Weißer Hai

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Weißer Hai

Systematik
Klasse: Knorpelfische (Chondrichthyes)
Unterklasse: Plattenkiemer (Elasmobranchii)
Überordnung: Galeomorphii
Ordnung: Makrelenhaiartige (Lamniformes)
Familie: Makrelenhaie (Lamnidae)
Gattung: Carcharodon
Art: Weißer Hai
Wissenschaftlicher Name
Carcharodon carcharias
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) zählt innerhalb der Familie der Makrelenhaie (Lamnidae) zur Gattung Carcharodon. Im Englischen wird dieser Hai Great white shark oder vereinfacht White shark genannt. Innerhalb der Gattung Carcharodon gilt der Weiße Hai als einzige rezente Art. Die Art ist monotypisch, Unterarten existieren demnach keine.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, Entwicklung

Lange Zeit war umstritten welcher Gattung der Weiße Hai zuzurechnen ist. Manche Forscher sahen den Weißen Hai in der Gattung der Heringshaie (Lamna), andere wiederum sahen die Art eher der Gattung der Makohaie (Isurus) zugehörig. Beide Vermutungen konnten bisher weder schlüssig belegt noch wiederlegt werden. Heute wird der Weiße Hai offiziell der Gattung Carcharodon, grob aus dem griechischen übersetzt: "scharfe Zähne", zugeordnet. Die Entwicklung des Weißen Haies begann im späten Paläozän oder im frühen Eozän, also vor etwa 60 bis 50 Millionen Jahren. Die ältesten fossilen Funde in Form von Zähnen stammen aus der auslaufenden Kreidezeit und weisen ein Alter von etwa 65 Millionen Jahren auf. Unklar ist, inwieweit der Weiße Hai mit dem Megalodon (Carcharocles megalodon) verwandt ist.

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Der Megalodon (Carcharocles megalodon) tauchte vor rund fünf Millionen Jahren in der Evolution auf und starb wahrscheinlich im Unteren Pleistozän vor 1,8 bis 1,6 Millionen Jahren aus. Fossile Funde (Zähne) belegen diesen Zeitabschnitt. Ursprünglich wurde der Megalodon (Carcharocles megalodon) ebenfalls in der Gattung Carcharodon geführt. Megalodon (Carcharocles megalodon) erreicht eine Länge von gut 15 Metern und wies wahrscheinlich ein Gewicht von 20 oder mehr Tonnen auf. Alleine sein Maul hatte einen Durchmesser von fast 200 Zentimetern. Der Bauplan der Haie hat sich im Laufe der Jahrmillionen so gut wie nicht verändert. Dies begründet wahrscheinlich auch den anhaltenden Erfolg in der Evolutionsgeschichte.

Haie gehören insgesamt zu einer sehr alten Tiergruppe. Die ältesten fossilen Funde stammen aus dem Silur und dem Devon und weisen somit ein Alter von rund 400 Millionen Jahren auf. Dinosaurier erscheinen erst 200 Millionen Jahre nach den ersten Haien. Das Skelett besteht nicht aus Knochen, sondern aus Knorpeln. Daher gibt es keine vollständig erhaltenen Exemplare. Bei den fossilen Funden handelt es sich zumeist um Zähne, Hautzähne oder versteinerte Wirbel. Als einer der ersten Vertreter der Haie tauchte vor 400 bis 360 Millionen Jahren Cladoselache auf, der in etwa eine Länge von 100 Zentimeter aufwies. Im Vergleich zu diesem alten Vertreter haben sich Haie nur wenig verändert. Vor etwa 150 Millionen Jahren tauchte Hybodus auf, der bereits viele Merkmale moderner Haie aufwies. Dazu gehört beispielsweise die asymmetrische Schwanzflosse. Im Laufe der Zeit kam es zur Ausbildung vieler moderner Haiarten.

