Theraphosa blondi

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Theraphosa blondi

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Theraphosinae (Theraphosinae)
Gattung: Theraphosa
Art: Theraphosa blondi
Wissenschaftlicher Name
Theraphosa blondi
Latreille, 1804

Verbreitungsgebiet
Verbreitungsgebiet

Die Theraphosa blondi oder Theraphosa leblondi ist auch unter den Trivialnamen Riesenvogelspinne und Goliath-Vogelspinne bekannt. Sie zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Theraphosa. Erstmals beschrieben wurde sie im Jahre 1804 von Pierre André Latreille.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Mit maximal bis zu 12 Zentimetern Körperlänge und rund 170 Gramm Gewicht ist Theraphosa blondi einer der weltweit größten Vogelspinnen, wenn nicht die größte Vogelspinne. Solche Maße erreichen nur Weibchen, und selbst sie werden nur sehr selten so groß. In der Regel liegt die Körperlänge eines Männchens bei etwa 40 Millimetern, die eines Weibchens bei um 70 bis 90 Millimetern. In Gefangenschaft kann nach der Nahrungsaufnahme das Abdomen, also der Hinterleib, eines Weibchens die Größe eines Tennisballes erreichen! Die Beinspannweite beträgt im Durchmesser durchschnittlich etwa 15 bis 20 Zentimeter, kann aber in sehr seltenen Ausnahmen bis 30 Zentimeter, als die Größe eines Pizzatellers, betragen. Auch hierbei bilden höchstens Weibchen diese Ausnahme. Die Giftklauen (Chelizeren) werden 15 bis 20 Millimeter lang.

Die Körpergrundfärbung reicht von grau und graubraun bis kastanienbraun. Die einzelnen Segmente der Beine können gestreift sein, auch der Cephalothorax, also die Kopfbrust, kann ein Streifenmuster tragen, vergleichbar mit dem von Vitalius wacketi. Die
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Theraphosa blondi
Brennhaare sind rötlich gefärbt. Tiere mit kahlem Hinterleib haben ihre Brennhaare abgeworfen, sie regenerieren sich mit der nächsten Häutung.

Lebensweise, Toxizität

Theraphosa blondi ist eine überwiegend in der Nacht aktive Vogelspinne. Sie klettert nicht und lebt am Tage versteckt in einer Erdhöhle, welche übernommen oder selbst gegraben worden sein kann. Bei Störung wird diese Riesenvogelspinne sehr aggressiv und sondert Zischlaute ab und beißt bei weiterer Annäherung zu, nachdem sie ihre Brennhaare auf dem Gegner geschleudert hat. Die Brennhaare werden oft auch in der Wohnhöhle an den Wänden abgestreift.

Der Körper ist stark behaart, vor allem auf dem Abdomen. Diese Haare können mit den Hinterbeinen in einer Art "Wolke" weggeschleudert werden. Sie enthalten ein Nesselgift, welches beim Einatmen der Haare zu Lungenschäden führen und die Haut stark reizen und röten kann. Der Giftbiss der Spinne ist sehr viel schmerzhafter, aber dennoch zumeist weniger gefährlich, als die eingeatmeten Brennhaare. Ein Giftbiss verursacht unter anderem eine starke Schwellung der gebissenen Körperstelle, Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme. Einige Menschen reagieren auch allergisch auf das Spinnengift. Allergiker sollten einen Biss niemals riskieren, für sie kann ein Biss tödlich ausgehen!

Fortpflanzung

Die Geschlechter unterscheiden sich einander durch die beim Männchen größeren Bulben und die dunklere Färbung des Männchens. Außerdem sind die Weibchen massiger gebaut, als die Männchen.

Drohstellung von Theraphosa blondi. Hier am Beispiel einer Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus)
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Drohstellung von Theraphosa blondi. Hier am Beispiel einer Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus)

Die Balz und die Paarung laufen vogelspinnentypisch ab. Paarungsbereite Männchen setzen etwa sechs bis zehn Wochen nach der Reifehäutung ein Samenpaket ab und nehmen die Spermien mit den Bulben, also dem letzten Glied der Tastbeine, auf. Nun macht es sich auf die Suche nach einem Weibchen. Hat es ein Weibchen gefunden, macht er durch Trommeln und Zittern vor dem Bau des Weibchens auf sich aufmerksam. Ist sie bereit zur Paarung, erwidert sie diese Signale und das Männchen nähert sich dem Weibchen vorsichtig und tastet sie ab, vermutlich als "Besämpftigungsgeste". Zur eigentlichen Paarung erhebt sich das Weibchen in die typische Drohhaltung und das Männchen stemmt sich dagegen, damit er einen der beiden Bulben in die Paarungsöffnung des Weibchens einführen kann und dort durch das abgeben des Samenpaketes die Eier befruchten kann. Nach einer erfolgreichen Paarung spinnt das Weibchen einen Kokon in der Wohnhöhle und legt dort bis zu 100 Eier hinein. Je nach Temperatur schlüpfen die Jungspinnen dann nach acht bis zehn Wochen, sie messen nun bereits 15 bis 20 Millimeter und sind sehr schnellwüchsig.

