Tüpfelbeutelmarder

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Tüpfelbeutelmarder

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Beutelsäuger (Marsupialia)
Ordnung: Raubbeutlerartige (Dasyuromorphia)
Familie: Raubbeutler (Dasyuridae)
Unterfamilie: Dasyurinae
Tribus: Dasyurini
Gattung: Beutelmarder (Dasyurus)
Art: Tüpfelbeutelmarder
Wissenschaftlicher Name
Dasyurus viverrinus
Shaw, 1800

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus), auch Östlicher Beutelmarder genannt, zählt innerhalb der Familie der Raubbeutler (Dasyuridae) zur Gattung der Beutelmarder (Dasyurus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Tüpfelbeutelmarder erreicht je nach Geschlecht eine Gesamtlänge (incl. Schwanz) von 48 bis 65 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 18,1 bis 28 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 6 bis 7,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 700 bis 1.900 Gramm. Weibchen bleiben insgesamt kleiner und leichter als Männchen. In der Fellfärbung weisen die Tüpfelbeutelmarder zwei Farbmorphen auf. Zum einen eine schwarze und zum anderen eine hellbraune Farbmorphe. Bei beiden Farbmorphen zeigen sich im Fell charakteristische weißliche runde Punkte, die für die Art namensgebend waren. Das Fell weist eine Länge von 2 bis 3,5 Zentimeter auf. Das Fell im Bereich des Schwanzes und der Extremitäten ist mit rund 0,5 Zentimeter deutlich kürzer. Die Beine sind sehr kurz. Dafür ist der Schwanz ausgesprochen lang. Er erreicht in etwa zwei Drittel der Körperlänge.

Die länglichen und abgerundeten Ohren (4,6 bis 5,7 Zentimeter) weisen eine stehende Form auf. Der Kopf (Schädellänge 7,5 bis 10 Zentimeter) ist zur Schnauze hin Spitz zulaufend. Die Nasenspitze ist wie die Ohren unbehaart und zeigen eine rosafarbene Färbung. Im Bereich der Schnauze zeigen lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die eine Länge von bis zu 6 Zentimeter aufweisen und der Orientierung dienen. Die Vibrissen sind bei der dunklen Farbmorphe schwarz gefärbt, bei der hellbraunen sind sie weiß gefärbt. Das kräftige Gebiss besteht aus 42 Zähnen, die zahnmedizinische Formal lautet 4/3, 1/1, 2/2, 4,4. Zum Säugen des des Nachwuchses verfügt das Weibchen über sechs bis acht Zitzen, die sich im Innern des Beutels befinden. Die Weibchen der Populationen auf Tasmanien verfügen lediglich über sechs Zitzen.

Lebensweise

Tüpfelbeutelmarder
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Tüpfelbeutelmarder

Tüpfelbeutelmarder sind nachtaktive Raubbeutler (Dasyuridae), die überwiegend einzelgängerisch leben. Die Geschlechter treffen sich nur kurz während der Paarungszeit und trennen sich kurz nach der Kopulation wieder. Einzelne Individuen halten in der Regel einen Abstand von mindestens 200 Metern. Tüpfelbeutelmarder sind territorial, Männchen beanspruchen ein Revier in einer durchschnittlichen Größe von etwa 44 Hektar, Weibchen ein Revier von 35 Hektar. Auf die Jagd gehen Tüpfelbeutelmarder ausschließlich während der Nacht, am Tage sind sie auf Raubzügen nur ganz selten zu beobachten. Am Tage halten sich Tüpfelbeutelmarder hauptsächlich in Baumhöhlen oder verlassene Erdbauten auf. Verlassene Erdbauten von Kaninchen werden zumeist bevorzugt. Tüpfelbeutelmarder leben hauptsächlich auf dem Boden. Sie gelten jedoch als ausgezeichnete Kletterer, die sich gewandt durch das Geäst von Bäumen und Büschen bewegen können. Die Sinne, insbesondere der Sehsinn und das Gehör, sind hoch entwickelt. Während der Paarungszeit spielt vor allem der Geruchssinn eine große Rolle. Männchen prüfen durch beschnüffeln die Paarungsbereitschaft eines Weibchens.