Beschreibung

Aussehen und Maße

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Der Weiße Hai erreicht je nach Geschlecht eine durchschnittliche Körperlänge von 400 bis 600 Zentimeter. Rekordlängen von bis knapp bis 720 Zentimeter bei einem Gewicht von bis zu 2 Tonnen sind dokumentiert. Diesen Dokumentationen fehlt jedoch der wissenschaftliche Anstrich und sind daher nicht unbedingt glaubwürdig. Wissenschaftlich belegt ist eine Maximallänge von 680 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 1,5 Tonnen. Weiße Haie wachsen relativ langsam. Feldstudien haben ergeben, dass juvenile Weiße Haie rund 27 Zentimeter pro Jahr wachsen. Mit zunehmendem Alter verringert sich das Wachstum. Dorsal zeigt sich eine dunkelgraue, graubraune oder blaugraue Färbung. Die Bauchseite ist weiß gefärbt. Diese Tatsache war für die Art namensgebend. Die dorsale und ventrale Färbung wird durch eine scharfe laterale Kante getrennt, die von der Schnauzenspitze bis zum Schwanz reicht. Der Flankenbereich kann unregelmäßig große dunkle Punkte aufweisen.

Der Körperbau der Weißen Haie ist ausgesprochen kompakt und leicht spindelförmig. Der Kopf ist recht lang und die Schnauze ist spitz zulaufend. Die Kiemen liegen im vorderen Bereich des zweiten Körperdrittels, also relativ weit in Richtung Körpermittel. Die Kiemen verfügen über fünf Einlässe und sind recht lang. Sie enden lateral auf Höhe der Brustflossen, die sich unmittelbar den Kiemen anschließen. Die Augen liegen seitlich weit vorne am Kopf, sie verfügen über eine Nickhaut, die vor allem beim Zubeißen zurückgezogen wird. Die große und dreieckige Rückenflosse liegt in etwa der Körpermittel. Die zweite, sehr kleine Rückenflosse und die ähnlich große Analflosse liegen unweit des Schwanzansatzes. Zwei kleine Bauchflossen liegen seitlich am Bauch etwa in der Mitte der beiden Rückenflosse. Die schmalen aber sehr langen Brustflossen liegen am unteren Ende der Kiemen. Der mächtige Schwanz endet in einer stark gegabelten Flosse mit zwei Fahnen, die jeweils die gleiche Länge aufweisen.

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Markant ist das sehr kräftige Gebiss. Die Zähne weisen eine dreieckige Form auf. Sie sind selbst bei geschlossenem Maul sichtbar und werden haitypisch permanent ersetzt wenn sie ausfallen. Ist ein Zahn ausgefallen, so klappt ein neuer Zahn nach vorne. Das sogenannte "Revolvergebiss" verfügt über mehrere hintereinander liegenden Zahnreihen. In den hinteren Zahnbildungsgruben bilden sich dabei permanent neue Zähne. Das Gebiss eines ausgewachsenen Weißen Haies weist eine Beißkraft von bis zu drei Tonnen auf.

Anatomie

Haie, die wie die nahen Verwandten Rochen (Batoidea) zu den Knorpelfischen (Chondrichthyes) zählen, verfügen über keine Schwimmblase. Stattdessen regulieren Haie ihr spezifisches Gewicht mehr oder weniger über ihre ölhaltige Leber. Jedoch kommt die Funktion nicht an die Funktionalität einer Schwimmblase heran, so dass die Tragfähigkeit im Ruhezustand nicht gegeben ist. Die Tragfähigkeit wird nur in Verbindung mit einer Schwimmtätigkeit erreicht. Es kann auch vorkommen, dass Weiße Haie an der Wasseroberfläche Luft schlucken, die dann im Magen verbleibt und für zusätzlichen Auftrieb sorgt. Das Öl aus der Leber war im 19. Jahrhundert sehr begehrt und wurde für Öllampen verwendet.

Der anatomische Aufbau des Körpers der Weißen Haie ähnelt im wesentlichen dem der Knochenfische (Osteichthyes). Dies trifft vor allem auf die Grundfunktionen wie Atmung, die Verdauung und das Muskelgewebe zu. Die Atmung erfolgt über Kiemen, die wie bereits angesprochen zwischen dem Kopf und den Brustflossen liegt. Um das Blut mit Sauerstoff anzureichern, wird Blut durch die Kiemen gepumpt. Der Gasaustausch findet in den feinen Kapillargefäßen in den Kiemen statt. Daher muss der Weiße Hau ständig in Bewegung sein, um nicht zu ersticken. Das Muskelgewebe ist wie geschaffen für ein schnelles Beschleunigen. Daher besteht das wichtigste Muskelgewebe aus wenig durchbluteten Fasern.
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In Verbindung mit dem kräftigen Schwanz sind Schwimmgeschwindigkeiten von bis zu 60 km/h möglich. Weniger stark beanspruchtes Muskelgewebe, vor allem an den Körperseiten, sind deutlich stärker durchblutet. Diese Muskeln gehören zu den ausdauerndsten im Körper eins Haies und ermüden selbst bei Dauerbelastung nicht.

