Waldpieper

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Waldpieper

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Parvordnung: Passerida
Überfamilie: Passeroidea
Familie: Sperlinge (Passeridae)
Unterfamilie: Motacillinae
Gattung: Pieper (Anthus)
Art: Waldpieper
Wissenschaftlicher Name
Anthus hodgsoni
Richmond, 1907

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Waldpieper (Anthus hodgsoni) zählt innerhalb der Familie der Sperlinge (Passeridae) zur Gattung der Pieper (Anthus). Die englische Bezeichnung des Waldpiepers lautet Olive-backed Pipit.

Die Art wurde zu Ehren des Ornithologen und des Naturwissenschaftlers Brian Houghton Hodgson nach ihm benannt.

Der Waldpieper ähnelt in Größe und Färbung dem Baumpieper (Anthus trivialis), dem Wiesenpieper (Anthus pratensis) sowie dem Wasserpieper (Anthus spinoletta). Aufgrund der Ähnlichkeit zwischen den genannten Arten, besteht in diesem Falle höchste Verwechslungsgefahr. Genaue Beobachtungen ergeben jedoch Einzelheiten, um die Arten unterscheiden zu können.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Waldpieper erreicht eine Körperlänge von etwa fünfzehn bis siebzehn Zentimeter, eine Flügelspannweite von 28 bis 30 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 20 bis 25 Gramm. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht kein nennenswerter Dimorphismus. Beide Geschlechter sind in Größe und Färbung identisch. Die Oberseite des Gefieders ist oliv bis grünlich und mit einer sehr undeutlichen dunklen Streifung versehen. Das Kinn ist weißlich getönt, während die Kehle cremefarbig erscheint. Kinn und Kehle sind ohne Streifung. Der Oberkopf ist dunkel gefärbt und im Gesicht zeigt sich deutlich ein breiter cremefarbiger Überaugenstreif sowie ein dunkler Strich durch das Auge. Die Iris der Augen ist tief schwarz gezeichnet. Des weiteren markiert ein heller Fleck auf den Ohrdecken das Gesicht. Die Oberseite des Schnabels weist eine dunkle Färbung auf, während die Unterseite des Schnabels eine blassrosa Tönung zeigt. Die Unterseite ist gelblich getönt und weist kräftige schwarze Streifen auf. Die Brust und die Flanken zeigen eine warme gelbliche Färbung und sind mit undeutlich verwaschenen Streifen versehen. Die Handschwingen und die Armschwingen sind dunkel graubraun getönt und die Innenfahnen des Waldpiepers sind hellgrau bis bräunlich aufgehellt. Speziell bei den äußeren Handschwingen sind die Außenfahnen auffallend grünlich oder gelblich gesäumt, während die Schirmfedern breite olivbräunliche Säume aufweisen. Die Steuerfedern sind graubraun und auf den Außenfahnen zeigt sich ein auffallender grünlicher bis gelblich olivgrüner Saum. Die weißliche Keilzeichnung auf der Steuerfeder sechs reicht sowohl über die Außenfahne als auch über die Innenfahne. Die Steuerfeder fünf ist auf der Außenfahne weißlich gesäumt, so daß der Keil an der Spitze in der Regel über beide Fahnen geht. Die Steuerfeder vier ist häufig mit einem hellen Spitzenfleck versehen.

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Waldpieper

Die Unterschwanzdecken sind weißlich gefärbt und nur die mittleren Unterschwanzdecken weisen eine schwache braune Zeichnung auf. Die Oberschwanzdecken sind graugrün und man erkennt nur einen ganz schwachen dunklen Schaftstrich. Die Unterflügeldecken sind graubeige gefärbt. Die längste Handschwinge ist die Handschwinge sechs und erreicht eine Länge von 69,5 bis 75,5 Millimeter. Die längsten Steuerfedern sind Steuerfeder fünf und vier und weisen eine Länge von 62,0 bis 71,5 Millimeter auf. Die Armschwinge erreicht eine Länge von 56,0 bis 63,0 Millimeter. Des weiteren zeigt sich eine deutliche Verengung der Außenfahne bei der Handschwinge acht. Die Extremitäten sind blassrosa bis gelblich geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei nach vorn, wobei die Hinterkralle ziemlich kurz erscheint. Der Gesang des Waldpiepers klingt ähnlich rauh wie Baumpieper (Anthus trivialis), aber etwas schneller und dünner etwa wie "dzeep" oder "zeet". Er trägt auch seinen Gesang im Singflug vor. Der Waldpieper läuft oft in ziemlich hoher Vegetation, wippt mit dem Schwanz und fliegt dann bei Störung in einen Baum. Dabei wirkt der Flug des Waldpiepers ruckartig und wellenförmig. Während der Paarungszeit sieht man den Waldpieper in Paaren, sonst lebt er einzelgängerisch. Der Waldpieper kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa fünf bis acht Jahren erreichen.

