Stinktiere

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Skunks
Streifenskunk (Mephitis mephitis)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Skunks
Wissenschaftlicher Name
Mephitidae
Bonaparte, 1845

Skunks (Mephitidae) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora). In der Familie werden in 4 Gattungen 12 rezente Arten geführt. Die englische Bezeichnung der Tiere ist identisch mit dem deutschen Synonym. Ursprünglich wurden Skunks als Unterfamilie der Marder (Mustelidae) geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Skunks erreichen eine Körperlänge von 11,5 bis 51 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 7 bis 43,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 700 Gramm bis 4,5 Kilogramm. Der Körperbau der Skunks ähnelt einer Mischung aus Dachsen und Wieseln. Das lange Fell ist meist schwarz-weiß gezeichnet, wobei es sich artabhängig um Flecken oder Streifen handeln kann. Die auffällige Fellfärbung dient dabei keineswegs als Tarnung, sondern als Warnung an potentielle Angreifer oder Prädatoren. Dies nicht ohne Grund, denn Skunks gehören zu den wenigen Säugetieren, die sich durch Chemikalien verteidigen. Die optischen Signale durch die Fellfärbung werden auch als aposematische Signale genannt. Fühlt sich ein Skunk bedroht, so hebt er seinen Schwanz, stampft mit den Pfoten und führt Scheinangriffe aus. Zeigt dies keine Wirkung, so besprüht er einen Angriff mit einer übelriechenden Substanz, die neben Butan und Schwefel auch Methanverbindungen enthält. Skunks treffen dabei zielsicher bis 2 Meter entfernte Ziele. Der Geruch ist bis in Entfernungen von rund einem Kilometer riechbar. Bei Kontakt mit den Augen treten starke Reizungen auf, die mit einer vorübergehenden Blindheit einhergehen können. Die beiden Drüsen, über die das Sekret abgegeben wird, sitzen im Analbereich jeweils seitlich des Afters. Durch Muskelkontraktion wird das Sekret über feine Öffnungen zielsicher abgegeben.
Westlicher Ferkelskunk (Conepatus mesoleucus)
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Westlicher Ferkelskunk (Conepatus mesoleucus)
Abgegebenes Sekret wird für gewöhnlich binnen 48 Stunden ersetzt. Das Sekret reicht bei den meisten Arten für bis zu 6 "Schüsse". Das kräftige Gebiss der Tiere besteht aus 34 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p3/3, m1/2. Skunks verfügen über 53 Wirbel, die sich in 7 Halswirbel (Cervical vertebrae), 14 Brustwirbel (Thoracic vertebrae), 7 Lendenwirbel (Lumbar vertebrae), 2 Kreuzbeinwirbel (Sacral vertebrae) und 23 Steißbeinwirbel (Coccygeal vertebrae) gliedern.

Lebensweise

Skunks leben die meiste Zeit des Jahres einzelgängerisch und treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. In den nördlichen Regionen halten Skunks einen mehrmonatigen Winterschlaf (in Alberta Kanada zwischen 120 bis 150 Tage), bei dem sie sich in Gruppen von bis zu 20 Tieren versammeln. Es handelt sich meist um ein Männchen und mehrere Weibchen. Die Winterruhe endet im Frühjahr, meist im März oder Anfang April. Zu dieser Zeit beginnt auch die Paarungszeit. Skunks sind territorial, Männchen bewohnen Reviere in einer Größe von bis zu 20 km². Die Reviere der Weibchen sind mit bis zu 4 km² deutlich kleiner. Die Reviere der Männchen und Weibchen überschneiden sich an den Außengrenzen. Auch die Reviere mehrerer Männchen überschneiden sich üblicherweise. Die Vorderpfoten weisen kräftige und lange Krallen auf. Die Krallen dienen vor allem dem Graben von Erdbauten und der Nahrungssuche. Erdbauten werden zwar oft selbst gegraben, es werden jedoch auch Bauten anderer Tiere wie Ziesel (Spermophilus) und Tiere ähnlicher Größe übernommen. Einige Arten, insbesondere Vertreter der Fleckenskunks, bewohnen neben Erdbauten gelegentlich auch Felsspalten und ähnlich geschützte Orte. Fleckenskunks gelten zudem als ausgezeichnete Kletterer und sind daher auch in Bäumen anzutreffen.

