Zitterspinnen

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Zitterspinnen
Große Zitterspinne (Pholcus phalangioides)

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Unterklasse: Micrura
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Teilordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Zitterspinnen
Wissenschaftlicher Name
Pholcidae
L. Koch, 1850

Zitterspinnen (Pholcidae) zählen innerhalb der Ordnung der Webspinnen (Araneae) zur Teilordnung der Echten Webspinnen (Araneomorphae). Nach Platnik werden in der Familie in 85 Gattungen 999 Arten geführt (Stand 08/2008).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Zitterspinnen erreichen eine Körperlänge von bis zu 20 Millimeter und gehören zu den ecribellaten Spinnen und verfügen daher weder über kein Cribellum noch über ein Calamistrum. Sie zeichnen sich meist durch ausgesprochen lange Beine aus. Die Fußglieder weisen eine sekundäre Gliederung auf. Mit den langen Beinen ähneln die Zitterspinnen stark den Weberknechten (Opiliones). Die Weibchen weisen sehr einfach gebaute Begattungsorgane auf, sie denen der Haplogynae durchaus ähnlich sind. Die Samentaschen münden dabei nicht auf die vorhandene Epigyne, sondern in eine Scheide. Auch die männlichen Taster gehen nicht konform mit den Vertretern Teilordnung. Die Hämatodocha, die bei den Arten der Entelegynae typisch ist, fehlt den Zitterspinnen. Die schraubenartig entfaltende Hämatodocha ist eine aufblähbare Haut des Bulbus. Diese Haut dient im Wesentlichen der Verbindung der Sklerite mit dem Bulbus sowie mit dem Cymbium (Tarsus des männlichen Pedipalpus). Die Vertreter der Artema zeichnen sich im Gegensatz zu den anderen Gattungen durch einen hochgewölbten, fast kugelig wirkenden Hinterleib aus. Die Arten dieser Gattung gehören zu den größten Zitterspinnen.

Lebensweise

Zitterspinnen sind in der Regel sesshafte Spinnen, die sich meist in unmittelbarer Nähe zu ihrem Netz oder sich in diesem aufhalten. Die Netze unterscheiden sich in den einzelnen Gattungen. Charakteristisch sind die Netze in der Gattung Pholcus. Es handelt sich um weitmaschige, uneinheitliche Netze, die einem einfachen Fadengerüst ähnelt. Eine Netzdecke ist kaum oder nur andeutungsweise vorhanden. Bei den anderen Gattungen der Familie ist die Netzdecke deutlicher zu erkennen und erstreckt sich horizontal oder als kuppelförmige Decke. Zahlreiche Haltefäden halten die Decke stets unter Spannung. Die Netze zahlreicher Arten der Zitterspinnen erinnern durchaus an die Netze der Baldachinspinnen (Linyphiidae). Die Netze der Vertreter aus der Gattung Holocnemus weichen hiervon jedoch ab und ähneln eher den Netzen der Kreuzspinnen (Araneus). Holocnemus-Arten weben ihre Netze, indem sie vom Netzmittelpunkt aus nach allen Seiten auslaufende Fäden spannen. Diese Fäden werden untereinander durch eng gesetzte Querfäden verbunden. Die einzelnen Fäden der Holocnemus-Arten sind mit einer einheitlichen Leimhülle umgeben. Bei allen anderen Gattungen handelt es sich um leimfreie Netzfäden. Zitterspinnen hängen in der Ruhestellung unter ihrem Netz, also mit der ventralen Seite nach oben. Charakteristisch ist das Verhalten der Zitterspinnen bei Gefahr: sie versetzen mit ihren langen Beinen ihr Gespinst heftig in Bewegung, so dass sie selbst kaum noch zu erkennen sind. Diese Eigenschaft war für die Familie namensgebend.

Verbreitung

Zitterspinnen kommen nahezu weltweit vor. Die meisten Arten Zitterspinnen sind jedoch in den tropischen und subtropischen Regionen anzutreffen. In den gemäßigten und kaltgemäßigten Regionen der Erde kommen hingegen nur wenige Arten vor. Die meisten in Europa heimischen Arten treten im Mittelmeerraum auf, die Große Zitterspinne (Pholcus phalangioides) ist auch in Mitteleuropa heimisch, wo sie üblicherweise in warmen Häusern, Kellern, Gewächshäuser, Stallungen und Schuppen sowie in Höhlen und Grotten anzutreffen ist. Psilochorus simoni ist ebenfalls in Mitteleuropa verbreitet, lokal und im Sommer auch im Freiland.

Ernährung

Zitterspinnen ernähren sich überwiegend von kleinen Geflügelten Insekten (Pterygota). Gerät ein Beutetier in das Netz einer Zitterspinne, so wendet sie der Beute ihre Bauchseite des Hinterleibes zu und wickelt sie mit den langen Hinterbeinen in ein dichtes Gespinst ein. Ist ein Beutetier bewegungsunfähig, erfolgt der Biss mit der einhergehenden Injektion des Giftes. In der Regel beißt eine Zitterspinne in die weichhäutige Gelenkhaut eines Beutetieres. Später wird das Beutetier leer gesaugt. Dieser Vorgang kann sich über mehrere Stunden erstrecken.

Fortpflanzung

In den meisten Regionen, zumindest in den gemäßigten Regionen erstreckt sich die Paarungszeit über den Sommer. Die Weibchen der Zitterspinnen betreiben eine durchaus fürsorgliche Brutpflege. Sie legen ihre Eier in einen Kokon aus dünnen Fäden. Dieser Kokon wird bis zum Schlupf der jungen Spiderlinge mit den Kieferklauen, den Cheliceren herumgetragen und bewacht. Nach dem Schlupf verbleiben die Jungspinnen noch einige Tage im Kokon und werden weiter von der Mutter bewacht. Danach verlassen sie ihr Nest und sind selbständig.

Rezente Gattungen

G a t t u n g G a t t u n g G a t t u n g G a t t u n g G a t t u n g G a t t u n g
Aetana Anansus Anopsicus Artema Aucana Aymaria
Belisana Blancoa Bryantina Buitinga Calapnita Canaima
Carapoia Carupania Cenemus Ceratopholcus Chibchea Chisosa
Ciboneya Coryssocnemis Crossopriza Enetea Falconia Galapa
Gertschiola Guaranita Holocneminus Holocnemus Hoplopholcus Ibotyporanga
Ixchela Kambiwa Khorata Leptopholcus Litoporus Mecolaesthus
Mesabolivar Metagonia Micromerys Micropholcus Modisimus Mystes
Nerudia Ninetis Nita Nyikoa Ossinissa Otavaloa
Panjange Papiamenta Paramicromerys Pehrforsskalia Pholciella Pholcoides
Pholcophora Pholcus Physocyclus Pisaboa Pomboa Priscula
Psilochorus Quamtana Queliceria Sanluisi Savarna Smeringopina
Smeringopus Spermophora Spermophorides Stenosfemuraia Stygopholcus Systenita
Tainonia Teuia Tibetia Tolteca Trichocyclus Tupigea
Uthina Wanniyala Waunana Wugigarra Zatavua -

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Koehler, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Bernhard Rensch, Prof. Dr. Peter Rietschel und Prof. Dr. Erich Thenius: Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. Erster Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1

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