Springspinnen

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Springspinnen
Schwarze Springspinne (Evarcha arcuata)

Systematik
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Springspinnen
Wissenschaftlicher Name
Salticidae
Blackwall, 1841

Die Springspinnen (Salticidae) zählen innerhalb der Klasse der Spinnentiere (Arachnida) zur Ordnung der Webspinnen (Araneae) und hier zur Unterordnung der Echten Webspinnen (Araneomorphae).

Inhaltsverzeichnis

Diversität

In der Familie der Springspinnen werden nach Platnick (2009) 5.202 Arten in 563 Gattungen geführt. Damit sind die Springspinnen nach den Baldachinspinnen (Linyphiidae) mit 4.359 Arten, den Echten Radnetzspinnen (Araneidae) mit 2.985 Arten, den Wolfspinnen (Lycosidae) mit 2.339 und den Haubennetzspinnen (Theridiidae) mit 2.293 Arten die artenreichste Familie innerhalb der Webspinnen (Araneae) (Stand jeweils 02/2009) <1> .

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Körperlänge der Springspinnen variiert je nach Art von 5 bis etwa 20 mm. Zu den größten Arten gehört beispielsweise Phidippus johnsoni mit einer Körperlänge von bis zu 18 mm. Andere Arten der Gattung Phidippus erreichen eine Körperlänge von bis zu 20 mm. Die meisten Arten bleiben jedoch unterhalb einer Körperlänge von 8 bis 10 mm. Zu den markanten morphologischen Merkmalen gehört der gedrungene Körperbau, die relativ kurzen Laufbeinpaare sowie der abgestutzt erscheinende Stirnrand am kaum verschmälerten Vorderkörper. Ebenfalls sehr markant ist die Anordnung der Augen auf dem Vorderkörperrücken. Die Augen bilden bei fast allen Arten 3 Reihen, von denen die vorderste Reihe aus 4 Augen besteht. Die beiden mittleren Augen dieser Reihe sind ausgesprochen groß. Hinter der vordersten Reihe liegen 2 weitere Querreihen mit jeweils 2 Augen. Eine Ausnahme bilden hier die Vertreter der Gattung Lyssomanes. Bei Arten dieser Gattung liegen je 2 Augen in 4 Reihen. Die Retina der Hauptaugen (AM) bildet mehrere Lagen mit unterschiedlichen Rezeptorzelltypen und unterschiedlicher Packungsdichte. Gegensätzlich zu den Nebenaugen, die sich besonders für die Erfassung bewegter Objekte eignen, analysieren die Hauptaugen wahrscheinlich nur stationäre Objekte.

Die Körperfärbung und Zeichnung sind sehr variabel. Vor allem in den Tropen treten recht bunt gefärbte Arten mit einem metallischen Glanz in Erscheinung. Der metallische Glanz wird durch besonders strukturierte Schuppen hervorgerufen. Männchen weisen im Gegensatz zu den Weibchen meist auffallend lange Cheliceren auf, eine bürstenartige Behaarung an den Vorderbeinen, mitunter auch eine stark abweichende Färbung auf. Besonders auffällig ist die unterschiedliche Färbung der Geschlechter bei der Goldaugenspringspinne (Philaeus chrysops) zu beobachten, die in Südeuropa ihre Verbreitung findet. Aufgrund der großen Anzahl an Arten ist nicht selten auch eine Abweichung von der typischen Spinnengestalt zu beobachten. So ahmen (Mimikry) einige Arten die Gestalt von beispielsweise Käfern und Ameisen nach.
Webt Wohngespinste: die Vierpunktspringspinne (Sitticus pubescens)
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Webt Wohngespinste: die Vierpunktspringspinne (Sitticus pubescens)
So versucht beispielsweise die Rüßlerspinne (Ballus chalybeius) einen Rüsselkäfer (Curculionidae) der Gattung Strophosomus nachzuahmen. Eine andere Art, die Ameisenspringspinne (Myrmarachne formicaria), ahmt sehr erfolgreich den Habitus einer Ameise (Formicoidea) nach. Die angesprochene Mimikry soll vor allem Fressfeinde fernhalten. Die Rüßlerspinne imitiert beispielsweise den festen Chitinpanzer eines Rüsselkäfers nach, der kaum von Vögeln (Aves) gefressen wird. Die Ameisenspringspinne ahmt eine Ameise eher durch eine ähnliche Bewegungsweise als in der äußeren Morphologie nach. Sie nutzt zur Fortbewegung nur die 3 hinteren Beinpaare und läuft in nur kurzen Absätzen. Das vordere Beinpaar soll die Fühler einer Ameise imitieren. Es wird hoch erhoben getragen und dient der Orientierung. Eine andere Art aus der gleichen Gattung, die Myrmarachne plataleoides, geht noch einen Schritt weiter und ahmt eine Ameise nahezu perfekt nach. Myrmarachne plataleoides hält sich stets in der Nähe von Kolonien der Schuppenameisen (Formicinae) auf, insbesondere ist hier die Art Oecophylla smaragdina aus der Gattung der Weberameisen (Oecophylla) zu erwähnen. Sie imitiert nicht nur die Färbung der Ameisen, sondern kopiert alle Gestalteneigentümlichkeiten. So sind beispielsweise die nach vorne gerichteten Chelicerengrundglieder am Ende zu einem ameisenkopfähnlichen Gebilde umgestaltet und tragen zudem noch auf beiden Seiten einen dunklen Fleck, der ein Ameisenauge vortäuscht.

