Weißkappenalbatros

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Weißkappenalbatros

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
Familie: Albatrosse (Diomedeidae)
Gattung: Thalassarche
Art: Weißkappenalbatros
Wissenschaftlicher Name
Thalassarche cauta
Gould, 1841

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Weißkappenalbatros (Thalassarche cauta) gehört innerhalb der Familie der Albatrosse (Diomedeidae) zur Gattung Thalassarche. Im Englischen wird der Weißkappenalbatros Shy Albatross oder White-capped Albatross genannt. Ursprünglich wurde die Art auch als Diomedea cauta geführt.

Im Jahre 2004 wurde die Art gesplittet und die Unterarten Thalassarche cauta, Thalassarche salvini und Thalassarche eremita erhielten einen Artstatus. Demnach gilt es heute neben dem Weißkappenalbatros auch die beiden Arten Salvin-Albatros (Thalassarche salvini) und Chatham-Albatros (Thalassarche eremita).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Weißkappenalbatros erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 90 bis 100 Zentimeter, eine Flügellänge von 56 bis 61 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 212 bis 256 Zentimeter sowie eine Schnabellänge von 10 bis 12 Zentimeter. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Ein Weibchen erreicht ein Gewicht von 3.400 bis 3.800 Gramm, ein Männchen ein Gewicht von 4.000 bis 4.400 Gramm. In der Gefiederfärbung weisen die Geschlechter keinen Dimorphismus auf. Die Flügel und der mittlere Teil des Rückens sind dunkelgrau gefärbt, der obere Teil des Rückens zeigt eine hellgraue Färbung. Der unter Teil des Rückens ist rein weiß gefärbt. Die Unterseite der Flügel ist bis auf einen schmalen dunklen Saum weißgefärbt. Die gleiche Färbung zeigt sich auf der gesamten Unterseite, inklusive des Schwanzes. Der Kopf ist hellgrau, im Bereich des Scheitels weißlich gefärbt. Ein dunkler Rand oberhalb der Augen verstärkt den Eindruck einer weißlichen Kappe. Diese Kappe war für die Art namensgebend. Die Extremitäten, die im Bereich der Füße in Schwimmhäute enden sind dunkelgrau bis fast schwarz oder blaugrau gefärbt. Eine ähnliche Färbung zeigt der Schnabel. Er ist nur im Bereich der Spitze leicht gelblich gefärbt. Juvenile Vögel ähneln den Erwachsenen, jedoch ist die Unterseite etwas dunkler gefärbt und der Kopf weist eine einheitlich gräuliche Färbung auf.

Lebensweise

Weißkappenalbatrosse sind vor allem während der Paarungszeit ausgesprochen gesellige Vögel, sie brüten in zum Teil größeren Kolonien. Nicht selten leben Weißkappenalbatrosse in den Kolonien auch in Vergesellschaftung mit anderen Seevögeln. Auf hoher See halten sie sich oft in der Nähe von Schiffen auf, um auf den einen oder anderen Snack zu spekulieren. Die Neugier scheint angeboren zu sein, denn Nestlinge, die bereits alt genug sind, erkunden spielerisch die nähere Umgebung ihres Nestes und heben mit dem Schnabel dabei alles möglich auf. Dieses ist im übrigen bei allen Albatrossen der Fall.
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Auf Nahrungssuche gehen Weißkappenalbatrosse vorwiegend am Tage, jedoch nicht selten auch in der Dämmerung oder in der Nacht. Während der Ruhephasen ruhen sie zumeist in kleinen Gruppen auf der Wasseroberfläche. Hier sind sie jedoch sehr gefährdet und werden oft von ihren Hauptfeinden den Haien gefressen. Weißkappenalbatrosse gelten als ausgezeichnete Schwimmer. Die meiste Zeit wird er beim Fliegen von der Luftströmung getragen. Mit den extrem langen Flügeln verhält sich ein Weißkappenalbatros ähnlich wie ein Segelflugzeug.

Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet des Weißkappenalbatrosses erstreckt sich über den südlichen Küstenabschnitt von Australien. Eine kleine Population zieht jedoch auch nach Südafrika und bis nach Neuseeland. Bei den Vögeln, die bis nach Südafrika ziehen handelt es sich ausschließlich um Nichtbrüter, in der Regel also um Jungvögel. Der Weißkappenalbatros bevorzugt subarktische bis subtropische Gewässer. Die Brutgebiete liegen im südlichen Australien und auf Tasmanien, beziehungsweise auf den umliegenden Inseln. Auf hoher See halten sich Weißkappenalbatrosse in der Nähe des Kontinentalsockels auf. In unmittelbarer Nähe zur Küste sind sie außerhalb der Paarungszeit nicht anzutreffen. Während der Paarungszeit gehen sie jedoch im Bereich der Küste auf Nahrungssuche. Dabei bewegen sie sich selten mehr als 300 Kilometer weit weg vom Nest. <5>

Prädatoren, Parasiten

An Land stellen vor allem Ratten (Rattus), Rotfüchse (Vulpes vulpes) und räuberisch lebende Möwen (Laridae) den Küken und Eiern der Weißkappenalbatrosse nach. Ratten und Füchsen entgehen die Albatrosse in der Regel nur auf kleinen Inseln, die dem Festland vorgelagert sind. Im Wasser gelten vor allem der Tigerhai (Galeocerdo cuvier) und andere Haie (Galeomorphii) als die gefährlichsten Feinde.

Ernährung

Weißkappenalbatrosse sind reine Fleischfresser. Ihre Nahrung besteht dabei zu 90 Prozent aus Fischen (Actinopterygii) und 10 Prozent aus Weichtieren (Mollusca) und aus Krebstieren (Crustacea). Der Fang der Beutetiere erfolgt meist in unmittelbarer Nähe zur Wasseroberfläche. Aus geringer Höhe lassen sich Weißkappenalbatrosse pfeilartig ins Wasser fallen. Unter Wasser dienen die Flügel als Vortriebsorgan. Eine andere Methode ist das Abtauchen von der Wasseroberfläche. Die durchschnittliche Tauchtiefe liegt bei etwa drei Meter, der Weißkappenalbatros kann jedoch auch leicht eine Tauchtiefe von bis zu sieben Meter erreichen. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend am Tage. <2>

Fortpflanzung

Der Weißkappenalbatros erreicht die Geschlechtsreife erst sehr spät mit fünf bis sechs Jahren. Die Paarbindung erfolgt meist schon mit drei bis vier Jahren. <3> Die Geschlechter leben in einer monogamen Einehe, die ein Leben lang hält. Außerhalb der Paarungszeit leben die Geschlechter allerdings getrennt voneinander auf dem Meer. Männchen kommen etwa zwei Wochen vor den Weibchen in den Brutgebieten an. Dies ist in der Regel im Juli der Fall. Der Aufenthalt in den Brutkolonien erstreckt sich insgesamt bis in den April hinein. Die Eiablage erfolgt zwischen September und Oktober, das Wärmen der Eier erstreckt sich von Oktober bis in den Dezember hinein.
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Die Jungenaufzucht erfolgt durch beide Geschlechter von Dezember bis in den April. Die Brutgebiete liegen an den südlichen Küsten Australiens und vor allem auf Tasmanien. Auf Tasmanien brüten Weißkappenalbatrosse insbesondere auf den Albatross Island und in der Nähe von Mewstone und Pedra Branca. Man schätzt die Bestände der Brutpaare alleine auf Tasmanien auf rund 12.750 Brutpaare. Die Gesamtbestände inklusive der Nichtbrüter liegen bei 50.000 bis 60.000 Vögel. <1>

