Zwergflusspferd

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Zwergflusspferd

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Nichtwiederkäuer (Suina)
Familie: Flusspferde (Hippopotamidae)
Gattung: Zwergflusspferde (Choeropsis)
Art: Zwergflusspferd
Wissenschaftlicher Name
Choeropsis liberiensis
Morton, 1843

IUCN-Status
Endangered (EN)

Das Zwergflusspferd (Choeropsis liberiensis) gehört innerhalb der Familie der Flusspferde (Hippopotamidae) zur Gattung Zwergflusspferde (Choeropsis). Die Familie der Hippopotamidae umfasst insgesamt nur zwei Arten, einmal das hier beschriebene Zwergflusspferd, zum anderen das deutlich größere Flusspferd (Hippopotamus amphibius). Auch wenn der Namensteil "Pferd" auf eine Verwandschaft zu den Pferden schliessen läßt, so sind sie doch mit den Schweinen verwandt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Zwergflusspferd erreicht eine Länge von 150 bis 160 cm, ein Stockmaß von rund 80 cm sowie ein Gewicht von bis zu 250 Kg. Die Haut ist dunkelbraun bis schwarz gefärbt und weist einen grünlichen Schimmer auf. Der plumpe Körper endet in kurzen und stämmigen Beinen. Der Kopf ist wie beim großen Nilpferd sehr groß und massig. Zwergflusspferde leben einzelgängerisch und finden nur zur Paarung zueinander. Sie halten sich auch deutlich weniger im Wasser auf als ihre großen Verwandten. So können sie auch nur wenige Minuten unter Wasser verweilen. Während ihrer kurzen Tauchgänge können sie ihre Nasenöffnungen und Ohren verschliessen. Tagsüber suhlen sie häufig im Schlamm oder verbergen sich im Dickicht des Urwaldes. Auf Nahrungssuche gehen sie in den Abend- und Nachtstunden. Ihre Reviere markieren sie mittels Kot und Urin, der an verschiedenen Stellen im Revier verteilt wird.

Neben dem Menschen ist der Leopard der einzige Feind der Zwergflusspferde. Aufgrund starker Bejagung und der Zerstörung ihrer Lebensräume sind Zwergflusspferde heute stark vom Aussterben bedroht. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen stellt diese Tiere unter Schutz. Der IUCN führt sie als stark bedrohte Art.

Verbreitung

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Das Verbreitungsgebiet der Zwergflusspferde erstreckt sich über den tropischen Regen- und Urwald in Westafrika. Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria bilden die Hauptverbreitungsgebiete. Sie leben im dichten Urwald in unmittelbarer Nähe zu Wasser wie Sümpfe, Seen und andere Wasserläufe.

Nahrung

Zu ihrer Hauptnahrung zählen neben Wasserpflanzen auch Gräser und Kräuter. Früchte, Knollen und Wurzelwerk stehen ebenfalls auf ihrem Speiseplan.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Zergflusspferde mit fünf bis sechs Jahren. Die Paarungszeit ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden. Die Paarung und Geburt findet an Land statt. Nach einer Tragezeit von rund 200 Tagen bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt. Das Jungtier hat ein Geburtsgewicht von etwa 5 kg, daß bereits in den ersten Lebenswochen verdoppelt wird. Zum Säugen legt sich das Muttertier auf die Seite. Das Jungtier bedient sich an den zwei zur Verfügung stehenden Zitzen. Nach knapp einem Jahr wird das Jungtier entwöhnt, bleibt aber insgesamt für zwei bis drei Jahre bei der Mutter. Ein bislang ungeklärtes Phänomen ist die Geschlechterverteilung beim Nachwuchs. Es werden wesentlich mehr weibliche Nachkommen geboren wie männliche.

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Alterserwartung

Die Lebenserwartung in Gefangenschaft liegt bei etwa 35 Jahren. Das älteste in europäischer Gefangenschaft gepflegte Zwergflußpferd lebte im Zoo von Zürich und erreichte ein Alter von 42 Jahren. Das zweitälteste Zwergflußpferd in europäischer Gefangenschaftshaltung war Ortwin aus dem Tierpark Chemnitz. Ortwin wurde 40,5 Jahre alt. Beide Zwergflußpferde haben nach Meinung der Experten das absolute Maximum des Lebensalter ihrer Art in Gefangenschaft erreicht. Auf Grund des fortgeschrittenen Alters und den damit einhergehenden natürlichen Alterungsprozessen, Abnutzungserscheinungen und Krankheiten, mußten beide Zwergflußpferde euthanasiert werden. In Freiheit dürfte dieses Alter nicht erreicht werden.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Flusspferde (Hippopotamidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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