Größenvergleich auf Gattungsebene

Maße und Gewichte nach Nowak, 1999. <1>

Trivialname deutsch Trivialname englisch Wissenschaftlicher Name Körperlänge in cm Schwanzlänge in cm Gewicht in Gramm
- - Mephitis 28 - 38 18,5 - 43,5 700 - 2.500
Fleckenskunks Spotted skunks Spilogale 11,5 - 34,5 7 - 22 200 - 1.000
Ferkelnasenskunks Hog-nosed skunks Conepatus 30 - 49 16 - 41 2.300 - 4.500
Stinkdachse Stink badgers Mydaus 37,5 - 51 5 - 7,5 1.400 - 3.600

Verbreitung

Skunks sind in der neuen Welt vom südlichen Kanada, über Mittelamerika bis in den Süden Südamerikas sowie in Indonesien verbreitet. Stinkdachse sind in Indonesien und auf den Philippinen anzutreffen. Der Palawan-Stinkdachs (Mydaus marchei) ist auf den philippinischen Inseln Busuanga, Calauit und Palawan endemisch. Der Sunda-Stinkdachs (Mydaus javanensis) ist deutlich weiter verbreitet. Er kommt auf Java, Sumatra, Borneo und den Natuna-Inseln vor. Am weitesten ist der Streifenskunk verbreitet. Er besiedelt weite Teile von Nordamerika und ist im Süden bis ins nördliche Mexiko anzutreffen. Die nach verwandte Art des Streifenskunk, der Haubenskunk ist hingegen nur im Südwesten der USA zu Hause. Fleckenskunks sind je nach Art von Südosten und Westen der USA bis ins südwestliche Mexiko verbreitet. Ferkelskunks kommen von den südlichen US-Bundesstaaten, über Mittelamerika bis in den Süden Südamerikas vor. Je nach Art werden zahlreiche Lebensräume besiedelt. Der Streifenskunk ist auch in der Nähe des Menschen an Stadträndern anzutreffen. Andere Arten wie der Haubenskunk kommt nur in Felsschluchten und ariden Wüstengegenden vor. Stinkdachse bewohnen hauptsächlich montane Wälder und Gebirgswälder.

Biozönose

Prädatoren

Zu den potentiellen Fleischfressern zählen je nach Skunkart und Verbreitungsgebiet vor allem der Virginia-Uhu (Bubo virginianus), der Steinadler (Aquila chrysaetos), der Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus), aber auch räuberisch lebende Säugetiere (Mammalia) wie der Puma (Puma concolor), der Kojote (Canis latrans), der Silberdachs (Taxidea taxus), der Rotfuchs (Vulpes vulpes), der Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus) sowie der Rotluchs (Lynx rufus). Auf kleinere Skunks haben es auch Hauskatze (Felis catus) und Haushunde abgesehen. In Südostasien stellen Musangs (Paradoxurus), Bengalkatzen (Prionailurus bengalensis) und Tangalungas (Vivetta tangalunga) aus der Gattung der Asiatischen Zibetkatzen (Viverra) den Stinkdachsen nach. Eulen und Greifvögeln scheint das übelriechende Sekret nur wenig auszumachen. Die Säugetiere unter den Prädatoren merken sich für gewöhnlich die Lektion und greifen einen Skunk in der Regel kein zweites Mal an.

Parasiten

Westlicher Fleckenskunk (Spilogale gracilis)
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Westlicher Fleckenskunk (Spilogale gracilis)

Skunks werden von zahlreichen Ekto- und Endoparasiten heimgesucht. Hier sind insbesondere nachstehende Parasiten zu nennen:

  • Fadenwürmer (Nematoda)
    • Physaloptera maxillaris, Skrjabingylus chitwoodorum
  • Bandwürmer (Cestoda)
    • Oochoristica pedunculata
  • Flöhe (Siphonaptera)
    • Oropsylla montanus, Hoplopsyllus anomalus, Foxella ignota
  • Kieferläuse (Mallophaga)
    • Neotrichodectes mephitidis
  • Zecken (Ixodida)
    • Demacentor variabilis, Amblyomma americanum

Zu den weiteren Parasiten gehören auch Dasselfliegen (Oestridae) und ähnliche, parasitär lebende Tiere.

Ernährung

Skunks sind im Wesentlichen Allesfresser. Je nach Art werden insbesondere Nagetiere (Rodentia) und Insekten (Insecta) gefressen. Auf der Speisekarte stehen je nach Region und Verfügbarkeit aber auch Schwanzlurche (Caudata), Froschlurche (Anura), Vögel (Aves), Vogeleier. kleine Schlangen (Serpentes) und andere kleine Reptilien (Reptilia) sowie deren Eier. In der Nähe des Menschen wühlen die Tiere auch im Hausmüll nach Fressbarem und auch Aas wird nicht verschmäht. Beutetiere werden sowohl aktiv gejagt oder aus dem Boden ausgegraben. Die wichtigsten Sinne bei der Nahrungssuche sind das Gehör und der olfaktorische Sinn. Scharf sehen können Skunks jedoch nur bis zu einer Entfernung von etwa 3 Metern. Im Spätsommer und im Herbst legen sich Skunks in den nördlichen Breiten eine dicke Fettschicht zu. Von den Fettreserven zehren die Tiere während der Winterruhe.

