Tropfenschildkröte

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Tropfenschildkröte

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)
Unterfamilie : Emydinae
Gattung: Clemmys
Art: Tropfenschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Clemmys guttata
Schneider, 1792

IUCN-Status
Vulnerable (VU) - IUCN

Die Tropfenschildkröte (Clemmys guttata) zählt innerhalb der Familie der Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae) zur Gattung Clemmys. Im Englischen wird diese Neuwelt-Sumpfschildkröte Spotted Turtle genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Tropfenschildkröte gehört zu den kleineren Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae) und erreicht eine Körperlänge von lediglich 10 bis 14 Zentimeter. Männchen bleiben dabei kleiner als Weibchen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sind der deutlich längere Schwanz des Männchens und sein konkav geformter Plastron. Der Carapax des Weibchens ist etwas stärker gewölbt, ihr Plastron ist flach. Der Carapax weist eine leicht ovale Form auf und ist ausgesprochen glatt. Die Färbung des Carapax reicht von dunkelbraun bis schwarzbraun. Gelbliche bis orangene kleine Sprenkel verteilen sich spärlich über den Panzer und die sichtbare Haut. Mit zunehmendem Alter können diese Punkte leicht verblassen. Es können auch Farbmorphen ohne derartige Punkte auftreten. Der Bauchpanzer (Plastron) ist gelblich bis leicht orange gefärbt. Die einzelnen Schilde können im Bereich des Plastron schwarze Flecken aufweisen. Aber auch hier ist die Fleckung durchaus variabel. Der Kopf ist leicht länglich und zur Schnauze hin spitz zulaufend. Die Kopfhaut ist zumeist schwarz gefärbt und mit kleinen gelblichen, teilweise auch orangenen Flecken und Punkten versehen. Orangene Punkte sind meist an den Kopfseiten zu erkennen. Eine ähnliche Fleckung ist auch auf den schwarzbraun bis schwarz gefärbten Extremitäten zu erkennen. Die juvenilen Tropfenschildkröten ähneln im wesentlichen den erwachsenen Tieren. Ihre Schlüpflänge beträgt zwischen 25 bis 30 Millimeter.

Lebensweise

Tropfenschildkröte weisen eine Aktivitätsphase auf, die sich vom Frühjahr bis in den Herbst erstreckt. Je nach Verbreitungsgebiet erwachen die Tiere Ende April oder im Mai aus dem Winterschlaf. Im Hochsommer wird jedoch die Aktivität deutlich zurückgefahren, da zu hohe Temperaturen nicht vertragen werden. Dazu graben sie sich im lockeren Waldboden, in schlammigen Boden oder in Laubschichten ein. Hin und wieder werden aber auch Bauten von größeren Nagetieren als Unterschlupf genutzt. Durch die Ruhephasen im Hochsommer wird eine Austrocknung verhindert. Tropfenschildkröten sind zwar nicht territorial, sie beanspruchen jedoch ein Streifrevier in einer Größe von ein bis drei Hektar. Ausgewachsene Tropfenschildkröten haben im Grunde nur wenige natürlichen Feinde. Ganz anders sieht das bei den Jungschildkröten aus. Von ihnen erreichen nur wenige die Geschlechtsreife. Vor allem Waschbären aus der Gattung Procyon haben es auf die Jungtiere abgesehen. In ihren natürlichen Lebensräumen zählt auch die Bisamratte (Ondatra zibethicus) zu den natürlichen Fleischfressern.

Verbreitung

Die Tropfenschildkröte ist im Nordosten Nordamerikas verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich im südöstlichen Kanada vom südöstlichen Quebec bis in den USA entlang der Atlantikküste von Maine bis ins nördliche Florida. Eine weitere Population, die räumlich von der zuerst genannten Population getrennt ist, lebt in Illinois, Michigan, Indiana, Pennsylvania, Ohio und im südlichen Ontario in Kanada. Der Siedlungsraum ist teils stark zersplittert. Zusammenhängende Lebensräume sind dabei eher selten. Flache Gewässer wie Flüsse, Altarme, Bewässerungsgräben, Sumpfgebiete, Seen und Teiche werden als Lebensraum bevorzugt besiedelt. Auch wenn die Tropfenschildkröten überwiegend im oder am Wasser leben, so kommt es durchaus häufig zu Wanderungen zwischen den Gewässern.

