Stelzenwaldsänger

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Stelzenwaldsänger

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Finken (Fringillidae)
Unterfamilie: Ammern (Emberizinae)
Gattung: Seiurus
Art: Stelzenwaldsänger
Wissenschaftlicher Name
Seiurus motacilla
Vieillot, 1809

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Stelzenwaldsänger (Seiurus motacilla) zählt innerhalb der Familie der Finken (Fringillidae) zur Gattung Seiurus. Die englische Bezeichnung des Stelzenwaldsängers lautet Louisiana Waterthrush. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Der Stelzenwaldsänger ist leicht mit dem Pieperwaldsänger (Seiurus aurocapilla) und dem Uferwaldsänger (Seiurus noveboracensis) zu verwechseln. Pieperwaldsänger sind leicht an der olivfarbenen Grundfärbung zu erkennen, Uferwaldsänger an der kräftigen Streifung im Brustbereich und an den Flanken. Der Stelzenwaldsänger hat zudem einen kürzeren Schnabel und der Überaugenstreif reicht nicht bis in den Nacken.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der kleine bis mittelgroße Stelzenwaldsänger erreicht eine Körperlänge von rund 14 bis 15 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 24 Zentimeter sowie Gewicht von rund 19 bis 24 Gramm. Die Geschlechter weisen weder in der Größte noch in der Gefiederfärbung einen Dimorphismus auf. Der Körper wirkt kräftig, jedoch keineswegs plump. Dieser Eindruck wird auch durch die langen Beine unterstützt. Die Beine sind fleischfarben gefärbt, der kräftige und dolchartig zugespitzte Schnabel weist eine dunkelbraune Färbung auf. Der Schwanz ist relativ kurz. Das Obergefieder, die Flügel und die Oberseite des Schwanzes sind bräunlich bis olivbraun gefärbt. Die Brust- und Bauchseite ist weißlich, wobei sich vor allem im Brustbereich eine dunkle Fleckung zeigt. Oberhalb der Augen ist ein feiner Augenstreif zu erkennen. Juvenile Vögel ähneln im Wesentlichen den Erwachsenen, jedoch zeigt sich im Bereich der Brust und des Halses sowie an den Flanken eine leichte Streifung.

Lebensweise

Der Stelzenwaldsänger lebt außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch, nur selten ist er in kleinen Gruppen zu beobachten. Während der Paarungszeit führen die Vögel eine monogame Einehe und legen eine territoriale Verhaltensweise an den Tag. Die Reviermarkierung erfolgt durch den Gesang. Lässt sich ein Rivale nicht vertreiben, so kommt es zu Verfolgungsflügen. Nur während der Wanderungen zwischen den Brutgebieten und den Winterquartieren schließen sich größere Gruppen zusammen. Stelzenwaldsänger sind gute, gewandte und ausdauernde Flieger. Geflügelte Insekten werden mit Leichtigkeit im Flug erbeutet. Auf dem Boden bewegen sich die Vögel mit hüpfenden Bewegungen fort und der Schwanz dient der Stabilisierung. Während der Ruhephase halten sich Stelzenwaldsänger an geschützten Plätzen wie offen liegende Wurzeln oder überhängende Bachufer auf.

Verbreitung

Die Brutgebiete des Stelzenwaldsängers liegen im Nordosten der USA und reichen vom südlichen Ontaria/Kanada, über die östlichen US-Bundesstaaten, südwestlich bis ins östliche Texas und südwestlich bis nach Florida. Im Herbst ziehen die Vögel ins südliche Gefilde. Während des Winters halten sich Stelzenwaldsänger im zentralen Mexiko, auf zahlreichen Inseln der Karibik, entlang der Küste von Mittelamerika bis ins nördliche Südamerika auf. Die Brutgebiete liegen üblicherweise in Laub- oder Mischwäldern. Dichtes Unterholz und schnell fließende Bäche sind unverzichtbarer Teil im Lebensraum der Stelzenwaldsänger. Meist sind die Vögel im Hügelland anzutreffen, seltener auch in Sumpfgebieten oder in Auenwäldern.

