Townsends Maulwurf

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Townsends Maulwurf
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Maulwürfe (Talpidae)
Unterfamilie: Eigentliche Maulwürfe (Talpinae)
Gattung: Westamerikanische Maulwürfe (Scapanus)
Art: Townsends Maulwurf
Wissenschaftlicher Name
Scapanus townsendii
(Bachman, 1839)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Townsends Maulwurf (Scapanus townsendii) zählt innerhalb der Familie der Maulwürfe (Talpidae) zur Gattung der Westamerikanischen Maulwürfe (Scapanus). Im Englischen wird dieser Maulwurf Townsend's Mole genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde der Gattung Scapanus stammen aus dem Miozän und wurden in Idaho und dem östlichen Washington, USA, gefunden. Fossile Funde vom Townsends Maulwurf sind nicht bekannt. Scapanocaster simplicidens wird als Vorfahre der Art angesehen (Alexander, Verts & Carraway, 1993).

Erkennung und Unterschiede

Der Townsends Maulwurf kann von den sympatrisch vorkommenden Vertretern der Gattung Sorex,dem Ostamerikanischen Maulwurf (Scalopus aquaticus) sowie dem Sternmull (Condylura cristata) aufgrund der Morphologie der Jochbeinbögen und der Zahnreihen, der Größe und dem fehlen der Ohrmuschel unterschieden werden. Townsends Maulwürfe weisen 44 statt 26 Zähne auf. Die Schwanzlänge beträgt weniger als 25% der Gesamtlänge (Alexander, Verts & Carraway, 1993).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Townsends Maulwurf erreicht eine Gesamtlänge von 195 bis 237 mm, eine Schwanzlänge von 34 bis 51 mm, eine Hinterfußlänge von 24 bis 28 mm, eine Schädellänge von 41,2 bis 44,6 mm sowie ein Gewicht von 64 bis 171 (141,7) g. Das kurze Fell ist schwarz und samtweich. Das Fell weist etwa 3.000 Haare je m² auf. Der Körper ist stromlinienförmig, die Schultern sind kräftig ausgebildet. Die Schnauze ist länglich geformt, die Nacken ist kurz und der kurze Schwanz ist nackt. Die hinteren Füße sind relativ kurz,die vorderen Füße sind schaufelartig und mit großen Krallen versehen. Die Ohren haben keine äußeren Ohrmuscheln, die Augen sind klein und rudimentär. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 4 Paar Zitzen. Das Gebiss der Townsends Maulwürfe besteht aus 44 Zähnen, die medizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p4/4, m3/3. Die Gehirnmasse beträgt rund 2,02 g. Die Art weist die 45 bis 46 Wirbel auf, die sich aus 7 Cervicalwirbel (Halswirbel), 14 Thoracalwirbel (Brustwirbel), 5 Lumbalwirbel (Lendenwirbel), 6 Sacralwirbel (Kreuzbeinwirbel), 13 bis 14 Caudalwirbel (Schwanzwirbel) zusammensetzen (Alexander, Verts & Carraway, 1993).

Lebensweise

Townsends Maulwürfe führen eine grabende Lebensweise unter der Erde. Sie sind nur selten an der Erdoberfläche aktiv. Der Townsends Maulwurf lebt unterirdisch. Ein durchschnittlicher Tunnel verläuft in einer Tiefe von 15 bis cm, eherselten bis in Tiefen von 100 bis 300 cm. Ein Bau weist zwischen 3 und 11 Ein- und Ausgänge auf. Die Tiere sind bestens an ein unterirdisches Leben in völliger Dunkelheit angepasst. Unentwegt sind Townsends Maulwürfe in ihrem Revier auf Nahrungssuche und bauen ihr Gangsystem aus. Die Gangsysteme werden sowohl zum Wohnen, für die Nahrungssuche als auch zur Paarung und zur Aufzucht der Jungen genutzt. Zum Koten und Urinieren legen Kalifornische Maulwürfe bestimmte Plätze im Gangsystem an. Die Siedlungsdichte liegt je nach Lebensraum zwischen 0,4 und 12,4 Individuen je ha (Alexander, Verts & Carraway, 1991).

