Waldlaubsänger

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Waldlaubsänger
Waldlaubsänger - Russia, Moscow

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Grasmückenartige (Sylviidae)
Unterfamilie: Acrocephalinae
Gattung: Laubsänger (Phylloscopus)
Art: Waldlaubsänger
Wissenschaftlicher Name
Phylloscopus sibilatrix
Bechstein, 1793

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Waldlaubsänger (Phylloscopus sibilatrix) zählt innerhalb der Familie der Grasmückenartige (Sylviidae) zur Gattung der Laubsänger (Phylloscopus).

Der Waldlaubsänger sieht dem Fitis (Phylloscopus trochilus), dem Zilpzalp (Phylloscopus collybita) und dem Berglaubsänger (Phylloscopus bonelli) sehr ähnlich und wird mit den drei genannten Arten leicht verwechselt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Waldlaubsänger ist einer der größeren seiner Gattung und auch der am lebhaftesten gefärbte mit rein zitronengelben und hellgrünen Gefiederpartien. Allerdings ist er kleiner als ein Haussperling (Passer domesticus). Der Waldlaubsänger erreicht eine Körperlänge von etwa 12 bis 13 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 19 bis 24 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa sieben bis zwölf Gramm. Das Männchen und das Weibchen sind im Aussehen identisch, dagegen zeigen die Jungvögel einen glanzloseren Farbton. Der Waldlaubsänger unterscheidet sich von den anderen Laubsängern durch den langen und breiten gelben Überaugenstreif und den dunklen Strich durchs Auge. Kontrastreich sind auch die leuchtend grüne Oberseite sowie das hell schwefelgelbe Kinn und die hell schwefelgelbe Vorderbrust. Die Kehle ist ebenfalls gelblich gefärbt. Die Unterseite ist seidenweiß getönt. Die verhältnismäßig langen Flügel weisen eine bräunliche Färbung auf und zeigen hell gelbliche Federsäume. Die Flügelspitzen sind extrem lang, die oft neben dem Schwanz hängen. Im Flug sieht man deutlich die langen Flügel. Kennzeichnend für den Waldlaubsänger sind seine Schwungfedern, indem die zweite Schwungfeder länger als die fünfte Schwungfeder ist und die erste Schwungfeder deutlich kürzer als die Deckfeder ist. Der Schwanz wirkt verhältnismäßig kurz. Der Schabel und die Beine weisen eine helle hornfarbene Tönung auf. Die Extremitäten enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn. Der Flug ist oft geradlinig und etwas zögerlich. Beim Gesang nicht selten schwirrender horizontaler Singflug von Ast zu Ast unter dem Laubdach. Der Lockruf ist laut und klangvoll und ist ein weiches, sehr typisches "Düht", gereihte "Düht" werden auch in den Gesang eingeschaltet. Dieser besteht darüber hinaus aus einer charakteristischen Schwirrstrophe mit sich beschleunigender Einleitung, etwa wie "sib-sib-sirrr ...". Der Gesang beginnt ansonsten mit kurzen metallischen Lauten und geht dann in einen schnellen Triller über, etwa "zip zip zip-zip zip-zwürrrrrrrr", dazwischen wieder eine Reihe klangvoller "düht-düht-düht", sich beschleunigend. Der Waldlaubsänger ist ein zitternder Sänger. Der schnelle Triller im Gesang scheint den ganzen Körper des Waldlaubsängers zu erzittern, denn er zittert im Rhythmus mit. Der Waldlaubsänger kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Altr von etwa fünf Jahren erreichen.

Verbreitung

Laubmischwald - Russia, Moscow, Bibirevo
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Laubmischwald - Russia, Moscow, Bibirevo