Die Verdauung von Beutetieren, die im Ganzen oder in großen Stücken verschlungen wurden, erfolgt hauptsächlich im Magen. Hier zersetzen Magensäure und Verdauungsenzyme die Nahrung. Der Nahrungsbrei gelangt danach in das Darmsystem. Knochen und andere unverdauliche Teile eines Beutetieres werden später hochgewürgt. Im Darmsystem gelangen die Nährstoffe durch ein Austauschsystem in den Darmwänden in das Körpergewebe. Die Überreste werden rektal über den Mastdarm ausgeschieden.

Sinne

Alle Sinne des Weißen Haies sind hoch entwickelt. Neben den üblichen Sinnen wie Sehen, Riechen, Schmecken und Tasten, verfügt der Weiße Hai darüber hinaus über ein Seitenlinienorgan und die sogenannten Lorenzinischen Ampullen. Die einzelnen Informationen werden im durchaus komplexen Gehirn verarbeitet. Das Gehirn verfügt über viele Millionen Neuronen, mit deren Hilfe die Vielzahl an Informationen der einzelnen Sinne verarbeitet werden. Je nach Informationscharakter und -Herkunft stehen dabei im Gehirn unterschiedliche Bereiche zur Verfügung. Nach der Verarbeitung sendet das Gehirn die Ergebnisse an die einzelnen Muskeln im Körper, um auf ein Ereignis zu reagieren. Das Gehirn teilt sich im wesentlichen in die Bereiche Metencephalon (Hinterhirn), Tectum (Mittelhirn), Myelencephalon (Nachhirn) und Diencephalon (Zwischenhirn). Im Metencephalon werden Befehle für den Bewegungsapparat koordiniert. Im Tectum werden Informationen der Sinnesorgane, insbesondere des Sehsinnes, des Seitenlinienorgans und der elektrischen Organe (Lorenzinische Ampullen) verarbeitet.
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Im Diencephalon wird die Produktion von Hormonen gesteuert und das Verhaltens- und Aktivitätsmuster koordiniert. Im Myelencephalon werden insbesondere Informationen verarbeitet, die der Bewegung des Körpers, der Kiefer und des Bewegungsapparates im allgemeinen dienen.

Die Augen sitzen typischerweise an den Kopfseiten. Dieses ermöglicht den Tieren ein weites Sichtfeld. Über die Iris wird die Menge des einfallenden Lichtes geregelt und ein Bild über die Linse auf die Netzhaut (Retina) projiziert, das dann vom Gehirn verarbeitet werden kann. Die Netzhaut besteht im wesentlichen aus Photorezeptoren. Von diesen Photorezeptoren haben sich die zapfenartigen Rezeptoren auf das Sehen am Tage spezialisiert, die stäbchenartigen Rezeptoren dienen dem Schwarzweißsehen während der Nacht. Die Stäbchen sind dabei deutlich lichtempfindlicher. Während der Nacht wird das Licht hinter der Netzhaut mittels spiegelähnlicher Kristalle verstärkt. Diese Schicht lichtempfindlicher Kristalle wird auch Tapetum lucidum oder Tapetum cellulosum lucidum genannt. Die zwei Nasenlöcher befinden sich seitlich an der Unterseite der Nasenspitze. Im innern der Nasenlöcher befinden sich die Riechsäcke, die durch eine Hautfalte bedeckt sind und Wasser über Riechfalten leitet. Auf einer solchen Riechfalte werden die im Wasser gelösten Moleküle wahrgenommen. Die Moleküle, die insbesondere aus Aminosäuren bestehen, bleiben an der Riechfalte haften und können nunmehr von den Rezeptoren analysiert werden. Über elektrische Impulse werden die Informationen an das Gehirn geleitet, wo sie weiter verarbeitet werden.