Evolution, fossile Funde

Umfangreiche fossile Funde des Tüpfelbeutelmarders sind aus dem Peistozän bekannt. Die bekanntesten Fundstätten liegen im südöstlichen South Australia, im östlichen Victoria sowie im östlichen Queensland. Die größte Verbreitung wies die Art im Laufe des Holozän auf, an dessen Ende heute in weiten Teile der Verbreitungsgebiete die Ausrottung steht.

Verbreitung

Heute ist der Tüpfelbeutelmarder nur noch auf Tasmanien verbreitet. Eine kleine Population lebt auf der Känguru-Insel, vor der Küste von South Australia. Ursprünglich war die Art auch im südlichen Australien beheimatet. Hier war der Tüpfelbeutelmarder im südlichen, südöstlichen und nordöstlichen New South Wales, in weiten Teilen von Victoria sowie im südöstlichen South Australia verbreitet. Bereits die ersten Siedler hatten damit begonnen, den Tieren nachzustellen und letztlich auszurotten. Im Jahre 1966 war dieser Prozess vollendet. Tüpfelbeutelmarder leben in dichten Feuchtwäldern und subtropischen Regenwäldern. Gelegentlich sind sie aber auch in Trockenwäldern und in der Nähe von landwirtschaftlichen Flächen anzutreffen. Regionen mit sehr wenigem Niederschlag werden von den Tüpfelbeutelmardern strikt gemieden. In den Wäldern leben die Tiere überwiegend am Boden, sind aber im Geäst der Bäume häufig anzutreffen. Zu den Ruhephasen ziehen sich Tüpfelbeutelmarder in Baumhöhlen oder an ähnlich geschützte Orte zurück.

Prädatoren

Fleischfresser: Beutelteufel (Sarcophilus harrisii)
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Fleischfresser: Beutelteufel (Sarcophilus harrisii)

In dem natürlichen Verbreitungsgebiet auf Tasmanien haben Tüpfelbeutelmarder nur wenige natürliche Feinde. Zu den wichtigsten Fleischfressern der Tiere gehören vor allem Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus), Beutelteufel (Sarcophilus harrisii), und die Neuhollandeule (Tyto novaehollandiae). Aufgrund der verborgenen Lebensweise fallen jedoch nur wenige Tüpfelbeutelmarder Fleischfressern zum Opfer. Es sind in der Regel alte und schwache oder auch junge und unerfahrene Tiere. Neben den bereits erwähnten Fleischfressern, stehen Tüpfelbeutelmarder auch im Fokus von einer Reihe von Ekto- und Endoparasiten. Feldstudien haben ergeben, dass es 21 verschiedene Parasiten auf die Tiere abgesehen haben. Dazu gehören beispielsweise verschiedenste Saugwürmer (Trematoda), Bandwürmer (Cestoda), Fadenwürmer (Nematoda), Trichinen (Trichinella) sowie Schildzecken (Ixodidae) und Flöhe (Siphonaptera).

Die natürlichen Fleischfresser stellen im Grunde kein Problem für die Tüpfelbeutelmarder dar. Deutlich gravierender sind die negativen Auswirkungen durch Neozoa wie Rotfüchse (Vulpes vulpes) und verwilderte Haushunde (Canis lupus familiaris).