Der Waldlaubsänger ist ein lokaler Sommervogel, der von Großbritannien und Frankreich nach Osten über Europa brütet, ausgenommen die Iberische Halbinsel und die Nordhälfte Skandinaviens. Abseits der Brutplätze ist er auch überraschend selten und auf dem Durchzug an der Küste sowie über das Mittelmeergebeit und ostwärts bis nach Russland und anderswo kaum zu sehen. In Deutschland brütet er im Tiefland. Der Waldlaubsänger ist ein Langstreckenzieher von Mitte April bis August und September. Die Winterquartiere liegen in Afrika südlich der Sahara. Der Waldlaubsänger migriert etwa im Herbst nach Afrika. Im Monat April oder Mai kehrt er in seine Brutgebiete zurück. Das Territorium des Waldlaubsängers ist normalerweise weitflächiger als der anderen Laubsänger. Der Waldlaubsänger lebt in alten Laubwäldern mit freiem Raum zwischen den Bäumen unter dem Laubdach und unter Fallaub am Boden und ist viel weniger weit verbreitet als der Laubsänger Fitis (Phylloscopus trochilus) oder der Laubsänger Zilpzalp (Phylloscopus collybita). Der Waldlaubsänger ist kaum in Nadelholzwäldern anzutreffen.

Ernährung

Der Waldlaubsänger bewegt sich durch das Laub und pickt dabei Insekten (Insecta) und deren Larven sowie Spinnentiere (Arachnida) und Weichtiere (Mollusca) von den Blättern und von den Zweigen der Bäume. Er ist dabei aber weniger aktiv als der Fitis (Phylloscopus trochilus). Der Waldlaubsänger fängt ebenfalls Fliegen im flatternden Flug. Im Herbst ernährt er sich von Beeren und Früchten.

Fortpflanzung

Laubmischwald - Russia, Moscow, Nagornoe
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Laubmischwald - Russia, Moscow, Nagornoe

Der ansonsten einzelgängerisch lebende Waldlaubsänger wird zur Paarungszeit gesellig. Die Paarungszeit und die Brutsaison beginnen in den Monaten von Mai bis Juni. Meist ist es nur eine Jahresbrut, gelegentlich kann es aber auch zu einer zweiten Jahresbrut kommen. Das Weibchen errichtet ein backofenförmiges überdachtes Nest aus Halmen und Gräsern mit einem seitlichen Abflugloch im Laub am Boden. Es ist schwierig, in Anbetracht seiner guten Deckung unter trockenen Blättern oder Gräsern, das Nest zu finden. Das Nest ist kaum mit Gräsern, Federn oder Haaren ausgepolstert wie man es von dem Laubsänger Fitis (Phylloscopus trochilus) oder dem Laubsänger Zilpzalp (Phylloscopus collybita) kennt. Die Hauptlegezeit des Waldlaubsängers findet im Monat Mai statt. Das Weibchen wärmt die sechs bis sieben weißlich gefärbten Eier allein. Die Eier sind mit zahlreichen großen dunkleren braunen bis rötlichen Flecken besetzt. Nach 13 bis 14 Tagen schlüpfen die Küken und es ist auch der Zeitpunkt, indem das Männchen seine Partnerin bei der Fütterung der Küken unterstützt. Die frisch geschlüpften Jungvögel werden in den ersten Lebenstagen von dem Weibchen gehudert.

Unter Hudern versteht man ein Verhalten, das dem Warmhalten der Jungvögel dient, die vor allem bei Nesthockern in den ersten Lebenstagen noch kaum eine Möglichkeit besitzen, ihre Körpertemperatur konstant zu halten. Das Weibchen sitzt locker, meist mit gesträubtem Bauchgefieder über den Jungen und deckt die Nestmulde nach oben ab. Das Weibchen ist auch in den ersten Lebenstagen hauptsächlich nur mit dem Hudern der Jungen beschäftigt, so dass es sich weniger an der Fütterung beteiligen kann als das Männchen. Etwa vom achten Tag nach dem Schlüpfen hudert das Weibchen nicht mehr regelmäßig und seine Fütteraktivität gleicht sich jener des Männchens an. Bis zu diesem Zeitpunkt aber übernachtet das Weibchen im Nest regelmäßig über den Jungen. Das Männchen und das Weibchen versorgen die Küken zwölf bis dreizehn Tage lang mit ausreichender Nahrung in Form von kleinen Insekten und Larven bis die Jungvögel dann flügge sind und ihre Selbständigkeit erreicht haben. Die Jungvögel zeigen einen glanzloseren Farbton im dunkel gefärbten Gefieder als die Altvögel. Der Schnabel der Jungvögel zeigt innen ein kräftiges Gelb. Die charakteristischen schwarzen Punkte auf dem Schnabelgrund fehlen. Der Bestand ist heute noch gesichert. In der Roten Liste der IUCN wird der Waldlaubsänger als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

Links

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