Zwergradnetzspinne

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Zwergradnetzspinne
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Radnetzspinnen (Araneoidea)
Familie: Zwergradnetzspinnen (Theridiosomatidae)
Gattung: Zwergradnetzspinnen (Theridiosoma)
Art: Zwergradnetzspinne
Wissenschaftlicher Name
Theridiosoma gemmosum
Koch, 1877

Die Zwergradnetzspinne (Theridiosoma gemmosum), auch als Zwergkreuzspinne bekannt, gehört innerhalb der Familie der Zwergradnetzspinnen (Theridiosomatidae) zur Gattung der Zwergradnetzspinnen (Theridiosoma). In Europa kommt nur eine Art vor.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Zwergradnetzspinne ähnelt im Körperbau den Haubennetzspinnen (Theridiidae). Ihr fehlt aber die typische regelmäßige Beborstung der Hintertarsen. Diese Art wurde ursprünglich auch als Haubennetzspinne beschrieben. Diese winzige Spinnenart erreicht als Männchen maximal 1,5 Millimeter, als Weibchen etwa 2 Millimeter Körperlänge. Die Färbung des Vorderkörpers ist hellbraun mit variabler, schwarzer Zeichnung, die des ausgesprochenen kugeligen Hinterkörpers dunkelbraun mit zahlreichen, silbern oder golden glänzenden Perlmuttflecken. Diese sind so dicht nebeneinander angeordnet, dass die Färbung insgesamt ziemlich hell erscheint. Auf der Oberseite erkennt man ein perlmuttern glänzendes Mittelband, das sich nach hinten zu aufspaltet. Des Weiteren zeichnen sich perlmuttern glänzende Flecken ab. Die Zeichnung ist oft undeutlich. Der Hinterkörper ist im oberen Teil so weit nach vorn gewölbt, dass sein vorderes Ende fast über den hinteren Augen liegt. Die beiden vorderen Beinpaare sind auffallend kurz und kräftig, insbesondere die Schenkel und Schienen der ersten Beinpaare erscheinen mehr oder weniger verdickt. Die Beine weisen eine dunkelbraune bis schwarze Färbung auf. Bei dem Männchen fallen die vergleichsweise riesigen Pedipalpen auf. Die kugeligen Tasterbulben entsprechen in der Größe etwa dem gesamten Vorderkörper. Die adulten Tiere findet man von April bis Juni. Die Weibchen sind auch noch im Juli anzutreffen.

Lebensweise

Die Zwergradnetzspinne lebt stets im unmittelbaren Uferbereich, auf im flachen Wasser stehenden Pflanzen ebenso wie landseitig in der dichten Ufervegetation.
Zwergradnetzspinne im Netzzentrum
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Zwergradnetzspinne im Netzzentrum
Man kann sie eigentlich nur finden, wenn man einen stabilen Kescher in diesem Grenzbereich entlangführt und sich dabei nicht scheut, ihn auch ins Wasser zu tauchen. In diesem Übergangsbereich zwischen Wasser und Land baut die Zwergradnetzspinne ihr Fangnetz dicht über dem Wasserspiegel bzw. dem Erdboden. Es besteht aus einem mehr oder weniger vertikal ausgerichteten Radnetz, dessen Speichen sich aber im deutlichen Unterschied zu den Araneiden-Radnetzen dicht neben der Nabe gabelig verzweigen. Vom Netzzentrum aus führt ein Signalfaden schräg zur Seite weg. Die Zwergradnetzspinne sitzt meist unter der Nabe mit ihrem Vorderende in Richtung des Signalfadens und rafft diesen mit ihren kräftigen Vorderbeinen etwas zusammen. Dadurch spannt sich der Faden, und die Netzebene senkt sich in der Mitte zur Trichterform ein, vergleichbar mit einem umgeklappten Regenschirm. Verfängt sich nun ein Insekt in der Fangspirale, läßt die Zwergradnetzspinne den Signalfaden los, und das Netz schnappt in die ursprüngliche Ebene zurück. Manchmal wird es auf diese Weise sogar einer vorbeifliegenden Mücke als Schlagfalle entgegengeschleudert.

Verbreitung

Die Zwergradnetzspinne hält sich vorwiegend an schattigen, dicht bewachsenen Ufern stehender und fließender Gewässer, besonders entlang der großen Stromtäler Süddeutschlands (Rhein, Main, Donau) auf.
Eikokon der Zwergradnetzspinne
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Eikokon der Zwergradnetzspinne
Sie galt bisher als große Rarität, wurde aber vermutlich in den meisten Gebieten aufgrund der geringen Größe und der versteckten Lebensweise nur übersehen.

Die Zwergradnetzspinne ist in ganz Europa und bis Zentralasien verbreitet. Die Art wurde vermutlich schon vor längerer Zeit aus Nordamerika eingeschleppt. Nach der Roten Liste ist die Zwergradnetzspinne in Deutschland gefährdet.

Ernährung

Die Zwergradnetzspinne ernährt sich hauptsächlich von Geflügelten Insekten (Pterygota) wie zum Beispiel von Mücken (Nematocera). Sie sitzt meist im Netzzentrum und rafft mit ihren beiden vorderen Beinpaaren den Signalfaden zusammen, so dass sich die Netzebene trichterförmig einsenkt. Kommt eine Mücke in der Nähe vorbeigeflogen, läßt die Zwergradnetzspinne das seitliche Spannseil augenblicklich locker. Das Radnetz schnappt in die Ebene zurück und mit seinen Klebfäden gegen das Insekt. Die Zwergradnetzspinne geht dann wie die Kreuzspinne (Araneus diadematus) vor. Sie wickelt die Mücke ein und saugt sie aus. Anschließend wird das leicht beschädigte Netz wieder in Spannung versetzt.

Fortpflanzung

Nach der Paarung stellt das Weibchen oft schon im Mai den ersten von insgesamt bis zu acht Kokons her. Der etwa 3 Millimeter große, etwas birnenförmige wirkende Eikokon ist an einem meist mehrere Zentimeter langen Faden aufgehängt und erinnert etwas an den Eikokons der Spinnenfresser (Mimetidae). Der Kokon hat aber im Gegensatz zu diesem eine glatte, pergamentartige Hülle. Die Jungspinnen schlüpfen noch im Sommer und sind bis zur Überwinterung fast ausgewachsen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
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