Lebensweise

Die Lebensweise der meisten Arten ist mehr oder weniger einheitlich. Springspinnen erjagen ihre Beute im Sprung, ohne dabei Fanggewebe einzusetzen. In der Regel handelt es sich um sonnenliebende Tiere, die von einer exponierten Ansitzwarte aus auf die Jagd gehen. Dennoch gibt es auch einige wenige Arten, die ein Netz bauen. Dies ist insbesondere bei Vertretern der Gattung der Portia der Fall. Im Gegensatz zu anderen Springspinnen webt beispielsweise Portia fimbriata oder Portia assamensis ein Fanggewebe. Die Netze dienen nicht nur als Wohngespinst, sondern in erster Linie der Beutegewinnung. Die Arten weben die Bahnen in der Nähe von Netzen anderer Spinnenarten, diese werden mit den Bahnen der anderen Netze befestigt und schaffen so eine einheitliche Struktur. Für Portia ist es dann sehr einfach, in die benachbarten Netze der anderen Spinnenarten einzudringen und dort Insekten (Insecta) oder Spinnen selbst durch einen Sprung zu erbeuten. Die Sprünge der Portia weisen eine Weite von 4 bis 5 Zentimeter auf. Dies ist deutlich weniger als bei anderen Springspinnen. Die Netze von Portia sind nicht klebrig, aber manchmal verfangen sich auch die Insekten in dem Netz der Spinne.

Von ihrem Spinnvermögen machen Springspinnen mitunter häufiger Gebrauch als manche andere Jäger aus der Ordnung der Webspinnen. Zahlreiche Arten weben vor jeder Häutung oder zur Überwinterung geschlossene Gespinstkammern. Einige Arten halten sich auch in der Nacht oder bei schlechtem Wetter in derartigen Gespinstkammern auf. Diese geschlossenen Gespinste weisen in der Regel 2 Ein- und Ausgänge auf. Gleiches gilt für die Gespinste, die als Einester genutzt werden. In diesen Gespinsten werden nicht selten mehrere Kokons aufbewahrt und vom Weibchen vehement bewacht. Die Gespinste befinden sich meist an geschützter Stelle wie unter loser Rinder oder unter Steinen, in Spalten oder Ritzen. Vertreter der Gattung Sitticus wie beispielsweise Sitticus fasciger oder die Vierpunktspringspinne (Sitticus pubescens) weben Wohngespinste beispielsweise in Rispen sonniger, feuchter Grasstandorte. Wieder andere Arten bauen keine eigenen Gespinste, sondern nutzen die Gespinste anderer Spinnenarten. Einige Arten der Gattung Cyrba weben keine Einester. Sie hängen die Kokons freihängend in krautiger Vegetation auf. Von Interesse ist auch der Schlupfwinkel der Aelurillus v-insignitus, die im Sand eine Grube aushebt, in die sich die Spinne bauchoben hineinlegt. Im Folgenden spinnt die Spinne durch Hin- und Herfahren der Spinndrüsen die Grubenöffnung mit parallelen Spinnfäden zu. An diesen Spinnfäden bleiben zahlreiche Sandkörner kleben, so dass die Grubenöffnung mit perlschnurartig aufgereihten Sandkörnern verschlossen ist. Andere Arten wie Arten der Gattung Diplocanthopoda leben in der Gezeitenzone auf Felsen und lassen sich bei Flut in dicht zugesponnenen Höhlungen vom Wasser umspülen. Interessant ist auch das Verhalten in der Gattung Marpissa. Die Vertreter dieser Gattung wie beispielsweise die in Mitteleuropa heimische Rindenspringspinne (Marpissa muscosa) oder Marpissa radiata zeichnen sich durch kräftige Vorderbeine aus.

