Zimmermannsfrosch

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Zimmermannsfrosch

Systematik
Klasse: Amphibien (Amphibia)
Unterklasse: Lissamphibia
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Überfamilie: Echte Frösche und Verwandte (Ranoidea)
Familie: Echte Frösche (Ranidae)
Gattung: Echte Frösche (Rana)
Art: Zimmermannsfrosch
Wissenschaftlicher Name
Rana virgatipes
Cope, 1891

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Zimmermannsfrosch (Rana virgatipes) zählt innerhalb der Familie der Echten Frösche (Ranidae) zur Gattung der Echten Frösche (Rana). Im Englischen wird dieser Frosch Carpenter Frog genannt.

Der Zimmermannsfrosch kann mit dem Schreifrosch (Rana clamitans) und mit juvenilen Amerikanischen Ochsenfröschen (Rana catesbeiana) verwechselt werden. Jedoch lassen sich Zimmermannsfrösche leicht an den hellen Längslinien von den genannten Arten unterscheiden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Zimmermannsfrosch erreicht Körperlänge von 45 bis 65 Millimeter. Die Haut ist überwiegend in verschiedenen Brauntönen gefärbt. Auf dem Rücken sind unregelmäßig große dunkle Flecken zu erkennen. Dorsolateral und lateral zeigen sich auf jeder Seite zwei helle Längsstreifen. Der dorsolaterale Streifen reicht von den Augen bis zu den Hinterschenkeln. Die lateralen Streifen reichen von der Schnauzenspitze bis zu den hinteren Schenkeln. Ventral ist die Haut weißlich bis cremefarben gefärbt. Das Kinn, die Brust und die Unterseite der Beine sind mit dunklen Punkten und mit Sprenkeln bedeckt. Der Kopf der Männchen ist etwas schmäler als beim Weibchen. Ingesamt sind die Männchen ein wenig kleiner. Eine dorsolaterale Falte, ähnlich wie bei dem Schreifrosch (Rana clamitans), fehlt dem Zimmermannsfrosch. Auch seine Schwimmhäute sind deutlich schwächer ausgeprägt als bei anderen Vertretern der Gattung Rana.
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Der vorstehende externe Tympanum (Trommelfell) beim Männchen ist im Durchmesser größer als das Auge. Dagegen weist der vorstehende externe Tympanum beim Weibchen im Durchmesser die gleiche Größe wie das Auge auf. Die Augen befinden sich seitlich gut sichtbar am Kopf. Männchen verfügen im Kehlbereich über eine Schallblase, die von außen jedoch nicht sichtbar ist.

Lebensweise

Zimmermannsfrösche halten sich üblicherweise versteckt und sind sehr verschwiegen. Nur selten kann man sie offen beobachten. Ihre hervorragende Tarnung macht eine Beobachtung meist unmöglich. Bei Gefahr tauchen sie zumeist ins Wasser ab und verstecken sich unter Wasser in dichter Vegetation. Zimmermannsfrösche sind überwiegend nur in der Nacht aktiv. Am Tag ruhen sie an geschützten Stellen. Sie sind nur wenige territorial und sind meist in kleineren Gruppen anzutreffen. Namensgebend ist der Klang ihrer Ausrufe, die im Chor wie ein Hammer klingen, der auf einen Amboss schlägt. Die Ausrufe ertönen vor allem bei Gefahr oder während der Balz.

Verbreitung

Zimmermannsfrösche kommen im Bereich der Ostküste der USA vor. Sie sind insbesondere in New Jersey, Delaware, Maryland, im östlichen Virginia und östlichen North Carolina, in South Carolina, im östliches Georgia sowie im äußersten Norden von Florida verbreitet. Als Lebensraum kommen vor allem Sumpfgebiete, Seen und Teiche, langsam fließende Bäche und Flüsse, Überschwemmungsbereiche sowie ähnliche Feuchtgebiete in Frage. Besiedelt wird vor allem ufernahes Flachwasser mit ausreichender Vegetation. Sie kommen nur in Frischwasser vor. In Brack- und Salzwasser sind sie abwesend.

