Varis

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Varis
Roter Vari (Varecia variegata rubra)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Lemuren (Lemuridae)
Gattung: Varis
Wissenschaftlicher Name
Varecia
Gray, 1863

Die Gattung der Varis (Varecia) zählt innerhalb der Ordnung der Primaten (Primates) zur Familie der Lemuren (Lemuridae). In der Gattung werden 2 rezente Arten geführt, der Schwarzweiße Vari ist in 3 Unterarten unterteilt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Varis sind innerhalb der Familie der Lemuren (Lemuridae) die Gattung mit den größten Arten. Sie erreichen je nach Art, Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 43 bis 57 Zentimeter, eine Schwanzlänge von durchschnittlich 60 Zentimeter sowie ein Gewicht von 2,6 bis 4,1 Kilogramm. Weibchen bleiben mit 2,6 bis 4,0 ( 3,3) Kilogramm ein wenig leichter als Männchen, die ein Gewicht von 2,8 bis 4,1(3,6) Kilogramm aufweisen (Maße und Gewichte nach Vasey, 2003).
Schwarzweißer Vari (Varecia variegata)
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Schwarzweißer Vari (Varecia variegata)
In Gefangenschaft werden die Tiere bis zu 10% schwerer als in freier Wildbahn. Die beiden Arten der Varis sind insbesondere in ihrer Färbung leicht zu unterscheiden. Das Fell ist bei beiden Arten ausgesprochen dicht und lang. Der Schwarzweiße Vari (Varecia variegata) und seine 3 Unterarten sind schwarzweiß gefärbt, der Rote Vari (Varecia rubra) weist eine überwiegend kastanienrote bis rötliche Färbung auf. Beim Roten Vari kommt es jedoch zu erheblichen Variationen in der Fellfärbung. Beim Schwarzweißen Vari sind die Bauchregion, die Hände und Füße, der Schwanz sowie die Innenseite der Gliedmaßen und das Gesicht schwarz gefärbt. Eine weiße Färbung zeigt sich dorsal und lateral sowie an den Schenkeln der Hinterbeine. Die drei Unterarten weisen leichte Variationen in der Färbung auf. Bei allen 3 Unterarten kann die weißliche Färbung auch eine leicht gelbliche oder bräunliche Tönung aufweisen. Beim Roten Vari zeigt sich im Nackenbereich eine weißliche Färbung, die Bauchseite, die Innenseiten der Extremitäten sowie die Hände, die Füße und das Gesicht sind schwarz gefärbt. Die Ohren weisen eine kastanienrote bis rötliche, büschelartige Behaarung auf. Gleiches gilt für den Schwarzweißen Vari, wobei die Haarbüschel weißlich gefärbt sind. Die Weibchen beider Arten weisen zum Säugen des Nachwuchses 3 Paar Zitzen auf. Varis bewegen sich sowohl im Geäst der Bäume als auch auf dem Boden quadrupedal (von Quadrupedie, lat. quadrus = vier und pes = Fuß) auf allen vier Extremitäten fort. Bei der Fortbewegung am Boden wird üblicherweise der Schwanz hoch gehalten, während der Kopf leicht gesenkt ist. Neben der quadrupedalen Fortbewegung bewegen sich Varis am Boden oft springend bipedal fort. In den Morgenstunden sieht man die Tiere regelmäßig beim Sonnenbaden, indem sie auf dem Boden sitzen und mit ausgebreiteten Armen in Richtung Sonne ausgerichtet sind (Vasey, 2003; Groves, 2001; Tattersall et al., 2002; Geissmann, 2003).

Lebensweise

Soziale Organisation und Verhalten

Varis leben in sozialen Gruppen, die jedoch eine höchst unterschiedliche Sozialstruktur und Zusammensetzung aufweisen können. Die Gründe für diese große Variabilität konnte bis heute nicht schlüssig erklärt werden. Die Struktur der Kerngruppe ist variabel und besteht meist aus 2 geschlechtsreifen Weibchen, deren Nachwuchs und Männchen. Eine durchschnittliche Kerngruppe besteht aus 9 Individuen. Mehrere Kerngruppen bilden eine soziale Einheit. Eine Gruppe kann so bis zu 31 Individuen aufweisen. Die Art der sozialen Bindung zwischen den einzelnen Kerngruppen ist noch nicht vollständig geklärt. Die größten Interaktionen zwischen den Kerngruppen ist in der kalten, regnerischen Jahreszeit zu verzeichnen. Dies entspricht gleichzeitig der Paarungszeit.

