Wüstenhalsbandleguan

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Wüstenhalsbandleguan

Systematik
Reich: Tiere (Animalia)
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Kriechtiere (Reptilia)
Ordnung: Eigentliche Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Leguanartige (Iguania)
Familie: Halsbandleguane (Crotaphytidae)
Gattung: Halsbandleguane (Crotaphytus)
Art: Wüstenhalsbandleguan
Wissenschaftlicher Name
Crotaphytus bicinctores
Smith & Tanner, 1972

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Wüstenhalsbandleguan (Crotaphytus bicinctores), auch Mohave-Halsbandleguan genannt, zählt innerhalb der Familie der Halsbandleguane (Crotaphytidae) zur gleichnamigen Gattung (Crotaphytus). Im Englischen wird er Great Basin collared lizard oder Mojave black-collared lizard genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Erstmals beschrieben wurde der Wüstenhalsbandleguan im Jahre 1972 von den US-Amerikanischen Zoologen Nathan McKay Smith und Wilmer Webster Tanner.

Der Wüstenhalsbandleguan wurde früher als eine Unterart des Angel de la Guarda-Halsbandleguans (Crotaphytus insularis) geführt, ist heute jedoch als eigene Art anerkannt, weshalb es aber immer noch zu Verwechslungen zwischen den beiden Arten kommt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Wüstenhalsbandleguan erreicht eine Gesamtlänge von bis zu 35 cm, wovon etwa 25 cm auf den Schwanz abfallen. Die Weibchen bleiben mit einer Gesamtlänge von bis zu 30 cm deutlich kleiner und haben einen schmaleren Körperbau. Der lange schmale Kopf ist auf der Kopfoberseite grau gefärbt und ist im Vergleich zum Körper relativ groß. Die Seiten des Kopfes sowie der Unterkiefer sind bei den Männchen weiß gefärbt und in dunklem grau oder braun gefleckt. Der Kopf der Weibchen erscheint ganz in grau mit leichten dunklen Flecken an der Seite.
Weibchen
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Weibchen
Der Körper besitzt eine graubraune Grundfärbung mit helleren, orangebräunlichen Querbinden, wobei die Tiere von unten fast weiß sind. Überall auf dem Rücken der Tiere sind deutliche weiße Punkte zu erkennen. Das namensgebende Halsband besteht aus zwei schwarzen Streifen. Das vordere Halsband zieht sich bei den Männchen rund um den Hals und ist an der Kehle geschlossen, bei den Weibchen ist es an der Kehle geöffnet. Das zweite Halsband befindet sich bei beiden Geschlechtern lediglich auf den Schultern und im Nacken und endet an den Vorderbeinen. Der Streifen zwischen den beiden Halsbändern ist weiß gefärbt, kann bei den Männchen aber einen orangenen Schimmer aufweisen. Erwachsene Männchen haben einen auffallenden blauen Kehlfleck, der in die Richtung des Halses in schwarzblau übergeht, sowie große schwarze Flecken auf der Bauchseite vor den Hinterbeinen, sogenannte Inguinalflecken. Trächtige Weibchen tragen orange bis rote Punkte oder Streifen. Die Weibchen sind insgesamt weniger prächtig gefärbt, und auch das Halsband ist weniger stark ausgeprägt. Der bei den Männchen stark ausgeprägte Kehlfleck ist bei den Weibchen nicht vorhanden, ihre Kehle ist, wie der Bauch, weiß bis beige gefärbt. Der Schwanz ist im Vergleich zu anderen Halsbandleguan-Arten nicht rund, sondern seitlich abgeflacht. Der Schwanz besitzt eine graue Grundfärbung und ist braun gepunktet. Die Extremitäten weisen ebenfalls eine graue Grundfärbung und braune Flecken auf. Bei den Männchen können diese je nach Verbreitungsgebiet einen dunkelgelben bis grünlichen Schimmer aufweisen. Die Extremitäten der Weibchen weisen eine leichte gelbliche bis braune Färbung im Bereich der langen Krallen auf.

