Zwergdrossel

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Zwergdrossel

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterfamilie: Eigentliche Drosseln (Turdinae)
Gattung: Musendrosseln (Catharus)
Art: Zwergdrossel
Wissenschaftlicher Name
Catharus ustulatus
Nuttall, 1840

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Zwergdrossel (Catharus ustulatus) zählt innerhalb der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) zur Gattung der Musendrosseln (Catharus). Im Englischen wird diese Drossel Swainson's Thrush, Olive-backed Thrush oder Oregon Thrush genannt.

Die Zwergdrossel kann leicht mit der Einsiedlerdrossel (Catharus guttatus) und der Wilson-Drossel (Catharus fuscescens) verwechselt werden. Markantes Merkmal der Zwergdrossel ist die hellbraun gefärbte Kehle und der ebenso gefärbte und gut sichtbare Augenring. Bei der Einsiedlerdrossel und der Wilson-Drossel sind diese Bereiche weißlich bis cremefarben gefärbt. Die Wilson-Drossel ist im Bereich der Flanken gräulich gefärbt. Hier zeigt sich bei der Zwergdrossel eine olivgrüne Färbung.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die mittelgroße Zwergdrossel erreicht je nach Unterart eine Körperlänge von 16 bis 19 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 29 bis 31 Zentimeter sowie ein Gewicht von 25 bis 45 Gramm. Die Geschlechter weisen keinen Dimorphismus auf und ähneln sich sowohl in der Größe als auch in der Färbung. Die Jungvögel ähneln in der Gefiederfärbung den Erwachsenen. Auch der hellbraune Augenring ist je nach Unterart mehr oder weniger stark ausgeprägt. Das Obergefieder ist überwiegend olivbraun gefärbt. Die Unterarten, die an der Pazifikküste leben, weisen dorsal einen leicht rötlichen Touch auf. Die Außenfahnen der Flügel weisen eine leichte weißliche Säumung auf. Der Bürzel, die Brust- und die Bauchseite sind weißlich bis cremefarben gefärbt. Im Bereich der oberen Brust zeigen sich andeutungsweise dunkle Fleckung. Die Fleckung nimmt zum Bauch hin deutlich ab. Im Gegensatz zur Kehle ist der Bauch weißlich bis cremefarben gefärbt. Der Bereich der Kehle und Teile des Gesichtes weisen eine markante hellbraune Färbung auf. Der kleine aber kräftige Schnabel ist dunkelgrau bis schwarz gefärbt. Die Extremitäten weisen eine graubraune Färbung auf. Die Füße enden in vier Zehen, wobei eine Zehe nach hinten und drei Zehen nach vorne reichen.

Lebensweise

Zwergdrosseln gehören zu den Singvögeln und fallen vor allem während der Paarungszeit durch ihren feinen Gesang auf. Die Vögel leben während dieser Zeit ausgesprochen territorial. Eindringlinge werden energisch aus dem eigenen Revier vertrieben. Drohgebärden umfassen neben dem Gesang auch Flügelschlagen, Anheben des Federschopfes auf dem Oberkopf und Heben und Senken des Schwanzes. Aus den Winterquartieren treffen die Männchen zuerst in den Brutgebieten ein. Sie suchen sich zunächst ein Revier, stecken dieses ab und warten auf ein Weibchen. Die Ankunft in den Brutgebieten erfolgt je nach Verbreitungsgebiet zwischen Ende März und Mitte bis Ende April. Zu den ersten Gelegen kommt es indessen nicht vor Ende Mai. Der Zug in die Winterquartiere erfolgt vom späten August bis in den Oktober. In den Bergregionen erfolgt der Zug deutlich früher als im Flachland. Auf den Zügen werden tagsüber Pausen eingelegt, in denen sich die Zwergdrosseln mit Nahrung versorgen. Der Zug erfolgt nur in der Nacht. Die legen dabei bis zu 480 km in einer Nacht zurück.

Unterarten

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der zahlreichen Unterarten der Zwergdrosseln liegt in weiten Teilen Nord-, Mittel- und Südamerikas. Im Norden sind die Vögel bis ins zentrale Kanada anzutreffen. Die Lebensräume unterscheiden sich je nach Jahreszeit. Während der Migration halten sich Zwergdrosseln meist in Sumpfgebieten, Überflutungsgebieten, auf Wiesen oder landwirtschaftlichen Flächen auf. Im Herbst ziehen die Vögel in südliche Gefilde. Die Winterquartiere liegen je nach Verbreitungsgebiet und Unterart in Mexiko, in Mittel- oder Südamerika. Meist sind sie in der Nähe der Küste anzutreffen. Während der Paarungszeit leben Zwergdrosseln streng territorial. Die beanspruchten Brutreviere weisen eine Größe von gut 2 bis 3 Hektar auf. Die Brutgebiete liegen meist an leicht bewaldeten Flussläufen oder an Waldrändern.