Kommunikation

Varis sind ausgesprochen ruffreudig und laut. Ihre Ausrufe sind selbst in dichten tropischen Regenwäldern über bis zu einem Kilometer zu hören. Die Schwingungsweite der Laute kann sowohl in hohen als auch im mittleren und im niedrigen Bereich liegen. Brüllende und kreischende Laute liegen für gewöhnlich im hohen Schwingungsbereich. Die Laute dienen überwiegend der Kommunikation über größere Strecken zwischen 2 Gruppen. Diese sogenannten Loud Calls werden von einer Gruppe gemeinschaftlich produziert. Brüllende Laute treten zwar den ganzen Tag auf, sie konzentrieren sich jedoch zu Zeiten einer hohen Aktivität. Die verschiedenen Laute dienen nicht nur der direkten Kommunikation, sondern auch der Warnung vor Fleischfressern und Artgenossen, die die Reviergrenzen verletzen. In der Nahkommunikation spielt auch der visuelle Sinn eine große Rolle. Die Markierung des eigenen Reviers erfolgt durch Geruchsmarkierungen. Daher ist auch von einem gut entwickelten olfaktorischen Sinn auszugehen. Die Geruchsmarkierungen informieren über Geschlecht, Standort sowie die Identität einer Gruppe oder eines Tieres. Die Duftdrüsen der Weibchen befinden sich im Analogenitalbereich. Die Duftdrüsen der Männchen liegen im Bereich der Brust, am Hals sowie am Unterkiefer (Morland, 1991; Geissmann, 2003, 2006; Vasey, 2003).

Aktivitätsmuster

Varis verbringen mehr als die Hälfte ihrer aktiven Zeit mit Ruhepausen, 28% mit der Suche und Aufnahme von Nahrung sowie 19% mit Wanderungen. Während der warmen Jahreszeit sind Varis deutlich aktiver als in der kalten Jahreszeit. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend in den Morgen- und Nachmittagsstunden. Dazwischen liegen hauptsächlich Ruhephasen. Nach Moorland (1993) entfallen etwa 2% der Ruhepausen auf Sonnenbaden. Dies trifft jedoch nur auf die kühle Jahreszeit zu. Innerhalb einer Gruppe verhalten sich Weibchen den Männchen gegenüber dominant. Begegnungen weisen nicht selten einen agonistischen Charakter auf (Vasey, 2005; Overdorff et al., 2005).

Revier und Revierverhalten

Die Reviergröße einer Gruppe richtet sich im Wesentlichen nach der Lebensraumqualität und Gruppengröße. Sie liegt nach Morland (1991) zwischen 0,162 km² und 1,97 km². Weibchen beanspruchen zudem ein größeres Revier als Männchen. Nur während der Tragezeit und Aufzucht des Nachwuchses sind die weiblichen Reviere kleiner als die der Männchen. Die Reviere der Weibchen weisen demnach eine saisonale Variabilität auf. Auf den täglichen Wanderungen durch das Revier legen Varis 436 bis 2.250 (1.129) Meter zurück. Das Revier einer Gruppe wird gemeinschaftlich verteidigt. An der Verteidigung sind mitunter mehrere Kerngruppen beteiligt. Streitigkeiten zwischen verschiedenen Gruppen treten hauptsächlich in der warmen Jahreszeit auf. Zu dieser Zeit sind die Reviere deutlich größer und Nahrung reichlich verfügbar (White 1991; Morland, 1991; Vasey, 2003).

