Zwergotter

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Zwergotter

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marderartige (Mustelidae)
Gattung: Aonyx
Art: Zwergotter
Wissenschaftlicher Name
Aonyx cinereus
Illiger, 1815

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Zwergotter (Aonyx cinereus) gehört innerhalb der Familie der Marderartigen (Mustelidae) zur Gattung Aonyx. Die Art wird gelegentlich auch als Amblonyx cinereus geführt.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Vor rund 38 Millionen Jahren begann sich die große Familie der Marder, zu denen auch der Zwergotter gehört, zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt begann die Abspaltung der verschiendenen Linien. Die Entwicklung zu Ottern, Skunks, Silberdachsen, Honigdachsen, Dachsen, Vielfraße und Marder dauerte allerdings viele Millionen Jahre. Die ältesten Fossilien-Funde eines prähistorischen Otters stammen aus dem mittleren Pleistozän, das etwa eine Millionen Jahre vor unserer Zeit lag. Ob diese gefundenen Fossilien tatsächlich zu den direkten Vorfahren des Zwergotters zählen, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.

Beschreibung

Der Zwergotter ist die kleinste Otterart. Er erreicht eine Kopfrumpflänge von rund 60 Zentimeter bei einem Gewicht von 4.000 bsi 6.000 Gramm. Die Schwanzlänge beträgt 25 bis 35 Zentimeter. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Ihr langer und kräftiger Schwanz ist spitz zulaufend und völlig behaart. Der Schwanz dient als Steuerungsorgan, an Land wie auch im Wasser der Stabilisierung. Der Körper ist lang gestreckt und mit kurzen aber kräftigen Beinen versehen. Die Füße enden in Zehen, die mit deutlich sichtbaren Schwimmhäuten versehen sind. Sein Kopf ist von rundlicher Form, der in einer abgerundeten Schnauze endet. An der Oberlippe der Schnauze befinden sich seine Tasthaare, die sogenannten Vibrissen und stellen ein wichtiges Orientierungsorgan unter Wasser dar. Das Fell ist eines der dichtesten Pelze im Tierreich und stellt in hohem Maße eine Isolierung gegen Kälte und Nässe dar. Die einzelnen Härchen (rund 45-50.000 pro cm²) greifen ineinander und wirken mit ihren winzigen Keilen und Rillen wie ein Reissverschluß. Auf einer sehr weichen Unterwolle schließen sich stabile Grannen an. Die Unterwolle ist mit Luftbläschen gefüllt und wirkt thermoregulierend. Leider machen diese Eigenschaften das Fell für die Pelzindustrie sehr interessant. Ein solch isolierendes Fell braucht der Zwergotter auch, da er über keine subkutane Fettschicht wie es zum Beispiel die Eisbären, Wale und Delfine haben, verfügt.

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An Land sind Zwergotter eher langsame Gesellen, die allerdings, wenn es sein muß, recht schnell laufen können. Dabei bewegen sie sich mit gekrümmtem Rücken fort. An den Uferbänken sieht man sie häufig beim Sonnenbad oder einfach nur entspannen. Im Wasser entfalten sie ihre ganze Eleganz und Wendigkeit. Sie können 10 bis zwölf km/h schnell schwimmen und blitzartig ihre Richting ändern. Beim Schwimmen schaut für gewöhnlich der Kopf aus dem Wasser. Sie sind auch ausgesprochen gute Taucher, die trotz ihrer kleinen Lungen bis zu fünf Minuten unter Wasser verweilen können. Während der Tauchgänge fahren sie nicht benötigte Körperaktivitäten herunter, um Sauerstoff zu sparen. Eine Tauchminute entspricht dabei rund 130 bis 160 Meter. Ihre Bauten haben sie am Gewässerrand, wobei der Einstieg zur Wohnhöhle unterhalb der Wasserlinie liegt. Die eigentliche Wohnhöhle wird über einen Kanal erreicht und liegt immer über der Hochwasserlinie. Die Wohnhöhle verfügt über einen Schacht an der Oberfläche, um die Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten. Zwergotter sind sehr gesellige Tiere, die in kleinen Familengruppen leben. Auch auf die Jagd gehen sie in der Regel gemeinsam.

