Uloborus walckenaerius

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Uloborus walckenaerius

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Familie: Kräuselradnetzspinnen (Uloboridae)
Gattung: Federfußspinnen (Uloborus)
Art: Uloborus walckenaerius
Wissenschaftlicher Name
Uloborus walckenaerius
Latreille, 1806

Uloborus walckenaerius zählt innerhalb der Familie der Kräuselradnetzspinnen (Uloboridae) zur Gattung der Federfußspinnen (Uloborus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Im Gegensatz zu allen übrigen Spinnenfamilien besitzt die Art keine Giftdrüsen. Diese auffallend schmal gebaute Art erreicht als Männchen 3 bis 4 Millimeter, als Weibchen 6 bis 8 Millimeter Körperlänge. Die Körperfärbung wird durch eine dichte, filzige weiße Behaarung bestimmt, vor allem auf dem Rücken des Hinterkörpers und erscheint zum Teil wie mit Mehl oder Puder bestäubt. Der Hinterleib wirkt im Allgemeinen langgestreckt und gebuckelt. Der Vorderkörper ist dunkelgrau und mit weißen Haaren besetzt. An den Seiten treten zunehmend dunkle Haare hinzu. Besonders kennzeichnend ist eine regelmäßige Längsreihe längerer, weißer Haarschöpfe entlang der Rückenmitte. Der Hinterkörper weist keine Höcker auf. Des Weiteren zeigt das Sternum (Brustbein) eine schwarze Färbung. Die Beine sind dunkel grau-braun mit einer verschwommenen Ringelung aus weißen Haaren. Die vorderen beiden Beinpaare sind länger und kräftiger als die hinteren beiden Beinpaare. Das Calamistrum, das einem Kamm ähnelt, befindet sich am Metatarsus (letztes Beinglied) des vierten Beinpaares. Das Calamistrum besteht aus 30 bis 34 Borsten. Jede Borste ist mit einer Zackenreihe besetzt. Die Art besitzt acht kleine Einzelaugen, die in zwei Querreihen angeordnet sind. Reife Tiere von Juni bis September.

Lebensweise

Das cribellate Radnetz dieser Art erinnert sehr an ein Radnetz der Echten Radnetzspinnen (Araneidae) wie zum Beispiel der Kreuzspinnen (Araneus), nur eben mit Kräuselfäden auf der Fangspirale. Der Durchmesser des Radnetzes beträgt etwa 13 bis 18 Zentimeter. Wie dieses besteht es aus zahlreichen Radien, einer befestigten Nabe, einem äußeren Rahmen und einer Fangspirale. Meist sind außerdem, wie bei manchen Radnetzspinnen, zwei oder drei etwas unregelmäßige Stabilimente, d. h. ein zu beiden Seiten der Nabe entwickelte, flächige Gespinstbänder, ausgebildet. Seine durch die Nabe getrennten Teile liegen jedoch im Allgemeinen nicht in einer geraden Linie, sondern stehen meist zueinander in einem stumpfen Winkel. Bei diesen Stabilimenten handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Netzstrukturen, die der Tarnung der Spinne dienen. Ein weiterer Unterschied besteht natürlich im Aufbau der Fangspirale aus cribellaten, nicht mit Klebtröpfchen bestückten Fangfäden. Die Fangspirale schimmert bläulich und befindet sich meist dicht über dem Boden von etwa 10 Zentimeter. Ein dritter Unterschied liegt schließlich in der Ausrichtung: Das Fangnetz ist immer mehr oder weniger horizontal angelegt. Eine interessante Parallele gibt es aber wieder bei der Herstellung, denn auch hier wird vor dem Einfügen der Fangspirale zunächst eine Hilfsspirale über die Radien gelegt, die dann beim Auslegen der Fangspirale wieder eingezogen wird. Die Spinne besitzt keine Schlupfwinkel, sondert lebt ständig im Netz und hält sich fast immer unter der Nabe bauchoben auf. Da sie keine Giftdrüsen besitzt, wird die im Netz gefangene Beute zunächst sehr sorgfältig eingewickelt und zur Nabe transportiert. Hier wird sie dann intensiv mit Verdauungsflüssigkeit eingespeichelt, dadurch schließlich getötet und ausgesogen.

Verbreitung

Nur an warmen, trockenen, meist sandigen Orten, vorzugsweise am Rand von Kiefernwäldern auf niedrigen Sträuchern, zum Beispiel Heidekraut (Erica) und Besenginster (Cytisus scoparius). Die Spinne ist eine typische Art des Mittelmeergebietes, dort trifft man sie häufig an. In unseren Breiten gehört diese Art zu den größten Seltenheiten. In Mitteleuropa, wie Deutschland, Österreich und Schweiz, sehr selten an klimatisch begünstigten Stellen, etwa in der Oberrheinischen Tiefebene, doch auch in der Umgebung von Nürnberg.
Uloborus walckenaerius
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Uloborus walckenaerius
Im Norden fehlt diese Art. Nach der Roten Liste in Deutschland vom Aussterben bedroht. In Baden-Württemberg ist die Art ausgestorben bzw. verschollen und in Brandenburg und Bayern ist sie vom Aussterben bedroht.

Ernährung

Die Art ernährt sich in der Regel von kleineren Insekten (Insecta). Da die Spinne keine Giftdrüsen besitzt, wird die im Netz gefangene Beute zunächst sehr sorgfältig eingewickelt und zur Nabe transportiert. Hier wird sie dann intensiv mit Verdauungsflüssigkeit eingespeichelt, dadurch schließlich getötet und ausgesogen.

Fortpflanzung

Die Paarung findet meist im Juni oder Juli statt. Das viel kleinere und schmächtigere Männchen nähert sich dem Weibchen unter ständig wiederholten Zupfsignalen an den Netzfäden. Gelingt es dem Männchen schließlich, sich dicht genug anzunähern, springt das Männchen blitzschnell auf die Partnerin und führt nacheinander beide Taster ein. Dieser Vorgang dauert einige Minuten. Einige Zeit später, zum Teil noch im Juni, meist erst im Juli, erfolgt die Eiablage. Als Basis für den Kokon dienen zwei Radien eines rudimentären Hilfsnetzes, das die Spinne in der Nähe ihres Fangnetzes herstellt. Zwischen diesen eng benachbarten Radien webt die Spinne eine etwa 2 Zentimeter lange, noch nur 2 bis 3 Millimeter breite Gespinstplatte. Wo diese Gespinstplatte an Querfäden stößt, wird sie zu kurzen Seitenzacken erweitert. Dann erfolgt die Ablage von 70 bis 100 Eiern, und schließlich wird das Gelege mit einer ebenso geformten Deckplatte zugedeckt. Der fertige lange, schlanke Kokon, der, ähnlich wie bei der Wespenspinne (Argiope bruennichi), meist noch mit einigen dunkleren Fadenbändern überzogen wird, ist kaum mit einem anderen Spinnenkokon zu verwechseln. Er übertrifft die Größe seiner Erbauerin um ein Vielfaches. Diese bleibt noch einige Tage daneben sitzen, kehrt dann aber wieder zum Fangnetz zurück. In der Folgezeit kann sie weitere Kokons herstellen, beobachtet wurden bis zu vier Kokons. Aus den ersten Kokons schlüpfen bereits Ende Juli die Jungspinnen. Sie beginnen schon bald, eigene Netze zu weben, können aber zunächst noch keine Fangfäden herstellen, da ihnen das Cribellum fehlt. Erst nach einer weiteren Häutung sind die Jungspinnen daher in der Lage, typische, cribellate Radnetze zu erbauen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
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