Wandertaube

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Wandertaube
Präparat, Senckenberg-Museum, Frankfurt

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
Familie: Tauben (Columbidae)
Gattung: Wandertauben (Ectopistes)
Art: Wandertaube
Wissenschaftlicher Name
Ectopistes migratorius
Linnaeus, 1766

IUCN-Status
Extinct (EX)

Die Wandertaube (Ectopistes migratorius) gehörte innerhalb der Familie der Tauben (Columbidae) zur Gattung der Wandertauben (Ectopistes). Die Art gilt seit 1914 als ausgerottet. Anfang 1900 wurde das letzte freilebende Exemplar erschossen. Das letzte in Gefangenschaft lebende Tier starb am 1. September 1914 im Zoo von Cincinnati an Altersschwäche.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Wandertaube erreichte eine Körperlänge von gut 20 bis 22 Zentimeter. Der Körperbau war sehr schlank. Die Flügel wiesen eine funkelbraune bis fast schwarze Färbung auf. Die Brust und der Bauch waren hell rostbraun bis kastanienbraun gefärbt. Der Nacken und Teile der Halsseiten schimmerten pinkfarben. Der Kopf war dunkelgrau gefärbt. Die Kanten der Schwanzfedern waren weißlich gesäumt. Der Rest der Schwanzfedern war gräulich gefärbt. Der Schwanz und die Flügel waren ausgesprochen spitz zulaufend. Die Extremitäten wiesen eine fleischfarbene Färbung auf, der Schnabel war dukelgrau gefärbt. Insgesamt eine sehr farbenprächtige Taubenart. Die Wandertaube war eine gewandte und schnelle Fliegerin. Fluggeschwindigkeiten von 80 bis 90 km/h waren keine Seltenheit.

Ausrottung

Neben der Vernichtung der natürlichen Lebensräume und Krankheiten war am Ende die starke Bejagung für die sehr schnelle Ausrottung maßgebend. Wälder wurden in Acker- und Weideland umgewandelt und nahmen den Tauben ihren Lebensraum. Auch Krankheiten dezimierten die Populationen binnen weniger Jahre. Ausgelöst wurden Krankheiten wahrscheinlich durch Kiefernläuse (Columbicola extinctus und Campanulotes defectus. Kieferläuse ernähren sich insbesondere von Epidermisschuppen (Hautschuppen), Hautdrüsensekret und Haaren. Die Bejagung durch den Menschen, der die Wandertaube als Schädling sah, besiegelte schließlich das Ende der Wandertauben.

Verbreitung

Die Wandertaube lebte in weiten Teilen von Nordamerika. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckte sich vom südlichen Kanada, über die östlichen Bundesstaaten der USA bis nach Mexiko. Auch auf vielen Inseln der Karibik wie Kuba war sie weit verbreitet. Sie lebte in allen gemäßigten Landschaften und war in Bezug auf ihren Lebensraum sehr anpassungsfähig.

Ernährung

Die Wandertaube ernährte sich von allerlei Baumfrüchten. Dazu gehörten unter anderem Eicheln, Kastanien, Bucheckern sowie die Früchte von Kiefern, des Ahorn und der Ulme. Aber auch Früchte und Beeren standen auf ihrer Speisekarte. Insekten und deren Larven ergänzten ihr Nahrungsspektrum. Der Umstand, dass sie auch Getreidekörner fraß und Obstplantagen und Gärten heimsuchte, war für die Art letztlich der Untergang. Innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten wurde die Art erbarmungslos ausgerottet. Am Ende war die Fauna um eine wunderschöne Vogelart ärmer.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckte sich in den gemäßigten Regionen von Nordamerika über das Frühjahr. In der Regel brüteten die ersten Paare bereits im April. Die Paarungszeit erstreckte sich dabei bis in den August hinein. Die Brutgebiete lagen in den weitflächigen Wäldern der Ebene. Die Wandertauben brüteten in zum Teil riesigen Kolonien. Einige Tausend Brutpaare je Kolonie waren die Regel. Die Nester entstanden aus Ästchen und Reisig und wurden in der Regel in Astgabeln großer Bäume errichtet. Ein durchschnittliches Gelege bestand lediglich aus einem Ei. Während einer Brutzeit von 13 bis 14 Tagen wurde das Ei von beiden Elternteilen ausgebrütet. Die Nestlingszeit erstreckte sich über 16 bis 18 Tage. Über die Lebenserwartung in Freiheit ist nichts bekannt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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