Stegodyphus lineatus

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Stegodyphus lineatus

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Familie: Röhrenspinnen (Erisidae)
Gattung: Stegodyphus
Art: Stegodyphus lineatus
Wissenschaftlicher Name
Stegodyphus lineatus
Latreille, 1817

Stegodyphus lineatus, auch unter dem Synonym Eresus lineatus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Röhrenspinnen (Erisidae) zur Gattung Stegodyphus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Art ist eine mittelgroße cribellate Spinne mit einer auffallend kompakten, kurzbeinigen Körperform. Hierdurch erinnert sie an Springspinnen (Salticidae), von denen sich die Art aber deutlich durch ihre Augenstellung unterscheidet. Von den acht relativ kleinen Augen bilden vier an den Eckpunkten des Kopfbereiches ein etwa gleichseitige Viereck, die restlichen sind zu einem deutlich kleineren Viereck in der Stirnmitte angeordnet. Stegodyphus lineatus ist die einzige europäische Art und erreicht als Männchen 8 bis 12 Millimeter und als Weibchen 10 bis 15 Millimeter Körperlänge. Die Geschlechter unterscheiden sich damit in der Größe nicht so auffallend wie bei den Arten der Gattung Eresus. Die Färbung ist sehr variabel. Neben fast einheitlich weißgrau behaarten Exemplaren können am gleichen Fundort fast schwarze Tiere vorkommen. Meist ist der Hinterkörper weißlichgrau mit zwei breiten, schwarzen Längsbinden, die aber nicht selten in einzelne, dunkle Flecke aufgelöst sind. Der Vorderkörper ist ebenfalls hellgrau behaart. An der Stirn ist meist ein hell begrenztes, schwarzes Dreieck zu erkennen, das von der Chelicerenbasis bis über die mittlere Augengruppe hinausreicht und durch einen schmalen Längsstreifen geteilt ist. Hinzu kommen meist einige gelbbraune Haarflecke, vor allem auf den Cheliceren (Kieferklauen). Das Männchen ähnelt dem Weibchen, ist aber im Allgemeinen etwas kontrastreicher und ausgedehnter gelbbraun gezeichnet. Es unterscheidet sich ferner vom Weibchen durch seine beulenartig emporgewölbte Kopfregion, vor allem in Seitenansicht ist dies gut zu erkennen. Adulte Männchen treten im Frühjahr auf. Die Lebenserwartung dieser Spinnenart kann etwa vier Jahre betragen.

Lebensweise

Es handelt sich um eine sessile Netzspinne mit röhrenförmigen Trichternetzen. Die Spinne baut, ganz im Gegensatz zu den Arten der Gattung Eresus, ein recht auffälliges Fangnetz, durch das sie oft schon aus größerer Entfernung zu entdecken ist. Das Netz wird in den Randzweigen der Büsche oder zwischen zwei Sträuchern nach Art eines Stellnetzes ausgespannt und besteht aus einem oft fast rechteckigen, etwa 30 Zentimeter großen Rahmen mit unregelmäßig gemaschten, cribellaten Fangfäden. An einer Seite geht das Netz in eine etwa fünf Zentimeter lange, nach unten offene, sehr fest gesponnene, vertikale Gespinströhre über, in der die Spinne sitzt. Bei geringster Berührung der Gespinströhre erscheint sofort die Netzbewohnerin in der Röhrenmündung. In der Röhre findet später auch die Eiablage und die Jungenaufzucht statt.

Verbreitung

Die Spinnenart hält sich an sehr dürren, trockenen Stellen, vor allem im niedrigen Dorngebüsch auf. Sie kommt in Europa nur im südlichen Mittelmeergebiet in Spanien etwa von Barcelona nach Süden sowie im südlichen Griechenland sowie auf Kreta vor.

Ernährung

Die Spinnenart ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta). Sie fängt ihre Beute nicht mit Hilfe von Klebtropfen, sondern mit feinsten Kräuselfäden. Diese werden im Spinnsieb, dem Cribellum produziert und mit einem Borstenkamm am Metatarsus der Hinterbeine, dem Calamistrum, auf die Haltefäden des Netzes gelegt.

Fortpflanzung

Das Männchen wird im Frühjahr geschlechtsreif, färbt sich attraktiv um, verläßt die Röhre und geht auf Partnersuche. Das Männchen hat nur ein sehr kurzes Erwachsenendasein nach der Paarung. Das Weibchen erreicht mit etwa drei Jahren die Geschlechtsreife und stellt nur einen kokonartigen Eisack her. Die äußere Hülle dieses Eikokons besteht aus Wollsträngen, an denen Beutereste haften bleiben und so die Eier vorteilhaft tarnen. Die ausschlüpfenden Jungspinnen überwintern in der mütterlichen Röhre und bleiben hier bis zu ihrer sechsten Häutung. Wie bei der Gattung Eresus werden die Jungspinnen von dem Weibchen von Mund zu Mund mit vorverdauten Nahrungstropfen gefüttert. In einer späteren Phase fressen sie gemeinsam mit dem Weibchen an der im Netz gefangenen Beute.

Einige andere, in den Tropen heimische Stegodyphus-Arten gehen noch einen Schritt weiter, indem sie umfangreiche, von mehreren adulten Tieren gleichzeitig bewohnte Netzkomplexe errichten und darin nach Art einer Kommune leben. Dabei füttern die weiblichen Tiere auch fremde Jungspinnen, die also nicht ihren eigenen Kokons entstammen. Diese Art von Sozialgefüge kommt bei der hier vorgestellten Art nicht vor.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
  • Rainer F. Foelix, Biologie der Spinnen, Thieme, 1979 ISBN 313575801X
  • Platnick, Norman I. (2008): The world spider catalog, version 8.5. American Museum of Natural History.
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