Vorkommen und Lebensraum

Verbreitung

Regenwald auf Madagaskar
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Regenwald auf Madagaskar

Varis sind auf Madagaskar endemisch. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich jedoch nicht über die gesamte Insel, sondern beschränkt sich auf die Regenwälder der Ostküste. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet nach Masoala, einer Halbinsel im Nordosten Madagaskars. Hier ist auch der Masoala Nationalpark ansässig. Der Rote Vari ist ausschließlich in dieser Region anzutreffen. Der Schwarzweiße Vari ist in den Küstenregionen der Provinzen Toamasina und Fianarantsoa verbreitet. Die Vorkommen sind hier jedoch sehr zersplittert anzutreffen, zusammenhängende Lebensräume gibt es nicht. Die Lebensräume erstrecken sich von Seehöhe bis in Höhenlagen von gut 1.200 Metern über NN. Die Siedlungsdichte der Roten Varis schwankt je nach Region zwischen 21 und 53 Tiere je km². Bei den Schwarzweißen Varis liegt die Siedlungsdichte zwischen 10 und 43 Individuen je km² (Mittermeier et al., 1992, 2008; Vasey, 1997; Rigamonti, 1993).

Lebensraum

Varis besiedeln ausschließlich tropischen Regenwald entlang der Küste Madagaskars. Bei der Wahl ihres Lebensraumes sind Varis ausgesprochen wenig flexibel. Die meiste Zeit ihrer aktiven Zeit verbringen die Tiere hoch oben in den Baumkronen. Sie halten sich durchschnittlich in Höhen von 15 bis 25 Meter auf. Je nach Vorkommen liegt der jährliche Niederschlag bei bis zu 5.100 mm. Die Temperaturen liegen je nach Jahreszeit zwischen 19,5 bis 31,6°C. Besonders regenreich ist die Masoala-Halbinsel. Hier fallen pro Monat bis zu 550 mm Niederschlag.

Biozönose

Sympatrie

Varis teilen ihren Lebensraum und die Nahrungsressourcen mit zahlreichen anderen Primaten (Primates). Hier sind insbesondere Östliche Wollmakis (Avahi laniger), Diademsifakas (Propithecus diadema), Indris (Indri indri), Fingertiere (Daubentonia madagascariensis), Große Katzenmakis (Cheirogaleus major), Braune Makis (Eulemur fulvus), Rotbauchmakis (Eulemur rubriventer), Gewöhnliche Wieselmakis (Lepilemur mustelinus), Braune Mausmakis (Microcebus rufus) und der Graue Halbmaki (Hapalemur griseus) zu nennen. Aufgrund der Körpergröße verhalten sich Varis anderen Primaten gegenüber meist dominant. Dies trifft vor allem auf die Futterplätze zu. Ansonsten leben die Arten überwiegend friedlich in ihren Lebensdräumen zusammen (Lehman et al. 2006; Vasey, 2007).

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Varis zählen vor allem Raubtiere (Carnivora) wie die Fossa (Cryptoprocta ferox). Jungtiere fallen gelegentlich einem Ringelmungo (Galidia elegans) oder einem Schlichtmungo (Salanoia concolor) zum Opfer. Unter den Greifvögeln zählt der Madagaskarhabicht (Accipiter henstii) zu den natürlichen Feinden. Da die Tiere überwiegend in den Bäumen leben, hält sich die Mortalität durch natürliche Feinde in Grenzen (Britt et al., 2001; Vasey, 1997).

Ernährung

Als Pflanzenfresser (Herbivore) ernähren sich Varis frugivor von allerlei Früchten. Je nach Art konnten bis zu 130 Pflanzenarten nachgewiesen werden, die als Futterpflanzen in Frage kommen. Früchte stellen einen Anteil von bis zu 90% an Nahrungsaufkommen dar. Darüber hinaus werden im geringen Umfang auch Blüten, Nektar sowie reife und unreife Blätter gefressen. Zu den bevorzugten Futterpflanzen zählen Gewächse der Familien der Balsambaumgewächse (Burseraceae), Myrtengewächse (Myrtaceae), Lorbeergewächse (Lauraceae), Lindengewächse (Tilioideae) und Maulbeergewächse (Moraceae). Zwischen den Jahreszeiten zeigen sich in der Ernährungsweise nur geringe Unterschiede, jedoch ist das Nahrungsangebot während der warmen Jahreszeit größer als in der kalten Jahreszeit. Während der Paarungszeit, insbesondere während der Säugezeit des Nachwuchses nehmen Weibchen einen höheren Anteil an Blüten und jungen Blättern zu sich, da sie während dieser Zeit einen erhöhten Protein-Bedarf aufweisen. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt in der Regel in den Bäumen, seltener auch am Boden (Vasey, 2000, 2003; Britt, 2000).

