Texasspecht

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Texasspecht
Männchen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
Familie: Spechte (Picidae)
Unterfamilie: Echte Spechte (Picinae)
Gattung: Picoides
Art: Texasspecht
Wissenschaftlicher Name
Picoides scalaris
Wagler, 1829

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Texasspecht (Picoides scalaris) gehört innerhalb der Familie der Rabenvögel (Corvidae) zur Gattung Picoides. Im Englischen wird der Texasspecht Ladder-backed Woodpecker, Texas Woodpecker oder Cactus Woodpecker genannt.

Der Texasspecht kann leicht mit dem Nuttallspecht (Picoides nuttallii) sowie dem Dunenspecht (Picoides pubescens) verwechselt werden. Beim Männchen des Nuttallspechtes zeigt sich nur am Hinterkopf die rötliche Färbung. Ähnlich sieht es beim Dunenspecht aus. Letzterem fehlt zudem die schwärzliche Strichelung auf der Bauchseite.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der eher kleine Texasspecht erreicht eine Körperlänge von 16 bis 18 (17) Zentimeter, eine Flügellänge von 10 bis 11 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 25 bis 28 Zentimeter sowie ein Gewicht von 25 bis 50 Gramm. Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Ansonsten sind Geschlechter ähnlich gefärbt, wobei sie anhand der Kappe leicht zu unterscheiden sind. Die Kappe beim Männchen weist eine rote Färbung auf, die Kappe beim Weibchen ist schwarz gefärbt. Der Rücken und die Flügel weisen eine schwarze Grundfärbung und eine weiße Querbänderung auf. Der Nacken ist durch einen schwarzen Längsstreifen gekennzeichnet. Das Gesicht weist zwei schmale und schwarz gefärbte Längsstreifen aus. Ein Streifen erstreckt sich vom Auge bis in den Nacken, ein weiter Streifen reicht vom Kinn bis zu den hinteren Kopfseiten. Beide Streifen laufen am Hinterkopf oder an den Kopfseiten zusammen. Zwischen den beiden schwarzen Streifen erstreckt sich ein weißer Bereich. Die Kehle, die Brust und die gesamte Bauchseite sind weiß bis leicht cremefarben gefärbt und weisen eine feine schwarze Strichelung auf. Die Färbung kann je nach Unterart leicht variieren. Der kräftige Schnabel ist spitz zulaufend und von schwarzer Färbung. Der lange Schwanz dient beim Klettern am Stamm als Stütze. Er ist schwarz gefärbt und weist wie der Rücken eine weiße Bänderung auf. Die Extremitäten sind gräulich gefärbt, zwei Zehen der Füße weisen jeweils nach vorne und nach hinten. Die Zehen enden in kräftige Krallen.

Lebensweise

Texasspechte gelten in allen Verbreitungsgebieten als Standvögel, dies trifft auch auf die Verbreitungsgebiete in den südöstlichen US-Bundesstaaten zu. Es kommt im Winter allenfalls bei den nördlichen Populationen zu nahrungsbedingten Teilzügen in südliche Regionen. Texasspechte legen ein ausgesprochen territoriales Verhalten an den Tag. Neben diversen Drohgebärden wie das Aufstellen der Schopffedern, wildes Schlagen mit den Flügeln und Trommeln mit dem Schnabel auf Holz kommen auch eine Reihe von Lauten bei Bedrohung zum Tragen. Wie alle Spechte, so gilt auch der Texasspecht als herausragender Baumeister von Baumhöhlen. Mit dem ausgesprochen kräftigen und meißelartigen Schnabel hämmern Texasspechte unermüdlich gegen Holz und lassen so nach und nach eine Baumhöhle entstehen. Am Bau einer Nisthöhle sind im wesentlichen beide Geschlechter beteiligt, jedoch kommt dem Männchen die Hauptaufgabe zu. Beim Hämmern gegen Holz kommt es nicht zu Verletzungen des Gehirns, da zwischen dem Schnabelansatz und den Schädelknochen eine weiche Schicht sitzt, die die Schläge deutlich abdämpft. Auch bei der Nahrungssuche wird der Schnabel als Werkzeug eingesetzt. Durch trommelnde Geräusche spürt er Hohlräume auf und meißelt diese Stellen auf, um an die Nahrung zu kommen. Diese Eigenschaft trifft auf alle Specht-Arten zu. Texasspechte leben außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen nur während der Brutzeit aufeinander und führen während dieser Zeit eine monogame Ehe.