Unterarten

Verbreitung

Der Waldpieper brütet in der Taiga Nordsibiriens und überwintert hauptsächlich in Südostasien. Im Mittleren Osten hält sich der Waldpieper von Oktober bis April in Israel auf. In Ostsaudi-Arabien ist er ein regelmäßiger aber seltener Durchzügler und ein seltener Gast im Winter. In Masirah Island und in Kuwait ist er im Winter ebenfalls ein seltener Gast. In der Türkei und im Iran kommt der Waldpieper vereinzelt im Herbst vor. Im Dezember überwintert er auch in Bahrain.

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Waldpieper

Des weiteren trifft man den Waldpieper im Himalaya Indiens, westwärts bis nach Nepal sowie in China, im Norden der Gansu Provinz und ostwärts von Korea bis nach Japan sowie im Norden Zentralasiens und im europäischen Russland an. Gelegentlich ist er ein seltener Gast in Westeuropa. Der Waldpieper brütet in Ostnepal bis in Höhen von 4.500 Metern. Im Winter besucht er die ausgedehnten südlichen Regionen Asiens, der Arabischen Halbinsel, im Osten Südostasiens und auf den Philippinen. Der Waldpieper besiedelt offenes Land und überwintert in immergrünen Wäldern. Im Sommer hält er sich in Wäldern der Waldsteppen, in bewaldeten Biotopen, in Mooren sowie in Auwäldern auf, teils mit den flüggen Jungen, deren Rücken deutlicher gestreift ist als der Rücken der Altvögel.

Ernährung

Der Waldpieper ist ein insektenfressender Vogel und ernährt sich vorwiegend von Käfern (Coleoptera) und anderen kleinen Tieren wie Wanzen (Heteroptera), Schmetterlinge (Lepidoptera) und deren Raupen sowie Heuschrecken oder Spinnentiere (Arachnida). Hin und wieder kommt es auch vor, dass der Waldpieper Sämereien oder Samen von verschiedenen Pflanzen zu sich nimmt. In den Überwinterungsquartieren stehen neben Wanzen (Heteroptera), Käfern (Coleoptera), Schmetterlingen (Lepidoptera) und deren Raupen sowie Heuschrecken auch Termiten (Isoptera) auf seinem Speisezettel. Der Waldpieper pickt seine Beutetiere auf dem Boden auf oder von Pflanzen ab, dabei sucht er trippelnd und geduckt mit leicht nach vorne geschobenem Kopf den Boden nach kleinen Insekten (Insecta) ab. Zur Deckung seines Wasserhaushaltes nimmt er die Wassertropfen von Pflanzen auf. Selten sieht man den Waldpieper an offenen Wasserstellen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht der Waldpieper im Alter von einem Jahr. Die Paarungszeit und die Brutsaison finden in den Monaten von Mai bis Juli statt. Das Männchen beginnt sich während der schönen Tage im Mai zu manifestieren. Es leitet mit seinen Balzflügen und seinem Balzgesang die Paarungszeit und Brutsaison ein. Während dieser Zeit legt das Männchen ein territoriales Verhalten an Tag und verteidigt das Brutrevier vehement gegen Eindringlinge. Das schalenförmige Bodennest, das außen mit Trockengräsern konstruiert und innen mit Moosen und Haaren ausgepolstert ist, wird gut versteckt auf Heiden, Hochmooren, Waldlichtungen, Wiesen zwischen Bäumen oder unter Gräsern eines Brachlandes errichtet. Im Mai legt das Weibchen drei bis fünf dunkelbraune bis schmutzigbraune Eier in das Nest. Häufig kommt es zu zwei Jahresbruten. Das Weibchen wärmt die Eier zwölf bis vierzehn Tage lang. Nach dem Schlupf werden die Küken von dem Männchen und dem Weibchen mit reichlich Nahrung in Form von Insekten (Insecta) versorgt. Die Jungvögel verbleiben zwölf bis dreizehn Tage im Nest. Sie weisen einen deutlich gestreiften Rücken als die Altvögel auf. Die Lebenserwartung des Waldpiepers kann unter günstigen Umständen in der Natur bei fünf bis acht Jahren liegen.

Gefährdung und Schutz

Der Waldpieper gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten und der Bestand ist somit gesichert. Das globale Verbreitungsgebiet des Waldpiepers erstreckt sich annähernd von etwa 1.000.000 bis 10.000.000 Quadratkilometer. Der Waldpieper ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen, einschließlich geschätzte 50.000 bis 100.000 Waldpieper in Europa (BirdLife International in prep). Die globale Population wurde jedoch bisher noch nicht ermittelt. In der Roten Liste der IUCN wird der Waldpieper als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Wolf-Dieter Busching: Einführung in die Gefieder- und Rupfungskunde. Mit Bestimmungsschlüsseln zu den Familien (Gebundene Ausgabe). Aula; Auflage: 2., veränd. A. (September 2005) ISBN 3891046952

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