Unmittelbar unter der Haut befindet sich ein dichtes Netz von nur wenig spezialisierten Nervenenden, mit Hilfe derer der Weiße Hai feinste Berührungen wahrnehmen und analysieren kann. Unterhalb der Nervenenden befinden sich deutlich stärker spezialisierte Tastkörper. Von hier aus leiten Rezeptoren die Signale ebenfalls zum Gehirn. Weitere Sinneszellen, die sogenannten Propriorezeptoren. Diese Rezeptoren geben dem Gehirn Auskunft über die Kontraktion der einzelnen Muskeln. Alle Haie verfügen über keine sichtbaren Ohren, da macht der Weiße Hai keine Ausnahme. Dennoch ist ihr Hörsinn wie alle Sinnesorgane hoch entwickelt. Über Poren im Bereich des Oberkopfes ist das zentrale Gehör, die sogenannte Macula neglecta, sowie das Labyrinth über den Endolyphengang (Ductus endolymphaticus) verbunden. Die Macula neglecta ist mit winzigen Sinneshärchen besetzt und registrieren feinste Schallwellen. Das Labyrinth besteht aus mehreren mit Flüssigkeiten gefüllten Kanälen. Bei diesen Kanälen handelt es sich um halbkreisförmige Bogengänge. Über die relativ träge Reaktion der Flüssigkeit in den Kanälen kann mittels der Reizung der Haarzellen in diesem Zusammenhang Informationen über die Körperlage an das Gehirn weiter geleitet werden.

Nun aber zu den Sinnen, die nur bei Haien vorhanden sind. Die Lorenzinischen Ampullen sind ein elektrisches Sinnesorgan und dienen hauptsächlich der Wahrnehmung von Beutetieren. Die eigentlichen Lorenzinischen Ampullen liegen tief unter der Haut und sind über eine Vielzahl an Kanälen und Schläuchen, die in Poren enden, mit der Hautoberfläche verbunden. Die Schläuche sind mit einer flüssigen Gallerte gefüllt und enden in den Ampullen. Die Ampullen an sich sind ebenfalls mit Gallerte gefüllt und zusätzlich mit einer Vielzahl winzigen Härchen ausgekleidet. Über die angeschlossenen winzigen Kanäle werden kleinste Spannungsänderungen wahrgenommen werden. Über das elektrische Organ werden feinste bioelektrische Felder registriert, die vor allem von Beutetieren ausgehen. Haie im allgemeinen sind in der Lage, Spannungsveränderungen im Bereich von etwa fünf Nanovolt wahrzunehmen. Über das Seitenlinienorgan werden insbesondere Wasserbewegungen wahrgenommen. Wasserbewegungen werden unter anderem durch Beutetiere produziert. Der Name deutet die Lage der Organe bereits an, sie liegen auf der lateralen Seite des Körpers und reichen vom Schwanzansatz bis zur Schnauze. Über Poren gelangen Reize über mit Wasser gefüllte Kanäle zu den unter der Haut liegenden Neuromasten, die aus feinen Haarzellen bestehen. Reaktionen wie ein unterschiedlicher Druck in den Kanälen wirkt sich demzufolge auf die Neuromasten aus.

Lebensweise

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Weiße Haie leben überwiegend einzelgängerisch. Ursprünglich dachte man. Weiße Haie würden nur am Tage auf Beutefang gehen. Dem ist nicht so, denn vor allem vor der südafrikanischen Küste hat man Nachweise erhalten, dass die Tiere durchaus auch in der Nacht auf Nahrungssuche gehen. Weiße Haie sind relativ standorttreu. Dennoch sind einzelne Exemplare in der Lage, selbst Ozeane wie den Pazifik zu überqueren. Weite Wanderungen werden jedoch nur von ausgewachsenen Tieren unternommen. Weiße Haie leben sowohl auf dem offenen Ozean als auch in Küstennähe. Im Grunde hält sich der Weiße Hai immer dort auf, wo reichlich Nahrung vorhanden ist. Er gilt als überaus gefräßiger Räuber und setzt bei der Jagd alle seine Sinne ein. Tagsüber dominiert beim Beutefang jedoch der Sehsinn, der in der Nacht seine Effektivität jedoch verliert. Dann kommen verstärkt die vom Licht unabhängigen Sinne zum Tragen.

