäuse mit den Hinterbeinen und warnen so in der Nähe befindliche Artgenossen. Lässt sich ein Fleischfresser von den trommelnden Geräuschen nicht abschrecken, so ergreift eine Buschschwanz-Rennmaus die Flucht. Sie kann dabei recht hohe Geschwindigkeiten erreichen. Sie sucht meist Schutz unter Felsen oder an ähnlich schützenden Stellen.

Ernährung

Buschschwanz-Rennmäuse gehören zu den opportunistischen Allesfressern. Auf ihrer Speisekarte stehen neben pflanzlicher Nahrung wie Sämereien, Blätter, Früchte, Gräser und Kräuter auch tierische Kost wie Insekten (Insecta), deren Larven und kleine wirbellose Tiere. In den kargen Lebensräumen ist die Buschschwanz-Rennmaus alles andere als wählerisch. Die Zusammensetzung kann saisonal stark schwanken. Für Zeiten, in denen Nahrung Mangelware ist, legen die Tiere in ihren Bauten Nahrungsvorräte an. Sie horten in der Regel Sämereien und andere haltbare Pflanzenteile. Auf Trinkwasser sind Buschschwanz-Rennmäuse nicht angewiesen, sie decken ihren Wasserbedarf ausschließlich über die Nahrung.

Fortpflanzung

Buschschwanz-Rennmäuse erreichen die Geschlechtsreife im Alter von drei, spätestens mit vier Monaten. Die Paarungszeit liegt je nach Verbreitungsgebiet zwischen Ende Januar und März. Während dieser Zeit kommt es lediglich zu einem Wurf. Die Paarfindung erfolgt über den hoch entwickelten Geruchssinn. Männchen nehmen die Witterung eines Weibchens über Pheromone wahr, die vom Weibchen abgegeben werden. Ist ein Weibchen ausgemacht, so folgt eine Balz, die durch trampelnde Geräusche gekennzeichnet sind, und nur vom Männchen ausgehen. Mit diesen Geräuschen bekundet ein Männchen sein Interesse an einer Partnerschaft. Im folgenden kommt es zu kleinen Verfolgungsjagden, bei denen das Weibchen das Männchen vor sich herjagt. Eine solche Verfolgungsjagd kann sich über Minuten oder gar Stunden hinziehen. Am Ende kommt es dann zur Kopulation. Anders als die meisten anderen Nagetiere, so leben Buschschwanz-Rennmäuse ausgesprochen monogam, eine mehr oder weniger feste Paarbindung ist bei ihnen die Regel. Die Paarbindung hält jedoch nur eine Saison. Während der Tragezeit und der Aufzuchtzeit des Nachwuchses bleiben die Geschlechter in engem Kontakt. Erst danach lösen sie ihre Verbindung und gehen wieder getrennte Wege. Nach einer Tragezeit von 22 bis 24 Tagen bringt ein Weibchen zwischen ein und fünf, durchschnittlich jedoch nur drei Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt im Geburtskessel eines Erdbaues. Gesäugt wird der Nachwuchs meist um die vier bis fünf Wochen. Ab diesem Zeitpunkt erlangt der Nachwuchs die Unabhängigkeit und geht eigene Wege. Um die Versorgung des Nachwuchses kümmert sich in einem gewissen Umfang auch das Männchen. Aufgrund der zahlreichen Fleischfresser erstreckt sich die Lebenserwartung über kaum ein Jahr. In Gefangenschaft können sie durchaus ein Alter von vier bis fünf Jahre erreichen.

Ökologie

Nahrungskonkurrent: Fette Sandratte (Psammomys obesus)
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Nahrungskonkurrent: Fette Sandratte (Psammomys obesus)

In den kargen Lebensräumen leben Buschschwanz-Rennmäuse in Nahrungskonkurrenz zu anderen Mäuse. Als wichtigster Vertreter ist hier die Goldstachelmaus (Acomys russatus) zu nennen. Weitere Species wie Wüstenspringmäuse (Jaculus), die Kleine Ägyptische Rennmaus (Gerbillus gerbillus), die Wagner-Rennmaus (Gerbillus dasyurus), die Henley-Rennmaus (Gerbillus henleyi), die Ägyptische Stachelmaus (Acomys cahirinus), die Baluchistan-Rennmaus (Gerbillus nanus) und die Fette Sandratte (Psammomys obesus) kommen hier ebenfalls in Frage.<2> Beide Arten konkurrieren sowohl um Nahrung als auch um geeignete Nistplätze und Nistmaterial. In den wüstenähnlichen Habitaten ist alles Mangelware. Die Nahrungsvorräte in ihren Erdbauten werden von der Buschschwanz-Rennmaus vehement gegenüber Artgenossen und anderen Mäusen verteidigt. Buschschwanz-Rennmäuse bilden einen entscheidenden Teil in ihrem Ökosystem. Auf der einen Seite fressen sie eine Vielzahl an Schadinsekten, auf der anderen Seite bilden sie die Nahrungsgrundlage für räuberisch lebende Säugetiere und Vögel. In der Nahrungskette nimmt die Buschschwanz-Rennmaus demzufolge eine wichtige Rolle ein. Seit Jahren stehen die Buschschwanz-Rennmäuse auf der Liste des internationalen Tierhandels. Sie werden oft im Haustierhandel zum Kauf angeboten und vor allem in privater Hand häufig gehalten. Buschschwanz-Rennmäuse kommen in der Industrie auch als Labortiere in Betracht. Die Tiere gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten, daher werden sie in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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