Prädatoren

Neben der Amerikanerkrähe (Corvus brachyrhynchos) und dem Blauhäher (Cyanocitta cristata) trachten auch einige räuberisch lebende Sägetiere nach dem Leben der Zwergdrossel, deren Eier und Küken. Dazu gehören die üblichen Verdächtigen wie der Nordamerikanische Waschbär (Procyon lotor) und Eichhörnchen (Sciurus) wie das Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) oder das Östliche Fuchshörnchen (Sciurus niger). Auch Raben und Krähen (Corvus) sowie Greifvögel (Falconiformes) und einige Schlangenarten (Serpentes) gehören zu natürlichen Feinden.

Ernährung

Die Grauwangendrossel ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta), deren Larven und Raupen, Spinnentieren (Arachnida) und anderen kleinen Gliederfüßern (Arthropoda) wie Tausendfüßer (Myriapoda). An Insekten werden insbesondere Käfer (Coleoptera), Langfühlerschrecken (Ensifera), Kurzfühlerschrecken (Caelifera), Ameisen (Formicoidea), Fliegen (Brachycera), Wanzen (Heteroptera), Bienen (Apoidea) und Wespen (Vespoidea) gefressen. Bei Gelegenheit werden auch Regenwürmer (Lumbricidae) und Schnecken (Gastropoda) keineswegs verschmäht. Während der Reifezeit stehen auch Nüsse, Früchte und Beeren auf dem Speiseplan. Die Nahrungssuche erfolgt hauptsächlich auf dem Boden, Früchte und Beeren werden aber auch direkt in den Bäumen und Büschen gefressen. Eher selten fangen Zwergdrosseln Insekten im Flug. Auf dem Waldboden wird mit dem Schnabel nach Beutetieren gestochert oder mit den Füßen erscharrt.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Zwergdrossel im Alter von gut einem Jahr. Ende März und Mitte bis Ende April kehren die Vögel aus ihren Winterquartieren zurück in die Brutgebiete. Pro Saison kommt es je nach Verbreitungsgebiet zu ein, selten auch zu zwei Bruten, die sich über den Zeitraum von April bis August erstrecken. Zwergdrosseln führen eine monogame Einehe, die nicht selten auch länger als eine Saison hält. Die Brutgebiete liegen meist in feuchten Lebensräumen wie Sumpfgebiete oder andere wasserreiche Habitate. Während der Brutzeit sind vor allem die Männchen ausgesprochen territorial. So entfaltet das Männchen einen ausgefeilten Gesang, bei dem sich einzelne Strophen wiederholen. Zum einen sucht das Männchen so Kontakt zu seiner Partnerin und zum anderen werden Rivalen auf Distanz gehalten. Wagt sich ein Rivale dennoch in das Revier, so wird er energisch vertrieben.

Das napfartige Nest wird hauptsächlich vom Weibchen gebaut. Sie benötigt rund vier Tage für den Bau. Das Nest ist recht stabil, hat einen Durchmesser von 12 bis 15 Zentimeter und wird in einer Astgabel meist aus dünnen Ästchen, Grashalmen, Moosen und Flechten errichtet. Als Nistbäume werden sowohl Laub- als auch Nadelbäume bevorzugt. Das Nest entsteht meist in Höhen von 20 bis 100 Zentimeter über dem Boden in Büschen oder niedrigen Bäumen, in einigen Verbreitungsgebieten werden Nester auch auf dem Erdboden errichtet. Die Bäume liegen grundsätzlich in der Nähe eines Gewässers. Dies kann ein Fluss, ein See, ein Teich oder durchaus auch ein kleinerer Bach sein. Ausgepolstert wird das Nest mit weichem Material wie Federchen und Grasteilen. Die inneren Wände werden zusätzlich mit Schlamm ausgekleidet. Dies dient offensichtlich der Wärmedämmung. Das Weibchen legt zwischen drei und fünf Eier. Die Brutzeit dauert je nach Verbreitungsgebiet 10 bis 13 Tage. Nur das Weibchen brütet die Eier aus. Das Männchen wacht während dieser Zeit über sein Weibchen und das Gelege und reicht ihr Futter. Die geschlüpften Küken sind bei der Geburt noch nackt und blind. Sie öffnen ihre Augen meist gegen Mitte der ersten Lebenswoche. Gefüttert wird die Brut mit allerlei Insekten und Larven von beiden Elternteilen gleichermaßen. Nach bereits 12 bis 13 Tagen sind die Jungvögel flügge und selbständig. Sie bleiben jedoch noch einige Tage bei den Eltern. Die Lebenserwartung liegt bei fünf bis sieben Jahren. Aufgrund der zahlreichen Fleischfressr erreichen Zwergdrosseln ein solch hohes Alter jedoch eher selten.

Gefährdung und Schutz

Die Zwergdrossel gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd von über 7,5 Millionen Quadratkilometern. Die globale Population wird auf etwa 100 Millionen Individuen geschätzt (Rich et al. 2003). <1> Die Zwergdrossel ist in allen Teilen dieses großen Areals sehr häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird sie daher als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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