Theraphosa blondi häutet sich in der ersten Zeit recht häufig, adulte, also ausgewachsene und geschlechtsreife, Tiere häuten sich nur noch ein bis zwei Mal im Jahr. Die Männchen sterben oft bereits einige Zeit nach der Paarung, Weibchen können bis über 20 Jahre alt werden.

Verbreitung, Lebensraum

Das hauptsächliche Verbreitungsgebiet von Theraphosa blondi erstreckt über Französisch Guayana, Venezuela und den gesamten Norden Brasiliens. Die Vogelspinne lebt dort bevorzugt in den feuchtwarmen, tropischen Regenwäldern. Oft ist sie in der Nähe von Gewässern zu finden.Im Habitat ist es wichtig, das die Spinne Höhlen vorfindet oder sich in feuchtem, lockeren Boden selbst stabile Höhlen graben kann. Die Unterschlüpfe stehen nie in direktem Sonnenlicht, was auf dem Boden tropischer Regenwälder sowieso sehr selten ist. In der Sonne würde die Temperatur für die Spinne zu hoch ansteigen, denn Theraphosa blondi bevorzugt bei einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit Temperaturen zwischen 18 und 16 Grad Celsius. In der Regenzeit ist sie manchmal Überflutungen ausgesetzt.

Ernährung

Theraphosa blondi - Nymphe
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Theraphosa blondi - Nymphe

Theraphosa blondi ist, wie alle Spinnen, ein reiner Fleischfresser. Sie ist nicht wählerisch und frisst alles, was ihr über den Weg läuft und was sie überwältigen kann. Dazu zählen vor allem Insekten (Insecta) aller Art, kleinere Spinnentiere (Arachnida), aus dem Nest gefallene Vogelküken und kleine Säugetiere (Mammalia). Da Theraphosa blondi eine Lauerjägerin ist, geht sie nicht aktiv auf Jagd. Sie spinnt rund um ihren Unterschlupf auf dem Waldboden Signalfäden aus Spinnenseide. Tritt nun ein Beutetier darauf, vibriert die Seide und die Spinne bemerkt dieses Zittern innerhalb des Unterschlupfes und schießt dann förmlich blitzschnell heraus, um die Beute zu packen. Wenn das Beutetier gefangen ist, wird es durch einen Giftbiss getötet und von innen verflüssigt. Anschließend saugt die Spinne die Beute aus und übrig bleibt nur die Haut und Knochenreste, bzw. der Chitinpanzer.

Theraphosa blondi kann sehr lange Fastenzeiten mühelos überstehen.

Ökologie

Theraphosa blondi ist weder geschützt, noch ist sie bedroht. Dennoch sollte man beim Kauf der Tiere darauf achten, aus Naturschutzgründen keine Wildfänge zu kaufen, damit die Tiere erst garnicht geschützt werden müssen. In Südamerika werden sie von den Einheimischen als Proteinquelle genutzt und auf Märkten gebraten oder geröstet zum Verkauf angeboten.

Prädatoren

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Theraphosa blondi

Zu den natürlichen Prädatoren der Theraphosa blondi zählen nur wenige Tiere, kein Tier nimmt sie als Hauptnahrung. Eine sehr viel größere Gefahr stellen größere Tiere dar, welche die Vogelspinne zertreten könnten. Zu diesen zählen zum Beispiel große Säugetiere wie Halsbandpekaris (Pecari tajacu)

Terraristik

Auf Grund der Aggresivität der Theraphosa blondi ist sie keinem Anfänger der Terraristik zu empfehlen. Für Fortgeschrittene Terrarianer ist die Spinne jedoch sehr interessant zu beobachten und zu halten. Man muss der großen Spinne immer mit Respekt entgegenkommen und sollte sie möglichst selten stören. Sie benötigt ein Terrarium von mindetsens 40x35 Zentimetern Grundfläche und etwa 25 Zentimeter Höhe. Da sie ihrer Beute jedoch kaum nachstellt und sie davonziehen lässt, wenn sie sie nicht gefasst bekommt, sollte das Terrarium knapp einen Meter Kantenlänge und um die 70 Zentimeter Tiefe nicht überschreiten. Als Bodensubstrat eignet sich Terrarienerde und ein Erde-Sand-Gemisch. Theraphosa blondi sollte alleine gehalten werden.

Steckbrief zur Haltung:

  • Temperatur: 20 bis 23 Grad Celsius, kein Heizstrahler nötig
  • Jungtieraufzucht bei ca. 20 Grad Celsius und sparsame Fütterung
  • Luftfeuchtigkeit: Am Tage 70 bis 80, nachts bis 95 Prozent
  • Futter: große Insekten, einmal in der Woche
  • Reinigen: Gesamtes Terrarium maximal einmal im Jahr, täglich frisches Wasser reichen und Kotreste entfernen

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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