Fortpflanzung

Varis erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 18 bis 20 Monaten. Dies konnte zumindest in Gefangenschaft nachgewiesen werden. In freier Wildbahn erreichen die Tiere die Geschlechtsreife offensichtlich mit 3 bis 5 Jahren deutlich später. Das Fortpflanzungssystem kann bei den Varis als polygam bezeichnet werden. Männchen paaren sich dabei sowohl mit Weibchen der eigenen Gruppe als auch mit Weibchen mit benachbarten Gruppen. Die Paarungen erfolgen in der Regel saisonal, die meisten Paarungen sind dabei während der kalten Regenzeit zwischen Mai und Juli zu verzeichnen. Zu den Geburten kommt es demnach während der warmen Trockenzeit zwischen November und Dezember. Varis weisen in Gefangenschaft ähnliche Zeiten auf. Während des Östrus zeigt sich bei den Weibchen eine Regelschwellung, die zur Mitte des Östrus am stärksten auffällt. Während dieser Zeit sind die Hoden der Männchen stark vergrößert und produzieren große Mengen Sperma. Der olfaktorische Sinn spielt während der Balz eine große Rolle.
Portrait: Roter Vari (Varecia ruber)
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Portrait: Roter Vari (Varecia ruber)
Die Balz ist insbesondere geprägt von Beschnüffeln und Belecken der Genitalien. Dies geht insbesondere von den Männchen aus. Die Balz geht des Weiteren mit brüllende Lauten, Schlagen und Beißen einher. Das aggressive Verhalten geht meist nur von den Weibchen aus. Die Kopulation erfolgt durch Aufreiten des Männchens. In aller Regel geschieht dies hoch oben in den Bäumen.

Nach einer Tragezeit von 102 bis 106 Tagen bringt ein Weibchen meist Zwillinge zur Welt. Dokumentiert sind 1 bis 5 Jungtiere je Geburt. Der Durchschnitt liegt bei 2 Jungtieren. Die Geburten erfolgen in Baumnestern. Diese liegen in Höhen von etwa 10 bis 25 Metern über dem Boden. Bei den Nestern handelt es sich um einfache Konstruktionen, die aus Zweigen und Laub bestehen. Zu Geburten kommt es meist jährlich. Zu Unterbrechungen kann es jedoch in Zeiten mangelnder Nahrungsressourcen kommen. Bei Weibchen konnte in Gefangenschaft eine reproduktive Tätigkeit bis zum Alter von 23 Jahren nachgewiesen werden. Das Geburtsgewicht liegt je nach Alter des Weibchens und Wurfgröße zwischen 70 und 140 (83-101) Gramm. Die Jungtiere sind bereits bei der Geburt weit entwickelt. Ihre Augen sind bereits offen und die Jungen verfügen über ein dichtes Fell. In den ersten 3 Lebenswochen bleiben die Jungen ausschließlich im Nest der Mutter, die die meiste Zeit bei den Jungen verweilt. Gelegentlich verlässt die Mutter das Nest zwecks Nahrungsaufnahme. Sie hält sich jedoch immer in der Nähe des Nestes auf. Nimmt eine Mutter den Nachwuchs mit, so wird jedes Junge separat transportiert. Der Nachwuchs wird dabei mit dem Maul aufgenommen und getragen. Diese Methode ist bis zum Alter von 2,5 Monaten nachgewiesen worden. Innerhalb einer Gruppe leisten auch andere Mitglieder Mitarbeit bei der Jungenaufzucht. Selbst die Männchen sind in die Betreuung der Jungtiere involviert. Letzteres bezieht sich vor allem auf den Schutz und gelegentliches Spiel.

