Sprenkelbeutelmaus

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Sprenkelbeutelmaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Beutelsäuger (Marsupialia)
Ordnung: Raubbeutlerartige (Dasyuromorphia)
Familie: Raubbeutler (Dasyuridae)
Unterfamilie: Dasyurinae
Tribus: Dasyurini
Gattung: Parantechinus
Art: Sprenkelbeutelmaus
Wissenschaftlicher Name
Parantechinus apicalis
(Gray, 1842)

IUCN-Status
Endangered (EN)

Die Sprenkelbeutelmaus (Parantechinus apicalis) zählt innerhalb der Familie der Raubbeutler (Dasyuridae) zur Gattung Parantechinus. Im Englischen wird die Art Dibbler oder Southern Dibbler genannt.

Der Erstautor Gray beschrieb die Art erstmals 1842 als Phascogale apicalis. Später erfolgte eine Zuordnung zur Gattung Antechinus. Tate (1947) ordnete die Sprenkelbeutelmaus später in die Gattung Parantechinus ein, was auch heute noch seine Gültigkeit hat. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Sprenkelbeutelmaus erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von etwa 140 bis 145 mm, eine Schwanzlänge von 110 bis 115 mm sowie ein Gewicht von 75 bis 100 Gramm. Weibchen bleiben etwas kleiner und leichter als Männchen. Das Fell ist dorsal bräunlich bis graubraun gefärbt, ventral zeigt sich eine gräulichweiße bis leicht gelbliche Färbung. Dorsal zeigen sich zudem versprenkelt weißliche Haare. Rund um die Augen ist deutlich ein weißer Augenring zu erkennen. Der lange Schwanz ist völlig behaart, an der Wurzel relativ dick und verjüngt sich zur Spitze hin deutlich. Markantes Merkmal ist die rüsselartig verlängerte Nase, die als Tastorgan dient. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Die Kiefer sind kräftig ausgebildet und mit scharfen Zähnen versehen. Die Füße enden in Zehen, die kräftige Krallen aufweisen. Damit sind Sprenkelbeutelmäuse ausgezeichnete Kletterer.

Lebensweise

Sprenkelbeutelmäuse sind tagaktiv, wobei die Hauptaktivitäten in den frühen Morgenstunden und am späten Nachmittag liegen. Während dieser Zeit gehen die Tiere auch auf Nahrungssuche. Die Nahrungssuche erfolgt sowohl auf dem Boden als auch im Geäst von Bäumen, Sträuchern und Felsen. In den Ruhephasen halten sich Sprenkelbeutelmäuse in Erdhöhlen, Baumhöhlen, Felsspalten oder an ähnlich geschützten Stellen auf. Sie ruhen in der Regel in Nester, die im Wesentlichen aus Blättern bestehen. Sprenkelbeutelmäuse sind semigesellig und leben nicht selten in Kolonien mit mehreren Dutzend Individuen. Jedes Individuum einer Kolonie beansprucht jedoch Revier. Die Reviere der Männchen überlappen sich mit denen mehrerer Weibchen. Die Kommunikation erfolgt hauptsächlich über den gut entwickelten Sehsinn und den olfaktorischen Sinn. Während der Paarungszeit scheint auch die akustische Kommunikation eine Rolle zu spielen.

Verbreitung und Lebensraum

Vorkommen

Ursprünglich erstreckt sich das Verbreitungsgebiet der Sprenkelbeutelmäuse über weite Teile des südwestlichen Australien. Dies belegen zahlreiche subfossile Funde. Heute ist die Art nur noch in wenigen Regionen im Bereich der Küste des südwestlichen Australien vertreten. Auch auf einigen der Küste vorgelagerten Inseln. Dies sind insbesondere Boullanger, Whitlock und die Escape-Inseln. Überhaupt leben die größten Populationen auf den genannten Inseln. Auf dem Festland sind die Populationen klein und stark fragmentiert.

Lebensraum

Ursprünglich besiedelten Sprenkelbeutelmäuse aufgrund der großen Verbreitung eine große Anzahl verschiedener Lebensräume. Die heutigen Lebensräume sind vor allem durch eine dichte Bodenvegetation geprägt, die eine durchschnittliche Höhe von gut 100 cm aufweist. Häufig anzutreffende Pflanzenfamilien sind insbesondere Vertreter der Proteusgewächse (Proteaceae) und der Myrtengewächse (Myrtaceae). Je nach Verbreitungsgebiet gehören Akazien (Acacia), Melden (Atriplex), verschiedene Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae), Fächerblumen (Scaevola) zu den typischen Pflanzen im Lebensraum der Sprenkelbeutelmäuse. Man kann demnach von Heidelandschaften reden. Lokal wird auch halboffenes Buschland besiedelt. In den rezenten Lebensräumen herrscht ein durchweg mediterranes Klima. Es dominieren warme und trockene Sommer und feuchte Winter.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden zählen heute Neozoa wie der Rotfuchs (Vulpes vulpes) und verwilderte Hauskatzen (Felis catus). In offenen Landschaften zählen auch Greifvögel (Falconiformes) zu den Prädatoren. Feinden haben Sprenkelbeutelmäuse kaum etwas entgegenzusetzen. Sie suchen ihr Heil eher in der Flucht und vertrauen auf ihre vorzügliche Tarnung in dichter Vegetation.