Fortpflanzung

Skunks erreichen die Geschlechtsreife bereits gegen Ende des ersten Lebensjahres, meist im Alter von 10 bis 11 Monaten. Je nach Verbreitungsgebiet beginnt die Fortpflanzungszeit der Skunks bereits im späten Herbst oder im frühen Winter, in nördlichen Regionen üblicherweise im Frühjahr. Beginnt die Paarungszeit im Herbst oder im Winter, so setzt zunächst eine mehrmonatige Keimruhe ein. Die Gesamttragezeit erstreckt sich in diesen Fällen über 230 bis 250 Tage, die eigentliche embryonale Phase erstreckt sich dann über 28 bis 31 Tage. In den Regionen, wo es zu keiner verzögerten Einpflanzung kommt, erstreckt sich die Tragezeit artabhängig über 42 bis 77 Tage. In einer Saison kommt es je nach Art und klimatischen Bedingungen zu 1 bis 2 Würfen.

Die Wurfgröße liegt zwischen 1 und 10 Jungtiere. Der Nachwuchs ist bei der Geburt ausgesprochen hilflos sowie nackt und blind. Das Geburtsgewicht liegt je nach Wurfgröße und Art bei durchschnittlich 12 bis 35 Gramm. Die Augen öffnen sich im Alter von 22 bis 32 Tagen, die adulte Ausfärbung des Felles setzt im Alter von durchschnittlich 21 Tagen ein. Zum Säugen des Nachwuchses verfügt ein Weibchen über 3 bis 5 Paar Zitzen.
Sunda-Stinkdachs (Mydaus javanensis)
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Sunda-Stinkdachs (Mydaus javanensis)
Im Alter von 54 bis 70 Tagen erfolgt die Entwöhnung und der Familienverband löst sich auf. Die Lebenserwartung der Skunks liegt in Freiheit bei kaum 3 Jahren. In Gefangenschaft wurde artabhängig eine Lebenserwartung von 8 bis 12 Jahren erreicht.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In Nordamerika gelten Skunks als Verbreiter der Tollwut. Tollwut löst sowohl bei Tieren als auch beim Menschen eine akute und lebensbedrohliche Encephalitis (Gehirnentzündung) aus. Über die Epidemiologie der speziellen Variante der Skunktollwut ist bislang nur wenig bekannt. Den Tollwutvirus geben Skunks entweder über ihren Speichel weiter oder es erfolgt eine Infektion über Bisse. Unter den Skunks selbst wird die Übertragung der Tollwut wahrscheinlich durch die Geselligkeit in den Winterquartieren begünstigt. Da Skunks nicht selten in der Nähe des Menschen, insbesondere auf landwirtschaftlichen Flächen und in Stallgebäuden anzutreffen sind, erhöht sich das Risiko der Übertragung auf Haustiere.

Bis auf den Palawan-Stinkdachs (Mydaus marchei) gehören alle anderen Arten heute noch nicht zu den gefährdeten Arten. Der Palawan-Stinkdachs ist mittlerweile gefährdet und wird in der Roten Liste der IUCN als solches (VU, Vulnerable) geführt. Die Hauptursache ist in der Vernichtung der natürlichen Lebensräume zu suchen.

Systematik der Skunks

Systematik nach Wozencraft in Wilson & Reeder, 2005. <2>

Streifenskunk (Mephitis mephitis)
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Streifenskunk (Mephitis mephitis)

Familie: Skunks (Mephitidae)

Gattung: Mephitis
Art: Streifenskunk (Mephitis mephitis)
Art: Haubenskunk (Mephitis macroura)
Gattung: Fleckenskunks (Spilogale)
Art: Östlicher Fleckenskunk (Spilogale putorius)
Art: Westlicher Fleckenskunk (Spilogale gracilis)
Art: Zwerg-Fleckenskunk (Spilogale pygmaea)
Gattung: Ferkelnasenskunks (Conepatus)
Art: Chilenischer Skunk (Conepatus chinga)
Art: Patagonischer Skunk (Conepatus humboldtii)
Art: Östlicher Ferkelskunk (Conepatus leuconotus)
Art: Westlicher Ferkelskunk (Conepatus mesoleucus)
Art: Amazonas-Skunk (Conepatus semistriatus)
Gattung: Stinkdachse (Mydaus)
Art: Sunda-Stinkdachs (Mydaus javanensis)
Art: Palawan-Stinkdachs (Mydaus marchei)

Anhang

Literatur und Quellen

  • Allgemein
    • [1] Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
    • [2] Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
    • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
    • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
    • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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