Unterarten

Verbreitung

Der Texasspecht ist mit zahlreichen im Südwesten der USA, in Mexiko und in Teilen von Mittelamerika verbreitet. In Mittelamerika sind eine Unterart in Belize und Nicaragua anzutreffen. In den USA kommt der Texasspecht in Texas, Kalifornien, Utah, Nevada, Oklahoma und in Colorado vor. Bewohnt werden zumeist aride und halbaride Landschaften. Zu den natürlichen Lebensräumen gehören Trockenwälder, Buschland und die Ränder von Wüsten und Savannen. In Mittelamerika werden auch Feuchtlebensräume wie Mangroven, Sumpfgebiete und ähnliche Habitate besiedelt. Geschlossene Wälder werden hingegen strikt gemieden. Der Texasspecht ist sowohl in der Ebene als auch in Mittelgebirgen bis in Höhen von über 2.500 Metern über NN anzutreffen. Auch die Nähe zum Menschen wird keineswegs gemieden. So ist der Texasspecht auch im Siedlungsraum in Parkanlagen und größeren Gärten zu beobachten.

Prädatoren

Zu den zahlreichen Fleischfressern gehören neben Schlangen (Serpentes) vor allen Greifvögel (Falconiformes) wie Habiche (Accipitridae) und Eulen (Strigiformes). In den südöstlichen US-Bundesstaaten stellen insbesondere Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii) und Virginia-Uhus (Bubo virginianus) den Texasspechten nach. Die Nester werden sehr häufig von Schlangen geplündert. Schlangen haben es sowohl auf die Eier als auch auf die Nestlinge abgesehen.

Ernährung

Texasspechte ernähren sich hauptsächlich von Insekten (Insecta), deren Larven und Raupen. Vor allem Larven stehen dabei weit oben auf der Speisekarte, die unterhalb der Baumrinde erstochert werden. Neben Insekten werden auch andere Gliederfüßer (Arthropoda) wie beispielsweise Ameisen (Formicoidea) gefressen. Diese werden meist direkt vom Stamm aufgelesen. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend an vertikalen Baumstämmen, eher selten sucht der Texasspecht auch am Boden nach Nahrung. Zu einem kleinen Teil wird auch auf pflanzliche Nahrung in Form von Früchten verschiedenster Kakteen zurückgegriffen.

Fortpflanzung

Texasspechte erreichen die Geschlechtsreife gegen Ende des ersten Lebensjahres. Nicht selten erfolgt die erste Brut aber erst mit zwei Jahren. Die Paarungszeit der Texasspechte beginnt je nach Verbreitungsgebiet meist Ende Januar bis März, in nördlichen Regionen auch bis Mitte oder Ende Juni. Streng territorial besetzt jedes Pärchen ein eigenes Revier. Die Bruthabitate befinden sich zumeist in lichten Wäldern mit altem Baumbestand oder entlang von bewaldeten Flussläufen. Wie alle Spechte, so ist auch der Texasspecht ein Höhlenbrüter. Die Bruthöhle wird in der Regel im Totholz, in morschen Bäumen oder in hohe Kakteen gezimmert. Mit dem kräftigen, meißelartigen Schnabel kann der Texasspecht problemlos auch Höhlen bis in Tiefen von bis zu 40 Zentimeter meißeln. Gelegentlich übernimmt der Texasspecht aber auch bestehende Höhlen und baut sie nur aus. Die Höhlen werden meist in mittleren Höhen angelegt. Das Zimmern der Höhle dauert je nach Holzart rund zwei bis vier Wochen. Höhlen in Kakteen entstehen meist über einen Zeitraum von gut zwei Wochen. Hauptsächlich wird die Höhle vom Männchen bearbeitet. Das Weibchen legt zwischen vier und sieben, durchschnittlich jedoch nur vier bis fünf weißliche und ovalgeformte Eier, die über einen Zeitraum von 13 bis 14 Tagen gewärmt werden. Die Eier werden im Abstand von einem Tag gelegt. Das Wärmen der Eier beginnt mit Ablage des letztes Eies. Beide Elternteile bebrüten die Eier, wobei das Männchen überwiegend in der Nacht aktiv ist. Bei Gelegeverlust kann es durchaus zu Nachgelegen kommen. Die Nestlingszeit beträgt etwa drei Wochen. Während dieser Zeit werden die Jungvögel von beiden Elternteilen mit Insekten (Insecta), Larven und Spinnentiere (Arachnida) gefüttert. Die Lebenserwartung der Texasspechte liegt bei vier bis fünf Jahre.

Gefährdung und Schutz

Der Texasspecht gehört heute noch nicht zu den bedrohten Spechtarten. Dennoch ist in Teilen der Verbreitungsgebiete ein Rückgang der Populationen zu beobachten. Zu den größten Bedrohungen zählt zweifelsohne die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere die Abholzung der montanen Wälder durch die Holzindustrie. Nur wenn der verbliebene Waldbestand erhalten werden kann, hat auch der Texasspecht eine Zukunft. In der Roten Liste der IUCN werden Texasspechte als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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