Nördlicher Kammmolch

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

(Weitergeleitet von Triturus cristatus)
Nördlicher Kammmolch
Männchen

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Lissamphibia
Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Unterordnung: Salamanderverwandte (Salamandroidea)
Familie: Echte Salamander (Salamandridae)
Gattung: Europäische Wassermolche (Triturus)
Art: Nördlicher Kammmolch
Wissenschaftlicher Name
Triturus cristatus
Laurenti, 1768

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Nördliche Kammmolch (Triturus cristatus) zählt innerhalb der Familie der Echten Salamander (Salamandridae) zur Gattung der Europäischen Wassermolche (Triturus). Im Englischen wird der Kammmolch great crested newt, northern crested newt oder warty newt genannt.

Früher wurde die Auffassung vertreten, dass zur Nominatform Triturus cristatus noch vier Unterarten zählen: Triturus cristatus cristatus, Triturus cristatus dobrogicus, Triturus cristatus karelinii und Triturus cristatus carnifex. Diese werden nun als getrennte Arten der Triturus cristatus-Superspezies behandelt. Der spezifische Name Triturus cristatus (sensu stricto) ist auf die ehemalige Nominatform zurückzuführen. Im zentralen Balkan ist noch unklar, welche Arten zur Triturus cristatus-Superspezies zählen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kammmolch ist die größte mitteleuropäische Molchart, wenn auch seine Größe vielfach übertrieben wird. Die Männchen bleiben mit etwa 15 Zentimeter Länge etwas kleiner als die bis zu 17 Zentimeter langen Weibchen. Die sehr dunkle, braune bis schwarzbraune Färbung unterstreicht seine Länge. Beide Geschlechter sind schwarz gefleckt, wobei die etwa 3 Millimeter messenden Flecken auch die gelbe bis orangefarbene Bauchseite zeichnen. Die Flanken sind weiß gesprenkelt. Die Weibchen haben zur Laichzeit einen abgeflachten Ruderschwanz, der besonders an der Unterseite orange gefärbt ist. Die Männchen präsentieren sich im Frühjahr, wie auch bei den anderen Arten, in einem prächtigen Hochzeitskleid, das von der Ausprägung, nicht aber von der Färbung alle anderen übertrifft. Ein bis zu 2 Zentimeter hoher Hautsaum schmückt den Rücken und den Schwanz des Männchens, unterbrochen durch eine breite Kerbe an der Schwanzwurzel. Diese Einkerbung findet sich am Hautsaum des Teichmolches (Triturus vulgaris) nicht. Unterseits des Schwanzes ist der Saum nur schwach ausgeprägt, und die Schwanzseiten zeigen einen breiten, von der Schwanzwurzel bis zur Spitze verlaufenden, silbrig- oder bläulich-weißen Streifen. Der hohe, vielfach gezackte Rückenkamm verleiht dem Männchen ein viel breiteres und insgesamt größeres Aussehen, was zur Paarungszeit als Verstärker der innerartlichen optischen Merkmale dient. Das Weibchen ist stets ohne Rückenkamm. Die Jungtiere ähneln eher dem Bergmolch (Triturus alpestris), dieser weist jedoch stets eine ungefleckte Bauchseite auf, während die Jungtiere des Nördlichen Kammmolches eine orange bis rotorange gefleckte Bauchseite zeigen.

Lebensweise

Die Wanderzeit der in der Nähe des Gewässers überwinternden Kammmolche beginnt sehr früh im Jahr, es sind sogar während des Winters Wanderaktivitäten nachgewiesen worden. Zeitig im Februar erscheinen sie in den Gewässern. Bei Überwinterung im Teich, was unter ihnen wohl häufiger vorkommt als bei den anderen Arten, sind sie zum Teil im Februar schon im Paarungskleid. Der Kammmolch lebt fast ganzjährig im Wasser, obwohl von Juni bis Ende Juli die Tiere wieder abwandern. An Land sind sie vor allem nachtaktiv und tagsüber nur gelegentlich unter Steinen oder Holzplanken zu finden.

