Sydney-Trichternetzspinne

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Sydney-Trichternetzspinne
Sydney-Trichternetzspinne in typischer Drohhaltung

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Trichternetzspinnen (Hexathelidae)
Gattung: Atrax
Art: Sydney-Trichternetzspinne
Wissenschaftlicher Name
Atrax robustus
Cambridge, 1877

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:000146]

Die Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus) zählt innerhalb der Familie der Trichternetzspinnen (Hexathelidae) zur Gattung Atrax. Im Englischen wird die Sydney-Trichternetzspinne Australasian funnel-web spider genannt.

Vermutlich hat diese giftige Spinne von allen giftigen Spinnenarten einen furchterregenden Ruf, der in mancher Hinsicht vom Menschen übertrieben dargestellt wird. Die Spinne handelt nur instinktiv, leider wird das natürliche Verhalten - egal welche Spinnenart es ist - vom Menschen verteufelt. Näheres soll unter dem Punkt Giftigkeit erläutert werden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Weibchen der Sydney-Trichternetzspinne erreicht eine Körperlänge von bis zu 40 Millimeter. Das Männchen wirkt gegenüber dem Weibchen sehr viel größer, was bei Tieren dieser Art ungwöhnlich ist, und erreicht eine Körperlänge von bis zu 50 Millimeter. Auffällig bei dieser Art ist der massive Körperbau und die stark ausgeprägten Giftklauen, die eine beachtliche Länge von fünf Millimeter erreichen können. Die Spinndrüsen, die sich am Hinterleibsende befinden, sind im Verhältnis zu anderen Spinnen extrem lang und gut erkennbar. Der Kopf und der Vorderkörper selbst sind nicht behaart und zeigen eine lackschwarze Färbung. Das spärlich behaarte Abdomen weist eine helle Färbung auf, das beim Männchen etwas dunkler gefärbt ist. Der Carapax, der den vorderen Körper umfaßt, ist sehr glatt. Der Körper insgesamt zeigt ein dunkles Braun bis Schwarz. Das Weibchen wirkt im Körperbau zierlicher als das Männchen. Beim Männchen befindet sich in der Mitte entlang am zweiten Beinpaar ein kleiner Sporn. Im Allgemeinen sind die Beine weniger behaart und enden distal spitz. Des Weiteren weisen die Beine eine ebenfalls dunklere Färbung auf und sind metallisch glänzend. Die Augen der Sydney-Trichternetzspinne sind eng einander gruppiert. Die Sydney-Trichternetzspinne wird öfter mit der Spinne Hadronyche infensa, der Spinne Missulena bradleyi sowie mit der Spinne Missulena occatoria verwechselt. Da sie sich im Aussehen und im Körperbau ähneln.

Lebensweise

Die weibliche Sydney-Trichternetzspinne verbringt die Tageszeit in ihrem Trichternetz. Erst in der Nacht wird sie aktiv. Die männliche Sydney-Trichternetzspinne hingegen ist die meiste Zeit auf der Suche nach einem paarungsbereiten Weibchen, besonders in den Jahreszeiten Sommer und Herbst. Manchmal befinden sich in einer Kolonie bis zu 100 Trichternetze. Die Trichternetze weisen eine weiße Färbung auf und sind häufig röhrenförmig angelegt. Manchmal werden durch starke Regenfälle die Trichternetze vom Männchen und Weibchen weggespült und sie müssen sich nach einem neuen geeigneten Platz für den Bau ihrer Trichternetze umsehen. Auch wenn das Männchen auf Partnersuche ist, verläßt das Männchen sein röhrenförmiges Trichternetz und geht auf Wanderschaft, dabei legt es mehrere Kilometer zurück und es kann passieren, dass das Männchen versehentlich Häuser, Gärten oder Swimmingpools aufsucht und sich dann in der Kleidung, Bettwäsche sowie in den Schuhen versteckt, da wo es dunkel und warm ist. Aufgrund dessen passieren dann die meisten Bissunfälle, weil die Menschen kaum mit so einem ungewöhnlichen Gast rechnen. Durch die schreckhafte und ängstliche Reaktion der Menschen fühlt sich die Sydney-Trichternetzspinne natürlich bedroht und nimmt die typische Abwehrhaltung oder Angriffsstellung ein, dabei kommt es dann unausweichlich zu den berühmten blitzartigen und mehrmaligen Beissattacken, die mit den überlangen Giftklauen ausgeführt werden.