Prädatoren

Fleischfresser: Diamant-Schwimmnatter (Nerodia rhombifer)
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Fleischfresser: Diamant-Schwimmnatter (Nerodia rhombifer)

Zu den natürlichen Fleischfressern gehören hauptsächlich Amerikanische Schwimmnattern (Nerodia) wie die Rotbauch-Schwimmnatter (Nerodia erythrogaster) oder die Diamant-Schwimmnatter (Nerodia rhombifer). Aber auch andere Amphibien wie der Amerikanische Ochsenfrosch (Rana catesbeiana) fressen sowohl die Brut als auch Jungfrösche. Im Südosten der USA gehört auch der Schweinsfrosch (Rana grylio) zu den natürlichen Fleischfressern. Außer ihrer Tarnung haben Zimmermannsfrösche einem Fleischfresser nichts entgegen zu setzen.

Ernährung

Der Zimmermannsfrosch ist ein durchaus opportunistischer Fleischfresser. Er ernährt sich von kleinen Insekten (Insecta), deren Larven und anderen wirbellosen Tieren, die er im Wasser oder an Land erbeutet. Darunter gehören Schnecken (Gastropoda), Regenwürmer (Lumbricidae), kleine Krebstiere (Crustacea), Spinnentiere (Arachnida), Fliegen (Brachycera) und die Raupen von Schmetterlingen (Lepidoptera). Der Zimmermannsfrosch ist ein Lauerjäger. Er sitzt und wartet auf die Beute und frißt folglich, was auch immer innerhalb seiner Reichweite kommt. Die Lokalisierung von Beutetieren erfolgt über optische Reize. Es werden also nur bewegliche Tiere wahrgenommen. Ein Beutetier wird mit der klebrigen Zunge gefangen und im Ganzen verschluckt. Die Larven ernähren sich von Algen, Plankton und organischem Material.

Fortpflanzung

Der Zimmermannsfrosch erreicht seine maximale Größe und somit auch die Geschlechtsreife bereits im zweiten Lebensjahr. Je nach Verbreitungsgebiet und Umgebungstemperatur findet die Paarung im zeitigen Frühjahr statt, meist ab April und erstreckt sich lokal bis Ende August. Zu diesem Zeitpunkt zieht es die Frösche aus den Winterquartieren an die Laichgewässer. Als erstes treffen die geschlechtsreifen Männchen ein. Während der Paarungszeit ist in den späten Abendstunden und der Nacht das charakteristische Froschkonzert zu hören.
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Mit den extrem lauten Balzrufen wollen die Männchen einer potentiellen Partnerin beeindrucken und sie anlocken. Die Töne werden im Rachen produziert und über die Schallblase, die hierbei als Resonanzverstärker dient, verstärkt. Die Schallblase ist beim Männlichen außen nicht sichtbar.

Zu einer Paarung kommt es in der Regel um Mitternacht. Wie für Kröten und Frösche üblich, so kommt es zu einer Umklammerung des Weibchens durch das Männchen. Sie bilden dann ein sogenanntes Amplexus-Paar. Weibchen suchen sich bei der Balz ihren Partner selbständig aus. Sie richten sich dabei wahrscheinlich nach der Lautstärke der Ausrufe. Nachdem sich ein Pärchen gefunden hat und ein passender Laichplatz ausgesucht wurde, klammert sich das Männchen auf dem Rücken des Weibchens fest. Zeitgleich geben Männchen und Weibchen den Laich und das Sperma ab. Es kommt dabei zu einer äußeren Befruchtung. Das Weibchen legt in mehreren Schüben Laichballen mit insgesamt bis zu 600 Eiern im flachen, stehenden Wasser mit reichlich vorhandener Vegetation ab. Die Gelege werden selten in Tiefen von mehr als 30 Zentimeter abgelegt. Das Männchen gibt gleichzeitig seinen Samen dazu und die Eier werden befruchtet. Die Ballen weisen einen Durchmesser von bis zu 10 Zentimeter auf. Die einzelnen Eier sind mit einer dicken Gelschicht umgeben. Ein einzelnes Ei misst etwa ein bis zwei Millimeter im Durchmesser. Je nach Wassertemperatur dauert der Schlupf der Larven etwa fünf bis sieben Tage und die Entwicklung von der Larve bis zum Jungfrosch beträgt ungefähr drei bis zweiundzwanzig Monate.