Verbreitung

Unter den vier einheimischen Molcharten ist der Kammmolch die mit Abstand am stärksten gefährdete Art. Sein Verbreitungsgebiet ähnelt bezüglich der Größe und
Embryo im Ei
vergrößern
Embryo im Ei
geographischen Lage sehr dem des Teichmolches (Triturus vulgaris), es umfaßt fast ganz Mitteleuropa. Die Verbreitungsgrenzen stellen nach Süden hin die Pyrenäen dar, im Norden ist er bis nach Mittelskandinavien anzutreffen, und im Osten erstreckt sich seine Verbreitung bis östlich vom Ural nach Asien. Auf der Iberischen Halbinsel und dem angrenzenden Süden und Südwesten Frankreichs fehlt er. Besonders bevorzugt sind das Flachland und auch das Hügelland bis etwa 500 Meter Höhe. In den Gebirgsregionen steigt er bis auf über 2.000 Meter an. Der Kammmolch ist vor allem in verkrauteten Teichen, Weihern und Tümpeln der offenen Landschaft sowie der lichten Wälder zu finden. Wiesen und andere Grünlandflächen mit Gebüschstreifen oder anderen Strukturen (Bahndämme, Böschungen) sind offenbar beliebte Sommerlebensräume. Zusammenhängende Waldgebiete dagegen scheinen gemieden zu werden. Der Kammmolch kommt manchmal mit allen drei Molcharten gemeinsam vor, obwohl er mit dem Fadenmolch (Triturus helveticus) fast keine Gemeinsamkeiten in der Wahl der Gewässer hat. Größere, mindestens 50 Zentimeter, besser mehr als 100 Zentimeter tiefe Gewässer sind der bevorzugte Typ. Dichter Pflanzenwuchs sollte zumindest die Hälfte der Wasserfläche freilassen, um Raum zum freien Schwimmen zu geben. Die Tümpel und Teiche können durchaus stark besonnt sein, beschattete Gewässer werden gemieden. Da der Fadenmolch (Triturus helveticus) fast entgegengesetzte ökologische Ansprüche hat, wird man nur selten die beiden Arten zusammentreffen. Teich- und Bergmolche sind dagegen häufige Begleitarten des Kammmolches.

Ernährung

Der adulte Kammmolch bewältigt größere Beutetiere, zum Beispiel kleinere Molcharten und deren Larven sowie Egel (Hirudinea). Ferner verschmäht der Kammmolch auch die Kaulquappen von Froschlurchen (Anura) und den Froschlaich nicht. Des Weiteren ernährt er sich von Regenwürmern (Lumbricidae) wie der Tauwurm (Lumbricus terrestris), Nacktschnecken, Insekten (Insecta) und deren Larven. Die Nahrung wird in der Regel im Ganzen hinuntergeschluckt. Die Larven des Kammmolches ernähren sich von planktischen Kleinkrebsen wie Wasserflöhe und Insektenlarven.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden des Kammmolches zählen unter anderem verschiedene Vogelarten wie Reiher (Ardeidae) und Schlangen (Serpentes), wie die Ringelnatter (Natrix natrix) und die Wassernattern (Natricinae), Säugetiere (Mammalia) wie Marder (Mustelidae) und Spitzmäuse (Soricidae), Fische (Pisces) wie Hechte (Esocidae) und Flussbarsche (Perca fluviatilis). Die Eier des Kammmolches sind bei verschiedenen Wassertieren eine bevorzugte Nahrung und die Larven des Kammmolches werden gerne von den Larven des Gelbrandkäfers (Dytiscus marginalis) sowie von verschiedenen Wasserwanzen (Nepomorpha), von den Larven der Großlibellen (Anisoptera) und von verschiedenen Fischarten gefressen.

