Weißflankenschweinswal

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Weißflankenschweinswal

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Familie: Schweinswale (Phocoenidae)
Gattung: Phocoenoides
Art: Weißflankenschweinswal
Wissenschaftlicher Name
Phocoenoides dalli
True, 1885

IUCN-Status
Near Threatened (LC) - IUCN

Der Weißflankenschweinswal (Phocoenoides dalli) zählt innerhalb der Familie der Schweinswale (Phocoenidae) zur Gattung Phocoenoides. Die ältesten fossilen Funde stammen aus dem späten Miozän und weisen demnach ein Alter von elf bis zwölf Millionen Jahren auf.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Weißflankenschweinswal erreicht eine Körperlänge von 180 bis 200, selten auch bis 215 Zentimeter sowie ein Gewicht von 150 bis 200 Kilogramm. Mit diesen Maßen ist der Weißflankenschweinswal die größte Art innerhalb der Familie der Schweinswale (Phocoenidae). Die Geschlechter weisen keinen Dimorphismus auf. Neugeborene sind hellgrau bis grau gefärbt. Der Körper ist ausgesprochen stämmig gebaut. Der große Kopf endet stumpf, die Stirn ist zur Schnauze hin deutlich abgeschrägt. Die schmalen und spitz zulaufenden Brustflossen liegen weit vorne am Körper. Die dreieckig geformte Rückflosse ist im Vergleich zum Körper sehr klein. Der obere Teil der Rückenflosse weist eine weiße Färbung auf. Die waagerechte Schwanzflosse ist nur wie der Körper schwarz gefärbt und zeigt einen weißlichen Saum. Die Haut ist dorsal überwiegend schwarz gefärbt. Lateral und ventral zeigt sich eine weiße Färbung. Die weißen Flanken waren für die Art namensgebend. Je nach Vorkommen können sich die weißlichen Markierungen mehr oder weniger ausdehnen. Das Gehirn ist relativ groß. Es weist ein Gewicht von 715 bis 1.045 Gramm auf (1,0 bis 1,2 Prozent des Gesamtgewichtes).

Lebensweise

Weißflankenschweinswale leben in kleinen Schulen, die aus 5 bis 20 Individuen bestehen. Selten können auch deutlich größere Schulen beobachtet werden. Gelegentlich schließen sich auch andere Schweinswale den Weißflankenschweinswalen an. Dies wurde bereits im Prinz William Sound in Alaska beobachtet. Weißflankenschweinswale sind wandernde Wale. Die Wanderungen erfolgen dabei im wesentlichen in Nord-Süd-Richtung. Sie sind nur wenig scheu und lassen sich häufig in der Nähe von Schiffen blicken, wo sie auf Bugwellen reiten. Weißflankenschweinswale gehören zu den schnellsten Walarten. Sie können ohne Probleme Geschwindigkeiten von über 50 km/h erreichen. Rekordwerte von bis zu 55 km/h wurden bereits gemessen. Die normale Schwimmgeschwindigkeit liegt zwischen 25 und 30 km/h. Zur Kommunikation und zur Ortung von Beutetieren setzen Weißflankenschweinswale eine Echoortung ein. Auch Klicklaute sind bekannt und dienen wahrscheinlich der Kommunikation untereinander.

Unterarten

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Einige Forscher sehen den Weißflankenschweinswal in zwei Unterarten unterteilt. Nach mehr oder weniger einhelliger Meinung teilt man die Gesamtpopulation in eine östliche und eine westliche Gruppe. Die westliche Gruppe läuft in diesen Fällen unter dem wissenschaftlichen Namen Phocoenoides dalli truei, die östliche Population unter dem Namen Phocoenoides dalli dalli. Die Populationen unterscheiden sich leicht in der Färbung bzw. den weißen Markierungen.

