Witwenstelze

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Witwenstelze

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Sperlinge (Passeridae)
Unterfamilie: Motacillinae
Gattung: Stelzen (Motacilla)
Art: Witwenstelze
Wissenschaftlicher Name
Motacilla aguimp
Dumont, 1821

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Witwenstelze (Motacilla aguimp) zählt innerhalb der Familie der Sperlinge (Passeridae) zur Gattung der Stelzen (Motacilla). Im Englischen wird dieser Sperling African Pied Wagtail genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Witwenstelze erreicht eine Körperlänge von etwa 20 Zentimeter sowie ein Gewicht von 25 bis 28 Gramm. Weibchen bleiben etwas kleiner als Männchen. Die Witwenstelze ist ein durchaus langbeiniger und schlanker Bodenvogel. Markant ist ihr schneller, trippelnder Gang. Dabei bewegt sie ihren Schwanz auffällig auf und ab. Das Gefieder ist schwarz-weiß gefärbt. Der Rücken weist eine schwarze Grundfärbung auf, stellenweise zeigt sich hier ein leicht bräunlicher Schimmer. Der Kopf ist überwiegend schwarz gefärbt, vom Schnabelansatz, über die Augen bis in den Nacken hinein zeigt sich ein breites charakteristisches weißes Band. Der kräftige und dolchartig gefärbte Schnabel ist schwarz, die Iris der Augen weist eine schwarzbraune Färbung auf. Der Bereich der Kehle und die unteren Bereiche der Halsseiten sind weißlich gefärbt. Ein ausgedehnter schwarzer Latz im Brustbereich trennt die weißen Bereiche der Bauchseite optisch von der weißen Kehle. Die recht langen Extremitäten sind ebenfalls schwarz gefärbt. Die Füße enden in vier Zehen, wovon drei Zehen nach vorne und eine Zehe nach hinten zeigen.

Lebensweise

Witwenstelze sind tagaktive Vögel, die paarweise oder in kleineren Trupps leben. Einzelgängerisch sieht man Witwenstelzen im Grunde nicht. Mit ihren langen Beinen sind die Vögel sehr gute Läufer. Meist sieht man sie trippelnd über den Boden laufen. Während der Nacht bilden größere Schwärme von Witwenstelzen sogenannte Schlafgemeinschaften. Am Tage sind sie hingegen selten in größeren Gruppen zu sehen. Ihr Flug wirkt auffallend wellenförmig. Sie fliegt meist mit hektisch schlagenden Flügeln.

Unterarten

Verbreitung

Abgesehen von den reinen Wüsten wie die Sahara und die Namib ist die Witwenstelze in ganz Afrika verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Nordosten Afrikas, über den Westen und die zentralen Teile des Kontinents bis in den Süden Afrikas. Die größten Populationen sind im Westen und im Süden Afrikas vertreten. In einigen Ländern, insbesondere in Zentralafrika, gilt die Witwenstelze jedoch nur als Vagabund. Offene und halboffene Wälder, Sumpfgebiete, Überschwemmungsgebiete und waldnahe Wiesen gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Witwenstelzen sind immer in kleinen Trupps oder paarweise anzutreffen. In der Regel ist immer ein Gewässer, gleich welcher Art, im Lebensraum vorhanden.

Ernährung

Die Witwenstelze ernährt sich fast ausschließlich von tierischer Nahrung. Sie frisst überwiegend kleine Spinnentiere (Arachnida) sowie Insekten (Insecta) und deren Larven. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören beispielsweise Mücken (Nematocera) und Fliegen (Brachycera) sowie Ameisen (Formicoidea) und Termiten (Isoptera). Der Speiseplan wird durch allerlei Sämereien ergänzt. Als tagaktiver Vogel ist die Witwenstelze nur am Tage auf der Nahrungssuche zu beobachten. Die Nahrungssuche erfolgt ausschließlich auf dem Waldboden.

Fortpflanzung

Die Witwenstelze erreicht die Geschlechtsreife zu Beginn des zweiten Lebensjahres. Die Paarungs- und Brutzeit erstrecken sich ja nach Verbreitungsgebiet und Lebensraum meist über das Frühjahr. In einer Saison kommt es meist zu zwei Jahresbruten. Witwenstelzen leben in einer monogamen Einehe, die nicht selten über mehrere Jahre oder gar ein Leben lang hält. Außerhalb der Paarungszeit leben einzelne Paare in kleineren Trupps und ziehen sich nur zum Brüten paarweise zurück. Das Nest wird alleine vom Weibchen errichtet. Sie errichtet ihr Nest meist in hohlen Bäumen oder in anderen natürlichen Höhlungen in Holz oder Moderholz. Das Weibchen legt zwischen zwei und fünf Eier, die eine weißliche bis leicht gräuliche Färbung aufweisen. Die Eier werden über einen Zeitraum von 13 bis 14 Tagen bebrütet. Die Jungvögel werden mit Insekten und kleinen Spinnentieren gefüttert und sind bereits im Alter von 14 bis 16 Tagen flügge. Die Lebenserwartung der Witwenstelze liegt bei etwa acht bis neun Jahren.

Gefährdung und Schutz

In den meisten Regionen Afrikas ist die Witwenstelze noch häufig anzutreffen. Die Art wird daher in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Lokal kann es aufgrund der Abholzung der Wälder jedoch zu einem starken Rückgang der Populationen kommen. Den Witwenstelzen fehlt es in diesen Lebensräumen an adäquaten Nistplätzen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • David Attenborough: Das geheime Leben der Vögel. Verlag: Scherz (1999) ISBN 3502150303

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