Unterarten

Unterarten nach Wilson & Reeder, 2005:

Verbreitung und Lebensraum

Der Townsends Maulwurf kommt im Südwesten von British Columbia, Kanada, und südwärts bis zu den Olympic Mountains, Washington, USA, und südwestlich bis zur Küste von Oregon und dem nördlichen Kalifornien, USA, vor. Die Art besiedelt die Ebene auf Meereshöhe und Höhenlagen bis in Höhen von gut 1.677 mm über NN (IUCN, 2013). Der Townsends Maulwurf lebt in offenen Lebensräumen mit schweren Böden mit relativ hohem Wassergehalt. So werden beispielsweise Weiden, Wiesen, Überschwemmungsgebiete und Strauchlandschaften besiedelt. Auch die Nähe zum Menschen wird nicht gemieden, die Art ist auch auf Rasenflächen, Golfplätzen, Friedhöfen und Viehweiden anzutreffen. Zu den typischen Pflanzen im Lebensraumder Tiere gehören Tannen (Abies), Seggen (Carex), Vogelknöteriche (Polygonum) und Lupinen (Lupinus) (Alexander, Verts & Carraway, 1993).

Biozönose

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Townsends Maulwürfe zählen insbesondere der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis), die Schleiereule (Tyto alba), der Kojote (Canis latrans), der Virginia-Uhu (Bubo virginianus), Marder (Mustelidae) der Gattung Mustela, Gummiboas (Charina bottae) sowie verwilderte Haushunde und Hauskatzen (Felis catus). Aufgrund der unterirdischen Lebensweise ist die Mortalität durch Prädatoren eher gering (Alexander, Verts & Carraway, 1991).

Sympatrie

Zu den sympatrisch vorkommenden Arten zählen bezüglich Nahrungs- oder Lebensraumkonkurrenz kleine Säuger wie Sorex trowbridgii, Sorex vagrans (bei de gehören zur Gattung der Waldspitzmäuse (Sorex), die Camas-Taschenratte (Thomomys bulbivorus), Feldmäuse (Microtus) wie Microtus canicaudus, die Oregon-Wühlmaus (Microtus oregoni) und die Townsend-Wühlmaus (Microtus townsendii), die Hausmaus (Mus musculus), die Bisamratte (Ondatra zibethicus), Amerikanische Buschratten (Neotoma) wie Neotoma fuscipes, die Hirschmaus (Peromyscus maniculatus), die Pazifik-Hüpfmaus (Zapus trinotatus) sowie das Olympische Murmeltier (Marmota olympus) (Alexander, Verts & Carraway, 1991).

Ernährung

Townsends Maulwürfe ernähren sich vorwiegend von Wenigborstern (Oligochaeta), Hundertfüßern (Chilopoda), Tausendfüßer (Myriapoda), Lungenschnecken (Pulmonata) und Insekten (Insecta) sowie deren Larven. An Insekten stehen vor allem Zweiflügler (Diptera), Schmetterlinge (Lepidoptera), Käfer (Coleoptera), Hautflügler (Hymenoptera) und Heuschrecken (Orthoptera) auf der Speisekarte. In kleineren Mengen werden auch Sämereien, Wurzeln, Knollen und grüne Vegetation gefressen. Der zylindrische Magen weist ein Volumen von 10 mal 5 mm auf (Alexander, Verts & Carraway, 1991).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt in den niedrigen Lagen meist schon im Frühjahr, in Höhenlangen für gewöhnlich erst im Frühsommer. Aufgrund der relativ kurzen Paarungszeit geht man davon aus, dass es in einer Saison nur zu einem Wurf kommt. Ein durchschnittlicher Wurf besteht aus 3 bis 4 (3,1) Jungen. Die Tragezeit ist unbekannt, wird aber auf 4 bis 6 Wochen geschätzt. Das Geburtsgewicht liegt bei etwa 5 g. Die Jungen sind zahnlos und nackt. Aufgrund der nahrhaften Muttermilch wachsen die Jungtiere schnell heran. Sie verlassen das schützende Nest im Alter von 30 bis 35 Tagen. Zu diesem Zeitpunkt wiegt der Nachwuchs 60 bis 80 g (Alexander, Verts & Carraway, 1993).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Townsends Maulwürfe gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Wirtschaftlich gesehen sind die Fraßschäden an den Wurzeln von Pflanzen nur von geringer Bedeutung. Die Erdhügel können zudem landwirtschaftliche Maschienen beeinträchtigen oder schädigen. Früher fand das Fell der Tiere Verwendung in der Bekleidungsindustrie. Dies ist heute nicht mehr der Fall (IUCN, 2013).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) sind Townsends Maulwürfe unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind S. aeneus (Cassin, 1853), S. laeniata (Le Conte, 1853) und S. towsendii Pomel, 1848. Die genannten Synonyme sind ungültig.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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