Weiße Haie gelten als gute und sehr schnelle Schwimmer. Bei Verfolgungsjagden können leicht Schwimmgeschwindigkeiten von bis zu 60 km/h erreicht werden. Selbst abrupte Richtungswechsel sind möglich. So können selbst schnell schwimmende Robben eingeholt werden. Erwachsene Weiße Haie führen eine territoriale Lebensweise und dulden in ihrem Revier keine Artgenossen. Daher sieht man die Tiere nur selten in Gruppen. Dies ist allenfalls bei juvenilen Haien der Fall. Dennoch fühlen sich andere große Weiße Haie angelockt, wenn ein Artgenosse ein großes Beutetier gerissen hat und wollen am Mahl teilhaben. Zu echten Kämpfen kommt es bei diesen Situationen im Grunde aber nicht. Die eigentliche Jagd erfolgt jedoch niemals in Gruppen. Kommen sich zwei Kontrahenten ins Gehege, so werden durchaus schmerzhafte Bisse und tiefe Wunden ausgeteilt.

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In der Regel sieht man von einem Weißen Hai an der Wasseroberfläche nur die vorderste Rückenflosse. Vor der Küste Südafrikas, insbesondere an der False Bay, springen Weiße Haie teilweise vollständig aus dem Wasser. Das ist in diesem Ausmaß bisher nur in Südafrika beobachtet worden. Der Sinn dieser Sprünge ist abschließend noch nicht erforscht. Manche Forscher glauben, dass sich Weiße Haie so von Parasiten und Putzerfischen entledigen. Andere glauben, dass es sich um einen Teil des Werbeverhaltens während der Paarungszeit handelt.

Verbreitung

Weiße Haie kommen weltweit in allen Ozeanen in gemäßigten Gewässern vor. In tropischen Gewässern treten die Tiere eher selten auf. Im Indischen Ozean sind Weiße Haie von Südafrika bis zu den Seychellen und im Roten Meer anzutreffen. Im westlichen Pazifik sind die Tiere vom südöstlichen Russland bis nach Australien und Neuseeland weit verbreitet. Im zentralen und östlichen Pazifik sind die Tiere von Hawaii, über Alaska und südwärts bis ins nördliche Südamerika verbreitet. Im westlichen Atlantik reicht das Verbreitungsgebiet von Neufundland, Kanada bis in den Süden der USA und westwärts über den nördlichen Teil des Golf vom Mexiko und der nördlichen Karibik. Weiter im Süden erstreckt sich das Vorkommen über die Küsten von Brasilien und Argentinien. Im östlichen Atlantik sind Weiße Haie weitflächig vom südlichen Europa und dem Mittelmeer bis nach Südafrika anzutreffen. Der Weiße Hai lebt hauptsächlich im Bereich des Kontinentalsockels, er fühlt sich jedoch auch auf hoher See und im Küstenbereich heimisch. Er kann Tauchtiefen von bis zu 900 Meter erreichen. Beliebte Nahrungshabitate sind Küstenlinien, Riffe und Atolle.

Einer der wenigen Prädatoren: Großer Schwertwal (Orcinus orca)
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Einer der wenigen Prädatoren: Großer Schwertwal (Orcinus orca)

Prädatoren

Weiße Haie stehen am oberen Ende der Nahrungskette. Außer dem Großen Schwertwal (Orcinus orca) und ausgewachsenen Artgenossen können einem ausgewachsenen Weißen Hai keine anderen Räuber gefährlich werden. Juvenile Tiere werden gelegentlich auch von anderen größeren Haien wie Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) und Bullenhaie (Carcharhinus leucas) oder gar der eigenen Gattung gefressen.

Ernährung

Weiße Haie sind überwiegend tagaktive Fleischfresser, die gelegentlich auch in der Nacht auf Beutefang gehen. Zu der bevorzugten Nahrung gehören vor allem Meeressäuger (Mammalia) wie beispielsweise Delfine (Delphinidae), Hundsrobben (Phocidae) und Ohrenrobben (Otariidae). Selbst größere Säuger wie Seeelefanten (Mirounga) und kleinere Wale (Cetacea) stellen kein Problem dar. Selbstverständlich stehen auch Knochenfische (Osteichthyes) wie andere Haie (Galeomorphii) und Rochen (Batoidea) auf dem Speiseplan. Je nach Verbreitungsgebiet stehen auch Reptilien auf dem Speiseplan.
lokal ein beliebter Snack: Seeotter (Enhydra lutris)
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lokal ein beliebter Snack: Seeotter (Enhydra lutris)
Dies ist zum Beispiel auf den Galapagosinseln der Fall, wo gelegentlich Meerechsen (Amblyrhynchus cristatus) erbeutet werden. Aber auch Schildkröten (Testudinata) werden nicht verschmäht. Die kräftigen Kiefer können mühelos auch harte Schildkrötenpanzer knacken. An der Westküste der USA stehen auch Seeotter (Enhydra lutris) auf dem Speiseplan. Eher selten werden auch auf dem Wasser schwimmende Seevögel (Aves) gefressen, da große Tiere bevorzugt werden.