Ernährung

Sprenkelbeutelmäuse ernähren sich als Allesfresser von Gliederfüßern (Arthropoda) wie Insekten (Insecta) sowie von pflanzlicher Kost. 2 Drittel der Nahrung entfällt auf tierische Kost, etwa 1 Drittel auf pflanzliche Nahrung wie Früchte und Beeren. Neben Insekten werden zu einem kleinen Teil auch kleine Wirbeltiere (Vertebrata) wie die Hausmaus (Mus musculus). Weit oben auf der Speisekarte stehen insbesondere Käfer (Coleoptera), Ameisen (Formicoidea), Termiten (Isoptera), Geradflügler (Orthoptera) und Schaben (Blattaria). Mangen- und Kotanalysen haben ergeben (Bencini et al., 2001), dass offensichtlich auch Vögel (Aves) und Eidechsen (Lacertidae) gefressen werden. Auf Trinkwasser sind Sprenkelbeutelmäuse nicht angewiesen, da der Wasserbedarf vollständig über die Nahrung gedeckt wird.

Fortpflanzung

Sprenkelbeutelmäuse erreichen die Geschlechtsreife gegen Ende des ersten Lebensjahres im Alter von 10 bis 11 Monaten. Die Paarungszeit der polygam lebenden Tiere ist saisonal begrenzt und erstreckt sich von Ende März bis gegen Ende April hinein. Die reine Paarungszeit ist mit kaum 3 Wochen ausgesprochen kurz. In einer Saison kommt es lediglich zu einem Wurf. Nach einer Tragezeit von 44 bis 52 Tagen bringt ein Weibchen bis zu 8 Jungtiere zur Welt. Die Jungen kriechen selbständig in den flachen Beutel und saugen sich hier an eine der Zitzen fest. Bereits im Alter von 4 Monaten erreichen die Jungen die Selbständigkeit. Die Lebenserwartung der Männchen liegt bei 2 bis 3 Jahren, die der Weibchen bei bis zu 4 Jahren. Die Tatsache, dass Männchen deutlich weniger alt werden, beruht auf einer biologischen Anpassung. In Zeiten von Nahrungsmangel kommt es unter den Männchen zu einem fakultativen Massensterben, damit Weibchen und deren Nachwuchs ohne Konkurrenz durch Männchen genügend Nahrung finden. Wodurch dieser Mechanismus ausgelöst wird, ist noch weitestgehend unbekannt.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Sprenkelbeutelmäuse gehören heute zu den stark gefährdeten Beuteltieren. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als solches (EN, Endangered) geführt. Die Hauptbedrohung geht zum einen von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume, zum anderen von Krankheiten und eingeschleppten Raubtieren (Carnivora) aus. Hinzu kommt bei Nahrungsknappheit die Konkurrenz zu anderen Tieren.

Ein großes Problem stellen verwilderte Hauskatzen und Rotfüchse dar, die den Sprenkelbeutelmäuse massiv nachstellen. Vor allem im Kot von Rotfüchsen werden die Überreste von Sprenkelbeutelmäusen oft nachgewiesen. Weite Teile des ehemaligen Verbreitungsgebietes werden von den Tieren aufgrund der weit reichenden Vernichtung der natürlichen Habitate nicht mehr besiedelt. Lokal sind sie sogar schon ausgestorben. Die Habitate wurden und werden hauptsächlich zu Gunsten der Landwirtschaft und Weideland vernichtet. Ein weiteres Problem stellen häufige Buschfeuer dar, die in Teilen noch intakte Habitate vernichten können. Vor allem in den letzten 10 Jahren haben natürliche oder vom Menschen ausgelöste Buschfeuer massiv zugenommen. Sprenkelbeutelmäuse benötigen eine dichte Bodenvegetation, da sie sonst allzu leicht für Raubtiere und Greifvögel eine leichte Beute darstellen. Krankheiten gehen vor allem von Pflanzen aus, die mit Protisten wie Phytophthora Cinnamomi, also ein- bis wenigzellige Lebewesen, die als Erreger von Pflanzenkrankheiten auslösen können, infiziert sind. In Nahrungskonkurrenz stehen Sprenkelbeutelmäuse vor allem zu Hausmäusen (Mus musculus).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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