Giftigkeit

Sydney-Trichternetzspinne
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Sydney-Trichternetzspinne

Das Gift des Männchens ist fünfmal stärker als das des Weibchens, was bei Spinnen sehr außergewöhnlich ist und selten vorkommt. Vor allem scheint das Gift nur auf Menschen und Primaten anzusprechen, während andere Säugetiere wie Hunde, Katzen oder Kaninchen immun dagegen sind. Es wird immer wieder behauptet, dass die Sydney-Trichternetzspinne die giftigste und gefährlichste Spinne der Welt sei. Sieht man sich aber die Statistik an, dann muss man feststellen, dass von 1927 bis 1980 nur 13 Todesfälle der Sydney-Trichternetzspinne zugeschrieben wurden. Geschätzt wird, dass 30 bis 40 Bissfälle jedes Jahr in Ost- und Südaustralien gemeldet werden, aber nur eine minimale Anzahl (eins von zehn) eine Behandlung mit einem Gegengift erforderten. Heutzutage müssen Menschen selten an einem Spinnenbiss der Sydney-Trichternetzspinne sterben, da jedes Krankenhaus und jeder Arzt in Australien ein Gegengift (Antivenin) besitzen. Dieses Gegengift ist seit 1981 auf dem Markt, das heißt, dass das Gegengift auch in Deutschland erhältlich ist.

Nach einem Biss erreicht das Nervengift der Sydney-Trichternetzspinne die Blutzirkulation schnell, ungefähr in zwei Minuten. Die Hauptwirkstoffe werden von Robustoxin und Versutoxin dargestellt. Potentester Bestandteil ist das Atraxin, welches pro Milligramm circa 200 mal toxischer ist, als das Gesamtgift. Der Tod kann nach dem Biss innerhalb von 15 Minuten bis drei Tagen eintreten, bei Erwachsenen auch erst nach sechs Tagen. Bei Kindern ist der Biss sehr verhängnisvoll, da sich rasant ein Lungenödem bildet, während bei Erwachsenen langsam hartnäckige Hypotensionen und andere Komplikationen auftreten. Folgende Symptome wurden bei Menschen, die von einer Sydney-Trichternetzspinne gebissen wurden, beobachtet: Übelkeit, Erbrechen, Abdominal-Schmerzen, Schwitzen, Speichelabsonderung, Tachykardie, Bluthochdruck, Herzarrhythmie, Lungenödem, Nierenfunktionsstörungen bis hin zu akutem Nierenversagen, erhöhte Körpertemperatur, Zungen-Spasmen, Taubheitsgefühl, Krämpfe, Verwirrtheit, Koma, Hirnschäden und Atemlähmung.

Habitat der Sydney-Trichterspinne
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Habitat der Sydney-Trichterspinne

Verbreitung

Die Sydney-Trichternetzspinne tritt in New South Wales von Newcastle bis nach Nowra und vom Westen bis nach Lithgow auf. Sie bevorzugt besonders die bewaldeten Hochlandebenen, die das untere, offene Land des Zentralen Cumberland Basin umgeben. Dieses schließt die Hornsby Hochebene zum Norden, das Vorgebirge der Blue Mountains zum Westen und die Woronora Hochebene zum Süden ein.