Verbreitung

Springspinnen sind weltweit verbreitet. Alleine in Europa treten etwa 250 Arten in Erscheinung. Springspinnen kommen in tropischen, subtropischen und gemäßigten Regionen vor. Springspinnen kommen nicht in arktischen oder subarktische Regionen vor. Besiedelt wird sowohl die Ebene als auch Hügelland und Mittelgebirge. So kommt beispielsweise Aelurillus v-insignitus bis in Höhen von gut 1.770 Meter über NN vor. Andere Arten treten in noch höheren Lagen auf. Besiedelt werden je nach Art zahlreiche und höchst unterschiedliche Lebensräume. Artabhängig werden aride bis halbaride oder auch feuchte bis semifeuchte, zuweilen auch die Ränder von Gewässern und der Küsten der Meere besiedelt. Es werden aber auch Trockenrasen, unbewachsenes Ödland, Palmenplantagen, Olivenhaine, Wiesen und Weiden, gemischte Laubwälder, Nadelwälder, Auwaldgebiete, Eucalyptuswälder, Steppenheidewälder, Niederwälder, Streuobstwiesen, tropischer Regenwald, Buschland, Steppen, Gärten und Wohnsiedlungen bis hin zu ariden Wüsten besiedelt. Die meisten Arten leben in der Kraut- und Strauchschicht, im Fallaub oder in niedrigen Bäumen und Büschen. Zufluchtspunkte befinden sich unter loser Rinde, unter Steinen oder an ähnlichen Plätzen.

Systematik der Familie Springspinnen

Familie: Springspinnen (Salticidae) (Auswahl)

Gattung: Aelurillus
Gattung: Anasaitis
Gattung: Asianellus
Gattung: Asemonea
Gattung: Astia
Gattung: Ballus
Gattung: Bavia
Gattung: Burmattus
Gattung: Carrhotus
Gattung: Chrysilla
Gattung: Cosmophasis
Gattung: Epeus
Gattung: Eris
Gattung: Euophrys
Gattung: Evarcha
Gattung: Habronattus
Gattung: Hakka
Gattung: Harmochirus
Gattung: Hasarius
Gattung: Heliophanus
Gattung: Helpis
Gattung: Hentzia
Gattung: Holoplatys
Gattung: Hypoblemum
Gattung: Icius
Gattung: Ligurra
Gattung: Lyssomanes
Gattung: Maevia
Gattung: Maratus
Gattung: Marpissa
Gattung: Menemerus
Gattung: Mopsus
Gattung: Myrmarachne
Gattung: Naphrys
Gattung: Neon
Gattung: Ocrisiona
Gattung: Onomastus
Gattung: Opisthoncus
Gattung: Paraphidippus
Gattung: Pelegrina
Gattung: Pellenes
Gattung: Phidippus
Gattung: Philaeus
Gattung: Phintella
Gattung: Phlegra
Gattung: Platycryptus
Gattung: Plexippus
Gattung: Portia
Gattung: Rhene
Gattung: Saitis
Gattung: Salticus
Gattung: Sandalodes
Gattung: Siler
Gattung: Sitticus
Gattung: Synageles
Gattung: Synagelides
Gattung: Telamonia
Gattung: Thiodina
Gattung: Thyene
Gattung: Trite
Gattung: Tutelina
Gattung: Udvardya
Gattung: Viciria
Gattung: Zenodorus
Gattung: Zygoballus
8 Augen aufgeteilt auf 4 Reihen: Lyssomanes viridis
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8 Augen aufgeteilt auf 4 Reihen: Lyssomanes viridis

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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