Storchschnabelliest

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Storchschnabelliest
Sungei Buloh Wetland Reserve, Singapore

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
Familie: Eisvögel (Alcedinidae)
Unterfamilie: Lieste (Halcyoninae)
Gattung: Storchschnabel-Eisvögel (Pelargopsis)
Art: Storchschnabelliest
Wissenschaftlicher Name
Pelargopsis capensis
Linnaeus, 1766

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Storchschnabelliest (Pelargopsis capensis), auch als Gurial oder Storchschnabel bekannt, zählt innerhalb der Familie der Eisvögel (Alcedinidae) zur Gattung der Storchschnabel-Eisvögel (Pelargopsis). Im Englischen wird der Storchschnabelliest Brown-headed Stork-billed Kingfish, Brown-headed Stork-billed Kingfisher, Brown-headed Stork-billed-Kingfisher, Stork billed Kingfisher oder Stork-billed Kingfisher genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Storchschnabelliest ist ein ziemlich großer Vogel. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 33 bis 37 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 50 bis 62 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 140 bis 200 Gramm. Was bei dem Storchschnabelliest auf dem ersten Blick auffällt, ist der lange breite korallenrote Schnabel, der eine enorme Länge von 18 Zentimetern aufweist. Die aufwärts gebogenen Schnabelschneiden und der abgeplattete Schnabelfirst zeigen, dass der Storchschnabelliest zu den Jägern gehört. Der Schnabel der Fischer ist dagegen seitlich zusammengedrückt. Der Rücken und die Flügeldecken sowie der Schwanz weisen eine türkisblaue Färbung auf. Der Oberkopf, die Stirn und die Ohrdecken sind dunkelbraun getönt. Im Gesicht zeichnet sich deutlich ein dünner rötlicher Augenring ab. Die Augen selbst sind dunkel gefärbt. Die Wangen sind in Harmonie mit dem Hals und der Unterseite braun bis orangegelb getönt. Die Extremitäten sind rötlich geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn. Das Weibchen ist etwas größer als das Männchen, sieht aber dem Männchen im Aussehen ähnlich. Ebenfalls ähneln die Jungvögel den Altvögeln, aber die Federn des Halsbandes, der Brust sowie der Kehle sind in ihrer Färbung etwas matter. Die Flügeldecken der Jungvögel weisen ein gegerbtes Grün auf. Im Flug der Altvögel sieht man deutlich die türkisblau gefärbten Flügel und den korallenroten Schnabel. Der Flug wirkt etwas schwerfällig, manchmal flatternd, aber geradlinig.

Lebensweise

Obwohl der Storchschnabelliest von respektabler Größe ist, kann man ihn allerdings nur selten beobachten, weil er sehr scheu und viel weniger laut ist als die anderen Arten der Gattung Storchschnabel-Eisvögel (Pelargopsis). Der Ruf des Storchschnabelliest ist ein lautes niedriges und weitreichendes "peer-por-por" und wird alle fünf Sekunden wiederholt. Sein Gesang ist ein flötender Ton von drei oder vier Silben, die sich in der Höhe progressiv verlieren. Im Flug bringt er ein kräftiges knarrendes "ke-ke-ke-ke" sowie einen Schrei hervor. Der Storchschnabelliest lebt eher einzeln, aber man findet ihn manchmal in Paaren. Des weiteren legt er ein höchst territoriales Verhalten an den Tag. Der Storchschnabelliest ist fähig, aus seinem Territorium viel größere Vögel als er selbst zu verjagen wie zum Beispiel Stelz- und Schreitvögel (Ciconiiformes) und kleine Greifvögel (Falconiformes).

Unterarten

Storchschnabelliest
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Storchschnabelliest

Verbreitung

Der Storchschnabelliest besucht die Flächen frischen Wassers, die Flüsse, die Wasserläufe der bewaldeten Ebenen, die Reisfelder und manchmal die Seen in den Wäldern. Jedoch schätzt er ebenfalls die brackigen Zonen der Küstenstreifen und die Mangroven, insbesondere jene, die mit Vegetation, Unterhölzern, Sträuchern und Bäumen ausgestattet sind, die als annehmbare Sitzwarten dienen können.
Tangkoko National Park, North Sulawesi, Indonesia
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Tangkoko National Park, North Sulawesi, Indonesia
Entgegen des Halsbandliest (Todiramphus chloris), der merklich dasselbe Verbreitungsgebiet besucht, meidet der Storchschnabelliest menschliche Siedlungen. Die Verbreitungsfläche des Storchschnabelliest befindet sich in Südostasien von Indochina in der Malaysischen Halbinsel und von Singapur bis nach Sulawesi. Der Storchschnabelliest ist im Indischen Subkontinent, im Osten von Pakistan, in Indien, in Nepal sowie in Sri Lanka ebenfalls anzutreffen.

Ernährung

Der Storchschnabelliest ernährt sich hauptsächlich von Fischen. Dabei setzt er erfolgreich seinen langen breiten Schnabel als Dolch ein, indem er die Fische regelrecht aufspießt. Er sitzt auf einer hohen Sitzwarte, die sich etwa vier Meter über dem Wasser befindet, von wo aus der Storchschnabelliest nach Fischen Ausschau hält und blitzschnell in das Wasser eintaucht, wenn er einen Fisch erspäht hat. Ist das Wasser nicht klar genug, dann sucht er nach Krabben (Brachyura), Amphibien (Amphibia) und nach Wasserinsekten. Des weiteren verspeist er Mäuse (Mus), Eidechsen (Lacertidae) sowie kleine Vögel (Aves) und deren Eier. Das Beutetier wird meistens auf seiner Sitzwarte vorsichtig gegen einen Zweig oder Ast geschlagen und dann verzehrt.

Fortpflanzung

Der Storchschnabelliest gräbt oder bohrt Tunnels an ziemlich unterschiedlichen Stellen: wie zum Beispiel an Flussbänken, in einem Termitennest oder in einem Ameisennest, das sich sechs Meter hoch oben in einem Baum befinden kann oder in einem Hohlraum eines verfaulenden Baumstammes. Das Weibchen legt zwischen zwei und fünf runde weiße Eier. Weitere Aufzeichnungen über die reproduktive Biologie dieser Art sind kaum bekannt.

Tangkoko National Park, North Sulawesi, Indonesia
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Tangkoko National Park, North Sulawesi, Indonesia

Die Jungvögel ähneln so ziemlich den Altvögeln, aber die Federn des Halsbandes, der Brust sowie der Kehle sind in ihrer Färbung etwas matter. Die Flügeldecken der Jungvögel weisen ein gegerbtes Grün auf.

Gefährdung und Schutz

Der Storchschnabelliest gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd über 1.000.000 bis 10.000.000 Quadratkilometer. Der Storchschnabelliest ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Storchschnabelliest selten oder nur spärlich vor (del Hoyo et al. 2001). Die Globalen Populationen sind noch nicht quantitativ bestimmt worden; vieles spricht aber für eine Abnahme der Populationen (del Hoyo et al. 2001). In der Roten Liste der IUCN wird der Storchschnabelliest als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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