Zentralamerikanische Wollbeutelratte

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Zentralamerikanische Wollbeutelratte

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Ordnung: Beutelrattenartige (Didelphimorphia)
Familie: Beutelratten (Didelphidae)
Gattung: Wollbeutelratten (Caluromys)
Art: Zentralamerikanische Wollbeutelratte
Wissenschaftlicher Name
Caluromys derbianus
(Waterhouse, 1841)

Verbreitungsgebiet
Least Concern (LC)

Die Zentralamerikanische Wollbeutelratte (Caluromys derbianus), auch unter den Synonymen Didelphys derbianus, Didelphys guayanus, Philander centralis, Micoureus canus und Micoureus antioquiae bekannt, zählt innerhalb der Familie der Beutelratten (Didelphidae) zur Gattung der Wollbeutelratten (Caluromys). Im Englischen wird die Zentralamerikanische Wollbeutelratte derby's woolly opossum oder central american woolly opossum genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Zentralamerikanische Wollbeutelratte erreicht eine Körperlänge von etwa 60,0 bis 70,0 Zentimeter. Das Gewicht beträgt etwa 200,0 bis 400,0 Gramm. Sie weist einen langen, schlanken Körper auf und das wollige Fell zeigt erhebliche Farbunterschiede von hellgrau bis hell rötlich-braun. Die Extremitäten sind heller gefärbt und die Unterseite ist gelbbraun-weiß bis golden-lohfarben. Der lange Schwanz ist nur an der oberen Hälfte behaart, die untere Hälfte ist nicht behaart. Im Gesicht zeigt sich ein dunkel gefärbter Streifen, der sich von der Spitze des Kopfes bis zum fleischigen Teil der Nase erstreckt. Ferner zeigen sich große rosafarbene Ohren. Das Gebiss besteht aus 50 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i5/4, c1/1, p3/3, m4/4.

Lebensweise

Die Zentralamerikanische Wollbeutelratte ist bekannt für das Klettern durch die Baumkronen der Regenwälder und hat sich völlig dem Lebensraum angepasst. Die markanten, nach vorn gerichteten Augen bieten der Zentralamerikanischen Wollbeutelratte ein binokulares Sehen, das eine hervorragende Hand-Augen-Koordination und eine Tiefenwahrnehmung ermöglicht, was bei der Navigation durch die Baumkronen sehr wichtig ist. Der lange Greifschwanz verleiht der Zentralamerikanischen Wollbeutelratte sowohl ein Gleichgewicht als auch ein sicheres Greifen. Ferner ermöglichen die Krallen an den Vorderpfoten sowie die opponierbaren Daumen Zweige oder Äste besser zu greifen. Aufgrund der Sehschärfe und der flinken Finger kann die Zentralamerikanische Wollbeutelratte mit den Vorderpfoten sogar fliegende Falter erbeuten. Zentralamerikanische Wollbeutelratten leben einzelgängerisch und sind streng nachtaktiv. Am Tage halten sich die Tiere in Baumnestern oder in Baumhöhlen verborgen. Sie sind strikt arboreal und verlassen den Schutz hoher Bäume im Grunde nie. In den Bäumen bewegen sich Zentralamerikanische Wollbeutelratten quadrupedal (Quadrupedie, lat. quadrus vier und pes Fuß) auf allen vier Extremitäten fort. Zentralamerikanische Wollbeutelratten sind zwar nicht sehr territorial, sie beanspruchen und verteidigen jedoch ein loses Streifrevier.

Unterarten

  • Caluromys derbianus derbianus - (Waterhouse, 1841)
  • Caluromys derbianus aztecus - (Thomas, 1913)
  • Caluromys derbianus centralis - (Hollister, 1914)
  • Caluromys derbianus fervidus - (Thomas, 1913)
  • Caluromys derbianus nauticus - (Thomas, 1913)
  • Caluromys derbianus pallidus - (Thomas, 1899)

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN reicht das Verbreitungsgebiet vom südlichen Mexiko (Veracruz) bis westlich von Ecuador und bis Kolumbien. In Kolumbien tritt die Zentralamerikanische Wollbeutelratte in einer Höhe von 2.600 Meter über dem Meeresspiegel auf. Im nördlichen Teil von Mexiko und Ecuador kommt sie nur gelegentlich vor. Die östlichen Kordilleren der Anden werden nicht überschritten. Nativ kommt die Zentralamerikanische Wollbeutelratte in folgenden Ländern vor: Belize, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, Guatemala, Honduras, Mexiko, Nicaragua und Panama.

Ernährung

Als Allesfresser ernähren sich Zentralamerikanische Wollbeutelratten sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Kost. An pflanzlicher Nahrung werden insbesondere Früchte, Nektar und Baumsäfte gefressen und an tierischer Nahrung werden Gliederfüßer (Arthropoda) wie beispielsweise Schmetterlinge (Lepidoptera) und Käfer (Coleoptera) verzehrt. Hin und wieder werden auch kleinere Wirbeltiere (Vertebrata) gefressen. Die aufgenommene Nahrung aufgrund saisonaler Verfügbarkeit ist stark schwankend. So werden während der Reifezeit von Früchten diese bevorzugt verzehrt.

Fortpflanzung

Zentralamerikanische Wollbeutelratten erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 7 bis 9 Monaten. In Zentralamerika erfolgt die Reproduktion während der Trockenzeit von Januar bis Juni. Aber einige Studien ergaben, dass sich die Reproduktion auch in den ersten Monaten der Regenzeit von Juli bis September erstrecken kann. In Nicaragua erfolgt die Fortpflanzung jedoch das ganze Jahr über. Da Zentralamerikanische Wollbeutelratten einzelgängerisch leben, kann von einer polygamen Fortpflanzungsweise ausgegangen werden. Die Geschlechter treffen nur kurz zu Paarung aufeinander. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmern sich demnach nur die Weibchen. Da sich die Reviere der Männchen mit denen mehrerer Weibchen überschneiden, paart sich ein Männchen meist mit mehreren Weibchen. Nach einer kurzen Tragezeit von 24 Tagen bringt ein Weibchen drei oder vier, manchmal auch sechs Jungtiere zur Welt. Das Geburtsgewicht liegt bei 0,2 Gramm, die Körperlänge beträgt etwa 1 Zentimeter. Unmittelbar nach der Geburt kriechen die Jungtiere selbständig in den Beutel der Mutter und saugen sich an eine der Zitzen fest. Die Verweildauer im Beutel kann bis zu 120 Tage dauern. Die Entwöhnung von der Muttermilch beginnt für gewöhnlich im Alter von 90 bis 92 Tagen. Die Selbständigkeit erreicht der Nachwuchs im Alter von 150 bis 160 Tagen. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt bei 3 bis 3,5 Jahren, in Gefangenschaft kann durchaus ein Alter von 5 Jahren erreicht werden.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Zentralamerikanische Wollbeutelratten gehören noch nicht zu den bedrohten Beuteltierarten. Die Art wird in der Roten Liste der IUCN daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Die Tiere spielen in ihren natürlichen Lebensräumen eine durchaus wichtige Rolle. Zum einen gelten sie als Verbreiter von Sämereien und Bestäuber blütentragender Pflanzen. Sie sorgen so für ein ausgewogenes Pflanzenwachstum. Zum anderen bilden Zentralamerikanische Wollbeutelratten die Nahrungsgrundlage für räuberisch lebende Tiere.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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