Waldbirkenmaus

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Waldbirkenmaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Springmausartige (Dipodoidea)
Familie: Springmäuse (Dipodidae)
Unterfamilie: Sicistinae
Tribus: Sicistini
Gattung: Birkenmäuse (Sicista)
Art: Waldbirkenmaus
Wissenschaftlicher Name
Sicista betulina
Pallas, 1779

IUCN-Status
Near Threatened (NT) - IUCN

Die Waldbirkenmaus (Sicista betulina) zählt innerhalb der Familie der Springmäuse (Dipodidae) zur Gattung der Birkenmäuse (Sicista). Im Englischen wird die Waldbirkenmaus Northern birch mouse genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Waldbirkenmaus erreicht eine Körperlänge von 5,5 bis 7,0 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 7 bis 11 Zentimeter sowie ein Gewicht von 5 bis 11 Gramm. Zusammen mit der Zwergmaus (Micromys minutus) gehört die Waldbirkenmaus damit zu den kleinsten einheimischen Säugetieren (Mammalia). Das dichte und weiche Fell weist eine überwiegend gelblichbraune Färbung mit einer sehr feinen dunklen Strichelung auf, ventral ist das Fell hellgrau bis leicht weißlich gefärbt. Dorsal zeigt sich ein dunkler Aalstrich, der vom Hinterkopf bis zum Schwanzansatz reicht. Der lange Schwanz ist im Wesentlichen unbehaart. Der Kopf endet zur Schnauze hin leicht spitz zulaufend, im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Die Extremitäten sind kräftig ausgeprägt, die Füße weisen jeweils 5 Zehen. Die rundlich geformten Ohren sitzen seitlich, weit hinten am Schädel und ragen gut sichtbar aus dem Fell heraus. Die dunkel gefärbten und knopfartig geformten Augen sitzen seitlich des Rostrum.

Lebensweise

Waldbirkenmäuse leben einzelgängerisch und sehr zurückgezogen. Die heimliche Lebensweise drückt sich auch in ihrer überwiegend nachtaktiven Aktivität aus. Waldbirkenmäuse leben im Bereich des Waldbodens und klettern zuweilen auch in niedriger Vegetation. Beim Klettern nutzen sie ihren langen Schwanz als Greiforgan. Während der Ruhephasen halten sie sich in Bodennähe unter Laub oder in ihren Erdbauten auf. Nester entstehen jedoch auch oberirdisch auf dem Boden in dichter Bodenvegetation. Während der kalten Jahreszeit ziehen sich die Waldbirkenmäuse in ihre Erdbauten zurück und halten einen mehrmonatigen Winterschlaf ab. Der Winterschlaf wird nicht unterbrochen. Während dieser Zeit zehren sie von ihren Fettreserven. Der Winterschlaf erfolgt meist zwischen Oktober und Anfang oder Ende April.

Verbreitung

Die Waldbirkenmaus kommt von Skandinavien, über Osteuropa bis in den zentralasiatischen Raum vor. Die Tiere kommen insbesondere in Aserbaidschan, China, Tschechien, Dänemark, Finnland, Georgien, Kasachstan, Lettland, Mongolei, Norwegen, Polen, Rumanien, Russland, Slowakei, Schweden und der Ukraine vor. Kleinere Vorkommen wurden auch in Österreich und Deutschland (insbesondere im Bayerischen Wald) nachgewiesen. Feuchte Lebensräume wie Sumpfgebiete, Moore und Feuchtwiesen mit ausreichender Deckung. Waldbirkenmäuse sind sowohl in der Ebene als auch im Hügelland bis in Höhen von rund 2.000 Metern über NN. anzutreffen. Im Hügelland werden bevorzugt sonnige Hänge besiedelt.

Ernährung

Feine Gräser und Kräuter, Sämereien sowie Beeren und Früchte gehören zur Hauptnahrung zur Waldbirkenmäuse. Im Frühjahr und Sommer ergänzen auch Insekten (Insecta), deren Larven und anderes Kleingetier den Speiseplan. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt vorwiegend in der Nacht, seltener auch in der Dämmerung. Vorräte für die kalte Jahreszeit legen Waldbirkenmäuse nicht an, da sie während des Winterschlafes ausschließlich von den Fettreserven leben.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt im späten Frühjahr oder im zeitigen Frühsommer. Aufgrund der kurzen aktiven Zeit kommt es in einer Saison meist nur zu einem Wurf. Waldbirkenmäuse leben einzelgängerisch, die Geschlechter treffen nur kurz während der Paarungszeit aufeinander. Mit der Aufzucht des Nachwuchses hat ein Männchen folglich nichts zu tun. Nach einer Tragezeit von 18 bis 24 Tagen bringt ein Weibchen zwischen 2 und 6 (4) Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt im Erdbau der Mutter. Mitte bis Ende der vierten Lebenswoche öffnen die Jungtiere ihre Augen. Im Alter von 35 bis 40 Tagen erfolgt die Entwöhnung von der Muttermilch. Kurze Zeit später erreichen die Jungtiere ihre Selbständigkeit. Die Lebenserwartung der Waldbirkenmäuse liegt bei 1,5 bis 2,5 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Waldbirkenmäuse gehören in weiten Teilen des großen Verbreitungsgebietes noch nicht zu den bedrohten Arten. In dicht besiedelten Regionen wie dem östlichen Zentraleuropa ist die Art jedoch selten geworden oder bereits völlig verschwunden. Dies liegt insbesondere an der Trockenlegung von Feuchtlebensräumen wie Moore, Feuchtwiesen, Sumpfgebiete und von anderen Feuchtgebieten. In harten Wintern überleben zudem ein Großteil der überwinternden Waldbirkenmäuse nicht. Sie erfrieren schlicht während des sehr langen Winterschlafes. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als gering gefährdet geführt (NT, Near Threatened). In Deutschland und Östzerreich stehen Waldbirkenmäuse unter strengem Artenschutz.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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