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Kurz nach dem Schlupf ernähren sich die Larven vom Dottersack ihres Eies. Kurz danach machen sie bereits Jagd auf Mikroorganismen, ernähren sich von Kieselalgen und vom Plankton sowie von zellulären Abfallstoffen. Dabei sind sie keineswegs wählerisch. Erbeutet wird alles, was sich überwältigen lässt. Unmittelbar nach dem Schlupf ist der Körper der Larven, die auch Kaulquappen genannt werden, dunkel gefärbt. Ansonsten ist der Körper langgestreckt und setzt sich letztlich aus einem Kopf und Magen sowie aus einem kräftigen Schwanz zusammen. Der Schwanz dient den Kaulquappen zur Fortbewegung und Steuerung. Der Schwanz ist mit einem Saum versehen, der sich bis zum Kopf erstreckt. Die Augen liegen seitlich am Kopf. Die Atmung erfolgt über innere Kiemen, den sogenannten Spiraculum. Gegen Ende der larvalen Entwicklung erfolgt die Ausbildung der Extremitäten und der Schwanz bildet sich zurück. Selten machen die Kaulquappen die Metamorphose zum Jungfrosch noch vor dem Winter durch. Meist ist dies erst im folgenden Frühjahr der Fall. Die Tiere überwintern also in der Regel im Larvenstadium. In der Übergangsphase hält sich der Jungfrosch meist noch in der Nähe des Laichgewässers auf, ehe er vollständig das aquatile Leben aufgibt. Während der Anfangsphase lebt der Jungfrosch noch von seinen Reserven, wobei der Jungfrosch seinen Schwanz vollständig resorbiert. Erst danach verlässt der Jungfrosch sein Heimatgewässer und geht auf Jagd, indem er seine Beute sitzend und wartend auflauert. Dabei stellt er seine Ernährungsgewohnheiten vollständig um. Der Jungfrosch ernährt sich wie der adulte Zimmermannsfrosch rein carnivor. Die Lebenserwartung liegt bei bis zu sechs Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

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Der Zimmermannsfrosch gilt als noch nicht gefährdet. Die Art wird daher in der Roten Liste der IUCN als solche geführt. Im Bereich der US-Küste schwankt jedoch die Populationsdichte zum Teil stark und der Zimmermannsfrosch ist in Teilen seiner Verbreitungsgebiete durchaus gefährdet. In einigen US-Bundesstaaten steht die Art daher unter strengem Schutz. Dies ist beispielsweise in den nordöstlichen Regionen wie Delaware der Fall. Die Gefährdungsfaktoren sind altbekannt. Zum einem leiden die Populationen unter dem sauren Regen, zum anderen unter der Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch Trockenlegung von Feuchtgebieten. In südlichen Regionen wie Georgia gelten die Frösche als nur wenig gefährdet und kommen überall noch reichlich vor. Der Zimmermannsfrosch lebt in Nahrungs- und Brutgewässerkonkurrenz mit einigen anderen Froscharten. Dazu gehören beispielsweise der Südliche Leopardfrosch (Rana sphenocephala), der Schreifrosch (Rana clamitans) und der Anderson-Laubfrosch (Hyla andersonii). Zimmermannsfrösche spielen in ihrem Lebensraum eine herausragende Rolle. Das Vorhandensein dieser Art gilt als Indikator für ein intaktes Ökosystem. Sie sind zum einen Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl an räuberisch lebender Tiere. Auf der anderen Seite halten sie die Populationen insbesondere von Schadinsekten und Schnecken klein. Unterm Strich trägt der Zimmermannsfrosch zum ökologischen Gleichgewicht in seinem Lebensraum bei.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Kurt Deckert, Gisela Deckert, Günther E. Freytag: Urania Tierreich, 7 Bde., Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania, Freiburg (1991)
    ISBN 3332003763
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993.
    ISBN 3-423-05970-2

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