Spinnenschildkröte

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Spinnenschildkröten
Spinnenschildkröte - Jungtier

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Landschildkröten (Testudinidae)
Gattung: Pyxis
Art: Spinnenschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Pyxis arachnoides
Bell, 1827

IUCN-Status
Least Concern (CR)

Die Spinnenschildkröte (Pyxis arachnoides), oder genauer Madagassische Spinnenschildkröte, zählt unter den Landschildkröten zur Gattung Pyxis.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Spinnenschildkröte erreicht eine durchschnittliche Carapaxlänge von rund 15 Zentimeter. In freier Natur sind auch Längen von bis zu 20 Zentimeter nachgewiesen. Die sichtbare Haut ist oliv bis leicht gelblich gefärbt. Auf dem Carapax zeigt sich eine dunkle olivfarbene bis schwärzliche Färbung, die mit gelblichen Mustern durchsetzt ist. Das Scharnier am Plastron, das nach vorne geöffnet werden kann, ist vollständig oder wenigstens zum Teil verschließbar. Der Plastron weist eine einheitlich gelbliche Färbung auf. Je nach Unterart können sich schwarze Flecken auf dem gelben Untergrund zeigen.

Unterarten

  • Pyxis arachnoides arachnoides - Bell, 1827
  • Pyxis arachnoides brygoii - (Vuillemin & Domergue, 1972)
  • Pyxis arachnoides oblonga - Gray, 1869

Verbreitung

Die Spinnenschildkröte ist im südwestlichen und südlichen Madagaskar endemisch. Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich dabei auf einen 10 bis 50 Kilometer breiten Küstenstreifen. Im Norden reicht die Verbreitung der Art bis nach Morombe. Das Verbreitungsgebiet der Spinnenschildkröte überschneidet sich in den südlichen Regionen mit dem Vorkommen der Strahlenschildkröte (Astrochelys radiata). Die Unterart Pyxis arachnoides brygooi kommt nur südlich des Flusses Mangoky zwischen den Orten Morombe und Ihotry auf. Pyxis arachnoides oblonga ist entlang der Südküste Madagaskars östlich des Flusses Menarandra verbreitet. Die Nominatform Pyxis arachnoides arachnoides ist zwischen den Flüssen Onilahy und Manambo anzutreffen. Spinnenschildkröten bewohnen ausgesprochen trockene Habitate. Beliebte Lebensräume sind lichte Trockenwälder, Dornbuschsavannen und ähnlich geartete Habitate. Zu den typischen Pflanzen in diesen Lebensräumen gelten beispielsweise Nelkenartige (Caryophyllales) wie Didiereaceae oder auch Malpighienartige (Malpighiales) wie zum Beispiels verschiedene Arten des Wolfsmilch (Euphorbia). Das Bodengrund besteht meist aus sandigem Substrat (vgl. Walker et al., 2007; Henkel und Schmidt 2000 in IUCN, 2008).

Ernährung

Spinnenschildkröten ernähren sich im Wesentlichen von jungen Blättern und ähnlichen grünen Pflanzenteilen sowie verschiedenen Früchten. Darüber hinaus wird auch Dung vermischt mit Insektenlarven gefressen. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt hauptsächlich in den frühen Morgenstunden.

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten in freier Natur ist nur relativ wenig bekannt. Die Geschlechtsreife erreichen die Tiere wahrscheinlich im Alter von 12 Jahren. Die Paarungszeit beginnt auf Madagaskar für gewöhnlich Anfang Dezember. Dies entspricht auf Madagaskar dem zeitigen Frühjahr. 2 bis 3 Monate nach der Paarung erfolgt die Eiablage. Ein Gelege umfasst 1 bis 2 recht große Eier. Die Anzahl der Gelege pro Jahr ist jedoch nicht bekannt. Die Eier werden in Mulden in sandigem Substrat abgelegt. Die Mulden werden nach erfolgter Ablage der Eier sorgsam verschlossen. Die Jungtiere entwickeln sich in den Eier in den nächsten rund 300 bis 330 Tagen. Die Lebenserwartung kann bis zu 70 Jahren betragen (Walker et al., 2004; Randriamahazo et al., 2007).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Spinnenschildkröte steht heute kurz vor der Ausrottung. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als kritisch gefährdet (CR, Critically Endangered) geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) listet die Art in Anhang I des Abkommens. Vor allem die Zerstörung der natürlichen Lebensräume und die starke Fragmentierung des Verbreitungsgebietes haben der Art in den letzten Jahrzehnten stark zugesetzt. Die Lebensräume der Spinnenschildkröte werden hauptsächlich in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt. Wälder werden für die Produktion von Holzkohle vernichtet. Eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen durch den Menschen ist dabei nicht zu erkennen. Alleine in den letzten 30 Jahren wurde rund die Hälfte aller Wälder im Verbreitungsgebiet der Spinnenschildkröte vernichtet. Geht der Raubbau an der Natur in diesem Maße weiter, so ist in wenigen Jahren die gesamte Region entwaldet. Ein weiteres Problem ist das Absammeln der Tiere für den illegalen Haustierhandel. Alleine in den Jahren 2000 bis 2004 wurde nach Walker et al. (2005) etwa 4.000 Tiere illegal in den internationalen Haustierhandel verschoben. Unberücksichtigt bleibt dabei die Dunkelziffer.

Veraltete Synonyme

  • Bellemys arachnoides (Bell, 1827)
  • Pyxis aranoides Gray, 1831
  • Pyxis madagascariensis Lesson, 1831
  • Testudo arachnoides (Bell, 1827)

Anhang

Literatur und Quellen

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