Im Alter von einem Monat beginnen die Jungtiere mit den ersten Kletterübungen. Bereits im Alter von 2 bis 3 Monaten sind sie in der Lage, sich im Umkreis von 100 Metern um das Nest frei zu bewegen. Jedoch haben immer andere Gruppenmitglieder ein Auge auf die Jungen. Im Alter von 4 Monaten bewegt sich der Nachwuchs nahezu selbständig durch das Revier der Gruppe. Im Alter von 2,5 Monaten sind die Jungtiere in der Lage, erste Reviermarkierungen abzugeben. Im Alter von gut 4 Monaten haben Jungtiere rund 70% des Adultgewichtes erreicht. Die erste feste Nahrung wird ab dem dritten Lebensmonat aufgenommen. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt spätestens im Alter von 7 bis 8 Monaten. Die Mortalität unter den Jungtiere ist nach Vasey (2007) mit gut 64% im ersten Lebensjahr relativ hoch. Man geht davon aus, dass die meisten Jungtiere durch Stürze aus Nestern oder bei Kletterübungen ums Leben kommen. Die Lebenserwartung liegt in Gefangenschaft bei etwa 30 bis 36 Jahren. Eine solch hohe Lebenserartung wird in freier Wildbahn freilich nur selten oder nicht erreicht (Brockman et al., 1987; Vasey, 2007; Weigler et al., 1994).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Madagaskar HEUTE - Regenwald Fehlanzeige
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Madagaskar HEUTE - Regenwald Fehlanzeige

Beide Arten der Varis stehen kurz vor der Ausrottung. Der Rote Vari (Varecia rubra), der auf der Masoala-Halbinsel lebt, gilt als stark gefährdet (EN. Endangered), der Schwarzweiße Vari (Varecia variegata) sogar als kritisch gefährdet (CR, Critically Endangered). Die Hauptbedrohung geht in allen Regionen auf Madagaskar von der massiven und nachhaltigen Zerstörung der Lebensräume aus. Tropische Regenwälder werden wegen des Holzes oder zugunsten neuer landwirtschaftlicher Flächen gerodet oder brandgerodet. Das Holz wird als Bau- oder Brennholz genutzt. Die illegale Rodung macht nicht einmal vor den Schutzgebieten halt. Ohne Rücksicht auf die Natur und mit der Erkenntnis, dass derartige Straftaten kaum geahndet werden, werden Jahr für Jahr viele Quadratkilometer des wertvollen Lebensraumes vernichtet. Schon heute gibt es nur noch 4% der ehemaligen Regenwaldfläche. Vor allem die Roten Varis sind auf alten Baumbestand mit bestimmten Harthölzern angewiesen. In allen Regionen auf Madagaskar stellt die lokale Bevölkerung den Varis mit traditionellen oder modernen Waffen nach. Entweder werden die Tiere geschossen oder mit Drahtschlingen gefangen. Vor allem in den Drahtschlingen verenden die Tiere qualvoll. Die Bejagung ist zwar verboten, jedoch wird das geltende Recht nicht durchgesetzt. Nicht selten werden Varis auch lebendig gefangen und landen im illegalen Haustierhandel. Ein weiteres Problem stellen gelegentliche Naturkatastrophen dar. Hier sind insbesondere die jährlich auftretenden Wirbelstürme zu nennen, die in den verbliebenen Regenwälder in den Baumkronen erhebliche Schäden anrichten (White et al., 1995; Vasey, 1996; Ratsimbazafy, 2002; Britt et al., 2003; Evans et al., 1994).

Systematik der Varis

Gattung: Varis (Varecia)

Art: Schwarzweißer Vari (Varecia variegata) - (Kerr), 1792 - CR
Unterart: Varecia variegata editorum - (Hill, 1953) - CR
Unterart: Varecia variegata subcincta - (Smith, 1833) - CR
Unterart: Varecia variegata variegata - (Kerr), 1792 - CR
Art: Roter Vari (Varecia rubra) - Geoffroy, 1812 - EN

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Lemuren (Lemuridae)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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