Äskulapnatter

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Äskulapnatter

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Nattern
Unterfamilie: Eigentliche Nattern
Gattung: Zamenis
Art: Äskulapnatter
Wissenschaftlicher Name
Zamenis longissimus
Laurenti, 1768

Die Äskulapnatter (Zamenis longissimus) zählt innerhalb der Familie der Nattern (Colubridae) zur Gattung Zamenis. Benannt wurde die Äskulapnatter nach dem griechischen Gott Äskulap. Bis vor kurzem wurde die Äskulapnatter der Gattung der Elaphe zugeordnet. Während einer Revision im Jahr 2002 wurden Teile der Gattung Elaphe anderen Gattungen zugeordnet. So auch die Äskulapnatter, die nunmehr der Gattung Zamenis angehört. Die bisherige Unterart Zamenis longissimus romana, die Italienische Äskulapnatter, wird heute als eigene Art, Zamenis lineatus, geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die kräftig gebaute Äskulapnatter erreicht eine Länge von 150 bis 180, selten auch bis 200 Zentimeter oder darüber. Das Gewicht reicht von 250 bis über 400 Gramm und hängt von der Länge und dem Geschlecht ab. Die Männchen werden etwas länger und schwerer als Weibchen, was unter Schlangen untypisch ist. Die südlichen Populationen werden länger als die nördlichen. Sie ist die mit Abstand größte einheimische sowie mitteleuropäische Schlangenart. Je nach Verbreitungsgebiet reicht die Grundfärbung von einem hellen bis gelblichen Braun bis zu einem gräulichen Schwarzbraun. Auch olivgrüne Populationen sind bekannt. Vereinzelt sind Rücken- und Flankenschuppen mit einem weißen Band abgesetzt. Die Bauchseite ist meist cremefarben, gelblich oder weist einen leichten Grünstich auf. Die Beschuppung auf Rücken und den Flanken ist glatt, die Bauchbeschuppung ist leicht gekielt. Dadurch sind sie ausgezeichnete Kletterer. Der schmale und kleine Kopf setzt sich nur wenig vom Körper ab. Die Schnauze endet stumpf. Oberhalb der Augen ist ein dunkles Band zu erkennen, das bis zum Hals reicht. Die mittelgroßen Augen weisen runde Pupillen auf.

Die tagaktive Äskulapnatter bevorzugt sonnige Plätze, hat ihre aktivste Zeit bei zu starker Hitze allerdings in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. Während der kalten Jahreszeit hält sie eine recht lange Winterruhe, die meist im September oder Oktober beginnt und Anfang Mai endet. Als frostfreie Winterquartiere dienen meist tiefliegende Nagerbauten. Die Äskulapnatter kann zwar sehr gut klettern, lebt aber überwiegend auf dem Erdboden. Zu den natürlichen Feinden zählen Räuber wie Iltisse, Dachse, verschiedene Marder, Wildschweine und Greifvögel wie der Mäusebussard und Schlangenadler. Bei starker Bedrohung kann es zu Abwehrbissen kommen. Darüber hinaus kann sie ein übelriechendes Sekret aus ihren Analdrüsen absondern.

Äskulapnatter im natürlichen Biotop im Donauengtal
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Äskulapnatter im natürlichen Biotop im Donauengtal

Gefährdung, Schutz

Äskulapnattern stehen aufgrund des Washingtoner Artenschutzabkommens in Anhang II unter weltweitem Schutz. Die Haltung ist nur mit entsprechenden Papieren (CITES) erlaubt. In Deutschland werden sie durch die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) streng geschützt, da sie in Deutschland vom Aussterben bedroht sind. In Österreich gilt die Art als gefährdet, in der Schweiz als stark gefährdet. In den übrigen Verbreitungsgebieten sind die Bestände der Äskulapnatter mehr oder weniger gesichert.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Äskulapnatter reicht von Südeuropa bis nach Vorderasien. Dazu gehören insbesondere Nordspanien, Frankreich, Sardinien, Italien, Österreich, Schweiz, Tschechien, Süd-Polen, Griechenland, alle Balkan-Staaten, Türkei, Kaukasien und der Iran. In Deutschland gibt es kleine isolierte Populationen im Taunus, im Odenwald sowie im südlichen Schwarzwald. Die Schlangen bevorzugen feuchtwarme und sonnige Lebensräume. Sie sind meist an Flussufern, in Steinbrüchen, Ruinen, Waldlichtungen und in Auwäldern anzutreffen. In Höhenlagen kann man sie bis in Höhen von 2.000 Metern beobachten. Alpine Regionen werden allerdings gemieden. Die meisten Populationen leben im Tiefland.

Nahrung

Äskulapnattern sind nicht wählerisch. Sie fressen alles was sie überwältigen können. Dazu gehören neben Kleinnagern, Eidechsen, Vögel sowie deren Brut und Eier auch andere Schlangen. Auf Nahrungssuche gehen sie sowohl auf Bäumen als auch auf dem Erdboden. Größere Beute wird durch Konstriktion (Umschlingen und Erwürgen) getötet, kleine Beute zwischen den Kiefern zerquetscht. Mit dem Kopf voran wird sie dann im Ganzen verschlungen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Äskulapnatter zwischen dem vierten bis fünften Lebensjahr. Die Paarungszeit beginnt im Mai, also nach der Winterruhe. Während der Paarungszeit kommt es unter den Männchen regelmäßig zu ritualisierten Scheinkämpfen, die allerdings nie mit Verletzungen enden. Das unterlegene Männchen gibt am Ende nach und schleicht sich von dannen. Beim eigentlichen Paarungsspiel umschlingen sich die Geschlechter regelrecht und es kommt einem, bei Reptilien üblichen, Nackenbiss. Zu diesem Zeitpunkt erfolgt dann die eigentliche Begattung des Weibchens.

Nach einer Trächtigkeit von gut sechs Wochen legt das Weibchen an einer feuchtwarmen Stelle, meist in feuchte Erde oder in Pflanzenresten wie Komposthaufen, zwischen fünf bis zehn, selten auch bis 20 ovale, weißliche Eier ab. Die Eier weisen eine Länge von 35 bis 45 mm sowie eine Dicke von 19 bis 24 mm auf. Nach einer Inkubationszeit von durchschnittlich 60 Tagen schlüpfen die Jungschlangen, die eine Länge von 27 bis 30 cm aufweisen. Nach etwa 14 Tagen erfolgt die erste Häutung. Die Jungschlangen weisen eine helle Färbung auf, die durch dunkle Flecken unterbrochen ist. Äskulapnattern können ein Alter von bis zu 30 Jahren erreichen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Roland Bauchot: Schlangen, Weltbild Verlag, 1999, ISBN 3-8289-1501-9
  • Dieter Schmidt: Nattern faszinierend & exotisch, Gräfe & Unzer, Auflage 1 (Februar 2005), ISBN 3774269475

Weblinks

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