Verbreitung

Weißflankenschweinswale sind im nördlichen Pazifik weit verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Japan im Osten, über die Beringsee, Alaska bis nach Kalifornien, USA und Baja California, Mexiko. Weißflankenschweinswale leben hauptsächlich in kalten Gewässern, nur die Geburt des Nachwuchses erfolgt in wärmeren Gewässern. Sie leben sowohl in der Nähe der Küsten als auch auf hoher See. Hauptsächlich halten sich Weißflankenschweinswale in der Nähe des Kontinentalsockels auf. Die Gewässertemperaturen können zwischen 3 und 22 Grad Celsius betragen. Üblicherweise leben sie die meiste Zeit des Jahren in Gewässern, die eine Temperatur von 17 bis 18 Grad aufweisen.

Prädatoren und Parasiten

Zu den natürlichen Fleischfressern der Weißflankenschweinswal gehört der Große Schwertwal (Orcinus orca). Aufgrund der hohen Schwimmgeschwindigkeit entgehen die Tiere den meisten Haien (Galeomorphii), so dass Weißflankenschweinswal diesen Räubern nur selten zum Opfer fallen. Auch das Leben in Schulen bietet einen gewissen Schutz vor Fleischfressern. Ektoparasiten wie Walläuse (Cyamidae) befallen die Weißflankenschweinswale sehr häufig.

Ernährung

Weißflankenschweinswale sind überwiegend nachtaktive Jäger. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören Fische (Pisces) bis zu einer Länge von gut 30 Zentimetern. Dazu gehören beispielsweise Seehechte (Merlucciidae), Laternenfische (Myctophidae), Heringe (Clupea harengus) und Sardellen (Engraulidae). Aber auch Kalmare (Teuthida) und Krebstiere (Crustacea) stehen durchaus häufig auf der Speisekarte. Weißflankenschweinswale gehen zumeist in Tiefen von deutlich unter 180 Metern auf Nahrungssuche. Dies haben Analysen von Mageninhalten ergeben.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Weißflankenschweinswale erreichen die Geschlechtsreife mit drei bis sechs Jahren, Männchen mit fünf bis acht Jahren. Dies entspricht einer Körperlänge je nach Geschlecht von 170 (Weibchen) bis 196 Zentimeter (Männchen). Die Paarungszeit erstreckt sich über den späten Winter oder über das Frühjahr, jedoch kann die Paarungszeit zwischen der östlichen und westlichen Population stark variieren. Aufgrund der langen Tragezeit von 270 bis 330 Tagen und der langen Säugezeit kommt es nicht jedes Jahr zu Geburten. Die üblichen Abstände zwischen zwei Geburten liegen bei drei bis vier Jahren. Das Weibchen bringt im Sommer in warmen Gewässern für gewöhnlich ein einziges Kalb zur Welt. Zwillingsgeburten sind bisher nicht dokumentiert worden. Das Kalb weist eine Körperlänge von 95 bis 100 Zentimeter sowie ein Gewicht von acht bis zehn Kilogramm auf. Das Jungtier bleibt während der nächsten zwei Jahre bei seiner Mutter und wird während dieser Zeit von ihr gesäugt. Um die Aufzucht des Kalbes kümmert sich ausschließlich die Mutter. Die übliche Lebenserwartung liegt bei einem Alter von bis zu 22 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Weißflankenschweinswale werden fast ausschließlich von japanischen Walfängern erlegt. Jährlich werden mehr als 6.000 Tiere harpuniert und deren Fleisch kommerziell verwertet. Im östlichen Pazifik stehen die Weißflankenschweinswale aufgrund des Washingtoner Artenschutzabkommens, Anhang II, unter Schutz und werden nicht gejagt. Ein weiteres Problem ist der Beifang dieser Wale, die sich oft in Thunfischnetzen verfangen und ertrinken. Man rechnet hier mit einigen Tausend verendeten Tieren pro Jahr. In der Roten Liste der IUCN wird die Art aktuell als nicht gefährdet geführt.

Anhang

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Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Wale (Cetacea)
  • Hauptartikel: die Familie der Schweinswale (Phocoenidae)

Literatur und Quellen

Links

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