Lebensweise

Männchen
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Männchen

Wüstenhalsbandleguane sind tagaktive Jäger, die die meiste Zeit des Tages damit verbringen, auf einem Stein zu sitzen und die Umgebung zu beobachten, sowie nach Fressfeinden und auch nach Beute Ausschau zu halten. Die Tiere sitzen die meiste Zeit des Tages, vor allem aber in den Morgenstunden, auf ihren Sonnenplätzen, um ihren Körper auf Vorzugstemperatur zu bringen. Während sie sich früh morgens noch platt auf einen Felsen legen um möglichst viel Sonne und dadurch auch Wärme abzubekommen, stehen sie bei größer werdender Hitze im Verlauf des Tages lediglich auf den Fußballen um durch Abstand zu dem heißen Untergrund eine nicht zu hohe Körpertemperatur zu erhalten. Bei Gefahr ziehen sich die Tiere erst im letzten Augenblick in eine Höhle oder Felsspalte zurück, wobei sie fast ausschließlich auf den Hinterbeinen laufen und den Schwanz dazu nutzen das Gleichgewicht zu halten. Hierbei sind auch Sprünge von bis zu einem Meter keine Seltenheit. Wüstenhalsbandleguane leben meist einzelgängerisch und gehen Artgenossen außerhalb der Paarungszeit aus dem Weg. Während der etwa 3 bis 4 Monate dauernden Winterruhe ziehen sich die Tiere in etwa faustgroße Höhlen zurück, wobei jedes Tier eine eigene Höhle benutzt. Die Nahrungsaufnahme wird schon einige Zeit vor der Winterruhe eingestellt und erst bei Erwachen im Frühjahr wieder aufgenommen. Mit eingerolltem Schwanz liegen sie in ihrer Höhle flach auf dem Boden und bewegen sich nur minimal. Bei zu hoher Feuchtigkeit stellen sich die Wüstenhalsbandleguane jedoch instinktiv auf alle 4 Beine um etwa bei eindringendem Wasser nicht zu ertrinken. Der Stoffwechsel, die Atmung und auch der Herzschlag werden in dieser Phase auf ein Minimum herabgefahren, so dass während der gesamten Winterruhe beinahe kein Körperabbau bemerkbar ist. Wüstenhalsbandleguane sind wie alle Halsbandleguane Felsenbewohner.

Verbreitung

Männchen in Arizona, nahe des Grand Canyons
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Männchen in Arizona, nahe des Grand Canyons

Vorkommen

Wüstenhalsbandleguane leben ausschließlich in Halbwüsten und steinigen Hügellandschaften mit spärlicher Vegetation, diese besteht meist nur aus niedrigen Sträuchern oder Kakteen. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich in den USA von Südost-Oregon über Ost-Kalifornien, West-Idaho, Nevada, West-Utah und West-Arizona bis in die Sonora-Wüste im Norden Mexikos. Der Wüstenhalsbandleguan ist die am weitesten im Norden vorkommende Art seiner Gattung. Besonders große Bestände kommen in der namensgebenden Mohave-Wüste im Süden Kaliforniens vor.

Lebensräume

Wüstenhalsbandleguane leben meist in der Nähe von Steinhaufen oder in Geröllfeldern, sowie in trockenen Flussbetten, wo sie sich in den Spalten zwischen den Steinen verstecken können. Sie bewohnen auch lebensfeindliche Gebiete, wie das Death Valley in Kalifornien mit einer Niederschlagsmenge von weniger als 100 Millimetern pro Jahr und Temperaturen von über 50°C sowie die vulkanischen Gebirge innerhalb der Wüsten, wo es kaum Vegetation gibt. Der Wüstenhalsbandleguan ist bis zu einer Höhe von über 2000 m ü. NN anzutreffen.

Ernährung

Männchen beim Fressen einer Rennechse (Cnemidophorus)
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Männchen beim Fressen einer Rennechse (Cnemidophorus)

Nahrung

Wüstenhalsbandleguane ernähren sich von fast allen Tieren, die sie finden und überwältigen können, vor allem aber von Insekten (Insecta), wie Käfer (Coleoptera), Fliegen (Brachycera) oder Heuschrecken (Orthoptera), und Spinnentieren (Arachnida). Bei Gelegenheit fressen sie auch kleine Säuger (Mammalia) wie junge Mäuse (Sigmodontinae). Auch andere Leguane (Iguanidae), wie zum Beispiel junge Stachelleguane (Sceloporus) oder Krötenechsen (Phrynosomatidae), aber auch die eigenen Jungtiere stehen auf der Speisekarte. Hier und da nehmen sie auch Früchte und Blüten zu sich.

Jagdverhalten

Die Tiere sitzen unbeweglich auf einem erhöhten Punkt und halten nach potentiellen Beutetieren Ausschau. Diese erkennen sie aber nur, wenn sie sich durch eine Bewegung verraten. Wenn der Wüstenhalsbandleguan ein Beutetier entdeckt hat, wartet er, bis es nah genug herangekommen ist und sprintet dann zielsicher auf das Tier zu, um es zu packen. Oftmals fangen die Tiere so auch Fliegen aus der Luft, wenn diese nah genug über dem Boden fliegen. Das Beutetier wird, meist mit dem Kopf voraus, ganz herunter geschluckt, da die kleinen Zähne des Wüstenhalsbandleguans lediglich zum Festhalten und Töten der Beute, nicht aber zum Abbeißen dienen. Große Beutetiere werden lediglich etwas zerkaut, um besser verschlungen werden zu können.