Ernährung

Stelzenwaldsänger ernähren sich im Wesentlichen von aquatischen Insekten (Insecta), deren Larven und anderen Gliederfüßern (Arthropoda), die in Wassernähe aufgegriffen werden. Hin und wieder werden auch Geflügelte Insekten (Pterygota) wie Mücken (Nematocera) und Fliegen (Brachycera) erbeutet. Darüber hinaus stehen auch kleine Fische (Actinopterygii) und die Larven von Lurchen (Amphibia) auf der Speisekarte. Dies ist insbesondere während der Brutzeit der Fall. Im Herbst werden aber auch reife Früchte und Beeren sowie Sämereien gefressen. Auf Nahrungssuche geht der Stelzenwaldsänger sowohl am Boden, an den Rändern von Gewässern als auch im Geäst der Bäume und Sträucher. Die Nahrungssuche erfolgt ausschließlich am Tage.

Fortpflanzung

Der Stelzenwaldsänger erreicht die Geschlechtsreife gegen Ende des ersten Lebensjahres. Die Paarungs- und Brutzeit erstreckt sich im Nordosten der USA von Anfang April bis in den Juli hinein. Dabei kommt es in der Regel zu einem Gelege in einer Saison. Männchen treffen deutlich vor den Weibchen in den Brutgebieten ein und stecken zunächst ein Revier ab, das vor allem durch den Gesang markiert wird. Während der Paarungszeit ist der Stelzenwaldsänger ausgesprochen territorial. Vor allem das Männchen sorgen im Revier des Pärchens für Ordnung und vertreiben alle Eindringlinge. Dies ist im Übrigen bei allen Waldsängern der Fall. Die Geschlechter führen dabei eine monogame Einehe, die in der Regel nur eine Saison hält. Die Wahl des Nistplatzes erfolgt kurz nach der Paarbildung. Den Nistplatz wählt zumeist das Weibchen aus, bekommt potentielle Nistplätze jedoch vom Männchen gezeigt. Die Nester entstehen an geschützten Stellen in Bodennähe, meist unter offen liegenden Wurzeln oder Höhlen am Ufer eines Baches.

Ein Bodennest weist eine halbkugelige, rundliche Form auf, verfügt über einen seitlichen Eingang. Es besteht im Wesentlichen aus Zweigen, Blättern, Moosen und Flechten sowie trockenen Gräsern. Das Nestinnere wird mit Tierhaaren und weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. In das fertige Nest legt das Weibchen zwischen 4 und 6 (5) weißliche bis cremefarbene Eier. Die Eier können mitunter eine leicht bräunliche bis rötlichbraune Sprenkelung aufweisen. Die Brutdauer erstreckt sich über einen Zeitraum von 14 bis 15 Tagen. Das Bebrüten der Eier erfolgt ausschließlich durch das Weibchen. Das Männchen kümmert sich nur um den Schutz des Geleges und die Versorgung des Weibchens mit Nahrung. Der geschlüpfte Nachwuchs ist blind, nackt und ausgesprochen hilflos. Um die Versorgung der Küken mit Nahrung kümmern sich beide Elternteile, jedoch obliegt der Hauptanteil der Versorgung des Nachwuchses beim Weibchen. Im Alter von 10 Tagen verlassen die Jungvögel erstmals das Nest. Die Flugfähigkeit wird bereits im Alter von 16 Tagen erreicht, selbständig sind die Jungvögel jedoch frühestens Ende der vierten Lebenswoche. Zu diesem Zeitpunkt fliegen die Jungvögel aus. Die Lebenserwartung der Stelzenwaldsänger liegt unter günstigen Umständen bei 5 bis 7 Jahren.

Der Braunkopf-Kuhstärling (Molothrus ater) ist ein häufiger Brutparasit der Stelzenwaldsänger.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das Verbreitungsgebiet der Stelzenwaldsänger erstreckt sich über etwa 2,4 Millionen km². In diesem relativ großen Areal wird die Gesamtpopulation auf etwa 260.000 Individuen geschätzt, eine genaue Bestandsaufnahme erfolgte bislang jedoch nicht. In Bezug auf das relativ große Verbreitungsgebiet ergibt sich anhand der Bestandsschätzung eine sehr niedrige Siedlungsdichte. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Über eventuelle Gefährdungsfaktoren liegen keine Informationen vor.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

Links

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