Verbreitung

Zwergotter finden ihre Verbreitung rund um den Indischen Ozean, insbesondere in Indien, Indonesien, Bangladesh, Bhutan, Brunei, Kambotscha, Laos, Malaysia, Taiwan, Vietnam, die Philippinen und Südchina. Flüsse und Flussmündungen sind dabei bevorzugte Lebensräume, jedoch sind die Tiere hauptsächlich im nähen Küstenbereich anzutreffen. Vegatationsreiche Flussufer und Küstenabschnitte werden als Lebensraum bevorzugt. An sandigen Stellen, in unmittelbarer Nähe zum Wasser entstehen umfangreiche Bauten, in denen sie leben und auch ihren Nachwuchs zur Welt bringen.

Gefährdung, Schutz

Der Zwergotter ist zwar noch nicht akut gefährdet, jedoch steht die Art kurz davor. Neben der Zerstörung der natürlichen Lebensräume zählt die starke Bejagung zu den Hauptgründen der Gefährdung. Einheimische Bauern bejagen die Tiere, weil sie gelegentlich in Reisfeldern kleinere Schäden anrichten. Da Zwergotter auch Krebstiere fressen stehen sie in Nahrungskonkurrenz zum Menschen. Zu den natürlichen Hauptfeinden zählen hauptsächlich Krokodile und Schlangen.

Nahrung

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Zwergotter sind tagaktive Raubtiere. Ihre Nahrungspalette besteht hauptsächlich aus Muscheln, Krebsen, Schnecken und anderen Weichtieren. Das besonders starke Gebiss ist gut zum Knacken hartschaliger Beutetiere geeignet. Mit den fingerartigen Vorderzehen können sie die Beute gut festhalten. Dabei legen sie eine erstaunliche Geschicklichkeit an den Tag. Muscheln werden nicht nur auf dem Boden eines Gewässers gesammelt, sondern auch ausgegraben. Dabei orientieren sie sich mit ihrem hoch entwickelten Geruchssinn.

Fortpflanzung

Die Geschlechter der Zwergotter erreichen zu unterschiedlichen Zeiten die Geschlechtsreife. Während Männchen bereits mit zwei Jahren geschlechtsreif werden, brauchen Weibchen etwa drei Jahre. Der Weibliche Zyklus beträgt durchschnittlich 28 Tage, sie ist dann für drei Tage empfängnisbereit. Zwergotter leben in monogamer Einehe. In den meisten Verbreitungsgebieten liegt die Ranzzeit in den Monaten von Februar bis März. Zwergotter paaren sich hauptsächlich an Land, selten im Wasser. Ein trächtiges Weibchen sucht eine adäquate Wohnhöhle auf und polstert sie mit Moosen und Gräsern aus. Eine Wohnhöhle liegt oberhalb der Hochwassergrenze im Uferbereich ihres Heimatgewässers.

Nach einer Tragezeit von 60 bis 62 Tagen bringt das Weibchen zwischen zwei und sechs Jungtiere zur Welt. Sie sind anfangs noch nackt und blind. Das Geburtsgewicht beträgt rund 50 Gramm. Im Alter von etwa 14 Tagen erkunden sie erstmals ihre Wohnhöhle. Nach fünf bis sechs Wochen öffnen sie ihre Augen und ihr Fell beginnt deutliche Formen anzunehmen. Ab der sechsten oder siebten Lebenswoche fangen sie unter Aufsicht der Mutter mit den ersten Schwimmübungen an. Die Säugezeit erstreckt sich über zehn bis vierzehn Wochen. Ab der elften nehmen sie aber schon feste Nahrung zu sich. Insgesamt bleiben die Jungtiere über ein Jahr, teilweise bis zu vierzehn Monaten, bei der Mutter. In dieser Zeit erlernen sie die notwendigen Jagdtechniken, die zum Überleben notwendig sind. Zwergotter können ein Alter von gut fünfzehn Jahren erreichen. In freier Natur wird ein solch hohes Alter nur bei optimalen Umweltbedingungen erreicht.

Galerie

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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