Ernährung

Tüpfelbeutelmarder betätigen sich überwiegend als Fleischfresser. Sie sind in Bezug auf ihre Nahrung nur wenig wählerisch und ernähren sich räuberisch von kleineren Beuteltieren (Metatheria), Ratten (Rattus), Mäusen (Mus) und Kaninchen, kleinen Eidechsen (Lacertidae) und Schlangen (Serpentes), Insekten (Insecta) und deren Larven sowie Würmer. Bei Gelegenheit wird auch Aas nicht verschmäht. Hin und wieder werden jedoch auch diverse Gräser und reife Früchte verspeist. Auf Nahrungssuche gehen Tüpfelbeutelmarder überwiegend nur in der Nacht, am Tage sind sie nur selten aktiv auf Nahrungssuche. Die Nahrung kann sich je nach Lebensraum unterschiedlich zusammensetzen. So fressen Tüpfelbeutelmarder in subalpinen Habitaten, in Höhen von über 900 oder 1.000 Metern überwiegend kleine Säugetiere und Vögel. Auch saisonal schwankt die Zusammensetzung der Nahrung, da insbesondere Insekten im Winter nicht zu Verfügung stehen. Zum Leidwesen der Farmer reißen Tüpfelbeutelmarder in der Nähe von Farmen gelegentlich auch Geflügel. Diese Tatsache war für die Menschen in Australien Grund genug, um die Tiere auszurotten. Jedoch stehen Tüpfelbeutelmarder auch auf Tasmanien im Visier von Wilderern und Jägern.

Tüpfelbeutelmarder
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Tüpfelbeutelmarder

Fortpflanzung

Tüpfelbeutelmarder erreichen die Geschlechtsreife mit rund einem Jahr. Die Paarungszeit erstreckt sich in der Regel über den frühen Winter. In Abhängigkeit des Vorkommens fallen die meisten Geburten dadurch zwischen Mai und Juli. Der Östrus der Weibchen erstreckt sich über vier bis zehn Tage, die Vulva schwillt während dieser Zeit deutlich an und die Beutelregion ist leicht genässt. Der Höhepunkt des Östrus erstreckt sich lediglich über ein bis zwei Tage. Nach erfolgreicher Befruchtung durch ein Männchen bringt das Weibchen nach einer Tragezeit von 20 bis 24 Tagen durchschnittlich 20 Jungtiere im embryonalen Stadium zur Welt. Die nur wenig entwickelten Jungtiere kriechen selbständig in den Beutel der Mutter, wo ihnen sechs oder acht Zitzen zum Säugen zur Verfügung stehen. In diesem embryonalen Stadium sind noch nicht alle Körperfunktionen voll entwickelt. Das Scrotum (Hodensack) der Männchen entwickelt sich zu Beginn der vierten Lebenswoche, das Fell mit der entsprechenden Pigmentierung entwickelt sich mit 51 bis 59 Tagen, die Augen öffnen sich in der achten Lebenswoche, die ersten Zähne stoßen mit 90 Tagen durch. Die Jungtiere bleiben in den ersten zwei Monaten ausschließlich im Beutel, erst danach erkunden sie spielerisch die nähere Umgebung. Die erste feste Nahrung nehmen die Jungtiere ab dem 105. Tag zu sich. Von der Muttermilch werden die Jungtiere im Alter von knapp fünf Monaten vollständig abgesetzt. Die maximale Lebenserwartung der Tüpfelbeutelmarder liegt bei rund sechs Jahren. Für gewöhnlich wird jedoch nur ein Alter von zwei bis drei Jahren erreicht.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Landwirtschaft sind Tüpfelbeutelmarder keine gern gesehenen Gäste, das sie sich mit Vorliebe über das Geflügel der Farmer hermachen. Jedoch fallen Tüpfelbeutelmarder meist nur kranke und schwache Tiere an. Auf der anderen Seite fressen sie auch eine große Menge an Mäusen, Insekten und Aas, dies macht sie letztlich auch zu ausgesprochen nützlichen Tieren. Dennoch werden diese wunderschönen Tiere in der Regel von Farmern verfolgt und getötet. Bleibt zu hoffen, dass die tasmanische Bevölkerungen von den Fehlern auf dem Festland lernt, und den Tüpfelbeutelmarder nicht restlos ausrottet. In Australien gilt der Tüpfelbeutelmarder seit 40 Jahren als ausgestorben. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt. Die tasmanische Regierung hat die Tüpfelbeutelmarder unter Schutz gestellt.

Anhang

Literatur und Quellen

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