Prädatoren

Männchen
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Männchen

Zu den natürlichen Feinden des Wüstenhalsbandleguans gehören der Wegekuckuck (Geococcyx californianus), der den Tieren auf dem Boden nachstellt, auch ausgewachsene Tieren werden von ihm nicht verschmäht. Greifvögel (Falconiformes) wie der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) und der Präriefalke (Falco mexicanus) lauern den Tieren, während sie sich auf ihren erhöhten Sonnenplätzen befinden, auf. Aber nicht nur Vögel, auch Schlangen (Serpentes), wie etwa Klapperschlangen (Crotalus) oder die Schwarznatter (Coluber constrictor) stellen dem Wüstenhalsbandleguan nach. Diese erbeuten die Tiere vorwiegend in der Nacht, während diese in ihren Höhlen schlafen, da die flinken Halsbandleguane so leichter zu erbeuten sind als am Tag. Anders als viele andere Leguanartige (Iguania) können Wüstenhalsbandleguane ihren Schwanz nicht abwerfen, wenn sie ergriffen werden. Wenn sie sich bedroht fühlen, oder von einem Fressfeind bedroht werden und sich ihnen keine Fluchtmöglichkeit bietet, blähen die Tiere ihre Kehle auf, stellen sich buckelig auf alle vier Beine und fauchen. Wenn sie von einem Fressfeind ergriffen wurden, beißen sie mit ihren spitzen Zähnen solange zu, bis ihr Feind sie für einen Moment loslässt. Diese Möglichkeit zur Flucht in eine Felssplate oder in einen Nagetierbau, in dem sich der Wüstenhalsbandleguan solange versteckt bis der Feind verschwunden ist, wird sofort genutzt.

Fortpflanzung

Gelege
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Gelege

Wüstenhalsbandleguane beginnen nach der Winterruhe mit der Balz und kurze Zeit darauf mit der Paarung. Während der Paarungszeit kann es unter den Männchen zu Kämpfen um die Weibchen kommen. Um ein Weibchen auf sich aufmerksam zu machen, führt das Männchen eine Art Tanz vor. Nach ständigem Kopfnicken und starkem Werbeverhalten mit schlängelndem Schwanz und ständigem Umkreisen des Weibchens, versucht das Männchen von hinten auf das Weibchen aufzureiten und sich bei diesem am Nacken festzubeißen. Wenn das Weibchen nicht paarungsbereit ist, presst es sich flach auf den Boden und versucht, es mit den Hinterbeinen abzuschütteln. Wenn die Paarung erfolgreich war, zeigt das Weibchen bereits nach wenigen Tagen die typische Trächtigkeitsfärbung. Nach etwa drei bis vier Wochen fängt es dann an, eine für die Eiablage geeignete Höhle zu graben. Das Weibchen gräbt sich, nachdem es einen geeigneten Platz gefunden hat, für bis zu drei Tage unter der Erde ein. In dieser Zeit legt es zwischen 6 bis 10 Eier ab. Anschließend kommt das nun ausgehungerte und abgemagerte Weibchen wieder an die Oberfläche. Nach 50 bis 60 Tagen schlüpfen dann die etwa sieben Zentimeter langen, voll entwickelten Jungtiere, die sofort nach der Geburt selbstständig sind. Die Jungtiere zehren in den ersten 2 bis 3 Tagen nach dem Schlupf noch von ihrem Dottersack, bevor sie dann beginnen, nach kleinen Insekten zu jagen. Je nach Verbreitungsgebiet kann es zu bis zu drei Eiablagen im Jahr kommen. Wüstenhalsbandleguane können ein Alter von bis zu 10 Jahren erreichen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Parasiten

Weibchen
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Weibchen

Unter den Parasiten lassen sich beim Wüstenhalsbandleguan häufig Milben der Art Odontacarus arizonensis feststellen, die in den Kehlfalten und den Milbentaschen im Bereich seitlich der Vorderbeine und an den Hinterbeinansätzen zu finden sind. Zecken (Ixodida) setzen sich am ganzen Körper des Leguans fest, vor allem aber an den Beinansätzen, der Kehlfalte und im Bereich um die Ohröffnung. Zu den Innenparasiten des Wüstenhalsbandleguans gehört unter anderem der Fadenwurm Cosmocercoides dukae, der eine Körperlänge von drei bis vier Millimeter erreicht und für den Leguan sehr unangenehm werden und sogar zum Tod führen kann.

Gefährdung und Schutz

Der Wüsten-Halsbandleguan wird von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) zwar als nicht gefährdet, Least Concern (LC), geführt. Bedroht wird er aber neben seinen natürlichen Prädatoren vor allem durch den Menschen, der durch das Einsammeln von Wildtieren für den Terraristikbedarf und so auch durch Stören der Tiere Auswirkungen auf die Populationen hat. Diese Faktoren stellen aber keine langfristige Bedrohung der Gesamtpopulation dar. Zum Schutz der Wüstenhalsbandleguane gibt es keine speziellen Schutzmaßnahmen, da der Bestand der Tiere nicht bedroht ist und auch in naher Zukunft nicht als gefährdet eingestuft wird.

Galerie

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Robert Schumacher: Halsbandleguane, Herpeton Verlag, 2002, ISBN 3-936180-00-8
  • Jürgen Lipfert: Halsbandleguane: Die Gattung Crotaphytus, Natur und Tier - Verlag GmbH, 2006, ISBN 3-937285-15-6

Links

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