Ernährung

Die Tropfenschildkröte gehört wie fast alle Neuwelt-Sumpfschildkröten zu den Allesfressern. Die Jungtiere ernähren sich in der ersten Zeit hauptsächlich von Insekten (Insecta) und deren Larven, Würmern wie beispielsweise von Regenwürmer (Lumbricidae), Schnecken (Gastropoda) und anderen Weichtieren (Mollusca) sowie die Eier von Amphibien (Amphibia). Aber auch kleine Krebstiere (Crustacea) werden nicht verschmäht. Mit zunehmendem Alter ernähren sie sich eher vegetarisch. Dazu gehören, Wasserpflanzen, Blätter, Blüten, Sämereien, Algen, Pilze, Kräuter und Früchte. Erwachsene Tropfenschildkröten verschmähen auch kleinere Frösche (Anura) und Salamander (Salamandridae) nicht. Bei Gelegenheit wird auch auf Aas zurückgegriffen. Auf Nahrungssuche gehen sie sowohl im Wasser als auch an Land.

Fortpflanzung

Die Tropfenschildkröte erreicht die Geschlechtsreife je nach Geschlecht mit acht bis zwölf Jahren. Dies entspricht einer Carapaxlänge von rund neun Zentimeter. In nördlichen Regionen erlangen die Tropfenschildkröten die Geschlechtsreife deutlich später als in südlichen Regionen. Die Paarungs- und Brutzeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten in der Regel nach der Winterruhe zwischen Mai und Juni. Lokal kann sich dieser Zeitraum aber durchaus auch nach vorne und hinten ausdehnen. Dies trifft vor allem auf die südlichen Verbreitungsgebiete zu. Während der Balz kann es unter den Männchen zu heftigen Kämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen kommen. Bei der Paarung besteigt das Männchen ein Weibchen und schiebt sein Geschlechtsorgan an dem Schwanz vorbei in die Kloake hinein. Sein konkav geformter Plastron erleichtert ihm das Aufreiten. Mit den langen Krallen hält sich das Männchen am Panzer des Weibchens fest. Nicht selten verbeißt sich ein Männchen auch in den Nacken eines Weibchens.

Während der Paarungszeit kommt es meist nur zu einem Gelege, sehr selten auch zu einem zweiten, kleinerem Gelege. Eine Brutpflege wird durch das Weibchen nicht betrieben. Die Eiablage erfolgt in überschwemmungsfreien Uferabschnitten. Es werden zumeist sonnenexponierte und sandige Flächen genutzt. In der Regel kommt es im Juni oder Anfang Juli zur Eiablage. Das Weibchen legt in eine flache Grube zwischen zwei und acht Eier. Die Grube wird mit den Hinterbeinen ausgehoben. Ein elyptisch geformtes Ei weist eine Länge von 25 bis 30 Millimeter auf und hat eine ledrige Substanz. Nach erfolgter Eiablage schließt das Weibchen die Grube gewissenhaft. Die Anzahl der Eier richtet sich nach dem Alter und dem Ernährungszustand des Weibchens. Die Inkubation der Eier ist von der Umgebungstemperatur abhängig und erstreckt sich je nach Vorkommen zumeist über 50 bis 85 Tage. Mit dem Eizahn durchbrechen die Jungtiere dann die Eischale. Die Schlüpflinge haben eine Carapaxlänge von 25 bis 30 Millimeter. Im jugendlichen Alter sterben die meisten Jungtiere aufgrund der hohen Zahl von Fleischfressern. Nur wenige erreichen ein Alter von 30 oder mehr Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Tropfenschildkröten sind Teil eines funktionierenden Ökosystems. Sie fressen einen nicht unerheblichen Teil an Schadinsekten und anderen mehr oder weniger schädlichen Tieren. Aber bereits kleinste Beeinträchtigungen können dazu führen, dass ein Ökosystem kippt. Darunter haben vor allem Neuwelt-Sumpfschildkröten wie die Tropfenschildkröte zu leiden, die letztlich ein Indikator für ein gesundes Ökosystem darstellt. Ein weiteres Problem ist das Absammeln von Tieren für den illegalen Haustierhandel. Dieser ist jedoch strikt verboten, da die Art im Washingtoner Artenschutzabkommen unter Schutz gestellt wird. Ein weiteres Problem stellt die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch die Trockenlegung von Feuchtgebieten dar. Schon heute sind die Lebensräume zum Teil stark zersplittert. In weiten Teilen der Verbreitungsgebiete ist ein Rückgang der natürlichen Lebensräume zu beobachten. Urbanisierung, Umwandlung in Agrar- und Weideflächen und die bereits erwähnte Trockenlegung zerstören Jahr für Jahr weitflächig die natürlichen Lebensräume der Tropfenschildkröte. Ein weiterer Gefährdungspunkt ist die hohe Jungensterblichkeit und die späte Geschlechtsreife wirken sich negativ auf die Bestände aus. In der Roten Liste der IUCN wird die Tropfenschildkröte mittlerweile als bedroht (VU, Vulnerable) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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