Weißkappenalbatrosse brüten in zum Teil großen Kolonien. Haben sich die Paare nach der langen Pause wieder vereinigt, so kommt es zur Balz. Die Balz fördert die dauerhafte Paarbindung und endet in der eigentlichen Kopulation. Die Nester entstehen in der Nähe des Meeres meist auf Inseln auf sandigem Untergrund. Jahr für Jahr kehren Weißkappenalbatrosse immer wieder zu ihren angestammten Brutkolonien zurück. Bis auf kleinere Streitigkeiten geht es in den Kolonien ausgesprochen friedlich zu. Das Gelege besteht in der Regel aus nur einem Ei, sehr selten werden auch zwei Eier gelegt. Geht ein Gelege verloren, so kommt es durchaus häufig zu einem Nachgelege. Um die Verteidigung des Geleges kümmern sich beide Elternteile. Das Wärmen der Eier nimmt zwischen 70 und 72 Tage in Anspruch und wird durch beide Geschlechter gewährleistet. <4> Das geschlüpfte Küken schlüpft mit bereits geöffneten Augen, ist ansonsten aber nur wenig weit entwickelt und vollständig von den Eltern abhängig. Die ersten Wochen bleibt immer ein Elternteil bei dem Küken und sorgt für Schutz, während der zweite Elternteil sich um die Nahrungsbeschaffung kümmert. Später gehen beide Elternteile gleichzeitig auf Nahrungssuche, da der Nahrungsbedarf ab dem zweiten und dritten Lebensmonat durch ein Elternteil nicht mehr zu decken ist. Die volle Flugfähigkeit wird im Alter von 110 bis 120 Tagen erreicht. Die sehr lange Nestlings- und Betreuungszeit erstreckt sich über gut vier, nicht selten sogar fünf Monate. Erst danach ist der Jungvogel selbständig und löst sich von den Eltern.

Gefährdung und Schutz

Zwischen 1780 und 1800, als die ersten Europäer die Küsten von Tasmanien besiedelten, gab es nach Schätzungen noch um die 20.000 Brutpaare auf Tasmanien und den umliegenden Inseln, insbesondere auf Albatross Island. Binnen weniger Jahre sank die Population rapide, da die Siedler die Eier der Weißkappenalbatrosse absammelten. Bis ins frühe 20. Jahrhundert stellte man den Vögeln massiv nach. Im Jahre 1909 zählte man auf Albatross Island nur noch rund 300 Nester. Man stellte die Nistgebiete noch rechtzeitig unter Schutz. Heute schlüpfen auf Albatross Island wieder rund 2.500 Küken pro Jahr. Die Kolonien haben wieder etwa ein Viertel der ursprünglichen Größe erreicht. In den übrigen Kolonien haben sich ähnliche Entwicklungen eingestellt. Auf Albatros Island konnte man seit 1981 den Schlupferfolg von 1.000 Küken auf 2.500 erhöhen. Drastische Schutzmaßnahmen konnte diesen Erfolg verbuchen. <6>

Zu den Hauptbedrohungen gehören jedoch auch heute noch die Störungen durch den Menschen in den Brutgebieten. Diese wurden jedoch weitestgehend eliminiert. Im Grunde genommen haben nur noch Forscher Zugang zu den Kolonien. Noch nicht im Griff hat man die Kükensterblichkeit, die auf Krankheiten beruhen. Weitere Probleme stellen die stellenweise gravierenden Wasserverschmutzungen durch Schwermetalle dar. Auf hoher See fressen Weißkappenalbatrosse nicht selten Abfälle wie Plastik und ähnliches, das von Schiffen über Bord geworfen werden. Nicht selten verenden Weißkappenalbatrosse daran sehr qualvoll. Auch Langleinen der Fischer stellen ein großes Problem dar. Weißkappenalbatrosse fressen den Köder und bleiben letztlich an den Leinen hängen. Auch hier ist der Tod nicht selten die Folge. In der Roten Liste der IUCN wird der Weißkappenalbatros als gering gefährdet geführt (NT, Near Threatened). <7>

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)
  • Die Familie der Albatrosse (Diomedeidae)

Literatur und Quellen

Links

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