Fortpflanzung

Der Frühjahrszug zum Gewässer beginnt oft schon mit der Schneeschmelze. Die Laichperiode umspannt die Monate März bis Juni. Eindrucksvoll ist die Beobachtung des typischen Balzspiels der einheimischen Molche.
Nördlicher Kammmolch - Larve
vergrößern
Nördlicher Kammmolch - Larve
Es zielt darauf ab, dass ein vom Männchen auf dem Gewässergrund abgesetzter Samenträger (die Spermatophore) vom Weibchen in die Kloake aufgenommen wird. Im Gegensatz zu den Froschlurchen findet bei den Salamandern und Molchen die Befruchtung der Eier innerhalb des weiblichen Körpers statt. Beim Paarungsspiel kommt insbesondere dem Imponiergehabe des Männchens Bedeutung zu, bei dem es dem Weibchen immer wieder seine Breitseite mit den prächtigen Farben zuwendet. Durch kraftvolles Vibrieren mit dem nach vorne seitwärts und dem Weibchen zugewandten Schwanz werden dem Weibchen vom Männchen Duftstoffe zugefächelt, die offensichtlich ebenfalls stimulierend wirken. Dieses Zurschaustellen und Umwerben hält solange an, bis das Weibchen entweder die Flucht ergreift oder das Werben erhört. Zeigt das Weibchen Interesse an dem Bräutigam, folgt es dem voranwatschelnden Männchen teilweise in so geringer Entfernung, dass seine Schnauze die aufgewölbte Kloakenregion des Männchens berührt. Diese Berührung ist ein Signal für das Männchen, eine Spermatophore abzusetzen. Sie wird so auf dem Boden platziert, dass das auf ihm befindliche Samenpaket nach oben ragt. Auf diese Weise kann das darüberhinweg geführte Weibchen die Samen mit seiner Kloake aufnehmen. Die Samen können einige Zeit in einer Samentasche (Receptaculum seminis) gespeichert werden und die später heranreifenden Eier befruchten. Meist beginnt die Eiablage, die vor allem in der Nacht erfolgt, jedoch schon wenige Stunden nach der Paarung. Die Eier werden dabei einzeln in umgebogene oder zwischen zwei Wasserpflanzenblättchen geheftet oder geklebt. Je Weibchen werden etwa 100 bis 250 Eier abgelegt. Die Eiablage kann über mehrere Wochen streuen. Der Eidurchmesser beträgt etwa 2 Millimeter, inklusive Gallerthülle etwa 4,5 Millimeter. Die Larven erreichen eine Länge von etwa 7 bis 8 Zentimeter und sind größer als die Larven der übrigen Molcharten. Die Larven sind mit einem auffallend spitz auslaufenden Schwanzende versehen. Gegen Ende Juli bis September verlassen die Larven das Wasser. Man hat auch im Frühjahr die 7 bis 8 Zentimeter langen Larven gefunden, die eindeutig dort überwintert haben.

Gefährdung und Schutz

Der Bestand ist sehr niedrig, er wird pro Gewässer auf etwa 20 bis 40 Tiere im Normalfall geschätzt. Bestände von über 100 Tiere sind auch in den Verbreitungsschwerpunkten der Ebene die Seltenheit. Durch diese Tatsache ist der Kammmolch stark gefährdet, und die Vernichtung einzelner
Nördlicher Kammmolch - Larve
vergrößern
Nördlicher Kammmolch - Larve
Laichgewässer schädigt ihn mehr als die anderen Arten und vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft und Vergiftung. Ohne Gewässer aber gibt es keinen Nachwuchs, die kiemenatmenden Larven sind an offenes Wasser gebunden. Der Kammmolch ist die neben dem Donau-Kammmolch (Triturus dobrogicus) am stärksten bedrohte Molchart unseres Gebietes. Sein Vorzugsbiotop liegt gerade dort, wo auch der Mensch lebt, Gewässer vernichtet, Städte und Monokulturen schafft, Abfälle und Abwässer hinterläßt, oder wo er räuberische Fische in die Gewässer einsetzt.

Trotz seiner Größe kann er kaum mit Teich- und Bergmolch konkurrieren, da sein Bestand und die Fortpflanzungsrate zu gering sind, um deren Größenordnungen zu erreichen. Meist wird die Qualität des Gewässers eher nachlassen, der Lebensraum damit für ihn unattraktiv werden, bevor er einen großen Bestand ausgebildet hat. Trotz des riesigen Verbreitungsareals sind also seine Häufigkeit und die Bestandsdichte gering. In Süd-Westfalen, zur Zeit wohl das bestuntersuchte Gebiet Europas bezüglich der Molcharten, wurde in einigen Fällen eine einzige Population auf bis zu 100 Quadratkilometer Fläche nachgewiesen. In der heutigen Zeit bedeutet dies, dass diese Vorkommen völlig voneinander isoliert sind und ein Fortbestehen auf Jahrzehnte hinaus in Frage gestellt werden muß. Ob der vollständige Schutz, den die Art bei uns genießt, das verhindern wird? Es ist unwahrscheinlich, solange nicht für eine strenge Schonung und Erhaltung der Lebensräume gesorgt wird. In der Roten Liste der IUCN wird der Nördliche Kammmolch als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Dr. Wolf-Eberhard Engelmann, Jürgen Fritzsche, Dr. sc. Rainer Günther, Dipl.-Biol. Fritz Jürgen Obst: Lurche und Kriechtiere Europas (Beobachten und Bestimmen). Neumann Verlag GmbH, Radebeul, 1993 ISBN 3-7402-0094-4
  • Dr. Josef Blab, Hannelore Vogel: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen. Alle mitteleuropäischen Arten. Biologie, Bestand, Schutzmaßnahmen. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich, 1996 ISBN 3-405-14936-3
  • Ralf Blauscheck: Amphibien und Reptilien Deutschlands. Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1985 ISBN 3784203175
  • Das Tierreich nach Brehm. Buch und Bildverlag
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2

Links

'Persönliche Werkzeuge