Zwergschimpanse

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Bonobo

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Teilordnung: Altweltaffen (Catarrhini)
Familie: Menschenaffen (Hominidae)
Gattung: Schimpansen (Pan)
Art: Bonobo
Wissenschaftlicher Name
Pan paniscus
Schwarz, 1929

IUCN-Status
Endangered (EN) - IUCN

Der Bonobo (Pan paniscus), der auch Zwergschimpanse (veraltet) genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Menschenaffen (Hominidae) zur Gattung Schimpansen (Pan). Der nächste Verwandte des Bonobo ist der Gemeine Schimpanse (Pan troglodytes). Ihre stammesgeschichtliche Entwicklung trennte sich vor etwa 1,5 Millionen Jahren.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Bonobo erreicht aufgerichtet eine Körperhöhe von 110 bis 120 cm sowie ein Gewicht von 30 bis 50 Kg. Männchen sind im Schnitt ein Drittel schwerer als Weibchen. Beiden gemeinsam ist der äußerst zierliche Körperbau. Das Fell ist überwiegend dunkelgrau bis schwarz. Bonobos haben ein deutlich längeres Fell als die Gemeinen Schimpansen. Hände und Füße sind an den Innenseiten unbehaart. Das Gesicht ist ebenfalls unbehaart, weist im unteren Bereich aber einen ausgeprägten Backenbart auf. Die Augen liegen tief in den Augenhöhlen, die Ohren befinden sich an den Kopfseiten und stehen leicht ab.

Bonobos sind tagaktive Primaten, die sowohl auf dem Boden als auch in den Bäumen leben. Sie sind gute Kletterer und verbringen vor allem die Nacht in den Bäumen. Dazu bauen sie sich täglich neue Schlafnester in Astgabeln oder an ähnlichen Plätzen. Auf dem Boden gehen sie meist auf allen Vieren und bewegen sich im Knöchelgang fort. Recht oft sieht man sie aber aber auch auf zwei Beinen. Physikalisch sind sie dazu recht gut in der Lage.

Die Primatenart lebt in sozialen Gruppen von 30 bis 50, selten auch bis 100 Tieren. Auf der Nahrungssuche teilen sich die großen Gruppen in der Regel in kleinere Streifgruppen auf. Sie bewohnen Reviere in einer Größe von 15 bis 30 Quadratkilometer. Es gibt keinen direkten Anführer einer Gruppe. Allerdings bilden Weibchen Allianzen und bilden so den Kern einer Gruppe. Männchen bilden diese nicht. Innerhalb der sozialen Struktur zählt die Sexualität zu der herausragenden Interaktion. Es bestehen in der Gruppe keine festen Partnerschaften. In der Regel paart sich ein Weibchen mit allen Männchen und umgekehrt. Zu Paarungen kommt es aber nicht nur zum Zwecke der Fortpflanzung. Auch zur Begrüßung und zur Bewältigung von Konflikten kommt es regelmäßig zu sexuellen Kontakten. Auch Inzest, Selbstbefriedigung und homosexuelle Kontakte sind die Regel.

Bonobo
vergrößern
Bonobo

Bonobos sind nahe mit dem Menschen verwandt. 98,4 Prozent der Gene stimmen mit dem Menschen überein. Das macht sich nicht nur bei der sozialen Struktur bemerkbar, sondern erstreckt sich auch über den Gebrauch von Werkzeugen, die zum Nahrungserwerb und nicht selten auch bei Handgreiflichkeiten eingesetzt werden. Sie gehören auch zu den wenigen Arten, die in einem Spiegel ihr eigenes Ich erkennen können. Leider steht es um die Bonobos nicht gut. Bereits seit 1965 stehen Bonobos in der Roten Liste des IUCN. Aktuell gilt die Art als gefährdet. Freilebende Bestände werden auf unter 20.000 Tiere geschätzt. Hauptgrund für den starken Rückgang in den letzten Jahrzehnten ist der verstärkte Rückgang des Lebensraumes und die starke Bejagung durch den Menschen. Das Fleisch gelangt als sogenanntes Buschfleisch auf die lokalen Märkte im Kongo.

Verbreitung

Bonobos leben in einem relativ eng eingegrenztem Gebiet in Zentralafrika. Genauer gesagt im Kongobecken im schwarzafrikanischen Staat Kongo. Der tropische Regenwald und die Sumpfwälder entlang des Kongo, dessen Oberlaufs und der Flüsse Lualaba und Kasai bilden das natürliche Verbreitungsgebiet. Die Gesamtfläche dieses Gebietes erstreckt sich über 500.000 Quadratkilometer und ist somit deutlich größer als Deutschland.

Nahrung

Bonobos ernähren sich fast ausschließlich vegetarisch. Zum Nahrungsspektrum gehören unter anderem Früchte, Blätter, Sämereien, Kräuter, Knospen und Blüten. Nur sehr selten nehmen sie auch Insekten und kleinere Wirbeltiere zu sich.

Fortpflanzung

Bonobo
vergrößern
Bonobo

Bonobos erreichen die Geschlechtsreife mit rund neun Jahren. Sie leben polygam und verpaaren sich mehr oder weniger "unkontrolliert" innerhalb ihrer Gruppe. Die Paarungszeit ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden, eine Paarung kann ganzjährig erfolgen. Während des Östrus tritt bei den Weibchen eine deutlich sichtbare Regelschwellung auf. Die Tragezeit bei den Bonobos beträgt 225 bis 230 Tage. Ein Weibchen bringt meist nur ein Jungtier zur Welt. Zwillinge sind sehr selten. Bei der Geburt wiegt ein Jungtier etwa 1.200 bis 1.300 Gramm und klammern sich instinktiv an den Bauch der Mutter fest.

Während der Aufzucht kümmert sich meist nur die Mutter oder weibliche Verwandte der Mutter um den Nachwuchs. Väter, die eh nicht identifiziert werden können, spielen dabei keine Rolle. Die Entwöhnung von der Muttermilch beginnt etwa mit dem vierten Lebensjahr und kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Geschlechtsreife Weibchen verlassen meist ihre Gruppe in der sie geboren wurden, Männchen hingegen bleiben in der Gruppe. Körperlich ausgewachsen sind Bonobos mit etwa fünfzehn Jahren. In freier Wildbahn können sie ein Alter von 30 bis 35 Jahren erreichen. In Gefangenschaft ist durchaus auch ein Alter von 45 bis 50 Jahren möglich.


Galerie


Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

'Persönliche Werkzeuge