Wendehals

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Wendehals

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
Familie: Spechte (Picidae)
Unterfamilie: Wendehälse (Jynginae)
Gattung: Wendehälse (Jynx)
Art: Wendehals
Wissenschaftlicher Name
Jynx torquilla
Linnaeus, 1758

Der Wendehals (Jynx torquilla) zählt innerhalb der Familie der Spechte (Picidae) zur Gattung der Wendehälse (Jynx). Der Wendehals wurde zum Vogel des Jahres 1988 gewählt.


Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Wendehals erreicht eine durchschnittliche Körperlänge von etwa 16 bis 17 Zentimeter sowie ein Gewicht von 30 bis 40 Gramm. Das Gefieder weist eine graubraune Grundfärbung auf. Mit der hell und dunkel gescheckten Gefiederoberfläche ist der Wendehals in seinem Lebensraum sehr gut getarnt. Die dunkle Musterung auf dem Rücken ähnelt einem Aalstrich und erinnert schwach an das Rückenmuster einer Schlange. Ventral ist das Gefieder cremefarben und somit deutlich heller gefärbt als das restliche Gefieder. Aber auch hier sowie an den Flanken zeigt sich eine feine Bänderung. Von den Augen bis in den Nacken zieht sich eine dunkelbraune Querbinde.
Wendehals
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Wendehals
Die Schwanzunterseite ist deutlich schwarz-weiß gebändert. Insgesamt weisen die Geschlechter keinen Geschlechtsdismorphismus auf. Obgleich der Wendehals zu den Staren gehört, ähnelt er eher einem typischen Singvogel. Anders als Stare, so ist der Wendehals aber nicht in der Lage, mit seinem Schnabel eigene Baumhöhlen zu zimmern. Dazu ist der Schnabel zu schwach ausgebildet.

Verhalten

Der Wendehals ist ein tagaktiver Vogel. Er bewegt sich hauptsächlich auf dem Boden. Er ist nur ein mäßig guter Kletterer. An senkrechten Stämmen sieht man ihn nur selten sitzen. Anders als viele andere Stare kann der Wendehals seinen Schwanz aufgrund mangelnder Steifheit nicht am Stamm zum Abstützen einsetzen. Im Flug wirkt er auffällig plump. Sein Flug erscheint insgesamt wellenförmig. Am Boden ist er allerdings sehr gut unterwegs. Hier bewegt er sich meist schnell hüpfend fort. Markantes Merkmal ist sein äußerst beweglicher Hals. Bei Gefahr oder Aufregung stellt er seine Nackenfedern auf und bewegt seinen Kopf ruckartig hin und her. Der Wendehals lebt hauptsächlich einzelgängerisch. Nur während der Paarungszeit kommen die Geschlechter zusammen. Vor allem während der Paarungszeit ist der Wendehals territorial und verteidigt sein Revier gegenüber Artgenossen.

Unterarten

Verbreitung

Vorkommen

Der Wendehals ist über die gesamte eurasische Palärarktis verbreitet. In Europa ist er bis auf wenige Stellen wie England und Irland weitflächig anzutreffen. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich dabei vom Mittelmeerraum bis in den Norden von Skandinavien. Im Osten ist der Wendehals von Osteuropa bis ins ferne Ostasien und Japan verbreitet. Eine kleine Population lebt im Nordwesten des Himalayas. In Algerien und in Tunesien leben kleinere, meist isoliert lebende Populationen. Hier gehört der Wendehals zu den Standvögeln. Bei den nordafrikanischen Populationen handelt es sich um die Unterart Jynx torquilla mauretanica. In allen anderen Verbreitungsgebieten ist der Wendehals ein Zugvogel, der im Herbst ja nach Verbreitungsgebiet in West- und Ostafrika oder in Südostasien überwintert. In Afrika erstrecken sich die Winterquartiere von Senegal bis nach Äthiopien in Ostafrika. In Asien überwintert der Wendehals in Indien und im östlichen Teil von Südostasien.

Lebensraum

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Wendehals

Der typische Lebensraum des Wendehalses erstreckt sich zumeist über das relativ trockene Tiefland in der Ebene. In Höhenlagen von mehr als 500 Meter fehlt er völlig. Beliebte Habitate sind Streuobstwiesen und größere Gärten, wo der Wendehals reichlich Nahrung findet. Feldgehölze und lichte Wälder werden ebenfalls gerne besiedelt. Feuchtbiotope wie Überschwemmungsgebiete und Feuchtwiesen werden nicht besiedelt. In der Nähe menschlicher Ansiedlungen ist der Wendehals auch in großen Parks beheimatet. Er gilt dem Menschen gegenüber als nur wenig scheu.

Bedrohung und Schutz

Insbesondere in Mitteleuropa, allen voran in Deutschland, steht der Wendehals in seinen natürlichen Lebensräumen heute stark unter Druck und ist streckenweise selten geworden. Weitflächig werden insbesondere Brut- und Nahrungshabitate vernichtet oder in extensiv genutztes Agrarland umgewandelt. Zudem werden alt eingesessene Streuobstwiesen, Gärten und Parks massiv mit Pflanzenschutz- und Insektenvernichtungsmitteln bewirtschaftet. Die Ausdüngung von Wäldern, insbesondere durch das Fällen von altem Baumbestand nimmt den Vögeln die Brutmöglichkeiten. In Deutschland sind die Bestände daher stark abnehmend, eine akute Gefährdung steht kurz bevor. In der Roten Liste des IUCN wird die Art als nur gering gefährdet geführt.

Ernährung

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Der Wendehals ernährt sich von Insekten und deren Larven aller Art. Auf Beutefang geht er fast ausschließlich auf dem Boden, selten wird Beute im Flug erbeutet. Hier sieht man ihn zumeist hüpfend umher suchen. Beutetiere nimmt der Wendehals mit seiner sehr langen und klebrigen Zunge auf. Zu seiner Leibspeise gehören insbesondere Ameisen.

Fortpflanzung

Der Wendehals erreicht die Geschlechtsreife mit knapp einem Jahr. Er brütet in der Regel das erste Mal im Jahr nach dem Schlupf. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten im Frühjahr, zumeist Ende April oder Anfang Mai. Als Nest dient dem Wendehals eine vorhandene Baumhöhle, die von anderen Vögeln übernommen wird. Dabei geht der Wendehals nicht unbedingt zimperlich vor. Hat er eine potentielle Bruthöhle ausgespäht und es befindet sich ein Gelege eines anderen Vogels darin, so entfernt er dieses Gelege und macht sich selbst in der Bruthöhle breit. Die Nisthöhle wird so genutzt wie sie vorgefunden wird, eine Auspolsterung erfolgt nicht.

Je nach Verbreitungsgebiet kann es in einer Saison zu zwei Gelegen kommen. Das Weibchen legt zwischen acht und zehn weißliche Eier, die von beiden Partnern über einen Zeitraum von 12 bis 14 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungvögel werden mit Insekten aller Art und Larven gefüttert. Mit Ende der dritten Lebenswoche verlassen die Jungvögel ihre Bruthöhle. Sie werden noch weitere zwei, selten auch drei Wochen von den Eltern weiterhin mit Nahrung versorgt ehe sie selbständig sind. Der Wendehals erreicht selten ein Alter von über vier Jahren. Nur in seltenen Fällen und unter günstigen Umständen erreicht er ein Alter von acht bis zehn Jahren. Der Großteil der Brut erreicht aber nicht einmal die Geschlechtsreife.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

Links

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