In der Regel werden Beutetiere durch den hoch entwickelten Sehsinn lokalisiert. Der Weiße Hai nähert sich dann langsam seiner Beute und schlägt unvermittelt zu. Gefährdet sind jedoch auch Surfer, Schwimmer oder Taucher, die von einem Weißen Hai aufgrund der Form für beispielsweise eine Robbe gehalten werden können. Vor allem Surfbretter vermitteln dem Weißen Hai einen robbenartigen Charakter. Weiße Haie nähern sich potentieller Beute entweder von unten oder von der Wasseroberfläche aus. Jedem Angriff geht die eingehende Prüfung des potentiellen Opfers voraus. Neben dem Gebrauch seiner o.g. Sinnesorgane gehören hierzu das Sichten, das Annähern, das Anrempeln und der Probebiss. Hat sich das Tier zu einem Angriff entschlossen, ist bereits der erste Biss meist tödlich oder soll das Opfer schwächen. Erst wenn von ihm keine Gefahr mehr ausgehen kann, kehrt der Weisse Hai zurück und macht sich über seine Beute her. Die Annäherung von unten bringt dem Weißen Hai den Vorteil der Überraschung. Beutetiere bemerken die Gefahr erst dann, wenn es zu spät ist. Kann ein Beutetier fliehen, so wird es verfolgt und gestellt. Als schneller Schwimmer kann er mit den meisten Tieren mithalten.

Fortpflanzung

Allgemeines

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Die Männchen der Weißen Haie erreichen die Geschlechtsreife mit einer Länge von knapp 4 Metern, Weibchen hingegen erst mit einer Länge von 4,5 bis 5 Meter. Das entspricht bei einem Männchen einem Alter von 9 Jahren, bei Weibchen von 12 bis 15 Jahren. Diese Längen- und Zeitangaben gelten wissenschaftlich als bestätigt. Über das Fortpflanzungsverhalten war lange Zeit nur wenig bekannt. So konnte aufgrund von Fängen trächtiger Weibchen erst in den letzten Jahren aufschlussreiche Ergebnisse erzielt werden. Die Paarungszeit der Weißen Haie erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten über das Frühjahr und den Frühsommer. Beobachtungen, wenn auch seltene, lassen diesen Schluss zu. Weiße Haie gehören zu den lebend gebärenden Haiarten. Zu einer Geburt kommt es dabei nur alle zwei bis drei Jahre.

Die Männchen produzieren in ihren Hoden Samenflüssigkeit. Die paarigen Begattungsorgane liegen wie bei allen Haiarten in einer Körperhöhle unmittelbar unter der Wirbelsäule. In den sogenannten Spermatophoren sammeln sich die Samenzellen. Bei der eigentlichen Paarung führt das Männchen seine Begattungsorgane, die auch Clasper genannt werden, in die Kloake des Weibchens ein. Dabei kommt es seitens des Männchens nicht selten zu Nackenbissen, die es der Partnerin zufügt und für viele Haiarten typisch sind. Über kleine Kanäle werden die Spermatophoren in die Kloake des Weibchens gepresst. Die Samenzellen wandern im folgenden selbständig in die Eierstöcke des Weibchens. Hier befruchten die Samenzellen die Eizellen und reifen langsam heran. Unmittelbar nach dem Eisprung wandern die Eier durch das Ostium uteri (kleine Röhren zum Muttermund) in den eigentlichen Fortpflanzungstrakt und weiter in den Uterus.

Entwicklung der Jungtiere

Nach der Befruchtung erfolgt die abschließende Entwicklung der Embryonen im Uterus in einer dottersackartigen Plazenta. In der ersten Phase ernähren sich die Embryonen von den Nährstoffen im Dottersack. Ist der Nahrungsvorrat aufgebraucht, ernähren sich die Embryonen von Nährstoffen, die über den Uterus abgegeben werden. Gegen Ende der Entwicklung kommt es in der Regel unter den Jungtieren im Leib der Mutter zum Kannibalismus. Sie fressen sich mehr oder weniger gegenseitig auf. Nach einer Tragezeit von etwa 12 Monaten kommen in Abhängigkeit des Alters des Weibchens durchschnittlich zwei bis zehn, selten auch mehr Jungtiere zur Welt.

