Zweifleck-Raubwanze

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Zweifleck-Raubwanze

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
Unterordnung: Wanzen (Heteroptera)
Teilordnung: Cimicomorpha
Überfamilie: Reduvoidea
Familie: Raubwanzen (Reduviidae)
Unterfamilie: Reduviinae
Gattung: Platymeris
Art: Zweifleck-Raubwanze
Wissenschaftlicher Name
Platymeris biguttata
Linnaeus, 1767

Die Zweifleck-Raubwanze (Platymeris biguttata) zählt innerhalb der Familie der Raubwanzen (Reduviidae) zur Gattung Platymeris. Weltweit sind etwa 3000 Arten bekannt, davon in Mitteleuropa aber nur etwa 15 Arten.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Zweifleck-Raubwanze erreicht eine Körperlänge von 35 bis 37 mm. Charakteristisch sind die beiden weißen Flecke auf dem linken und rechten äußeren Rand der Flügeldecken. Sie können mit den Flügeldecken fliegen, normalerweise fliegen sie aber sehr selten. Die Zweifleck-Raubwanzen sind bodenbewohnend und gehören zu den giftproduzierenden Insekten. Die Extremitäten weisen jeweils im ersten Glied eine gelbe Markierung auf. Die Vorderbeine sind zu Fangbeinen zum Festhalten der Beute umgebildet. Der Abdomen ist langgezogen und von ovaler Form. Der übrige Körper ist schwarz gefärbt. Das Weibchen hat einen etwas breiteren Thorax als das Männchen, sonst sind beide Geschlechter kaum zu unterscheiden. Sie sind in der Lage durch den Rostrum einen Giftstrahl bis zu 30 cm zielgerichtet in die Augen des Opfers zu sprühen.

Das Gift kann sofort zu einer Hornhautschädigung der Augen führen. Der kräftige, gebogene, dreigliedrige Rostrum ist die Verlängerung des beweglichen, vorgestreckten Kopfes und endet im Maul. Der Stich einer höchstens zwei Tage alten Larve der Zweifleck-Raubwanze führt schon zu erheblichen Schwellungen, nekrosen Wundrändern und teilweisen Lähmungserscheinungen. Die Schmerzen können beim Menschen durchaus einen Tag anhalten. Dagegen kann der Stich der adulten Zweifleck-Raubwanzen zu Kammerflimmern und Lähmungserscheinungen führen. Zweifleck-Raubwanzen können im niederfrequenten Spektrum zirpende Laute erzeugen, indem sie ihren Rüssel über den Lautapparat, eine quergeriefte Rinne zwischen den Vorderhüften, bewegen, man bezeichnet dies auch als Stridulation.

Verbreitung

Die Zweifleck-Raubwanze ist im tropischen Afrika beheimatet. Insbesondere im nördlichen Ghana, Togo, Kamerun, Namibia und Angola ist sie weit verbreitet. Für die Zweifleck-Raubwanze herrschen in den genannten Gebieten optimale Tagestemperaturen zwischen 25° Celsius und 30° Celsius sowie Nachttemperaturen zwischen 18° Celsius und 20° Celsius mit einer Luftfeuchtigkeit von etwa 70 Prozent. Sie hält sich gerne in feuchten warmen Höhlen auf.

Ernährung

Wie alle Raubwanzen, so ernährt sich auch die Zweifleck-Raubwanze räuberisch von anderen Gliederfüßern. Die Zweifleck-Raubwanze ist eine Lauerjägerin. Sie legt sich auf einen Baumstamm oder Stein auf die Lauer. Wenn sich ein Beutetier der Wanze nähert, wird das Beutetier angesprungen und durch einen Stich sofort gelähmt. Sie frißt alles bis zur Größe von ausgewachsenen Wanderheuschrecken. Bei Nahrungsmangel kann es auch vorkommen, dass die Zweifleck-Raubwanze zur Kannibalin wird.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit sechs bis neun Monaten erreicht. Das Weibchen legt alle zwei bis drei Tage ein lilafarbenes bis rehbraunes, reinweißes gedeckeltes 3 mm langes und ein mm im Durchmesser messendes hartschalig glänzendes Ei, das leicht mit dem Abdomen in den Erdboden gedrückt wird. Wenn kein Nahrungsmangel herrscht, kann das Weibchen in sieben Tagen bis zu zwölf Eier legen. Bei einer Bodentemperatur von etwa 24° Celsius schlüpfen die Larven nach etwa vier Wochen. In den ersten drei Wochen kurz vor dem Ausbrüten nimmt das Ei eine rötliche Farbe an. Bemerkenswert ist, dass bei den Raubwanzen kein Puppenstadium durchlaufen wird. Im Anfangsstadium ist der Körper der Nymphe rot gefärbt, der Kopf und die Beine sind schwarz mit orangefarbenen Binden gekennzeichnet. Die charakteristisch beiden weißen Flecke und die gestreiften gelben Beine bilden sich erst im adulten Stadium, d. h. sie erscheinen erst nach der letzten Häutung. Hat die Zweifleck-Raubwanze das adulte Stadium erreicht, so hat sie noch eine Lebenserwartung von gut einem Jahr.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Dr. Franz Bachmaier, Dr. Wolfgang Dierl, Dr. Eberhard Ernst, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Hubert Markl, Dr. Werner Rathmayer, Prof. Dr. Peter Rietschel, Prof. Dr. Friedrich Schaller, Dr. Richard Zur Strassen, Dr. Heinz Wundt, Dr. Dr. Fritz Zumpt: Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreichs. Insekten. Zweiter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
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