Des Weiteren kommt die Sydney-Trichternetzspinne im zentral-westlichen Sydney und in den sandigen Küstenteilen der östlichen Vororte und in den Buchten vor. Die genannten Gebiete sind reich an sandigem Lehmboden, Schiefer und basalthaltigem Boden, die die Feuchtigkeit regelrecht aufsaugen und halten, was für die Sydney-Trichternetzspinne einen optimalen Lebensraum bietet. Da diese Spinne meisten auch in Vorgärten lebt, ist es nicht selten, dass sich der Mensch und das Tier begegnen. Die Sydney-Trichternetzspinne errichtet ihre Trichternetze in feuchten, kühlen, geschützten Lebensräumen in den Boden, unter Felsen oder unter verrottenden Baumstümpfen. In Gärten bevorzugt die Sydney-Trichternetzspinne dichte Gebüsche. Besondere Kennzeichen der Trichternetze sind die unregelmäßig radial angeordneten Fangfäden, die zum Trichtereingang des Netzes führen. Diese Fangfäden alarmieren die Sydney-Trichterspinne, wenn sich ein mögliches Opfer verfangen hat oder wenn Gefahr droht.

Ernährung

Die Sydney-Trichternetzspinne ernährt sich hauptsächlich von Käfern (Coleoptera), Schaben (Blattodea) und Schnecken (Gastropoda). Zum weiteren Nahrungsspektrum gehören kleine Eidechsen (Lacertidae) und Vögel (Aves). Dabei wird über die Giftklauen das Gift in das Beutetier injiziert, das die Beute lähmt und von innen her auflöst. Nach einiger Zeit saugt die Sydney-Trichternetzspinne das Beutetier aus. Übrig bleibt lediglich die leere Hülle mit den Knochen.

Fortpflanzung

Körperbau der Spinne
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Körperbau der Spinne

Die Sydney-Trichternetzspinne erreicht die Geschlechtsreife ungefähr mit zwei bis drei Jahren. Durch das Aufnehmen von Pheromonen des Weibchens, findet das Männchen zu seiner potentiellen Partnerin. Dort eingetroffen, trommelt das Männchen mit den Vorderbeinen und den Tastern auf den Baumstumpf oder Boden. Dieses Trommeln ist sehr weit hörbar. Ein paarungsbereites Weibchen antwortet dem Männchen ebenfalls mit Trommeln. Oder das Männchen zupft mit seinen Tastern vorsichtig an den Fangfäden, die sich am Eingang des Trichternetzes befinden. Ist das Weibchen paarungsbereit, so kommt es zur Paarung. Das Männchen hebt nun den Vorderkörper des Weibchens, soweit nach oben, dass es mit den Bulben an die Geschlechtsöffnung der Unterseite des weiblichen Abdomens kommt und diese in die Geschlechtsöffnung einführen kann. Dort übergibt das Männchen das Samenpaket und trennt sich wieder vom Weibchen.

Während der Übergabe des Samenpaketes verhindert das Männchen mit seinem Sporn, der sich am zweiten Beinpaar befindet, das Ausfahren der Giftklauen des Weibchens. Nach erfolgreicher Paarung spinnt das Weibchen einen kissenförmigen Eikokon, in diesen Kokon legt sie etwa 100 Eier ab. Sie reinigt und wendet den Eikokon mehrmals am Tag. Ist der Eikokon in Gefahr, so wird der Eikokon vehement von ihr verteidigt. Nach etwa drei Wochen schlüpfen die Spiderlinge und werden noch einige Monate von dem Weibchen beschützt. Die Spiderlinge sind in den frühen Stadien viel heller gefärbt als die adulte Sydney-Trichternetzspinne.

Das Weibchen kann ein Alter von bis zu zwölf Jahren erreichen, wobei das Männchen ein Alter von nur vier Jahren erreicht.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 18. April 2008 <1>

  • Atrax robustus - Cambridge, 1877
  • Atrax robustus - Cambridge, 1877c
  • Atrax robustus - Hogg, 1901
  • Euctimena tibialis - Rainbow, 1914a
  • Poikilomorpha montana - Rainbow, 1914a
  • Atrax robustus - Main, 1964
  • Atrax robustus - Nishikawa, 1976b
  • Atrax robustus - Gray, 1984
  • Atrax robustus - Gray, 1988

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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