Die Geburtslänge der Jungtiere liegt bei etwa 120 bis 150 Zentimeter, durchschnittlich um die 140 Zentimeter. Die Geburt erfolgt in der Regel im Frühsommer. Die Jungtiere sind unmittelbar nach der Geburt auf sich alleine gestellt. Eine Brutpflege seitens der Mutter ist nicht bekannt. Die Jungtiere wachsen langsam heran. Bis zur Geschlechtsreife wachsen sie pro Jahr um gut 30 Zentimeter. Danach nimmt das Wachtum stark ab. Die Lebenserwartung liegt bei durchschnittlich 20 bis 25 Jahren. Der älteste Weiße Hai erreichte ein dokumentiertes Alter von 36 Jahren. Trotz der Fortschritte in den letzten Jahren sind weite Teile im Fortpflanzungsverhalten der Weißen Haie immer noch unklar.

Menschenfresser?

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Mehr als jede andere Haiart wird der Weiße Hai mit der Bezeichnung "Menschenfresser" in Verbindung gebracht. Bisher kam es weltweit zu über 230 Attacken (Hai-Attacken total: mehr als 2.100) durch Weiße Haie, von denen viele meist tödlich enden. Zu den meisten Vorfällen kam es bisher in den USA, in Südafrika und in Australien. Aber auch in Europa, speziell im Mittelmeer wurden bereits 23 Übergriffe, von denen sich der letzte im Jahre 1989 ereignete. Gemessen an der Gesamtzahl der Übergriffe entfallen auf den Weißen Hai nur etwa 10 Prozent aller Attacken, von denen etwa ein Viertel tödlich enden (siehe Statistik). Studien haben festgestellt, das ein Großteil (>90 Prozent) der Übergriffe von Männchen ausgeht. Rund 75 Prozent der angreifenden Haie weisen dabei eine Länge von mehr als 350 Zentimeter auf. Der Anteil der Weißen Haie von Längen jenseits der 500 Zentimeter liegt bei etwa 28 Prozent (siehe Statistik). Zweifelsohne ist der Weiße Hai gefährlich, jedoch auch viel hinzu gedichtet. Es liegt in der Natur der Haie, Jagd auf größere Beutetiere zu machen. Vor allem durch das Verhalten des Menschen kommt es dabei für den Hai zu Verwechselungen.

Ökologie

Weiße Haie werden sowohl von der kommerziellen Fischereiindustrie als von Sportfischern gejagt. Die Flossen und das Fleisch landen zumeist auf asiatischen Fischmärkten. Auch die Haut und die ölhaltige Leber werden verwertet. Der Rest wird in der Regel zu Fischmehl verarbeitet. Sportfischer haben es auf die Trophäe in Form des Schädels oder des Gebisses abgesehen. Nicht selten werden Weiße Haie auch als Beifang in Schleppnetzen oder mit Langleinen unabsichtlich gefangen.

Gefährdung und Schutz

Der Weiße Hai ist in weiten Teilen seiner Verbreitungsgebiete heute selten geworden. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als gefährdet (vulnerable) geführt. Für die meisten Verbreitungsgebiete liegen nur vage oder ungenaue Bestandsschätzungen vor. Fest steht zumindest, dass die starke Bejagung durch den Menschen und die langsame Reproduktionsrate die Gesamtpopulation dramatisch sinken lässt. Die Vernichtung und Verunreinigung des natürlichen Lebensraumes spielt nur eine untergeordnete Rolle, da es sich bei dem Weißen Hai um einen sehr anpassungsfähigen Räuber handelt. In weiten Teilen der Erde, vor allem in den USA, in Südafrika und in Australien, gilt der Weiße Hai als besonders geschützt und darf weder gefischt noch gejagt werden. Das Washingtoner Artenschutzabkommen führt die Art seit 2004 in Anhang II. Damit ist weltweit die Bejagung verboten. Bleibt zu hoffen, dass die Schutzmaßnahmen greifen und dieser wunderschöne Hai gerettet werden kann.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

Links

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